kurz. „Sehr schade!" sagte er
Schleiern...
IFortsetzung folgt.)
Verantwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Drühl'scheUniversitäts.Vuch. und Steindruckerei, R. Lange, Giebel».
wenn ich es nicht verwechsle? in meinem Reisehandbuch. Ein
soll auch eine berühmte Galerie haben, Las es, glaub' ich, bei der Uebersahrt wohlhabender Mann?"
„Er leidet nicht Not."
Peter sah auf und lachte hell und
verstand.
@r hängte voll Selbstvertrauen, wie ein alter Freund, seinen Hut draußen auf und kam lächelnd herein. „Da bin ich mal wieder! Was machen wir heute?"
Sehr gemütlich... Auch der Mama gefiel das. Seine breit-lebendige Art schloß auch sie herzlich und unbekümmert mit ein; anders als die bündige, vorläufige und beinah verletzende Manier eines — andern Herrn... Und Katarina wünschte, daß die Mama in der Regel dabei sei. Aber nun war auch feil da.
Es war ganz gut, daß auch Wil jetzt da war. Er war für Katarina ein recht brauchbarer Partner gegen den mit der Zeit zu umgänglichen Lord Peter — so lange Wil da war; denn es war seine Manier, plötzlich nach China, Persien oder Tibet zu reisen, wie sich ein andrer aufs Sofa legte oder, rasch entschlossen, mal ins Kino ging.
Aber es war doch allmählich etwas bedrückend, mit dem großen, entzauberten und mitunter rasch einmal empfindsamen Peter allein zu sitzen und sich plötzlich von seinen hellen, runden Augen anstarren zu lassen. Das also hatte man einmal verschwenderisch und bis zum Wahnsinn geliebt? Das war immer wieder unwahrscheinlich, traurig und plötzlich unheimlich und beängstigend und beargwöhnte und verhängte auch die lebendige, sichre Gegenwart spukhaft mit grauen Nebeln und dichten
dann. Er saß förmlich erschüttert da. „Furchtbar schade!" Edel und schön im Augenblick. „Es ist unabänderlich?"
„Ich glaube, lieber Herr Geyck."
„Natürlich .. Ich möchte Herrn Professor Hasselbrink gern kennenlernen, wenn es erlaubt ist", sagte der ernst gewordene Herr nach einer Weile hartnäckig, als wünsche er, sich ein Bild von diesem erfolgreichen und in jedem Betracht hervorragenden Professor zu machen.
„Er würde sich gewiß freuen, lieber Herr Geyck. Aber er ist in Gastein."
„So. so — in Gastein?" wiederholte Peter, und es klang beinah fröhlicher.--
So war der erste Besuch verlaufen. Gar nicht schlimm... Ein erfreulicher oster völlig ungefährlicher, vielleicht sogar ein bißchen komischer Peter Gevck
War dos noch einer Weile immer so und in jedem Fall, wenn einen vorher der große Ernst und das genaue Gegenteil von Ungefährlichkeit und Komik stemubert und toll gemacht hatte? War das überhaupt immer
brink, Gastein. ... , ,
„Ja, hier bin ich, Lu! Ich melde mich seit fünf Minuten immerzu. Das hat heute schrecklich lange gedauert."
Und bann berichtete Katarina wieder ausführlich von sich und ihren Erlebnissen nach Gastein. Denn nun war auch Wil Moncke seit ein paar Tagen in Berlin, der alte Jugendgenosse aus Julias Rostocker Winkel und aus der „schwierigen" Neuyorker Zeit.
Wil war ein tüchtiger Zeitungsmensch, großer Berichterstatter aus fernsten Weltecken für ein Syndikat, an dem auch deutsches Geld beteiligt war und das in Neuyork feinen Hauptfitz hatte; sechs- oder fiebern unddreißig — sah viel jünger aus: schlank, gebräunt, weizenblondes Haar, etwas tiefliegende eifengraue Augen, ein eigensinniges, hartes Gesicht, das manchmal beim Sprechen der tiefen, ruhigen Stimme plötzlich gutmütig und fpöttifch, jedenfalls menschlich wirkte und sich saft gar nicht verändert hatte — bloß herber und undurchsichtiger geworden war, noch mehr Wil Möncke! . . ra ,, .„ ,
Sie gab ein recht anschauliches Bild: Sie seien oft rote Geschwister felbbritt gewesen — Julia, Katarina unb Wil. Besonbers in ben herrlichen Rostocker unb Warnemünber Ferien, aber auch später noch in der Park-Avenue.....Hörst bu noch zu? Das tut gut, baß man mal sprechen
kann! Was ich noch sagen wollte —: Ich werbe mich nächstens einmal um bie jungen Leute', um Dagobert, Diez unb bas Tillgirl, kümmern müssen! Zweimal hab' ich in ber letzten Zeit bereits in ber Meraner Straße angerufen. Sie finb verschollen ober verreist. Ich habe bas Verlangen, sie mal gemütlich bei mir zu sehn. Ich bin boch schon beinahe ihre Tante... Was sagst bu? Du lehnst bie Tante ab? Ich auch. .Tante ist unmöglich!" So sprach sie mit bem blutwarmen Atem unb Lachen einer richtigen Frau. , .
„Hübsch, was bu sagst, Katarina! Hier ist es befto langweiliger, trotz Begeholb unb den anbern. Ich bin es nicht gewöhnt, so lange Ferien zu machen. Sehne mich wilb nach Arbeit... Ich fahre jebenfalls Ende bes Monats zu bem Berzelius-Kongreß nach Lund — obwohl ich mir nichts aus Kongressen mache. Ich werbe natürlich über Berlin kommen unb bich ein paar Tage sehen, Katarina. Das ist bas Wichtigste Hoffentlich haben bie Herren Wil unb Peter bich mir nicht ganz abspenstig gemacht.? Ich werbe sie mir mal ansehn, wenn sie noch ba finb."--
Peter rief gern in ber Knefebeckstraße an, um etwas für ben Nachmittag ober Abend zu verabreden. Das geschah wie eine Selbstverständlichkeit oder Pflicht. Er kam meist schon zum Tee, der sichre, füllige, laut fröhliche Herr, der die beiden Damen unermüdlich zu verwöhnen
ungemein sauberer, männlicher und selbstzufriedener Aelterer-Herren- Geruch, der zu seinem fülligen, breiten und beweglichen Wesen paßte. „Ich war noch nicht drüben. Ich werde mehr in Berlin sein Mein Bruder unb mein Vetter können ebenso gut unb gern meine Gaste jein. Neuruppin, obwohl ich es liebe, ist ein bißchen klein.
Sie wollen ein Bad in Deutschland aufsuchen, lieber Herr Geyck?
"Ein ramponierter alter Knabe, ben es hier unb ba zwickt unb plagt wie?" Er lachte roieber laut unb schallenb, ber blühende Herr. Er rollte bas R vernehmlicher als früher, sprach mit gewölbter Unterlippe, eine vollendete Angewohnheit unb Anpassung an bruben, kleine Koketterie, bie ihm nicht übel stand. „Ich habe auch keine Familie mit — tut mir leib, Katarina: nie gehabt. Auch Evelyn ist nicht mitgekommen. Nein — bas war nicht möglich. Wir haben uns vorm Jahr in aller Freundschaft getrennt Sie hat ihren Vetter Billie Brown, meinen jüngsten Sozius, geheiratet. Sie ist ja noch so jung. Es war bas beste. Billie ist ebenso jung unb ein Winbhunb, eine zarte Seele. Vielleicht paßt bas besser.
„Oh —!" sagte Katarina teilnehmenb.
SSar eine sehr verstänbige Lösung. Man hätte es schon früher tun sollen. Wie geht es Ihnen, liebe gnäbige Frau? Das ist ganz wunder- bar, hier zu fitzen. Es ist — ich möchte barauf schwören — keine zehn Jahre her, nicht zwei, genau gerechnet — wie? Es war vorige Woche, gestern!" Er würbe, ohne Uebertreibung, über ben Hals hinauf rot — rote ber frühere herrliche Peter.
„Mir geht es sehr gut, lieber Herr Geyck."
„Ich hörte und las oft von Ihnen in beutschen Zeitungen. Sie sind sehr berühmt geworben inzwischen. Eine ganz große Künstlerin, Katarina!" sagte er ernst.
„Ich bin sehr fleißig gewesen", erzählte sie.
„Sie waren immer mächtig ehrgeizig, Katarina, noch viel mehr als Julia. Wo steckt bie kühle, verstänbige Julia? Sie ist verheiratet, hörte ich? Ist hatte, weiß Gott, ein bischen Bange vor Ihnen. Diese gefeierten Damen sind gewaltig anspruchsvoll, bachte ich. Aber ich bin eigentlich nicht sehr ängstlich. Unb nun — wie? Das ist boch noch Katarina!" bekannte er, unb seine Stimme bebte vor Bewegtheit.
Guter Peter! Zehn Jahre entzaubern ein bißchen. Der „unsterbliche Geliebte" — er war wirklich eine Weile unb noch banach so etwas gewesen — nun sah ein heiter flüssiger Herr vor ihr, lärmenb vor Selbstsicherheit, ein gemachter unb gebietender Mann ba brüben auch ohne Evelyn, ein freier Mann, ber sich bie Welt unb bas, was ihm barin gefiel, etwas kosten lassen konnte.
Katarinas langer, schmaler Fuß wippte: immer ein Zeichen dafür, daß es ihr gut ging. Sie unterbräche ein Lächeln. Dabei war ihr plötzlich, als sitze ihr ein unbekümmerterer, harmloserer unb aufgeschlossenerer Bruber von Lu gegenüber. Sie hatte bislang gar nicht an Lu gebacht. Er war in Gastein — weitab, verschollen sozusagen. Doch nun war er roieber ba: gebiegener, bebeutenber unb männlicher; nicht zu vergleichen! Sie senkte ernst bas Kinn herab unb war selbst eine seiner roürbige und große Same, bie vollkommen unbefangen unb heiter mit Herrn Peter Geyck plauberte.
„Ich werbe Julia heute noch anrufen", schlug gleich barauf Peter vor. „Ober wollen wir bas alte Mäbchen überrumpeln? Ich habe einen hübschen großen Wagen für Berlin unb Neuruppin gemietet. Ein Sprung übern Weg nach Breslau!"
„Das ist mir zu weit, lieber Herr Geyck. Das wirb jetzt leiber nicht gehen. Ich würbe es schlecht einrichten können."
„Warum? Hängt roieber mit bem Tanzen ober seinen Vorbereitungen zusammen? Ich bente es mir schrecklich schwer. Aber man sollte unb muß auch mal eine Pause in ber Arbeit machen können, Katarina! Grabe Sie! Mal ein bißchen Mensch sein, grabe als Frau. Als Frau wie Sie! Sie waren immer sehr ins Leben unb feine Freube verliebt. Ober wollen Sie verreisen — hoben anderweitige Verpflichtungen?" fragte er besorgt.
„Nicht gerade das, lieber Geyck. Es ist etwas andres. Etwas sehr Menschliches und Persönliches: Ich werde mich im Herbst verheiraten, wissen Sie"
„Oh — —I sagte nun Peter Geyck erschrocken, dunkel und ziemlich lang. „Im Ernst —?"
„Natürlich im Ernst. Das ist immer ernst, lieber Herr Geyck."
„Mit wem?"
Sie erzählte es ihm.
„Der berühmte Professor? Ich gratuliere, liebe Frau Professor! Er
so, auch im guten unb allerbesten, auf Dauer, Glück unb Ewigkeit em- gestellten Fall?... Etwas unheimlich ber (Bebaute — unb ber ganze lebenbige Peter! Stimmte unversehens für eine Setunbe ängstlich und melancholisch, so baß bie Augen flüchtig starr wurden.
Katarina stand, wie sie gern glaubte, gut mit j>em Leben. So ereignete sich bald danach ein Zwischenfall, der wie eine heitre Ablenkung a'T5 war bald danach ein Bries gekommen. Diesmal von Julia und ihrem Vetter Wilgert Möncke. Nun also: Auch bas war nun Wirklichkeit geworben — ohne Hellseherei! Sie hatten einanber in Wolfelsgrunb, nicht weitab von Breslau, getroffen; Wil Möncke hatte also seinen Besuch in Deutschlanb, wie Julia bamals erzählt hatte, wahrgemacht
„Ich werbe noch eine Weile hierbleiben, aber nicht lange , schrieb Dr "Wilgert Möncke an Katarina. „Es ist sehr hübsch hier; aber Julia kann keine brei Tage stillsitzen — hört immerzu Patienten husten unb jammern. Ich habe banach einiges in Berlin zu tun. Stnb Sie vor- Händen ober verreist, Kat? Ich hoffe. Sie zu sehen. ,Es ist bringend nötig, sich hin unb roieber einen guten Tag zu machen! pflegten wir in Rostock unb in Park-Avenue zu sagen. Ich bente, mir tun es auch letzt einmal roieber? Ich freue mich barauf unb dm —Ihr alter Wil Moncke
Auf ber letzten Seite schrieb Julia mit ihrer Meinen, Maren Schrift: „Er ist unoeränbert jung, frech unb störrisch. Aber mir freuen uns ge« hörig unb sprechen in einem fort von früher. Auch von Dir. Besonbers Wil. Neulich sahen wir Dich in einem Schaufenster hangen; das war hübsch unb luftig. .Wer ist bas, Wil?' — .Ganz altes Bilb. Mindestens zwanzig Jahre alt!' - .Ganz neues, Wil!' - Jebenfalls roirb er bald nachfehen wollen, ob bas Bilb richtig ist. Es ist ihm nun erst recht zu still hier. — Wie geht es bem riesig sympathischen Professor Hasselbrink? Grüße ihn von mir! — Einen Kuß Dir! Julia."
„Hallo, hallo! Bist bu ba, Katarina?" Das war roieber Louis Hassel-


