Hreitag, -en 4. Juni
Nummer 42
Roman von Theodor Fontane
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Jahrgang 1937
Uncke begleitete dies Wort mit einer Kopfbewegung, die seine respektvolle Stellung (aber doch auch nicht mehr) zum lieben Gott ausdrücken . sollte. Dubslao sah es und erheiterte sich Dann fuhr er in rasch wachsender guter Laune fort: „Ja, Uncke, wir haben so manchen Tag miteinander gelebt. Denke gern daran zurück — sind noch einer von den Alten. Und der Pyterke auch Was macht er denn?"
„Ah, Herr Major, immer noch tüchtig da; schneidig", und dabei rückte er sich selbst zurecht, wie wenn er die überlegene Stattlichkeit seines Kollegen wenigstens andeuten wolle.
Dubslav verstand es auch so und sagte: „Ja, der Pyterke; natürlich immer yoch zu Roß. Und Sie, Uncke, ja. Sie müssen laufen wie'n Landbriefträger. Es hat aber auch sein Gutes; zu Fuß macht geschmeidig, zu Pferde macht steif. Und macht auch faul. Und überhaupt, Gebrüder Beeneke is schon immer das Bests. Da kann man nicht zu Fall kommen. Aber jeder will heutzutage hoch raus. Das is, was sie jetzt die .Signatur der Zeit' nennen. Haben Sie den Ausdruck schon gehört, Uncke?"
„Zu Befehl, Herr Major."
„Und die Sozialdemokratie will auch hoch raus und so zu Pferde sitzen wie Pyterke, bloß noch viel höher. Aber das geht nicht gleich so.
Danos, picta
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Sabe jeden Morgen auf den Frühstllckstisch gestellt wurde.
„Siehst du, Engelke", sagte er nach einer Woche, „daß ich mich s>i:der wohler fühle, das macht die Wabe. Denn man muß jedes Fiffel- mitessen, Wachs und alles, das hat er mir eigens gefegt. Das is Htäb [0 wie beim Apfel die Schale; die Hai die Natur so gewollt und is •ft Fingerzeig und muß respektiert werden."
„Ich bin aber doch für abschälen", sagte Engelke, „Wenn man so pit, was mitunter alles dran ist ..."
i, „Ja, Engelke, ich weiß nicht, du bist jetzt so fein geworden. Aber ich ” noch ganz altmodisch. Und dann glaub ich nebenher wirklich, daß in «Oft Wachs die richtige, .gesamte Heilkraft der Natur' steckt, fast noch ^ehr als in dem Honig. Krippenstapel übrigens is jetzt auch so furchten gebildet und hat so viele feine Wendungen, wie zum Beispiel die
der .gesamten Heilkraft'. Aber so fein wie du is er doch noch lange M, barauf will ich mich verschwören. Und auch darauf, daß er sich
In dieser guten Laune verblieb Dubslav eine ganze Weile, sich mehr uu mehr zurechtlegend, daß er sich die Quälerei mit all dem andern fi-’ffi eigentlich hätte spuren können; „denn wenn alles drin ist, so 'l1 auch Bärlapp und Katzenpfötchen drin und natürlich auch
nein finden und sich wohl oder übel zufrieden geben Uebrigens der Alten natürlich auch das Kind ein. Da fitzt gs am Fen- - — lamm mal her, Agnes, und sage, daß du hier auch was lernst. Sch hab ihr nämlich Bücher gegeben, mit allerlei Bildern drin, und seit lorgestern auch eine Götterlehre, das heißt aber noch eine aus guter, inständiger Zeit und jeder Gott ordentlich angezogen. Und da lernt sie, zlaub ich, ganz gut. Nicht wahr, Agnes?"
Agnes knickste und ging wieder auf ihren Platz.
„Und dann hab ich dem Kind auch unfern Dragoner und die Mühle legeben. Also unsre besten Stücke, soviel ist richtig. Ich denke mir aber, nein Museumsdirektor wird über diesen Eingriff nicht böse sein. Eigent- ch is es doch besser, das Kind hat was davon als die Spinnen. Und »as macht denn Ihr Oberlehrer in Templin? Hat er wieder was qe- inben?"
r. Und er kommt auch noch höher. Und wenn wird er Papst. Und dann wollen wir uns viel geb ich nicht"
Ite dies Gespräch führten, saß Agnes wie — halbem Ohre hinhörend, und so wenig sie
doch gerade genug. Krippenstapel war
Großmutter war ein böser Geist. Aber das SSL SS lls ob ihr ein Märchen erzählt würde. Sie
-em Leben gehört und war wohl dazu be-
-s zu hören. Ihr Gesichtsausdruck blieb denn s'blob so hin, und daß sie dies Wesen hatte, vas war es recyr eigenrilch, was den alten Herrn so an sie fesselte. cmtfert^11^' mOtn^ die Menschen ansah, war anders als das der
Engelke hatte sich in die nebenan gelegene Dienststube zurückgezogen; em heller Schein fiel von der Veranda her durch die Balkontür und gab etwas dunklen Zimmer mehr Licht als es für gewöhnlich zu haben pflegte. Dubslav hielt die Kreuzzeitung in Händen und schlug nach einem Brummer, der ihn immer und immer wieder umsummte Verdammte Bestie , und er holte von neuem aus Aber ehe er zu chlagen konnte, kam Engelke und fragte, ob Uncke den gnädigen Herrn sprechen dürfe. a '
„Uncke, unser alte Uncke?"
„Ja, gnädger Herr."
,, "'Ho, natürlich. Kriegt man doch mal wieder nen vernünftigen Men- I<hen zu sehn. Was er nur bringen mag? Vielleicht Verhaftung irgendwo: Demokratennest ausgenommen. a b
Agnes horchte. Verhaftung! Demokratennest ausgenommen! Das war doch noch besser als ein Märchen „vom guten und bösen Geist".
Inzwischen war Uncke eingetreten, Backenbart und Schnurrbart wie gewöhnlich, fest angeklebt. In der Nähe der Tllr blieb er stehen' und grüßte militärisch. Dubslav ober rief ihm zu: „Nein, Uncke, nicht da So weit reicht mein Ohr nicht und meine Stimme erst recht nicht Und ich denke doch, Sie bringen was. Was Reguläres. Also ran hier Und wenn es lucht was ganz Dienstliches is, so nehmen Sie den Stuhl da "
„Ja, Herr Major. Münzenfund."
„Na, das is immer das beste. Vermutlich Georgstaler oder so was; dreißigjähriger Krieg. Es war ja ne gräßliche Zeit. Aber daß sie damals tus Angst und Not soviel verbuddelt haben, das is doch auch wieder ein Segen. Is es denn viel?"
„Wie man's nehmen will, Herr Major; praktisch und profan ange- chen ist es nicht viel, aber wissenschaftlich angesehen ist es allerdings viel, iämkich drei römische Münzen, zwei von Diokletian und eine von tiracalla."
„Na, die passen wenigstens. Diokletian war ja wohl her mit der
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
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A"S°r.hut ober rote Spanholz sagt: .Die Digitalis'. Engelke freilich wollte b*efen. SoPOifterefen nichts wissen; sein Herr aber ließ sich burch el mcy stören und fuhr vielmehr fort: „Und dann, Engels macht es doch auch einen Unterschied, von wem eine Sache kommt Die Katzenpfötchen kommen von der Buschen, und die Wabe kommt von "sto, hinter der Wabe steht ein guter Geist ’ ““ " steht ein böser Geist. Und das kannst bü
tselhaftigkeiten liegt sehr viel im Leben, und ätsche gibt, so ist das ganz was anders, wie md gibt. Koseleger hat solche weichen Finger ;roßen Ring." perintendent."


