Wer von der Schönen zu scheiden verdammt ist ...
Von I. W. von Goethe.
Wer von der Schönen zn scheiden verdammt ist, Fliehe mit abgewendetem Blick!
Wie er, sie schauend, im Tiefsten entstammt ist, Zieht sie, ach! reißt sie ihn ewig zurück.
Frage dich nicht in der Nähe der Süßen: Scheidet sie? Scheid ich? Ein grimmiger Schmerz Fasset im Kramps dich, du liegst ihr zu Füßen, Und die Verzweiflung zerreißt dir das Herz.
Kannst du dann weinen und siehst sie durch Tränen, Fernende Tränen, als wäre sie fein:
Bleib! Noch ist's möglich! Der Liebe, dem Sehnen Neigt sich der Nacht unbeweglichster Stern.
Fasse sie wieder! Empfindet selbander Euer Besitzen und euren Verlust!
Schlägt nicht ein Wetterstrahl euch auseinander, Inniger dränget sich Brust nur an Brust.
Wer von der Schönen zu scheiden verdammt ist, Fliehe mit abgewendetem Blick!
Wie er, sie schauend, im Tiefsten entflammt ist, Zieht sie, ach! reißt sie ihn ewig zurück.
hatte. Er ist von mittlerer Gröhe, trägt sich steif und geht auch so; fein Gesicht ist verschlossen, aber sein Auge sehr eindrucksvoll, lebhaft, und man hängt mit Vergnügen an seinem Blicke. Bei vielem Ernst hat seine Miene doch viel Wohlwollendes und Gutes. Er ist brünett und schien mir älter auszusehen, als er meiner Berechnung nach wirklich sein kann. Seine Stimme ist überaus angenehm, seine Erzählung fließend, geistvoll und belebt; man hört ihn mit überaus vielem Vergnügen; und wenn er bei gutem Humor ist, welches diesmal so ziemlich der Fall war, spricht er gern und mit Interesse. — Unsere Bekanntschaft war bald gemacht und ohne den mindesten Zwang; freilich war die Gesellschaft zu groß und alles auf seinem Umgang zu eisersüchtig, als daß ich viel allein mit ihm hätte sein oder etwas anderes als allgemeine Dinge mit ihm sprechen können.
Hölderlin, 19. Januar 1795:
'Auch mit Goethen wurd ich bekannt. Mit Herzpochen ging ich über seine Schwelle in Weimar. Das kannst Du Dir denken. Ich traf ihn zwar nicht zu Hause, aber nachher bei der Majorin v. Kalb. Ruhig, viel Majestät im Blicke und auch Liebe, äußerst einfach im Gespräche, das aber doch hie und da mit einem bittern Hiebe aus die Torheit um ihn und ebenso bittern Zuge im Gesichte — und dann wieder von einem Funken seines noch lange nicht erloschenen Genies gewürzt wird, — so sand ich ihn. Man sagte sonst, er sei stolz; wenn man aber darunter da^ Nieder- drückende und Zurückstoßende im Benehmen gegen unsereinen verstand, so log man. Man glaubte oft einen recht herzguten Vater vor sich zu haben. Noch gestern sprach ich ihn hier in Jena im Klub.
Jean Paul, 18.Juni 1796:
Gleichwohl kam ich mit Scheu zu Goeche. Die Oscheim und jeder malte ihn ganz kalt für alle Menschen und Sachen auf der Erde. — Ostheim sagte: Er bewundert nichts mehr, nicht einmal sich; — jedes Wort sei Eis, zumal gegen Fremde, die er selten vorlasse; er habe etwas Steifes, reichsstädtisch Stolzes — bloß Kunstsachen wärmen noch seine Herznerven an, daher ich Knebel bat, mich vorher durch einen Mineralbrunnen zu petrifizieren und zu inkrustieren, damit ich mich ihm etwan im vorteilhaften Lichte einer Statue zeigen könne. — (Ostheim rät mir überall Kälte und Selbstbewuhtsein an.) Ich ging ohne Wärme, bloß aus Neugierde. Sein Haus (Palast) frappiert: es ist das einzige in Weimar im italienischen Geschmack, mit solcher Treppe, ein Pantheon voll Bilder und Statuen; eine Kühle der Angst presset die Brust, — endlich tritt der Gott her; kalt, einsilbig, ohne Akzent. Sagt KnebeOz. B.: Die Franzosen ziehen in Rom ein. — Hm! sagt der Gott. Seine Gestalt ist markig und feurig, sein Auge ein Licht (aber ohne angenehme Farbe). Aber endlich schürete ihn nicht bloß der Champagner, sondern die Gespräche über die Kunst, Publikum usw. sofort an, und — man war der Goethe. Er spricht nicht so blühend und strömend wie Herder, aber scharf bestimmt und ruhig. *
Voß, 9. April 1804: . , . £ . .
Ihm bei Tische gerade entgegen zu fitzen und in sem feuriges treses Auge zu blicken, ist eine wahre Wonne. (Goethe sagt selbst einmal was Aehnliches in seinem .Götz'.) Es drückt sich in seinen Zügen bei aller Majestät so viel Güte und Wohlwollen aus. Nie aber ist er angenehmer und liebenswürdiger als des Abends in seinem Zimmer, wenn er aus- aezoqen ist und entweder mit dem Rücken gegen den Ofen steht oder auf dem Sofa fitzt. Ja, da wird es unmöglich, sich ihm nicht hiNzugeben. Ob es die Ruhe macht, die abendliche -Stille, das Gefühl der Erholung von oft schweren Arbeiten, ober was es ist: dann ist er am heitersten und gesprächigsten, am offensten und herzlichsten. Ja, Goethe kann die Her^ lichkeit selbst sein. Dann hat sein manchmal furchterregender Blick auch alles Schreckhafte verloren.
Johanna Schopenhauer, 28. November 1806: .
Welch ein Wesen ist dieser Goethe! wie groß und rote gut! da ich nie weiß ob er kommt, so erschrecke ich jedesmal, wenn er ins Zimmer tritt- es ist als ob er eine höhere Natur als alle übrigen wäre; denn ick sehe deutlich, daß er denselben Eindruck auf alle Übrigen macht, die ihn doch weit länger kennen und ihm zum Teil auch weit naher stehen als ich Er selbst ist immer ein wenig stumm und auf eine Art immer verlegen wenn er kommt, bis er die Gesellschaft recht angesehen Hatzum au wissen wer da ist. Er setzt sich bann immer dicht neben mich, etwas rurück so daß er sich-aus die Lehne von meinem Stuhle stutzen kann; ich fange'dann zuerst ein Gespräch mit ihm an, bann wird er (ebenbtg unb unbeschreiblich liebensroürbig. Er ist das vollkommenste Wesen baß ich kenne, auch im Aeußeren; eine hohe, schöne Gestalt, die sich sehr gerade hält sehr sorgfältig gedeihet, immer schwarz oder ganz dunkelblau die Haare recht geschmackvoll frisiert und gepubert, rote es seinem Alter atcmt, unb ein gar prächtiges Gesicht mit zwei klaren braunen Augen die mild unb durchbringend zugleich sind. Wenn er spricht, verschönert er sich unglaublich; ich kann ihn bann nicht genug ansthen. Er spricht von allem mit, erzählt immer zwischendurch kleine Anekdoten, brück niemand durch seine Größe. Er ist anspruchslos wie em Kind; es ist unmöglich, nicht Zutrauen zu ihm zu fassen, wenn er mit einem spricht, und doch imponiert er allen, ohne es zu challen. Letztens trug ich shm feine Tasse zu wie das in Hamburg gebräuchlich ist, daß sie nicht kalk würde unb er küßte mir bie Hand. Alle die in ber Nahe waren, sahen es mit einer Art Erstaunen. Es ist wahr, er steht so königlich aus: daß bei ihm die gemeinste Höflichkeit wie Herablassung erscheint, unb er selbst scheint bas gar nicht zu wissen, sonbern geht jo hin in feiner stillen Herrlichkeit wie die Sonne. *
E v. Psuel, 22. August 1810: , , .
Spaßhaft ist es, zu sehen, wie ber alte Meister diejenigen behandelt, welche im Bewußtsein eigener Berühmtheit sich an ihn drangen und ihr. “nieUig s Streben bei ihm geltend machen wollen. Unter anderen begegnete er Campe im Saale zu Karlsbad. Dieser sagte Goethen eine
Bildnis eines großen Menschen.
Goethe in der Schilderung seiner Zeitgenossen: zu seinem Geburkstage am 28. August.
3. Ch. Kestner, Mai 1772:
Er ist in allen seinen Affekten heftig, hat jedoch oft viel Gewalt über sich. Seine Denkungsart ist edel, von Vorurteilen so viel frei, handest er, wie es ihm einfällt, ohne sich darum zu bekümmern, ob es andern gefällt ob cs Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhaßt. Er liebt die Kinder und kann sich mit ihnen sehr beschäftigen. Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeußerlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen könnte. Aber bei Kinbern, bei Frauenzimmern und vielen anderen ist er doch wohl angeschrieben. Für das weibliche Geschlecht hat er sehr viele Hochachtung.
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Heinse, 13. September 1774: . „ . „
Goeche war bei uns, ein schöner Junge von fünfundzwanzig Jahren, der vom Wirbel bis zur Zehe Genie und Kraft und Stärke ist; ein Herz voll Gefühl, ein Geist voll Feuer mit Adlerflügeln ...
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H. Jacobi, 17. August 1774: _ ,, „ ........
Je mehr ich's überdenke, je lebhafter empfinde ich die Unmöglichkeit, dem, der Goethe nicht gesehen, noch gehört hat, etwas Begreifliches über dieses außerordentliche Geschöpf Gottes zu schreiben Goethe ist, nach Heinses Ausdruck, Genie vom Scheitel bis zur Fußsohle; ein Besessener, füge ich hinzu, dem fast in keinem Falle gestattet ist, willkürlich zu handeln Man braucht nur eine Stunde bei ihm zu fein, um es tm höchsten Grade lächerlich zu finden, von ihm zu begehren, daß er anders denken unb handeln soll, als er wirklich denkt und handelt.
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Wieland, 13. November 1775:
Ich muß Ihnen sagen, daß feit letztem Dienstag Goethe bei uns ist, und daß ich den herrlichen Menschen binnen drei Tagen so herzlich liebgewonnen habe, so ganz durchschaue, suhle und begreife, s 9 3 von ihm bin - wie Sie besser sich selbst vorstellen, als ich Ihnen beschreiben könnte. *
Jffland, 29. Dezember 1779: hi
Goethe hat einen Adlerblick, der nicht zu ertragen -st; Wenn er die Augenbrauen in die Höhe zieht, so ist s, als ginge der Hirnknochen m .
Ich lernte ^Goethe" zuerst^ an einem Tage pe r f ö n I i^f e n n e ntimf e tne Menschlichkeit sich ganz heilig und rem offenbarte Er gab ein Kinder fest in-einem ©arten unweit Weimar. Es galt, Osterewr auszuwittern. Die muntere Jugend, worunter auch kleine Herder und Wielande w , zerschlug sich durch den Garten und balgte sich bei dem Entdecken der schlau versteckten Schätze mitunter nicht wenig. . |h
Ich erblicke Goethe noch vor mir. Der stattliche Mann im goldve brämten blauen Reitkleide erschien mitten in d'efer mutwilligen Oueck- silbergruppe als ein wohlgewogener, aber ernster Vater der Ehrsurcht unb Liebe gebot. Er blieb mit den Kindern beisammen bis nach' s°un°n Untergang unb gab ihnen am Ende noch eine Naschpyram de preis, welche die Cocagnen zu Neapel gar nicht übelnachbildet.
der an der Kindheit und an der Musik Ergehen fmdet, st em ed Mann, wie schon Shakespeare behauptet, welchen Satz mir auch die Erfahrung mehr als einmal in das Buch meiner heiligsten Wahrheiten einschrieb. *
Sein Aster Andllck stimmt^die hohe Meinung ^«nAich tief herunter, die man mir von dieser anziehenden und schonen Figur beigebracht


