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fällige hat eine Ursache". Er will also ausdrücken, daß es eigentlich Zufall gibt. Aber wenig später gerät er mit sich selbst in Widers indem er die Bemerkung macht:Zufällig ist alles, was auch nicht ba|s könnte". Mit Recht kritisiert Schopenhauer diese Unklarheit Un berühmten Kollegen und meint, was eine Ursache hat, das muh notwendigerweise immer da tein können. Nun, wir wollen uns in solchen Spitzfindigkeiten ergehen, denn im Grunde handelt es sich.

Der Zufall, sagt einmal Schopenhauer, ist eine böse Macht, ist aber em König, der große Geschenke gibt und uns zeigt, daß nicht alCü ehrlich verdient ist.

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Der«ntwvrtlich: Dr. HanS Thhriot. - Druck und Verlag: Vrühlfche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.

II

Ganz anders liegt folgender Fall: Ein Wanderer in den Alpen von einer aus der Höhe herabbrausenden Lawine erfaßt, in die hinabgeschleudert und getötet. Sein Wanderkamerad, der wenige Sch: vorauf ist, kommt eben noch mit dem Schrecken davon. Der Ueberleb« ist ein junger Mann, der Getötete ist in reiferen Jahren und hat ganze Familie zu ernähren, die nun in tiefe Not gerät. Mußte schon e von beiden sterben, so hätte der Zufall den wählen sollen, der wenigsten Pflichten hatte, dessen Tod weniger schwere soziale Folgen sich brachte. Zergliedern wir aber die Kette von Ursache und Wir dann wird der Zufall schon nicht mehr so zufällig. Hoch oben hatte ein Adler niedergelassen: der lose Schnee rutschte unter seinen Fän das Wetter war für Lawinenbildung günstig, und so wuchs aus Klei das große Unheil, donnernd zu Tal gehend. Aber jene Stelle, an der Augenblick der Gefahr die beiden Wanderer standen, war als Low Fallrinne nicht unbekannt, die Lage der Felsen hier erleichterte Vorkommnisse. Beide wußten das, beide wußten auch, daß man j Stellen möglichst schnell überschreiten muß. Der Jüngere, Beweglich! kam nur deshalb davon, weil er eben schneller lief.

So könnte man die Zufälligkeit zerfasern, in Ursächlichkeiten spalten, aber wer will sagen, aus welchem Grunde jener Adler ausgere jenen Punkt zum Niedergehen wählte und jenen Zeitmoment? Es bli eben immer ein Rest, der unerklärbar ist, wo wir die Kette von Uri

Günther näher. Cs konnte nicht anders sein, als daß er sie scheltend be­grüßte. Was hatte sie in der Dunkelheit am Born zu tun, da jedes ehrbare Mädchen ins Haus gehörte? Und ob es oberhalb des Berges kein Wasser gebe?

Sie antwortete nicht, denn sie wußte, daß ihn alles Reden noch mehr erboste, sie sah ihn nur an und wimmerte vor sich hin, bis er fragte, was denn fei, und ihr aufstehen half.

Da hing sie nun kläglich in feinen Armen und weigerte sich, vor Schmerzen einen Schritt zu tun. Der Fuß müsse verstaucht fein Sie seufzte und bat, er mußte sie mehr tragen als führen, und das Herz jchlug ihm bis zum Halse hinauf Am Born, auf der kleinen Bank, ließ er sie niedersitzen und sah auf ihren krausen Scheitel herab, und wie die Zöpfe so schön und ebenmäßig an den Wangen niederhingen.

Sie sprach nicht, und das gefiel ihm, überhaupt wenn er nachfann: sie hatte viel geschwiegen, feit sie das erstemal den Berg herabkam. Und ein törichtes Lachen, wie die anderen Frauensleute, hatte sie auch nicht.

Warum holst du nur Immer Wasser aus meinem Born?" sagte er und spielte mit ihrem Zopfende, ohne es zu wissen.

Wißt Ihr nicht, wie die Quelle entstand? Das erzählen noch die alten Frauen hier herum. Ein Mann lebte in der Einöde und sehnte sich nach Ruhm und Liebe, aber in der Schlacht hatte er einen Arm verloren, und so konnte er nicht mehr kämpfen, den Mädchen aber ging er aus dem Wege, denn sollten sie wohl einen Einarm lieben? Eine war da, die hätte ihn wohl gemocht, so trotzig und derb er war, aber er sah immer an ihr vorbei.

Ihre Liebe war von fröhlicher Art, obgleich sie keine Hoffnung sah. Bel sich selbst hielt sie lange Gespräche mit dem Ersehnten, wie das die Weise liebender Seelen ist. Sie neckte ihn und gab ihm viele zärtliche Namen, erdachte hundert Listen, seinen Trotz zu entwaffnen, und führte doch nie eine aus.

Ein wenig wunderlich von Wesen, halb lachend, halb seufzend strich sie durch den Wald und traf den Mann zuweilen beim Beerensuchen oder wenn er mit dem linken Arm Sammelholz hinter sich herschleifte. Dann sah er Ingrimmig und traurig aus wie ein armes stummleidendes Tier. Er jammerte sie so sehr, daß sie all ihre klug erwogenen Reden vergaßj sich still an einen Baum drückte und ihn vorüberließ.

Einmal sah sie ihn bei einem Gewitter und entsetzte sich, weil er mit dem Sturm um die Wette rief und heulte, als sei er wieder in der Schlacht und der Donner der Hall der Geschütze. Er jauchzte, als der Blitz eine Eiche traf, und wäre wohl von einem nieberfaufenben Ast zu Tode getroffen, hätte bas Mädchen den Geblendeten nicht in höchster Angst zurückgertssen.

Als sie beide aus ihrer Betäubung erwachten, war der Baum vor ihne verkohlt, sie tagen am Rande des Berges, der Regen hatte tiefe Sprünge und Riffe in den Boden geprägt Der Wald dampfte, und im Grase vor ihnen sprang ein armdicker Quell, so leise und innig plaudernd, als feien die heimlichen Liebesworte des Mädchens in ihm lebendig ge­worden

Sie sahen sich um und lauschten, beugten sich vor zu dem Waffer, und bann küßten sie sich.

Die Quelle rinnt noch heute unb führt die ßiebenben zusammen, auch wenn sie lange trotzig und verschlossen voreinander tun.

Dies ist die Geschichte vom kleinen Vorn."

Sie atmete tief und strich ihr Haar zurück.

Darum holt ihr Wasser aus unserem Born, du und alle die Frauen . unb Mädchen?" Günther sprach so langsam unb leise, bah sie seine polternde Stimme nicht roiebererfannte.

Er hob ihren Krug auf unb setzte ihn wieder zur Erde, seine Hand tauchte in das Wasser unb besprengte sie, unb bann lachten beibe. Sehr glücklich. Sie fuhren erst empor aus ihrer Versunkenheit, als ber Hauswirt nach Günther rief. Da liefen sie bavon wie zwei ertappte Kinber. sonber- barerroeife buchte das Mädchen nicht mehr an den schmerzenden Fuß. Wie vor Wochen den Berg herunter, so jagten sie nun den Berg hinauf und marken sich dann lachend ins mondbeschienene Gras.

Als Günther endlich niederstieg, sah sie ihm nach unb war nach zehn Schritten wieder bei ibm, schelmisch und froh:Grüß den Born von mir unb sag ihm schönen Donk. Nun brauchst du dich nicht mehr stumm zu stellen vor den anderen Frauen, sie werden von selbst wegbleiben"

Günther fand keine Antwort. So schnell konnte er sich nicht an das neue heitere Wesen gewöhnen, er hatte zu lange gescholten. So nickte er nur und hielt in seinen großen Fäusten mit ungeschickter Zärtlichkeit ihre Hand.

Das CMeft des Zufalls.

Eine nachdenkliche Betrachtung von Bruno H. Bürgel.

Als Napoleon auf St. Helena gefangen saß, den kleinlichen Schikanen des berüchtigten .Kerkermeisters" Sir Hudson Lowe ausgesetzt, hatte er genug Gelegenheit, fein Leben und seinen beispiellosen Ausitieg und Fall zu überdenken. Kurz vor seinem Tode sprach er fein berühmt gewordenes Wort über den Zufall aus:Der einzige König auf Erden ist ber Zu­fall!" Resigniert bekannte er, daß auch seine Ruhmestaten vielfach gün­stigen, vorher nicht berechenbaren Konstellationen zu bauten seien, und wer mag es dem gefallenen Löwen verdenken, wenn er auch seinen Zu­sammenbruch dem Zufall zuschrieb, vor allem dem furchtbaren Winter des Jahres 1812, der die Katastrophe in Rußland vollendete.

lieber dieses merkwürdige Etwas, das wirZufall" nennen, sind schon seit den Tagen des griechischen Dhilosopden Aristoteles bis in die Neuzeit hinein ganze Bibliotheken scharfsinniger Betrachtungen geschrieben worden. Gibt es einen Zu kalk oder gibt es ihn nicht? Selbst so gründliche Denker wie unser großer Köniasberger Philisoph Kant sind an dieser Klivpe gescheitert. In seiner .Kritik der reinen Vernunft" sagt er:Alles Zu-

und Wirkung im Dunkel sich verlieren sehen. Zufällig fällt ein fl ausgerechnet an dem Tage die Treppe herab unb bricht ein Bein, an es zum erstenmal eine Serienreife machen soll. War es ganz so zuMi fitri War nicht die freubtge Erregung bes Kinbes schuld an ber UnachtsamÄ an ber verminderten Vorsicht? Ausgerechnet reißen uns bann I Schuhsenkel, wenn wir es sehr eilig haben, schnellstens fort müssen, 1 unfern Zug zu erreichen Ist es wirklich ber KoboldZufall", ber sich! eimnischt, um uns bas schon abgewetzte Schuhband härter anfassen w zuziehen läßt? Jemand wirdzufällig" vom Blitz getroffen, kommt f einem Eisenbahnunglück zu Schaden; aber es zeigt sich, daß auch 3l;l unb Eisenbahnunglücksfälle gewissen Gesetzmäßigkeiten gehorchen, mi bem Zufall. Der Getroffene war ßanbbriefträger. Nun, gerabe Levi arbeitet, Förster, Soldaten auf dem Marsch, kurz ßeute, die sich viel i Freien aufhalten, bem Wetter viel ausgesetzt sind im freien Geläut hüben einen hohen Prozentsatz ber vom Blitz Getöteten, unb (Eifenbeir Unfälle pflegen sich in ben allermeisten Fällen in den frühen MoM oder den späten Abendstunden und bei Einfahrten in einen Bahnho^r ereignen. Auch hier sind leicht erklärliche Ursachen hinter dem Zi°r sichtbar.

einen Wortstreit.

Vor einiger Zeit wurde ein Mann zum Tode verurteilt.Ich habet, nur dem Umstande zu verdanken", sagte er vor Gericht,daß ein äpj vom Baum fiel." Das will uns merkwürdig erscheinen, unb boch diese Bemerkung einen richtigen Sern. Der Verurteilte hatte sich n-q , i]jh| auf einen Bauernhof geschlichen, um ben Hühnerstall auszuplunbern. A, 4 war ganz gut abgegangen, vom Stanbpuntt des Diebes aus gesehen, u, er wollte sich eben davon machen, als der Bauer, die Flinte in ber hu, bas Fenster aufrih. Ein Apfel war mit schwerem Schlag auf das Fen-i, brett niebergefallen unb hatte ben Besitzer bes Anwesens aufgeweckt. J anbere schoß, ehe der Bauer schießen konnte, und tötete den Mann.

Das eben ist ber Fluch der bösen Tat" so können mir zitieren,daß sie sortzeugend Böses muß gebären!" Der Richter ni4| sich die Philosophie bes Zufalls, bie hier den Apfel verantwortlich m wollte, nicht zu eigen gemacht haben, fonbern erwog die einfache Zatfag reihe: Hättest du nicht ben Einbruch gemacht, hätten hunbert Aepfel s können, ohne die Katastrophe heraufzubeschwören; nicht der Zufall hier schuld, sondern dein wohlerwogenes Gaunerstück!

So aber ist es zumeist mit Zufällen: sie erscheinen uns als solche, wir nicht immer die ganze Kette von Ursache und Wirkung vom ersten zum letzten Glied überschauen können. Zwei Freunde haben sich seit vii Jahren nicht gesehen, obwohl sie beide in Berlin wohnen. Der eine f: zur Leipziger Messe, und plötzlich steht in ber fremben Stadt ein d Bekannter vor ihm.Welch ein Zufall!" Ja, weshalb eigentlich? ~ sind Kaufleute, beide haben Interesse daran, die Messe zu besuchen: treffen sich auf einem Gebiet, bas räumlich immerhin wesentlich kle ist als bie Viermillionenstabt Berlin, und da eine Messe ja nur k Seit dauert, ist auch die zeitliche Treffmöglichkeit hier wesentlich günsti Kas Sichfinden der beiden Freunde ist also nicht so erstaunenswert.

In der Tat sind große Erfindungen und Entdeckungen Zufälligkeit zu verdanken. Mit ganz anderen Erperimenten beschäftigt, sieht RöntDt eines Tages auf einem Leuchtschirm das Knochengerüst feiner Hand »ei entdeckt die Röntgenstrahlen. Ein junger englischer Arzt, der so beruh« gewordene Jenner, hört ganz zufällig eine Bäuerin erzählen, | L sie bei ber großen Pocken-Cmdemie verschont blieb, w-il sie vorher bur« ihre an Blattern erkrankte Kuh angesteckt worden sei. Jenner geht biei'1 J Sinnen nach und wird mit seinerSchutzvocken-Jmpfung" einer ber atoW# Wohltäter ber Menschheit. Ein Zufall führt zur Entdeckung der aktwitat. bes ersten Lustballons, des Vomellans nsw. usw. macht Glückt Glückliche, unb bennoch bleibt die Wahrheit bestehen:Glück hat auf Dauer nur ber Tüchtige!"