Wenn dieJungens" so sprechen allenthalben die Führer von ihrer jungen Mannschaft draußen sind, tritt Ruhe im Lager ein.

Die Betten sind vor dem Ausmarschgebaut" eine Kunst, die auch der Ungeschickteste einmal lernt, in der Schusterstube klopfen die Häm­mer, die Lagerschneider haben den Zwirn durch die Nadel gezogen, die Köche feuern die mächtigen Kessel an, und die Maschinen in der Schreib- Stube klappern jetzt erst kommt die Morgensonne durch und überglänzt de nassen Dächer mit ihrem jungen Licht. Gleichmäßigen Schrittes geht am Tor aus Birkenholz der junge Werksoldat seinen Wachschritt, und sein blanker Spaten blitzt wie ein funkelndes Licht auf seiner Schulter.

verantwortlich: vr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Vrühl'sche Aniversitäts-Vuch» und Steindruckerei, 2L Lana«, ©iebea-

Wer In den flachbedachten Holzhäusern Im grünen Feld Erfüllung eines Lebenssinnes gefunden hat, jeder Kamerad jener großen Mann- »aft in Forstrevieren, in den Bergen und tm Flachland, sieht feine Ab­teilung mit anderen Augen als der Wanderer, den hier und dort die allzu nüchterne Gesetzmäßigkeit der Bauten stören mag. B.e fach hat im Ausbau solch eines Lagers soldatisch-nüchterner Sinn zu stark mit- gesprochen; hier und dort aber griff schon die gestaltende Hand des Ab- teilungsführers zu und legte Pflanzungen und Beete an, die in ihrer sommerlichen Schönheit die allgemeine Ordnung und Sauberkeit des Lagers nur unterstreichen. r m s..

Der junge Kamerad, Glied jener großen Gemeinschaft, die sich dem Boden verschworen hat, hat sich überall in seinen Stuben rm kleines Heim geschaffen. Daß man es zuläßt, ja fordert, ist em 1^°"" Zug der Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit in der Führung der arbeitenden Jugend. Die ,Heftzweckenkultur" ausgeschnittener Zeitschrlftenbilder macht mehr und mehr gerahmten Bildern Platz; je lebendiger solch ein Trupp ist, um so ideenreicher ist seine Stube ausgestattet. Emen Knüppel an der Wand mit der Unterschrift:Hier herrscht Ordnung! mag man h'ngehen lassen, vielleicht auch diese oder jene weniger mit kundiger Hand als hebe- volle Hingabe gemalte Landschaft, aber man wurde vergeblich nach sogenanntemnationalen Kitsch" suchen, der tatsächlich ia innerstem Wesen gesunden nationalsozialistischen Empfindens widerspricht.

Imbraunen Lager", wo es auch liegen mag, sind alte Preußen- tagenden zu erfrischendem Leben erwacht! Ordnung, Sauberkeit, Pünkt­lichkeit und Gehorsam sind ein großer zaubermachtiger Begriff, ber bie innere Haltung des Lagers ausmacht. Man kann baruber keine großen seelenkunblichen Untersuchungen anftellen; bafur fmb Leben und Pflicht­erfüllung im Arbeitslager zu selbstverständlich auf eine große Formel gebracht, dieDienst am Vaterland" heißt und keiner weiteren Deutung bCb<5o[rf) eine Baustelle ist doch ein Stahlbad für brustschwache Stuben- Hocker und relatioifierenbe Aestheten, ja, um es grob 3Jagen, em not­wendiger Segen für manches junge Bolk, das noch nicht wußte, was eigentlich Arbeit ist. Gesundes Blut und Gott sei Dank reden die Gesichter der Werksoldaten eine erfreuliche Sprache! hat sich von je reibungslos dem Lagerleben eingefügt, was morsch und bruchig 3" werden drohte^ Hot zu sich selber zurückgefunden in der Arbeitskameradschaft m Wiesen, Mooren und Feldern. Allzu geistig gestimmte Beur eiter haben den erzieherischen Wert dieser Kameradschaft manchmal zu einseitig her- ausgestellt. Tatsächlich darf aber ber praktische Nutzen ber Arbeit?, bienftlaqer nicht unterschätzt werben, vor allem nicht, wenn man be- denkt daß weite Strecken unseres Vaterlandes dringend der Entwässe­rung'bedurften, daß Brachland des Spatens harrte um ©teblungsraum zu schaffen, daß es überhaupt nur durch die Arbeit der grauen Kolonnen mögttch ist, ordnend in sonst fast rettungslos verlorene Bodenverhältnisse e'"Äch ein prächtiges Bild ist doch solch ein von der Baustelle heimkeh­render Trupp! Prächtig, well er dreckig ist und dennoch singt, prach- tig auch, weil er Hunger hat, ber einer Stabil ochin gettnbes Grausen em- flößen würbe. Der Lagerhunb heult ben Heimkehrern schon entgegen, währenb ber Marschrhythmus über ben Platz brohnt reißen bie Koche tue Deckel von ber bampfenben Erbsensuppe, aber wehe bem, ^r ungewaschen über das Essen hersatten wollte! Es liegt eine tiefe Wahrheit m jenem Spruch, daß Sauberkeit der Gesinnung nicht ohne äußere Sauberkeit denkbar ist, auch darin liegt ein schöner Sinn und Brauch verborgem vor der Mahlzeit täglich einen Merkspruch stehend anzuhoren, ehe bie Essen träger mit großen Schüsseln losgelassen werben, um b.e Tische zu be­dienen. Daß imbraunen Lager" Führer und -Jungens gemeinsam essen, versteht sich ohne weiteres, daß es dabei sogar Rundfunkmusik gibt, erhöht die Lust, munter zuzugreisen bis es einfach nicht wehr gehl

Vergessen wir das eine nicht, und jeder, der das Lager endgültig per läßt hat es gewiß begriffen: Hier wird nicht um d anken Lohn gearbeitet! Währe bas der Fall, bann wäre Arbeitsbienst eben nicht mehr Ehren- sonbern Geldsache. Damit begäbe er M) ferner hohen 'dealen Wer - schäkung erheblich, denn nur wer Ehre besitzt, darf an jener Ehre teil Hoden, deutschem mütterlichem Boden seinen Dienst zu weihen! Dos muß ein Vormann in Trupp I besonders begriffen haben: groß und breit bat er über brei Betten hinwegArbeit adelt!" an die Wand geschrieben. Mage er das Wort nie vergeßen! Wer sich aus Gesichter versteht muh he beim Innendienst am Nachmittag, bei Appell Unterricht und Feierabend s m vieren Manchmal läuft einem em Weiterer über ben Weg, ber einem Landsknecht aller deutscher Art alle Ehre machte; die Gesichter ber Jungen finb burchweg ausgeglichener. Sie sprechen nicht die Sprache des Front, soldatenanttitzes, das sich nicht verleugnen laßt. Dem einen der gerade seine Stiesel wäscht, siebt man den Studenten an der Nasenspitze an. Cern Nebenmann kann nur ein Bauernsohn sein, aber bas gibt es in Wirklich feit im Lager gar nicht! Hier hat die strafte Einheitlichkeit gemeinsamer Lebensführung das Gesicht des Werksoldaten geformt, das nur den Aus- druck gemeinfnmer seelischer .Raffung beuttich werden Iaht

Ehe der Abend über den Wäldern des Lagers auftteigt, singt die junge Mannschaft in ben Baracken. Der Sommersturm reißt an ber ftahne Die weiten grünen Keiber liegen verlassen ba. nur im Lager unter abendlichem Himmel singt Werkloldafenjugend der Nacht entgegen.

Wenn dann der Mond aufgegangen ist und der Zapfenstreich früh an der Zeit den Tag beschlossen hat, tritt Stille ein. Das braune ßaqer tj in Dunkelheit und Verlassenheit versunken. Nur beim Abteilungsfiihrer brennt noch ein einsames Licht. D°r Nachtsturm über den Dächern bebt aufs neue an, aber er stört bie muben Schläfer nicht. Wer weiß, woran ber Posten benkt, ber am Tor steht unb ben grauen Schwaben nächsteht unb aus bas Brausen in ben Lüften horcht? Aus unb ab geht tmeber fern Schritt, babei summt er ganz leise bas Lieb des Tages vor sich bin ba bie graue Kolonne fang, ehe sie aus den Mergelw.esen zuruckkam. Es hort kein Mensch, und das ist gut so, denn fingen unb gleichzeitig auf Posten stehen, ist von Befehls wegen verboten! ____

Ha'nbnchenloube.

Von Friebrlch Rückert.

D Laub', in ber ich manchen Tag Des Denkens unb bes Dichtens pflag, Wer benkt in bir unb dichtet, Nun dich der Herbst gelichtet?

SonnstraHlen, die das Laub gelüpft, Zaunkön'ge, die im Strauch geschlüpft, Sahn still mir ab vom Munde Den Klang im Herzensgründe.

Der alte Pächter ging vorbei Unb wußte nicht, was mit mir fei, Wie übern Zaun er guckte Unb bann sich seitwärts buche.

Ich aber, was mir Felb unb Hain

Unb ihre Geister gaben ein, Von Leben unb von Lieben, Hab' ich hier aufgeschrieben.

Sie haben gern mit mir verkehrt, Mich, was sie wußten, hier gelehrt: Nun ich von hier muß kehren. Wen werben sie es lehren?

Sie werben, wenn in Winternacht, Sie sich was Neues ausgebucht, Herkommen mich zu suchen In blefer Laub' Hainbuchen.

Unb wenn sie ba nicht finben mich.

So werden sie verbinden sich Zu Tanz unb Musizieren Unb Glanzirrlichtelieren.

Dann spricht ber Pächter, wo er lauscht,

Unb sieht unb härt, mies stimmt unb rauscht: Der lange Herr, ich glaube, Spukt in ber Buchenlaube.

OaS braune Lager im grünen Selb.

Von Walter Vollmer.

Der frühe Sturm auf ben Felbern springt in ber Dunkelheit über bie Dächer des einsamen Lagers. Hoch in den Lüften jagt ber Winb bie Regenschauer vor sich her. Es raufcht unb pfeift unb orgelt im nahen Kiefernwald. Die Geister ber sturmumtobten Dunkelheit jagen unter bem Himmel bahin, bie Lagersahne knattert unb prasselt hoch am Mast im nassen Winb.

Das wäre ein Wetter, um bie Decke über die Ohren zu ziehen unb ben Füchsen unb Eulen ba braußen bas Revier zu überlassen, wenn nicht schon jemanb bart ftünbe, ber vor bem Weckruf bas Munbstück seiner Trompete riebe. Er kennt fein Erbarmen! Plötzlich springt sein schmet- ternbes Signal über ben Platz, ein unerbittlicher, harter Wächterruf, ber bis in bie tiefsten Träume fährt unb ben nahen Tag verkündet Dieses Signal des vor Tagesgrauen rufenden Werfsoldaten ist ein tiefes Sinn­bild unserer jungen Front in allen Arbeitslagern:

Deutschland erwacht! Ein neuer Tag ist angebrochen!

In den langen Fensterreihen blinken bie Lichter auf. Stimmen wer­den laut irgendwo singt wahrhaftig schon jemand in einer Stube, unb bei Trupp 111 verkündet Gelächter, daß der erste Witz gefallen ist. Türen schlagen, überall poltern Schritte auf hölzernen Dielen bie Abteilung tritt zum Frühsport an! Nun geht alles Schlag auf Schlag: Der frische Winb, Morgenwäsche und Kommandoruse reihen die letzten Schleier all zu schönen Schlafes von der jungen Seele. Wer nun noch nicht wissen sollte, was Pslicht und kommender Tag von ihm verlangen, dem mag der heiße Kaffee helfen. Es gibt genug im großen Tagesraum, denn in ber Küche stand der Koch vor allen andern hinter seinen brodelnden Kesseln, geschäftig und pünktlich wie immer, ein Kamerad selbstbewußter Würde.

Dann gehen die Meldungen ber Zug- unb Truppführer vor ber an­getretenen Mannschaft. Ein kurzer Gruß aus jungen Herzen an ben Füh­rer braust über den Platz, wieder fliegen Kommandorufe daher, unb hinter den Wimpeln marschiert die graue Jugend mit geschultertem Spaten hinaus zur Baustelle.

So, wie es hier geschieht, vollziehen sich Weckruf und Ausmarsch an allen Lagern unseres Vaterlandes, sei es nun in den Wäldern Ostpreu­ßens, in den endlosen Mooren des Emslandes, im Bereich ber Förder- fürme an der Ruhr ober in ben Heiben bes Münsterlanbes.