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Diesmal erzählte ich den Traum meinen Gastgebern Sie fragten, ob ich das junge Mädchen wiedererkennen wurde. Ich bejahte. Da führten sie mich zur Probe durch zwei Fremdenzimmer, d'e >ch noch nicht betreten. Im zweiten bezeichnete ich ein Pastell an der Wand als das Bild der Traumerschienenen, der von irgendeiner Trauer Umwitterten.
Meine Freunde sahen sich verdutzt an. „Ach ,a , MEten sie, „da ist wohl mal eine Wolke übers Haus gegangen. Das Bild stellte die Urarohmutter des jetzigen Besitzers dar. Sie war, in jungen Dohren verwaist, Besitzerin des Schlösschens geworden. An ihr Madchenbild hatte sich in der Familie die gedunkelte Ueberlreserung von emem verwundeten russischen Fürsten geknüpft, der im Schlößchen wahrend der napoleonischen Kriege eine Zeitlang gepflegt worden ei. Etwas Weiteres wußte man nicht. Die Geschichte von der geschenkten Dose wurde ins Reich der spielenden Phantasie verwiesen.
Da ich aber bei meinem Traumgesicht blieb, das Mädchen habe die Dose angenommen und in meinem Sekretär verschlossen, so ging schließlich die ganze Gesellschaft hinüber, und man durchstöberte das Möbel. Zum allgemeinen Erstaunen sanden unsere tastenden, klapsenden, spurenden Hände tatsächlich in der Rückwand des Sekretärs, kunstvoll und ganz versteckt eingefügt, ein kleines Geheimfach. In ein morsches Stuck blauer Seide fest eingewickelt, entdeckten wir eine schwere goldene Dose. Sie zeigte das Bild einer schönen Frau mit gepuderten Haaren, roten Wangen und rotem Mund, rings von Brillanten und Rubinen umgeben. In der Dose lag eine Locke braunen Haares, darunter em Zettelchen, zierlich beschrieben, mit den vergilbten Worten: Von ihm. Nichts sonst.
Wir standen zunächst wie in der Tür zu einem dämmergefullten Gemach. Aber nach dem Fund der Dose, in der ich die im •Traume Gesehene zu erkennen sicher war, mochten wir nicht zweifeln, daß sich hier im Zimmer einst wirklich ein Abschied, wie der traumerblidte. ereignet *,ab$on den Gefühlen der Urgroßmutter für den fremden vornehmen Offizier wußte niemand in der Familie etwas. Sie war kurz nach der
Oer Reisebecher.
Von Conrad Ferdinand Meyer
Gestern fand ich, räumend eines langvergesf'nen Schrankes Fächer, Den vom Vater mir vererbten, meinen ersten Reisebecher.
Währenddes ich, leise singend, reinigt’ ihn vom Staub der Jahre, War’s als höbe mir ein Bergwind aus der Stirn die grauen Haare, War's als dufteten die Matten, drein ich fchlummernd lag verfunken, War's, als rauschten alle Quelle, draus ich wandernd einst getrunken.
Zn der Halle des Bergkönigs.
Erlebnis eines Salzbergwerks.
Von Hans Tröbst.
Slanic ist das größte Salzbergwerk Rumäniens, das in Europa kein Gegenstück hat. Allerdings wenn man Morgens im Fruhlingssonnen- fchein an der Endstation der Ploesti-Stichbahn aus dem Zuge Rettert und nach wenigen Schritten vor einem niedrigem, unscheinbaren Ge- bäude mit der Aufschrift „Saline" landet, dann ist man zunächst enttäuscht: Nichts was auf etwas Außergewöhnliches schließen ließe. Em paar Schuppen, davor ein paar parkierende Panjewagen, deren Lenker schnarchend unter den Fahrzeugen liegen und sich von der °llgut'Sen Sonne ein Loch in den Bauch brennen lassen, irgendwo cm Stichgle s mit einem halben Dutzend Eisenbahnwagen, in denen pelzbemutzte Männer mit weltmännischer Ruhe grünlich schillernde Gramtblocke ein- stapeln ... das ist äußerlich alles.
Gegenüber dem Verwaltungsgebäude ein kleines unscheinbares Maschinenhaus, wo ein schnurrender Motor den Forderkorb bedient. Man steigt ein, Klingelzeichen, und ab in sausender Fahrt in die nachtschwarze, f ihlP Tiefe- 50 Meter — 75 — 100 — 120 Meter ... immer noch kein Ende, immer noch keine Hand vor den Augen zu sehem Endlich! Em leichter Ruck ... der Korb steht! Eine Tür fliegt auf: Magneftumhelle -einen Augenblick stockt der Atem und man bleibt --"gewurzelt stthen wie damals, als man noch klein war und zum ersten Mäle das Meer fah Und mit rasender Geschwindigkeit nimmt das Chaos der heran stürmenden Eindrücke, sich jagender und überschlagender Gedanken und Einfälle Form und Gestalt an und mit einem Schlage steht sie da. die Halle des Bergkönigs", die Burg der unterirdlfchen Gotter!
Wie soll man dies Wunder, das urplötzlich hier unten im tiefsten Erdenschoß Wirklichkeit wird, „beschreiben", um zunächst überhaupt erst einmal so etwas wie eine Ahnung ober Vorstellung dieser unterirdischen Gigantik zu ermöglichen? Man kann es nur, wenn man sich der blut losen Sprache der Mathematiker und der eiskalten Formeln des Ingenieurs bedient, ... alles andere läßt sich nur erfühlen und erleben.
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Also- Man" nehme den Kölner Dom und stülpe darüber zunächst ein glockenförmiges Gebilde aus Milchglas von gleicher Höhe und einer unteren Breite von 70 bis 100 Metern. Um diese gläserne Glocke stelle man im Umkreis von einem Kilometer die Turme des Straßburger Münsters, des Ulmer Doms und ein paar profane Hochbauten auf. Funktürme, Wolkenkratzer und ähnliche Ungeheuer und stülpe uberjeoe dieser Mammutbauten ebenfalls eine Milchglas-Kuppel, aber m tform Don Riefenflaschen, symmetrischen Birnen, Halbkugeln oder trapezförmigen Kisten und dann entfernte man die Dome, Munster und Turme und verbinde all diese gigantischen, gläsernen, schillernden, sch-mmernden und fluoreszierenden Hohlräume unter- und miteinander durch lange 8 Meter breite Gänge, deren 80 Meier hohe, glattpolierte Seitenroanbe (entrecht abfallen, hänge überall in verschiedenen Höhenlagen elektry-ye Lampen auf ... dann hat man ein rohes Bild des Salzbergwerks Slanic, dessen mystische Phantastik auch den nüchternsten Alltagsmensch-n aufwühlen wird bis in die tiefste Tiefe.
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Die Abbau-Technik, die dies unterirdische Konglomerat von gewaltigen Hallen, Kuppeln, Gängen und Korridoren geschaffen hat, ist denkbar einfach Man hat lediglich das riesige Salzmafsiv von Slanic bas eine Fläche von vielen Quabrattilometern in einer Dicke von über einem Kilometer bebeckt, mit senkrechten Schächten von 4 Metern im Quabra „angebohrt" unb biefe „Eingänge" bann nach etwa 10 Metern glorfcns Hirnen- ober flaschenförmig ausgebuchtet und vertieft, ohne baß biefer Vertiefung aber irgenbwelche Grenzen gezogen wären. Denn solange der Parabel-Querschnitt bieser Gedilbe nicht „unterschnitten oder „über schnitten" wirb, ist Weber theoretisch noch praktisch bte Möglichkeit eines Eewölbeeinsturzes gegeben. Jnsolgebessen finbet man in diesem Ve 9
Ms Gast auf einem Landgut in Sachsen, nicht allzu weit von Leivzia. träumte mir einmal bas Folgende: . o ...
Tch fah ein Zimmer, es schien bas meine, von einer Lampe über bern runben Sofatisch matt erleuchtet. Im Sofa, halb umspieltvom ge- dömvften Lichtschein/ sah ein sehr junges Mädchen, sehr fd)lant, fe^r ,, .bi . Tiirh ihr aeacnüber ein junger Mann in altmodischer UnSorm AfmÄnSm Än Schnurrbart, Sie beachteten mich nicht Ich ftanb an ber Eingangstür unb war, wie bas so im Traum geht' gar nicht erstaunt, bie beiben zu sehen unb in em fre^aufbanv mernbes Leben zu blicken. Der Offizier zog aus der Tasche seines dunkelgrünen Uniformrockes mit der Linken — die Rechte trug er in einer fBinbe — eine golbene Dose unb reichte sie bem jungen über ben Tisch hin es möge sie als Erinnerung an ihn unb zum Dank für bie frcunbliche'Pflege annehmen, aber gut verwahren, beim unter ben Soldaten sei auch manches Gesindel, unb Diebstahl häufig.
Im Schein ber Lampe sah ich, bah ein TOiniaturbilb bie Dose zierte, von einem Kranz blitzenber Steine umgeben. Das Mabchen.schaute un- oerroanbt mit schmerzlicher Sehnsucht, auf ben Offizier, hielt b.e g^ falteten Hänbe auf ber Tischplatte, öffnete fte nur jogernb unb nahm erst nach anfänglichem Sträuben bie kostbare Dose an. Dann aber hauchte fie einen Kuh barauf, erhob sich, trat an bas Mahagomburo, bas gleiche, bas noch bamals in jener Traumnacht mein Zimmer schmückte, zog in ber Tiefe urnftänbüd) ein Fach heraus, wickelte die Dose m ein Siiickchen blau7n Stoffe- schob sie ins Fach unb verschloß ben Sekretär wieber.
Mittlerweile hatte sich auch ber frembe Offizier erhoben. Selbe ftan- ben sich einige Sekunben gegenüber, bann warf sie mit einmal roortlos bie Hänbe auf bie Schultern unb barg auss-hluchzenb bas An tttz an feiner Brust. Er aber bog sich herab, umschlang ihre zarte Gestalt und küßte stürmisch ihre Sippen. Plötzlich jeboch riß er sich sah los, wies nach einer Uhr auf ber Kommobe, stülpte eine Fellmütze auf, ergriff feinen Säbel unb stürmte hinaus.
Die Kleine sank in sich zusammen, bann nh sie sich empor, lief Fxnster unb ich sehe sie noch heute im Hellen Rahmen lehnen unb einem Taschentuch adwechselnb winken unb sich bte Augen trocknen.
Allmählich oerbärnmerte ber Traum ober ging m em anberes sicht über, bas sich meinem Gebächtnis nicht einpragte.
So lebhaft unb beutlich bie Szene gewesen war, so beachtete ich bas Ganze nicht weiter, auch erschien es mir nicht wunberlich, bah
den traumgesehenen Möbeln ber Mahagomsekretar noch immer an ber maerftaunlnhmabec etwa acht Tage später erlebte ich nachts traumenb ben Ab schieb ber beiben noch einmal, als hafte das Geschehen an jenem Raum nur dah mir jetzt das fremdländische Deutsch des jungen Offiziers und bas feine Profil mit ben blonben Löckchen bes Geistchens im wehen
Oie goldene Oose.
von Georg v. b. Gabelentz
' Unterm gelben Lampenschirm sprachen wir wieber einmal über bas buntle Gebiet bes Traumes, wie bann em zweites Ich sich von uns loslöst unb burch Zeiten unb Räume irrt, um ein ganz heiteres, oft abenteuerliches unb fchreckgequaltes ober gar wilbphantafti- ^^^blreicki^feien^bie Versuche, Werben unb Verlauf bie,es Traum- dasems zu^beuten, feine Beziehungen zum Licht und Leben des Tages, ,.lrn Melen des Träumenden zu erklären, wohl auch Bilder ber B kunft ober eines Geschehens in räumlicher Ferne in ihm zu erkennen.
Da rütfte bie Witwe bes Justizrats ihren Stuhl etwas naher ans Licht fo bah ber Schein ber Lampe ihr kluges Gesicht erhellte.
erlebte ba einmal", griff sie den Faden auf, „einen wunderlichen Traum den ich vielleicht um deswillen kurz zum besten geben bar , weil er ein Beispiel höchst mertroürbigen Verknupftseins mtt bem langst Vergangenen mr unb bod) freunblich, ja hilfreich m unser Leben heute
Verhelraiung mit einem Herrn bes Landes gestorben und hatte chr Geheimnis bie Erinnerung an bie vielleicht einzige wahre Liede ihres
M.in b.« w »««.
Schulden zu tragen. Sie muhten sich leiber zum Verkaufe der spat ge erbten Dost entschlichen, und ein großer Berliner Antiquar zahlte ihnen eine bedeutende Summe. So keimte aus bem guten Samen, ben bte verliebte Urahne, sicher undewuht, streute, noch nach hunbert Jahren em-Dramen 'bes^ruifiidjen Fürsten haben wir "'ü)t erfahren tonnen Da er nach bem Schlößchen unb zu ber.blonden Meinen mcht zurück kehrte ist er wohl halb banach in irgenbeiner Schlacht gefallen
fDlan behauptet, ich besitze mediale Veranlagung und will damit Merkwürdiges erklären, das ich erlebte Ich we,h nicht, man red)t hat Ich mag mich auch mit solch dunklen Dingen nicht abgebem Doch aibt es zuweilen Minuten, in denen man erkennt, wie vor dem Ewigen dös Heute Morgen oder' Gestern nichts anderes sind, als Teile e.nes Ringes, der nicht Anfang noch Ende hat.


