Hansen hatte die paar Tage wohl dableiben und das Christfest mit auf der Station feiern können. Aber er lehnte die Einladung Willes dankend ab und schützte dringende Geschäfte in Deutschland vor.

gelassen.

Er warf einen kurzen Blick auf ein Blatt Papier, auf dem er sich den Gang der nächsten Arbeiten notiert hatte.

Ad ein, Hein! Temperaturmessung mit dem registrierenden Fern-

So verließ ,6t 8' am 22. Dezember nachmittags drei Uhr nach Green­wichzeit wieder die Station und steuerte auf gradestem Kurs die Ein­schlagstelle des Boliden an. Eine Stunde später hing es schon über der großen Kraterösfnung. Während es sich langsam sinken lieh, trieb es einer Stelle auf dem Kamm des Ringgebirges zu, auf der bereits seine Schwesterschiffe ,6t 9' und lagen.

Die Maschinen von ,<5t9' und ,St 10' arbeiteten mit voller Kraft Ihre Propeller aber standen still, sie waren abgeschaltet. Die ganze Kraft der Motoren kam den mächtigen Luftkompressoren der Schiffe Zugute. Die großen Kompressorpumpen warfen die von ihn erfaßten 1.ust- mengen in mehrere Meter weite Hanfschläuche hinein, die über den Kraterrand hinab in die dunkle Tiefe reichten.

Seinen drei Mitarbeitern, Berkoff, Hansen und Hein hatte der Pro- fessor schon in Deutschland erklärt: .. ... _ .

Der ganze Krater ist bis zum Rande mit unerwünschten Gasen ge­füllt. Wir werden ihn mit frischer Luft ausspülen."

Und nun lagen die Schiffe hier, arbeiteten nach seinem Plan, und augenscheinlich ging alles wunschgemäß

Die Besatzung der Schiffe war außergewöhnlich gering, denn um das Geheimnis zu wahren, war der Professor genötigt sich auf seine bereits einqeweihten drei Mitarbeiter zu beschranken. Diese allem, zu denen der Professor als vierter kam, hatten die drei gewaltigen Schisst von Deutschland nach der Antarktis gebracht, em Wagnis, das nur durch die vorzügliche autmatische Steuerung möglich war.

Nach einer kurzen Begrüßung des Professors kehrte Hansen zu fei­nem Schiff zurück und ließ einen elektrischen Haspel angehen. Auch von St 8' wurde ein Schlauch ausgerollt und in den Krater hinabgelassen.. Dann vermengte sich der Motordonner des Schiffes nut.dem«der beiden anderen. 30 000 Pferde insgesamt waren an der Arbeit, Frischluft aus den Kratergrund hinunterzudrücken.

Am Abend des nächsten Tages wurden die Maschinen stillgelegt. Fast unnatürlich erschien den vieren die plötzliche Ruhe nach vielstun- diqem Motorgedröhn. Auf dem Kamm des Rrnggebirges nahe dem Kraterrand hatte Professor Eggerth sich auf einer Felszacke nieder-

Sieb dir bitte, diese Fahlen an!" 1

Hein überflog das Blatt und wiederholte dabei halblaut, was er las: I Sechzig vom Hundert Eisen' zehn vom Hundert Platin Zwölf vom ^Verwmidert lieh er das Blatt sinken.Was bedeutet das, Vater?"

Die Analyse von ein paar Erzproben des Meteors. Ich habe sie in ^Noch^etomal un/jetzt mit größerer Sorgfalt las Hein Eggerth die Zahlen. Erregt sprang er aus.

Vater! Es ist ja nicht denkbar! Zehn v°m Hundert Platin zwölf vom Hundert Gold - unermeßliche unerschöpfliche Reichtümer wären ja dann mit dem Meteor vom Himmel gefallen! Aber - es ist ja nicht möglich ist dir vielleicht nicht doch em Irrtum unterlaufen?

Professor Eggerth schüttelte den Kopf.Ich bin meiner Sache ganz sicher Hein. Die Gewichte der einzelnen extrahierten Metalle stimmen bis auf wenige Zentigramm mit dem Gesamtgewicht der verarbeiteten Erz- I

"dann^Vater dann stehen wir ja vor etwas ganz Neuem I aufgeregt im Zimmer hin und her. Der Professor wartete, bis I er sich wieder gefaßt hatte. Dann sprach er weiter: I

Meine Analysen sind unbedingt zuverlässig Hein, aber sie erstrecken sich nur auf wenige hundert Gramm zufällig aufgelesener kleiner Brocken. Ein Zufall könnte uns genarrt haben. Es konnte sein, daß gerade diese paar Stückchen so gehaltreich waren, wahrend die große Masse des Meteoriten viel ärmer, vielleicht nicht einmal abbauwürdig ist.

Hein Eggerth sah enttäuscht aus. Eine kurze Weile sann er vor sich hin Dann begann er wieder zu sprechen, langsam, stockend, sich oft unter- bred,esbn)äre möglich, Vater aber doch nicht eben wahrscheinlich. Ein sonderbarer Zufall mühte das sein, der dir gerade em paar kostbare Stückchen in die Hände spielte und die gewaltige andere Masse sollte wertlos sein. Das kann ich nicht glauben will es auch nicht glauben und du, Vater, glaubst es wohl auch nicht?"

Professor Eggerth lehnte sich in seinen Sessel zurück und brachte die Fingerspitzen feiner Hände zusammen.

Ich will vorläufig gar nichts annehmen oder glauben, Hein. Ich wollte nur die Möglichkeit anbeuten, daß dieses günstige erste Ergebnis vielleicht einer weiteren Prüfung nicht standhalten könnte."

Wieder sprang Hein von seinem Sitz auf.Aber wir haben doch genug Erz mitgebracht. Auf fünf Tonnen schätze ich die Masse. Wir können ja sofort weiteruntersuchen."

, Sehr richtig, mein Sohn, das können wir tun und werden es auch schnellstens machen. Aber die Bearbeitung dieser Massen du sagst selbst, daß es rund hundert Zentner sind ist eine Heidenarbeit. Sie erfordert Geduld, Hingabe, Gewissenhaftigkeit und ein Quantum Zeit, das ich ihr im Augenblick nicht widmen kann. Dabei muß die Sache absolut diskret behandelt werden. Ich möchte sogar nicht, daß Hansen oder Berkoff etwas davon erfahren."

Während der Professor sprach, glitt ein Schein des Verständnisses über die Züge Heins. Er unterbrach den Professor: ,Lch verstehe dich, Vater. Ich soll das Erz weiterbearbeiten."

Professor Eggerth nickte.

Es ist so, Hein. Ich werde dich morgen mit der Technik dieser chemischen Scheidungen vertraut machen und bann ja, dann, mein lieber Junge, wirst du dich für die nächsten sechs bis acht Wochen in mein Laboratorium zurückziehen und ganz gehörig schuften müssen, bis alles Erz aufgearbeitet ist."

Noch ein Viertelstündchen sprachen die beiden miteinander, und der Professor gab seinem Sohne genaue Verhaltungsmaßregeln für die nächsten Wochen. Der helle Morgen schien bereits in bas Zimmer, als sie sich trennten, um enblich zur Ruhe zu gehen.

Am nächsten Morgen hörte Wolf Hansen zu seiner Verwunderung von Qberingenieur Vollmar, baß Hein Eggerth mit Spezialauftragen seines Vaters nach Südbeutschland verreist fei. Am Nachmittag traf er Professor Eggerth, ber gerade aus seinem Laboratorium herauskam. Der Professor trug eine verdrossene Miene zur Schau.

Mit unserem Erz scheint nicht viel los zu sein", sagte er beiläufig zu Hansen. In der Hauptsache ist es reines Nickeleisen. Wenn nicht doch noch Stücke mit etwas besserer Ausbeute dazwischen sind, wird es kaum lohnen, ber Sache weiter nachzugehen. Trotzdem, Herr Hansen, wollen wir über die ganze Angelegenheit vorläufig noch Sttllschweigen bewahren."

Selbstverständlich, Herr Professor!", erwiderte Hansen und ging zu feiner Abteilung. Die Arbeit für die neuen Aufträge nahm ihn die kommenden Wochen derart in Anspruch, daß er kaum noch Gelegenheit fand, an den Boliden zu denken, der in ber fernen Antarktis vom Himmel

Man schrieb den 22. Dezember. Auf ber südlichen Hälfte des Erdballes war Hochsommer. Zwar reichte die Kraft der Sonne nicht aus, um den schweren Eispanzer des sechsten antarktischen Kontinents merklich zum Schmelzen zu bringen, aber das Tagesgeftirn blieb jetzt in jenen hohen südlichen Breiten dauernd über dem Horizont. Die Herren Wille und Schmidt brauchten sich nicht mehr in ihre schwersten Pelze zu wickeln, wenn sie einmal in das Freie traten, um sich an dem Anblick des großen Christbaumes zu erfreuen, den ,6t 8 vor zwei Tagen in der Station ab­geliefert hatte.

Ueberhaupt ,St 8! Was wäre die ganze Station ohne dieses wunder­bare Schiff gewesen? Wie ein richtiger Weihnachtsmann war Wolf Hansen be> diesem letzten Besuch aufgetreten, hatte Kisten, Kasten und Pakete in schwerer Menge austoben lassen, ihren Aufschriften nach für die einzelnen Mitglieder ber Station bestimmt unb bei Anordnung schwerster Strafe «rji am Heilig«» Abend unter dem Christbaum zu öffnen.

thermometer.

In Begleitung von Hansen ging Hein zu ,6t. 8'. 6ie rollten ein Kabel von dem 6chiff her bis zum ßraterranb aus sogen eme fahrbare Elektrowinbe heran unb oerbanben sie mit bem Kabel. Etwas Rundes, von Korbgeflecht Umgebenes, bas einer Boje ähnelte, war am anderen Ende des Kabels befestigt.

Eine 6chalterbewegung von Hein, unb bas Seil der ©inbe be­gann auszulaufen. Blaue unb rote Stellen markierten an «an bte Meter nach Zehnern unb Hunberten. Stetig glitt es in bie Tiefe. Jetzt waren 150 jetzt 200 Meter Seil abgelaufen. Jetzt gab es einen leichten Ruck. Die Korbkugel hatte ben Kratergrunb in 220 Meter Tiefe erreicht unb lag bort unten irgenbroo im Dunklen.

Der Zeiger des Meßinstrumentes an der Winde kletterte langsam weiter.

35 Grad 36 Grad 37 Grad", las ber Professor von ber Skala abWir wollen ein Viertelstündchen warten, bis ber Apparat sich ausgeglichen hat", sagte er,obgleich ich nicht mehr glaube, bah bie Temperatur uns Schwierigkeiten machen wirb."

Er warf wieder einen Blick aus seinen Zettel,Ad zwei, Herr Ber- kosf! Untersuchung ber Lust im Krater."

Mit Hein unb Hansen ging Berkoff zu ,St 9. Zu britt zogen sie eine Aluminiumlausbrücke aus bem Schiffsrumpf, bis sie eine schwach ge­neigte Fahrbahn von ber Tür bis zum Felsboben barbot. Ein leichter Kran mit weiter Auslage würbe auf ihr ins Freie geschoben. Berkoff sprang auf besten Führerstanb, schaltete, unb ein Kabel aus bem 6chisss- bauch nach sich ziehenb, rollte ber Kran, elektromotorisch bewegt, bis zum Äraterranbe hin.

Hansen unb Hein Eggerth folgten zu Fuß. Gemeinsam schleppten sie einen größeren ©eaenftanb, ber sich bei näherer Betrachtung als eine ganz gewöhnliche Petroleumlampe entpuppte. Der Himmel mochte wissen, wo Professor Eggerth bies Stück aufgetrieben hatte. Es war eine jener altertümlichen Hängelampen, wie sie in ben siebziger Jahren des vorigen Iahrhunberts vor Einführung bes elektrischen Lichtes in bürger­lichen Haushaltungen allgemein gebräuchlich waren. Beinahe neugierig schauten ihm Hein unb seine Freunbe zu, wie er bann ben Glaszylinder abzog, ben Docht entzünbete, unb banach Zylinber unb Milchglasglocke roieber aufsetzte. Sie kannten biefe Technik eines längst verrauschten Iahrhunberts nicht mehr. Nach ihrer Erfahrung machte man Licht, in­dem man einfach einen Schalter von links nach rechts schnappen lieg-

Die Lampe brannte mit einem milden Licht. Obwohl ber große I Rundbrenner wohl an 25 Kerzen liefern mochte, war ber Lampenschein im hellen Sonnenlicht kaum zu fehen.

Um so bester wird sie in dem dunklen Kraterschacht leuchten", meinte ber Professor lächelnb, währenb ber Kranausleger um einen rechten Winkel schwenkte. Zwanzig Meter von ihnen entfernt hing bie Lampe jetzt über bem Schacht. Langsam ließ Hansen bie Kranleine aus­laufen.

Wie eine leuchtende Kugel glänzte in bem Dunkel bes Kraterfchachtes bie Lampe.

(Fortsetzung folgt.)