tfl Es traf sich also nicht ohne Grund, daß der arme Fabrizms als er bald darauf mit einer Miene, die in keinem anderen Sinne als von hunger und Durst beherrscht war, in die Stube e,ntrat, sogleich von allen Seiten mit Einladungen zu einem gemeinsamen Schopplein bestürmt wurde. Ja, der hochmögende Herr Bürgermeister, welchen man eilends herbeiqerusen und von dem Sachverhalt in Kenntnis gesetzt, trug kein Bedenken, dem werten Reisenden die Teilhaberschaft an einer Kanne

verantwortlich: 0r. Hans Thtzriot. - Druck und Derlag: Brühl'sche Univcrf itäts-Buch. und Strindruckerei. «.Lange, Gieb-»-

voll bk ttntertairfe Oberkiefer hätte er es stehen, und er ginge setzt nach Guäira, er wolle einmal wieder neben dem fahrbaren Schränkchen auf der Terrasse sitzen und Winnes Kinder besehen und mit dem alten Herrn durch die Pslanzungen fahren und auf Winnes Jacht ein paar Schlage segeln und er sagi, wir wären damals beide Idioten gewesen, nicht- anderes, ich, weil ich in dieser Nacht weggegangen, und er, weil er nicht dageblieben wäre. Ich mag Carsten da nicht widersprechen.

Wolkengesang. 1

Bon Wilhelm Luetjens.

Morgenwolke, Helle, geschwinde, wie du fährst mit dem frühen Winde über die wieder erwachenden Weiten, über die schweigenden Einsamkeiten ruhender Felder, wiegender Wälder, über die großen Städte dahin fühl ich mit Schmerzen, fühl ich mit Lachen alle verlorenen Lieder erwachen, weiß ich es wieder: ich lebe, ich bin!

Wolken des Mittags, ihr silbern geballten, ewig euch wandelnde, lichte Gestalten: wie erhebt sich zu euch mein Gefühl!

Ferne Entrückte, wie wir uns gleichen: Immer in der Verwandlungen Zeichen, nimmer zu Hause in festen Bereichen, ziehn wir entgegen unendlichem Ziel.

Schattende Wolken der nahenden Nacht, dunstig über die Fluren gebreitet, schon umringt von der Dämmerung Macht: wie ihr entschwindet, wie ihr entgleitet, golden durchglüht nun vom sinkenden Strahl Wolken, ich grüß euch, ihr reisenden Vögel!

Mit euch gen Abend zieht nun mein Segel, Schatten und Dunkel umhüllen das Tal.

Der Königsmörder.

Eine Anekdote von Joachim von der Goltz.

Es wird berichtet in der Chronik einer kleinen Stadt im Schlesischen, daß daselbst in den letzten Jahren der Regierung des großen Königs eines Tages ein Reisender erschien, welcher durch sein freies Betragen, durch seine fremdartige Tracht und sonderbare Aussprache des Deutschen den ehrliebenden Bürgern bald ausfällig war.

Zu den Anbetern Friderici bei Lebzeiten des Herrschers gehörte auch dieser junge Reisende, welcher in dem Gasthaus zur Krone, am Markt­platz des Städtchens gelegen, abgestiegen war, und der an einem schwülen | Sommerabend oes Jahres 1779 in seiner Kammer auf dem Bette faß, ganz eingenommen von der trübseligen Beschäftigung, seinen Geldbeutel an dem Zipsel desselben emporzuhalten und immer aufs neue innezu­werden, daß nicht ein einziger Gulden, ja nicht einmal das armseligste Kreuzerlein, dem neuerdings erfundenen Gesetze der Schwerkraft gehor­chend, aus dem schlaffen Beutel heraus und auf den Boden fiel.

Dennoch war dies ein günstiger Augenblick für den jungen Fabrizius, der als der einzige Sohn eines ansehnlichen bremensischen Handelshauses ausgeschickt war, um durch Bereisung der deutschen Lande seine Welt- und Menschenkenntnis zu erweitern. In Breslau, bis wohin er ahn' alle Fährnis gelangt war, hatte ein rotblondes Melußnchen ihn um die Früchte seines dort frisch erhobenen Kreditbriefes zu prellen gewußt, und die geringe Barschaft, womit er sich bis nach Halle durchzuschlagen gehofft, war unterwegs einer leichtsinnigen Spielpartie in dem Bade­städtchen R .... zum Opfer gefallen, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, daß die Gauner es verstanden hatten, den jungen Herrn an seiner allzeit heftigen Stelle, nämlich seiner Liebe zu Fridericum, geschickt zu kraulen, indem sie einander als Teilhaber an manch hochberllhmter Bataille und quasi Veteranen ausgaben. Zu allem Unglück war er bei einem nächtlichen Bade in der freien Natur seines Kreditbriefes und Reisepasses in corpore verlustig gegangen.

Weitab von allen Hilfsquellen und keines nahrhaften Handwerks kundig, hatte der junge Leichtfuß schließlich das Gasthaus zur Krone in N. zum Schauplatz seines Galgenhumors gemacht und wäre, da die Rechnung bereits unmäßig angeschwollen war, einer dumpfen Verzweif­lung anheimgefallen, hätte nicht das gute Glück seine Blicke auf einen Oeldruck an der Wand gegenüber gerichtet, welcher den großen König darstellte, wie er auf den historischen Krückstock gestützt durch die Gärten

9 Schweigsam ist der Chronist über den weiteren Verlauf der Dinge, von welchem nur seststeht, daß er den Park von Sanssouci zum Schau nlob hatte Doch läßt sich aus einer zerknirschten Notiz in besagter Chronik S nach dm bekannten Gepflogenheiten de- Königs etwa folgendes erstellen Friedrich, in den unteren Garten lustwandelnd, stoßt aus die sonderbare Gruppe, die von einem Hausen schaulustiger /Potsba,P^ aefolat ist. Nachdem er aus den gestammelten Reden des Ratsherrn den Kern^der Sache entnommen, ist sein erstes Wort an das 3ierltd)6 Wmch ipjel das ihn begleitet:Hörst du, Liebling, sie wollten uns das Leben abnehmen'" Sein nächstes Wort ist:Machet ihn los! Das uochste an den Verbrecher gerichtet:Er ist ein Narr; weshalb hat er sich solches Pr°Derieame Bremenser, erschüttert von der Macht dieser Augen, hebt den Kopf mit einem kühnen Wurfe: *

, Sire", spricht er,mein Vater.. , ,

Und halb erstickt von dem Schluchzen, das ihn übermann.hat aber zugleich so kindlich gehorsam, als stünde er vor seinem leiblichen H rrn Naler in Bremen erzählt er von seiner Jugend, von seiner Reise, von kern Aben7eu» ?n dem Gasthaus zur Krone in Schlesien. Was wäre eine Reise durch die deutschen Lande, ohne daß er den König ll^ehem

Friedrich träumt! War es ein Traum davon, daß ernst sein Name ein Führer aller Deutschen sein werde: daß dereinst der Schatten d feldgrauen Soldaten, daß der Riese Volk dem Riesen Fr,der,cus d,e Hand reichen werde!! Er streichelt sein Windspiel.

Es ilt anzunehmen, jedoch nicht mit Sicherheit überliefert, > ß Friedrich den Ratsherren des Städtchens N. gebot, den lungen Rellende

I aus Bremen aus deren eigene Kosten in Berlin aus das Nobelste zu 1 traktieren. _____

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Einladerschast, ihn »ermittelst eines Räuschleins zur Redseligkeit und zum fleißigen Ausströmen seiner vermuteten Morderseele zu notigen. Er besaß bei allem augenblicklichen Elend genug ®^*ücrtru.*1'' i* bie herzlichen Trinksprüche der anderen als einen Tribut an seine, des Fabrizius^ angenehme Person zu deuten, und geriet hierüber mit vor- rückender Stunde in solche Wallung des Blutes daß er einen von dem Drtsaewaltiaen mit arglistiger reservatio mentalis ausgebrachten Trink- spruch aus ^des Königs Majestät mit dem herzhaft hervorgeschrienen Worten: Den hab ich zum Fressen lieb! quittierte.

Der Bürgermeister, weit entfernt diesen Ausruf und die Tatsache des zerschellten Glases in demselben Sinne °u zusasien eiMen hieraus bie Bestätigung ihres Verbachtes unb waren alsbald bestrebt, dem froh berauschten Gast auf eine geradere Weise mit verfänglichen Fragen an ^^No^schafst^Wunder! Die Entfernung zwischen dem Gasthause in Schlesien und der preußischen Hauptstadt, wo der Geschäftsfreund seines Hauses zu finden gewärtig war, schmolz zu einem Aohhups, aus dem raucherfüllten Oberteil der Stube erglänzte plotzlich das Bild Frideric der ibn aus feinen großen Augen anblitzte und mit dem Krückstock zu winken schien Also geschah daß in seinem Gottvertrauen der lunge Kausmannssohn von dem Genius der Phantasie geküßt wurde, und fei'es daß er von den verfänglichen Fragen der Burger ein wenig den Sinn'herausgespürt hatte oder daß die echte Liebe sein Gemüt unw'der- stehlich hinrih, er zeigte sich von der Idee, einen Konigsmord zu begehen, o erfolareich besessen und spielte sich selber den Fragern so geschickt in I Ke Hände daß sein Wunsch, aus der Stelle nach Berlin und oor bas

Angesicht bes geliebten Helben gebracht zu werben, zum ersten Telle Erfüllung qinq9 indem der Ortsbüttel den feinen Handgelenken des inngen Herrn zwei eiserne Manschetten anlegte und den Geständigen vom Fleck in das Verließ absührte.

Der geschilderte Einfall, welchen der Chronist als die -^schrockl.che Boßhaftiakeit eines Zechbruders und Abenteurers aus der Zunfft b umb Aha-verum" brandmarkt, zeitigte für unseren Re'senben de erwünlckiteften Folgen. Das Gerücht brachte bas ganze Städtchen auf die Beine noch während der Nacht eilten die bevorzugten Burger, insbesondere deren Weiber und versippte Jungfrauleim m Menge hinzu, um den seit den Tagen des Judas unerhörten Verbrecher bei lebendigem Leibe zu erschauen. Ja, die innige Vorstellung davon und em em^e» Mutmaßen, ob das Kammergericht zu Berlin es beim Rade bewenden lassen werde oder ob der Missetäter mit glühenden Zangen zu zwicken und hernach von schwarzen Rossen in Stucke ZU reißen »der ob gar, um der Außerordentlichkeit des Falles willen, durch den Herrfcher selbst abgeschasste Folter wieder in Aktion zu setzen je, solche Mut maßunqen? verknüpft mit der schönen Aussicht auf eme 9lan enöe Belohnung der wachsamen und tapferen Gemeinde, etwa einen Fre.br es von der gehaßten Regie enthaltend, versetzten namentlich die Weiblein, angesichts der hübschen Gestalt des furchtbaren Hasllmgs, m echte Rührung, welche sich im Beschauen oder sogar 'M schamhaften Betasten des Objektes und im Herbeibringen einer Unzahl von Schinken, Wurf und strohumflochtenen Flaschen äußerte. Daß solches unter dem t*l9enb' haften Vorwand geschah, den armen Sünder dem Schwerte der G rech tigkeit bei starkem und blühendem Leibe zu überliefern, tat dem Erfolge unstres Helden keinen Eintrag. Die Kalesche des Schultheißen welche am nächsten Morgen, besetzt mit zwei Ratsherren und einem honhsts Büttel unter dem Jubelgeschrei der Bevölkerung den Verbrecher dem Tor hinaus entführte glich einem Triumphwagen des Liebesgaben

von Sanssouci wandelt.

Der ist nicht umzubringen", seufzte der junge Bremenser, indem er seine im Gedenken an die drohende Abrechnung zusammengekrampften Hände gegen das Bild ausstreckte, als wollte er aus dem Anblick des bewunderten Mannes Mut schöpfen. Beides, nämlich der Ausruf und bie ausgestreckten Fäuste, würben erspäht unb alsbald mißdeutet durch den wackeren Wirt, der in dem Vorsatz, von dem Tun und Treiben seines verdächtigen Gastes Augenschein zu nehmen, an dem Schlüsselloch tätig war. .

Umbringen? murmelte er. Und es geschah, daß nach einer Weile drunten in der Gaststube etliche Leute die Köpfe zusammensteckten und zu wispern begannen über ein gräßliches Vorhaben, dessen geheime Anfänge innerhalb der Mauern des Städtchens entdeckt zu haben ein qroßes Glück, und welches im Keime zu ersticken nunmehr ihre Aufgabe