Vorzüge front. Mit einer etwas mannst Heren und kraftvolleren Er­ziehung würde dieses Geschlecht das unsere übertreffen Es hat den Zauder der Schönheit. Ist diesem der Zauber des Geistes nicht vor- J Kommen wir zum Schluß: die Gesellschaft kann nicht ohne die gesetz­liche Ehe bestehen, die sie fortpflanzt und ewig macht. Man muß die jungen Psianzen, die man zu Trägern der Nachkommenschcht heran­bildet, so pflegen, daß das männliche roie das weibliche Wesen die Pflichten von Familienhäuptern gleich gut erfüllen können Vernunft, Geist Gaben, Sittlichkeit und Anstand dienen alle gleichermaßen der Erziehung zur Grundlage, damit die die sie empfangen haben sie denen weitergeben können, denen sie das Leben geben tperben. Mich empört, daß man sich in diesem rauhen Lande so bemüht. Ananas, Bananen und andere südländische Pflanzen roeiterrubringen, und sich so wenig Mühe für die Menschen gibt Man mag sagen was man will, aber ein Mensch ist mehr wert als alle Ananas der Welt Die Men­schenpflanze muß man pflegen, sie verdient unsere Sorgen und unsere Mühe, denn sie ist die Zier und der Ruhm des Vaterlandes.

Zimmerspruch.

Von Ludwig Uhland. Das neue Haus ist aufgericht't. Gedeckt, gemauert ist es nicht, Noch können Regen und Sonnenschein Bon oben und überall herein: Drum rufen wir zum Meister der Welt, Er wolle von dem Himmelszelt Nur Heil und Segen gießen aus Hier über dieses offne Haus.

Zuoberst rootl' er gut «Gedeihn In die Kornböden uns verleihn. In die Stube Fleiß und Frömmigkeit, In die Küche Maß und Reinlichkeit, In den Stall Gesundheit allermeist, In den Keller dem Wein einen guten Geist; Die Fenster und Pforten mott' er weihn, Daß nichts Unselig'- komm' herein. Und daß aus dieser neuen Tür Bald fromme Kindlein springen für. Nun, Maurer, decket und mauert aus! Der Segen Gottes ist im Haus.

Der letzte Groschen.

Von Hans Breiteneichner.

Er hatte seine Hotelrechnung bezahlt und dabei einige Münzen zurückerhalten. Es war nicht schwer, mit einem einzigen Blick sestzu- ftetten, daß der Betrag in Ordnung ging, und sicher wäre es ein Leichtes gewesen mit einem einzigen ©riff das Geld einzustreichen. Trotzdem nahm Henning jede einzelne Münze mit seinen gepflegten, schmalen Händen wie etwas Kostbares auf, ja es schien sogar, als vollführe er damit eine besondere Handlung.

Haben Sie noch niemals gesehen, wie jemand Geld nimmt? fragte er nicht ohne leichten Spott.

Tausendmal und noch öfter. Aber daran liegt es ja gerade. Stets griffen die Hände, die ich sah, in mechanisch achtlosen Bewegungen nach dem Geld. Sie hingegen, Herr Henning, obwohl für Sie als Bankier die Beschäftigung mit Geld noch weit alltäglicher ist, als für andere Menschen, überraschen mich in dieser Hinsicht."

Einen Augenblick lang zögerte Henning, bevor er antwortete.

Gerade deshalb, weil ich seit dreißig Jahren immer nur mit Geld zu tun habe, kann ich nicht wie ein anderer achtlos danach greifen." Er lächelte bedeutungsvoll.Ich habe noch ein wenig Zeit. Wollen wir uns dort an jenen Tisch setzen?"

Bisher hatte Henning noch mtt keinem einzigen Wort von seinem Beruf gesprochen. Offen gestanden, und nun hatte ich sogar Angst, er würde mich langweilen. Er war sehr reich und galt als Spezialist für Währungsfragen, Er hatte schmale, fast blutleere Sippen und eine sehr hohe Stirn. Man betrachtete ihn als eine Art lebende Rechen­maschine.

Es ist ein großer Irrtum, anzunehmen, Geld sei nur eine leblose Sache, wie man im allgemeinen leblose Dinge zu bezeichnen pflegt'', erklärte er.Man vergißt, daß der Mensch alles, was in feinem Lebens­kreis liegt, in besondere Beziehungen zu sich bringt und toten Gegen­ständen daraus manchmal sogar ein eigenes Beben, selbständige Wir­kungen zu verleihen vermag. So ist es auch mit dem Geld "

Henning hielt noch ein Fünsmarkstück in der Hand, das er nun auf den Tisch legte.

Ein Beweis für meine Worte: dieses Geldstück. Sein Wert, oder sagen wir besser, seine Kaufkraft bleibt die gleiche, ob ich ober ein anderer es benützen. Aber nehmen wir an, irgend jemand, der, voll­kommen mittellos, sich entschließt, ein neues Leben zu beginnen, hält dieses Fünfmarkstück der Hand. Hat dann diese Münze nicht eine ganz andere, ungeheuer^ Kraft, ist sie in diesem Fall nicht eine voll­kommen andere, als wenn Sie oder ich sie besitzen. Umgekehrt, stellen wir uns vor, ein Reicher hätte sein ganzes Gelb verschwendet ober am Spieltisch verloren, und nur noch diese einzige Münze ist ihm geblieben.

achtete mich, wie ich La!" sagte ich.Nu

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Pfennigstück. ...

Hätte ich diesen Groschen eine Stunde früher entdeckt, ich mut« vielleicht ein Stück Brot dafür gekauft haben, so aber verzichtete ich daraus. Ich stand am Kai, ein kleiner Junge, ungefähr neun Jahre alt ' '') in den Taschen wühlte.

yar tagte tcy.mirnm! Der Groschen gehört dir!"

Der Junge faßte nach meiner Hand, und schon wollte er davon- laufen, wahrscheinlich zum nächsten Krämer, um sich eine Leckerei zi

»'regte Bewegungen gemacht, bis ich dann darauf kam, es wäre (lüget in einer längeren Rast neue Kräfte zu sammeln.

Während ich nun langgestreckt im Boot lag, dachte ich daran, da! ich, falls auch der neue Versuch sich wenig erfolgreich anlassen würde den Sack einfach um einige Steine erleichtern konnte.

Zehn Minuten mochten vergangen sein, feit ich im Boot lag, all ich plötzlich durch laute Geräusche aufgeschreckt wurde.

Ein Polizeikutter kam auf mich zu, die Beamten, noch ehe ich si fragen konnte, was sie von mir wollten, faßten mich ziemlich rauf) ® und erklärten dann, ich würde so lange unter ihrer Obhut bleiben, bi: ich meinen Entschluß, mir das Leben zu nehmen, auf gegeben hätte.

Nun, schon einen Tag daraus sah ich die Welt wieder mit gan| anderen Augen, mein Vater hatte durch einen Zufall von meiner miß­lichen Lage, die ich ihm aus Stolz verschwiegen hatte, erfahren, iffll war gekommen, um mir zu helfen."

Nun schwieg Herr Henning und schaute sinnend vor sich hin.

Ich verstehe noch nicht, was diese Begebenheit mit dem zu tu* hat, wovon Sie zuerst gesprochen haben? Daß die Polizei Sie über raschle und Sie zwang, Ihren Plan aufzugeben, ist zwar ein Glück- fall, Herr Henning, aber .. "

kaufen. . .

Halt! Es ist mein letztes Geld!" sagte ich.Du sollst es In dem Sparbüchse stecken, oder sonst etwas Besseres damit an fangen, als bi damit vor hast."

Warum ich dies zu dem Jungen sagte, weiß ich nicht. Vielleich aber hatte ich einen Augenblick lang daran gedacht, daß diese vergessm Münze eigentlich Glück bringen sollte. Mir selbst? Nein! Es ist nut einmal so, daß man, wenn man vor Ernstem, Entscheidendem stehl nicht mehr an Glücksdinge und ähnliches auch nur leichthin oder in

Glauben Sie nun daran, daß auch in diesem Augenblick dem Geldstück, dem letzten, das dieser Mann besitzt, eine besondere Bedeutung zu- kommt?"

Ich mußte widersprechen: , .. ,. .

Meiner Ansicht nach wird der Verschwender, der leidenschaststch, Spieler auch seine letzte Münze, ohne dabei etwas zu benten, ben gleichen Weg gehen lassen, den schon das andere Geld gegangen ist.

Aber nur, weil er nicht weiß, welche Geheimnisse diesem letzten Geldstück innewohnen", antwortete Henning, als hätte er meinen Ein­wand erwartetDie wenigsten Menschen wissen darum, unb nur des­halb wird in dieser Beziehung so viel gesündigt; stürzen sich so uni so viel Menschen ins Unglück, anstatt ihre letzte Chance zu erfassen Immer wieder kann man hören: Alles habe ich verloren, sott es auch darauf nicht mehr ankommen!

Ich will Ihnen bei dieser Gelegenheit etwas aus meinem eigenen Leben erzählen: j , , _ . .

Es ist chon sehr lange, fast unendlich lange her. Zwanzig Jahn war ich damals alt. Leichtsinnig war ich gewesen, aber auch das Un­glück hat mich besonders hartnäckig verfolgt. Ich war am Ende meine, Kraft, und weil. mir auch großes Unrecht geschehen war, entschloß ich mich aus Trotz'zu sterben. Sie schauen mich so ungläubig anr Ich wiederhole: ich war zwanzig Jahre; und auf was alles kommt mar, nicht in diesem Alter! .,

Es war in einer Hafenstadt. Von einem Freund hatte ich mir ein Ruderboot ausgeliehen. Ich wollte so weit ins Meer hinausrudern, daß man mich vom Kai aus nicht mehr sehen konnte, und dann ms mailet springen. Ich hatte mir einen großen Sack ins Boot gelegt und ihn mit schweren Steinen gefüllt. Ihn gedachte ich mit mir zu verbinden: Aus diese Weise würde dann alles viel rascher gehen, und ich rouflx bestimmt niemals vom Grunde des Meeres hochkommen.

Alles war zur Tat vorbereitet. Meine wenigen Wertsachen, dii Uhr, Ringe und ähnliches waren längst verpfändet; ich durchsuchte aUi Taschen genau, da sand ich im zerrissenen Futter versteckt, ein Zehn-

Dle Polizei hätte niemals eingegriffen", unterbrach er mich, fle nicht von anderer Seite auf mein ungewöhnliches Verhalten i® Boot aufmerksam gemacht worden wäre. Am Kai stand ein Fernroht durch das man weit aufs Meer binnusfdjauen konnte, aber nur, wenn mi* zuvor durch einen schmalen Schlitz ein Zehnpfennigstück eingeworst* batte. Und in der Tat. niemand anders war es gewesen, als ein ('ein!' Junge, der durch das Fernrohr geschaut hatte und keine andere Münz' als der Groschen, den ich dem Jungen geschenkt hatte, mein l-etzü* Groschen, hatte mir auf diese Weise das Leben gerettet."

Spaß glauben kann.

Geh' nur zu!" forderte ich den Jungen auf, der wohl schon fürchtet haben mochte, er müsse den Groschen wieder zurückgeben.

Ich stieg In mein Boot und ruderte eine Viertelstunde lang gestrengt. Ich stellte fest, daß ich nun, unbeobachtet vom Land aus, übet Bord gehen konnte und band den Strick, an dem der Stein sack be­festigt war, um meine Schultern. Dann machte ich mich daran, dii schwere Last über den Bootsrand zu heben. Das Boot war ziemlich tief bis knapp tzu den Knien brachte ich den Sack hoch, aber weil der oben Teil des Bootes nach innen gewölbt war, hatte ich nun ungeahnt« Schwierigkeiten. Sicher hatte ich den Sack ein wenig zu schwer gefüllt aber auch der Umstand, daß Ich entkräftet war, nicht nur, weil ich feil Tagen nichts mehr gegessen hatte, trug dazu bei, mein Vorhaben beim ersten Versuch mißlingen zu lassen. Wohl eine Viertelstunde lang hott ich mich abgemüht, in meiner Ohnmacht vielleicht auch allzu sinnlose uni

Terenttoortltd): Dr. Hans Thhriot. Druck und »erlag: DrÜhlsche UniversitStSdruckerei 2t. Sange, Gießen.