flüsterte er
Ich hörte । Gebüsch neben war in diesem
Eine halbe Wassergraben, klebten wir an nur durch die
französischen Posten In die Nacht hinaus. Zwanzig Strohbündel, die wir vorbereitet hatten, stammten aus einmai empor, und schon krachten die Berte unserer Bauern gegen das Tor. Es war nach dem Sturm nur notdürftig geflickt worden und hielt nicht stand. Dir Flügel fplckterten und stürzten nach innen. Unsere Leute setzten den Fuh in di« Mouer- vorsprünge, einer half dem andern, rote Katzen kletterten sie empor, an mehreren Stellen zugleich drangen wir ein.
Der Kamps war kurz aber furchtbar. Die Polen, durch den unvermuteten Angriff von einer, der Stadt ab gekehrten Sette, überrascht, wehrten sich tapfer. In den engen Gängen dröhnten die Schüsse, die heiligen Mauern brüllten hundertfachen Widerhall, von Zelle zu Zelle wälzte sich Flucht und Verfolgung, im Kreuzgang stauten sich die Klumpen der ineinander Verkrampften, aus denen Arme mit Messern Hochfuhren und in stöhnendes Fleisch niederstiehen. Bis m die St^e tobte das Getümmel, und hinter dem Altar verröchelten die letzten Gehetzten.
Und wie in Dorfnächten Gebell und Geheul eines fernen Hundes alle andern zu wildem Gekläff aufrührt, so erweckte der Lärm unseres »es den ganzen Umkreis der belagerten Stadt. Gewehrfeuer knot- ie Gräben entlang und von den Mauern, die Geschütze erhoben ihre Stimmen, und durch ein verziertes Spitzboaensenster sah ich, wie sich die Brandruten der Bomben über die StoStt bogen und aus thr über den Nachthimmel hochsuhren.
Ich bemerkte dies und noch vieles andere, wahrend mir anderes wieder ununterscheidbar ineinander verschwamm, denn ich befand mich in einem seltsamen Zustand zwischen Hellsichtigkeit und Betäubung Auch die Zeit schien mir irgendwie verändert, Dinge, die gewiß nur Sekunden in An pruch nahmen, schienen sich mir langsam hinzudehnen, wahrend andere, die wohl längeres Geschehen fein mochten, zu einem Augenblick
zusarnmenfielen.
Ich schoß die Büchse, die ich erhalten hatte irgendwohin ab, wo ich Feinde vermutete, aber ich weiß nicht, ob ich jemand getroffen habe. Ich sprang und stieß und schlug zu wie tm Traum, Pölich wieder «us- gerissen durch ein unnatürlich waches Erfassen eines Bildes und bo» Bedauern, seiner nicht durch den Stift Habhast werden zu können. Bei alledem war nicht eine Spur von Furcht in mir, ich handelte unter einem Zwang, ohne mir von irgend etwas Rechenschaft zu geben, aber es war da eine Helle Zuversicht, daß ich nicht hier, nicht jetzt den Tod
N"ben"mir sah ich bisweilen Miguel aus Staub und Pulvergewölk austauchen und wieder darin verschwinden, auch Saniago Sas war immer in meiner Nähe. So widerwärtig er mir in seiner glatten Hinter- Hastigkeit war und so sehr ich ihm sein Dorgehen gegen Fuentes ver- dachte, so muß ich doch zugeben, daß er ein tapferer Serl war und sein Leden nicht sthonte. Er arbeitete sich nur mit Messer und Pistole m d«n Feind, und ich glaube, daß er es gewesen ist, der den Arm eines Palen niederschlug, der schon auf Fuentes angelegt hatte.
Ad und zu erblickte ich auch die Pastrana. Sie war anzusehen wie eine Furie, die durch Wut gesteigerte Häßlichkeit war grauenerregend mit ihrem verrenkten Körper warf sie sich ms dichteste Getümmel, als wäre sie mit einer Hexensalbe bestrichen, die ihr Unoerwundbarkeit sicherte. Sie riß die Männer mit sich fort. Als unser Angriff vor dem Chor der Kirche zum Stocken kam, wo sich die Polen hinter umgestürzten Beichtstühlen und Kirchenbänken verschanzt hatten, war sie es, die unsere zögernden Stürmer durch Beschimpfungen und Schlage nut ihrem Stock Vorwärtstrieb. Ich glaube, daß ihr Anblick dem Feind mehr Entsetzen einslötzte als die ungestüme Wildheit meiner Landsleute. Wo sie erschien, war der Widerstand nach kurzer Zeit beendet, aber- qläubische Angst brach den Mut der Polen, sie mochten meinen, daß eine der Spukgestalten ihrer Steppenmärchen gegen sie losgela(Jen sei.
Als das Getöse des Kampfes verstummte und in das Röcheln und Aechzen der Berwundeten Überging, befand ich mich bei dem Leichenhaufen hinter hem Altar. Saniago Sas ging von einem sterbenden Spanier zum andern und spendete ihm den Trost der Religion. Die Polen machten ihm keine Mühe, es atmete keiner von ihnen mehr auf dem blutuber- schwemmten Steinboden des Klosters und der Kirche.
Ich sah mich nach Fuentes um. In der letzten Viertelstunde des Kampfes hatte ich ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen, ich stieg über Tote und Verwundete, mit der Fackel, die ich einem der TOiquelets abgenommen hatte, leuchtete ich in die verzerrten Mienen der Manner Lange hatte ich zu suchen, bis ich Miguel fand. Er saß in dem Refektorium unterhalb eines Freskos der Hochzeit von Kana Inmitten ""er Blutlache auf dem Boden und lehnte den Oberkörper an die Wand. Das Blut quoll aus einer Wunde im Bein hervor, hatte den Bermel von Miguels Jacke, den er abgerissen und herumgewunden hatte, durchtränkt und schien un- stillbar zu fein. .... ,
„Zu bumtn*, lächelte mir Miguel matt entgegen, „wenn es wenigstens eine anständige Verwundung märe. Aber so ein verdammter Schuß ins Bein. Er hat nichts zu bedeuten und macht einen doch unnutz. Nun hat Saniago Sas freies Spiel.*
Wir hatten weder Aerzte noch Verbandzeug zur Hand, für Verwundete war bei uns nicht die geringste Vorsorge getroffen. Ich nahm meinen Gürtel und schnürte das Bein Miguels oberhalb der Wunde ab, so gut ich konnte. „Warte einen Augenblick*, sagte ich, „ich will ein paar Männer holen, die dich fortbringen.* .....
Lassen Sie nur, Erzellenza*, sagte die Pastrana, die plötzlich neben mir "stand, „überlassen Sie mir Ihren Freund, ich werde für ihn Jorgen. Hören Sie nur, Sie dürfen jetzt von hier nicht weg.*
Ich hatte das Anerbieten der Pastrana ablehnen wollen, aber 6a erschütterte ein furchtbarer Schlag die Gewölbe, und bas Krachen stürzender Mauern folgte. Eine Bombe war In bas Kloster gefallen. Wir hatten noch TBätirenb bes Kampfes das Kloster nach Möglichkeit wieder zu befestigen begonnen, denn es war anzunehmen, daß die Franzosen sogleich versuchen würden es uns wieder zu entreißen. Und schon hatte der Gegenangriff eingesetzt, und es galt, bas Gewonnene zu behaupten.
fFortsetzung folgt.)
riano, mach fertig 1" , .
‘ " einen kurzen Aufschrei, ein Stampfen und Knocken Im
uns, bann ein rasch erfterbenbes Stöhnen. Menschlichkeit Kampf ein unbekanntes Wort geworben.
Stunbe später hatten wir bas Kloster umzingelt unb ben ber es umgab, burchwotet. Bis zur Brust burchnäßt, । ben Mauern, unb ebenso gespannt horchten wohl drinnen, Lage von Steinen unb Ziegeln von uns getrennt, die
So beliebt auch Fuentes war, so schien doch die Pastrana bas Vertrauen ihrer Landsleute in noch höherem Maß zu besitzen^ sie verkörperte ihnen ben eigenen Ingrimm unb die schonungslose Wut in k^r äußersten Verzerrung, sie hatte eine magische Gewalt über b'« ®emuter.
Fuentes sprang von dem Felsen herab, und die Pastrana folgte >hm, gelähmt und verrenkt wie sie war, mit erstaunlicher Gewanbtheit.Jch sah, daß sie einige Worte mit dem Mönch Saniago wechselte, und dann kam ber Dominikaner auf Fuentes zu. . „
Seine Hände waren unsichtbar, er hatte sie unter Fer Kutte ver steckt. Auf seinem breiten Gesicht lag ein wohlwollendes Lächeln „Wenn Sie auf mich hören wollen, Graf", sagte er, „so lassen Sie Billaseftche und setzen Sie den Marsch auf Zaragoffa fort.
,Unb wenn ich nicht auf Sie höre , brauste Miguel auf
So tun Sie Unrecht. Und die Leute werden doch nicht aus tote hören. Sie werden bann gegen Ihren Befehl nach Zaragoffa marschieren.* ,
„Unb bas Pulver, bas wir brauchen?
„Die heilige Jung,rau von ber Säule hat uns ben Sieg verheißen. Unb sie wird uns auch ohne bas Pulver von Villafeliche siegen lassen
Fuentes zerbiß vor Zorn seine Sippen. Ader es war kein Zweifel, baß bie Leute seinem Befehl Ungehorsam entgegensetzen wurden, unb baß bann Saniago bas Kommanbo übernahm. Es blieb nichts übrig, als sich zu fügen unb wiber besseres Wissen nach Zaragoffa zu mar- ^‘3* fürchte*, sagte Miguel, als wir roieber nebeneinanber ritten, ,choß ich mit bie em Mönch mich scharf werbe auseinanbersetzen müssen.
Wir kamen gegen Abend nach Zaragossa. Die weite fruchtbare Ebene ber Huerta lag in einem veilchenblauen Duft, ber oon ben Sagerfeucrn ber Franzosen gesprenkelt war. Im Norden staffelten sich die Bergketten jenseits des Ebro auf, eine Immer höher als die andere, bis zu dem in ber Abenbsonne rolglühenben Schneekamm ber Pyrenäen. Ganz nahe lag ber wuchtige Klotz bes Monte Torero, ber bie Stabt b<f,»okm'bie uns aus ber Stabt entgegengeschickt worben waren, meldeten. baß er von ben Franzosen genommen worben sei Man hatte ihn schlecht befestigt unb sah feine Wichtigkeit erst em, als bie Geschütze bes Feinbes von bart die Stabt zu beschießen begannen. Der Oberst Viana hatte ihn zurückerobern wollen, war aber geschlagen worben unb gefallen Das ganze Regiment Estremadura war dabei vernichtet worden.
Zum zweitenmal kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Fuentes und seinem geistlichen Berater, dem bie Pastrana ungebetenen Bei- ftanb leistete Miguel glaubte ber Stobt keinen besseren Dienst leisten zu können, als wenn er sich auf ben Monte Torero warf unb ihn gewann Mit ben sechs Kanonen, bie wir hatten, konnten wir bem Feinb von bort empsinblichen Schaben jufügen. Aber Saniago Sas wider- sprach, unb bie Pastrana brängte darauf, ungesäumt das Kloster San Jvsö anzugreifen und uns den Weg in die Stadt zu bahnen.
Sie schien es nicht erwarten zu können, nach Zaragoffa zu kommen.
Das Kloster San Josö liegt auf bem rechten Ufer bes Huerva, ber in ben Ebro münbet, vor ben Mauern ber Stadt. Man hatte es als eine Art Vorwerk befestigt, jämmerlich genug, indem man in seine Mauern Schießscharten einschnitt, unb fo konnte man sich nicht wun- bem, daß es trotz tapferer Verteidigung feit kurzem in der Gewalt ber Franzosen war. , ,, .. „ ....
Nicht bir, mein Freund Enbeslant, brauche ich dies alles zu erzählen, du hast es ja selbst miterlebt und weißt wohl über so manches genaueren Bescheid als ich selbst. Aber ich denke mir, daß du diese Auszeichnungen vielleicht einmal deinen Kindern und Enkeln wirft weiter- geben wollen, und für diese mag es denn gut sein, wenn ich hier wenigstens kurz alles erwähne, was zum Verständnis des Zusammenhanges notwendig scheint. , o-
Durch die Oüvenwälber lautlos anschleichend, fingen unsere Leute einen unglücklichen Franzosen, der sich, ich weiß nicht aus welchem Grund, von seiner Truppe etwas entfernt hatte.
Man hörte die Todesangst aus der zitternden Stimme des Mannes, da ihn Saniago ins Verhör nahm, als wäre nunmehr das Kommando gänzlich auf ihn übergegangen. Der Mönch sprach ein leidliches Fran-
^Der Gefangene mochte wohl hoffen, fein Leben retten zu können, wenn er uns rückhaltlos alles verriet, was er wußte. So erfuhren wir, daß es Polen waren, die sich des Klosters bemächtigt hatten und jetzt
als Besatzung darin lagen.
Mit Zittern hatte ich der Antwort entgegengesehen und atmete nun auf, daß mich ein gütiges Geschick davor bewahrte, sogleich beim ersten Sturm gegen meinen jungen Freund Enbeslant kämpfen zu müssen.
Saniago erkundigte sich genau nach allen Umständen, die uns von Nutzen sein konnten, unb als er aus bem Franzosen alles herausgezogen hatte, was dieser wußte, schien er ein wenig nachzudenken.
Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, denn wir mußten uns hüten, uns durch ein Licht zu verraten, und das Verhör ging im Flüsterton vor sich. Väterliche Milde klang aus ber Frage des Mönchs: „Und wer hat das Kloster verteidigt, mein Sohn?" „Es waren dreihundert Bauern darin* „Und was ist mit den Gesungenen geschehen?* Der Franzose zögerte mit der Antwort: „Man hat ...
kaum hörbar, „sie haben über die Klinge springen müssen.'
„Ja. ja*, seufzte der Mönch. .Lefebvre macht nicht viel Federlesens. Nun Gott mit bir, mein Sohn. Deine Sünben sind dir vergeben. Ma-


