stattür krachte.
XIX.
er sie an«
und Modenschau allein da draußen
,ßu (Tonnt au*, und Kat klappt zu — immerfort, bald
... Wohin willst du denn so eilig, kleines Wesen?"
„flöh’ noch Dienst."
„Die* vH doch vorhin an, schien mir?"
„Ich inst für unsre .Veaumag'-Zeitung die Aufo- am Kosterdmu ansehn", berichtete sie. „Ich wollte nicht herpmstrolchen."
Beraniworilich: vr. Hans Lhyrivt. - Druck und Derlag: Drühl'sche Universitäts.Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-
Katarina kann sich nicht entscheiden.
Roman von Viktor vonKohlenegg.
Copyright 1932 by August Scherl G. m. b. H., Berlin. (Fortsetzung.!
XVIII.
Niemand weiß, wie er sein wird, bevor er in die Aschenurne steigt , pflegte sich Dagobert in diesen Wochen zu äußern.
Er stand, fürchterlich gähnend, um 7 (in Worten, sieben) Uhr auf, hatte sich eine richtig tackende, brüllende Weckuhr aus Nickelblech für sechs Mark fünfzig angeschafft, welch brauchbares Möbel er sonst mehr ° ° *8 ei ° ® u ftiw ^Pick" aber wurde meisterlich gearbeitet, trotz verdammt schlechter Zeit. Es waren bloß noch zwei Gesellen da, Meistergesellen, hervorragende Herren, die gern Dagoberts Tabak rauchten, und der Lausejunge Fritz mit den längsten Lehrlingsohren.
Herr Hasselbrink", sagten die Gesellen anfangs, und Dagobert sagte. Herr Dinse" „Herr Dubschinsky", eine Woche lang; danach: „Kollege , auch mal: „Dinse".....Quatsch, lassen Sie den ,Herrn weg Kollege,
— Kolleje", sagten sie drüben am Fourmerbock. „Also Mensch, Kolle'j'e: Sie haben doch den reichen Onkel in Schlorrendorst — „Ich meinerseits lebe von der Hand in den Mund, Kolleie Dubschmsky. — „Machen Sie sich nischt braus 1" sagte Dinse. „Wir wollen alle rusfl Pick selbst war ein Mann mit temperamentvollen dunklen Augen, scharf in der Arbeit, ein respektabler Herr; ließ sich von keinem an den fffiaqen fahren — kein Wunder bei der Tochter! Das saubre Haus mit dem Werkstatthos und dem Schuppenanbau gehörte bis auf weiteres noch ihm; dicke Hypotheken drauf — er sprach nicht davon. Die Meisterin war eine stattliche, runde Dame, die ebenfalls zu lachen verstand, eine Lehrerstochter sprach fein und klar — eben aus Greifswald.
Das alles gefiel Dagobert, gefiel ihm ausnehmend gut: Menschen, Gegend und Dinge... Herr Pick hatte am Anfang gefragt: „Was wollen Sie damit, Herr Hasselbrink?" — „Ich weiß es noch nicht genau, Herr Pick Seelenpleite. Pinseldämmerung. Ich kann keine Lemwand mehr sehn. Vielleicht eine Rache der Vergangenheit?"
Pick, ein weltkundiger Herr, stand aufmerksam neben ihm und gab ihm streng und gewissenhaft Hilfsstellung, wunderte sich auch mal, genau wie die „Kollejen", über den angebornen, bedächtig fühlenden Griff der langen Hände, aber der junge Mann hatte, wie ein Lehrling, mit den einfachsten Arbeiten des Tischlergewerbes anfangen müssen.
Dagobert bezahlte natürlich für alle Auslagen, ging höllisch knapp mit seinem Zaster um, auch mit seiner Zeit, schlenkerte bloß nach Feierabend noch ein bißchen bei den jungen Damen Barby Pick und Till Grotemeyer mit den Armen, fuhr rasch heim, ah mit mächtigem Appetit ein paar Stullen, Pfeife — wieder 'ran ans Geschäft mit Stift und Papier und herrlichen Bilderbüchern aus der Fachbranche, wunderbaren Sachen, und sah bloß flüchtig auf, wenn Diez vor ihm stand.
„Na, du feiner Pinkel? Setz dich hin und tu auch was Vernünftiges! Nein, du störst mich kein bißchen, Liebling! Meine Seele ist aus Beton, ruhig und zufrieden, wie der muntre Seifensieder... Moment mal, mein Junge! Herrlich, wie so eine Lehne aus Fuß und Sitz wächst! Dies Glück wirst du niemals begreifen, du armseliger Tintenstipper!"
Einmal brachte Dagobert Herrn Pick eine Handvoll Zeichnungen mit, Kinder seiner abendlichen Laune, wie er errötend bekannte, die ein schlichtes, echtes Dagobert-Gefühl ausdrückten.
„Später —!" sagte Herr Pick, nach aufmerksamer Betrachtung.
Dafür erwies Barby diesen Dingen ein stärkeres Interesse, wie ein guter, höchst oertrauenswerter „Kolleje", der bloß viel hübscher und gepflegter war und besser roch als die beiden andern.
„Macht Ihnen Spaß, mein Gestümper, Barby, wie?" -
„Mächtig, Dag! Am liebsten machte ich mit, wenigstens mit Stoss und Farbe — darin bin ich groß."
„Ganz bestimmt, Barby! Wunderbar —! Ich meine, ich bin letzt ziemlich im Schuß!"
Daß bei alledem Barby Pick eine gewisse Rolle spielen sollte, war ein zu billiger Verdacht. Fräulein Pick war im östlichen Berlin am wenigsten vorhanden, startete bereits vor acht, Ziel Dahlemer biologische Zuchtanstalt, wo sie fabelhafte Querfchnitte am Mikroskop zeichnete, mit verzwickter Kamera hantierte und anderen Hokuspokus mit Mikrotom, Gelatine, fremdländischem Lack auf Glasplatten und in Heißluftkammern trieb. Sie tauchte immer erst am späten Nachmittag, rasend hungrig, wieder' auf und begann sofort ihr eigenes Leben in ihrem niedrigen Zimmer über Holzschuppen und Beizkammer auf dem Hof.
Was ihre Freundin Till Grotemeyer anging, so schien diese junge Dame in jüngster Zeit mit Welt und Leben abgeschlossen zu haben, wie eine vor sich hinsprechende Menschenfeindin. Doch auch sie stand ost mit volleren, weicheren Lippen und Schultern und schmalerem Gesicht, ernst beobachtend in der Werkstattür, denn sie lebte seit kurzem, was Dagobert prophezeit hatte, bei Mama Pick in Pension, da ihre Rektorin
„Nicht empfehlenswert. Du trägst setzt das Haar anders, Till? Fiel mir schon neulich auf; auch manche Bewegung in Büste und Gang erinnert mich — an wen? Warte mal —1 Richtig: an Tante Katarina! Wie? Zu spät, Till; wenigstens für'unfern Onko... Hortest du wieder Von ibni?w
Es (am vorhin eine kurze Karte von ihm. Er läßt euch grüßen. Ein Mann — großartig und nobel! Nicht wie ihr verstörten kleinen Lebensfresser! Darum macht er diese Dummheit."
„Hart, hart! Wir sitzen alle im Schmelztiegel, Till. Vielleicht auch Diez."
"Sieht manchmal runzlig, wie der brave Zinnsoldat überm Feuer, aus. Sei nett zum kleinen Diezemannl. Alles erlebt Krisen... Wo ist ^"^,Ich weiß es nicht. Du mußt schon selbst nach ihr sehn!" Die Werk-
Prings plötzlich nach Fürstenwalde gezogen war.
„Immer noch fleißig, du Held?" fragte sie heute.
Dagobert war jetzt nach Feierabend häufig mit einer zierlichen Truhe beschäftigt, einem schmucken Kasten aus feinstem Holz — für Hochzeit-,fchlipse, Seidenschuhe und Familienpapiere zu gebrauchen. „Wird es nicht hübsch, mein Hochzeitskästchen, Till?" fragte er verliebt. „Was meinst du zu einer farbigen Intarsie — L und K mit Rundtext: ' ’ ' " ich, bald du' —?
Katarina saß an ihrem Stutzflügel im Uebungsjtmmer und spielte stundenlang Neues und Altes; wünschte Kittel herbei, daß er sie an« treibe; wünschte ungestüm, sich zu regen, zu tanzen, öu sthaffen bis zum Umsinken und Auslöschen zu schaffen, zu tanzen; stand aus und tat es; und rastete dann gleichgültig, seltsam lahm und zerbrochen, bis ihr plötzlich die Tränen tarnen. .
Also Heultag? Deffnung des Ventils; chemische Reinigung und Entgiftung ... Eine selbsttätige Sache, wie bei vielen Frauen.
9 Danach lächelte sie, war frisch, tatenlustig, egoistisch gesund und unbe- kümmert. Daraus lief sie durch den Tiergarten em Entzücken.st>r leben, der es sah. Ganz alte Herren blieben stehn und sahen ihr ergriffen nach, und die jüngeren faßte ein seliger Schreck, der sie zu jedem Treubruch fähig und unverzüglich geneigt machte. .
Plötzlich dachte sie: Gab es das —? Konnte es so etwas rote eine Vorwegnahme, ein Vorauserleben der Zukunft und ihres Verlauss, ihrer unausbleiblichen Wandlungen und Enttäuschungen geben. Dunkler Satz! Feiger Satz! Sie bewegte spöttisch die Lider und sah dann groß und klar. Hell und klar genug. Ja — das gab es natürlich!
Peter, der entzauberte ältere Herr in ihrer Nahe, wirkte zu Zeiten fo — wirkte unabweisbar und immer wieder so — wirkte wie em warnendes und schreckhaftes Symbol — stellte sich plötzlich breit vor einen andern, fernen Mann und verwuchs mit ihm...
Eines Morgens sagte der Professor am Telephon, daß er nun bestimmt übermorgen in Berlin sein werde. , ,
Da freute sich Katarina jäh. Das war wie ein guter, starker, froher Schreck in ihr und, ganz unmittelbar, wie ein Aufatmen.
Er fragte auch nach ihren Freunden. ,
Nein- Peter Geyck weilte feit etlichen Tagen im heimatlichen Neuruppin und stehe vermutlich schon auf dem Sprung nach Totz oder Meran. Ja: Der alte, liebe Wil Möncke sei noch hier und kummre sich viel um sie, wenn er nicht, trotz seiner Ferien, mit zuckender Füllfeder durch ganz Berlin und Umgegend strolche. ~ .
Am Nachmittag rief Wil Möncke selbst an. „Ich bin noch nie in meinem Leben in Schönholz gewesen, Kat. Ich weiß nicht ob es sich lohnt. Großrummelplatz und Bundesschießen. Berlin NNN — beii SRel- nickendorf, glaub' ich. Früher mal märkisches Ritterschaftsschloß mit Urwaldpark. Kommen Sie mit, Kat?"
„Nein, Wil. Es geht nicht. Nein — auch morgen nicht. Ich habe heute und morgen mit Frau Klüter zu reden und zu tun.
„Also übermorgen?" , . ~
„Mittwoch kommt Herr Professor Hasselbrink auf ein paar Tage zurück. Er reift nach Lund zu einem Kongreß der Berzelius-Gesellschaft und will dort einen Vortrag halten."
Würde ihn gern kennenlernen und begrüßen, Kat. Eine Weltnummer' mit Zubehör in Tegel und am Tulpenweg. Ungewöhnlich inten effant Auch aus einem näherliegenden Grund meine innerste — ich meine: menschliche — Neugier reizend. Aber es dürste die Herrschaften stören . Vielleicht später einmal, wenn -es sich beiderseits machen laßt.
Der Professor würde bloß drei Tage in Berlin sein und schon am dritten Tag abends weiterfahren. Die Berzelius-Leute hatten ihn doch noch zu einem Bericht über feine neuesten Arbeiten herumbekommen und den, ihm zu Ehren, an den Anfang des Kongresses gesetzt Sie hotten ein langes Telegramm nach Gastein geschickt. Er hatte geknurrt und kurz zurücktelegraphiert: „Ankomme Samstag".
Katarina war auf dem Bahnhof und suchte mit ernsten, erwartungsvollen Augen die Wagenfenster ab. Ihr war zumute, als habe sie ihn jahrelang nicht gesehen Sie konnte sich nicht mal ein genaues Bild von seinem Aussehen machen; sie sah bloß ein Bild von einer hoben und breiten blonden Gestalt — vor das sich plötzlich für einen Augenblick wieder Peters breites Gesicht und Gestalt schob, was sie furchtbar erbitterte, empörte und rasend machte.
Da strahlte ihr Gesicht auf. Lu —! Unerwartet frisch, unverändert stattlich und bedeutend, er selbst. Kein fülliger, lauter Lord Peter von Achtundvierzig. Zeitlos, humorvoll und menschlich ernst, sehr männlich. Sie lachte, und ihre Hand winkte beglückt.
Er sah sie fest an. „Da bist du ja, Katarina!" Sie spurte seine starke Hand, die lange Erwartung darin
Da drüben stand Finke am Wagen und schien sich ebenfalls iu freuen; und bann mußten sie eine Weile auf das Gepäck warten. Um sie her war schreiender Lärm, Hast und Streit. Louis erzählte v»n Gastein. Katarina sah, ernst prüfend und bleich in dem Abendlicht, zu ihm auf, indes ihre schönen, frei geschweiften Sippen lächelten. Sie war unter hohen Brauen aufmerksam und fragte viel, oft rasch.
„Und du, Katarina? Das ist viel interessanter."
„Oh. es ist nicht viel zu erzählen. Ich habe nicht viel erlebt, Lu. Du weißt schon alles."
(Fortsetzung folgt.)


