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Unsinn!" sagte er zornig.

Du warst immer sehr gut zu mir, wie niemals jemand in meinem Leben. Das ist keine Lüge. Jedes Wort, jedes Tun, jede Geste Güte und Verwöhnung. Das war herrlich, das Schönste zuletzt das Schönste Sehr kostbar für eine Frau. Das werde ich nie vergessen, liebster Freund Lu..

Nun?"

Ach, Lu, ich möchte ganz ehrlich und wahrhaftig sein. Das müssen wir doch zueinander sein- nach allem, was geschehen und schon gesagt ist?" Katarina sah vor sich hin auf ihren fchmalen Fuß. Ganz gewiß war auch in ihm etwas ins noch Hellere gerückt worden Solche äußer­lichen Verkühlungen schlagen gern auch nach innen, schaffen Pausen der Einkehr und scharfen die Lebensskepsis, dachte sie, willkürlich abschwei­fend. Sie hob den schimmernden Blick.Wie steht es mit dir, Freund Lu? Ich und mein Leben waren dir immer sremd und ein bißchen unheimlich. Ach: .Geliebte' das willst du, das kann deine grade Natur ja gar nicht. Und das andre? Das kannst und willst du erst recht nicht"

Das ist überspitzte nachträgliche Weisheit, Katarina; weil es dir paßt, weil du es brauchst und willst."

Ich glaube nicht, Lu."

Was willst du mir sagen, Katarina?"

Sie senkte den Kopf und streichelte mit den aufgestützten langen Fingern zögernd über die Sesselarme.

Verantwortlich: 0r. Hans Thyriot. Druck und Derlag: Brühl'sche Univerf itäts-'Luch- und Steindruckerei, 2L Lange, ©iefeen.

9 «Sie lächelte dankbar und schmerzlich.Die Mama Ist leider wenig in Ordnung. Sie hat ihren Herbstkatarrh. Sie muß wahrscheinlich weg. Der Arzt meint: das sonnige, windstille Celerina, das auch Julia anrat. Julia läßt sich herzlich empfehlen. Sie vergleicht dich immer mit ihrem seligen Amandus Hillerbeck Du kennst Celerina?"

Sehr hübsch."

Ob man hier lebt oder dort, es ist nicht teurer.

Du willst deine Mama begleiten?" fragte er nach einer Pause.

Es wird aus materiellen Gründen nötig sein."

Das würde mir leid tun." .

Ich wollte dich vorher noch einmal sehn und sprechen, Lu. Wir haben uns das für jeden Fall vorgenommen. ^Deshalb bin ich hier, Lu. Ich bin noch immer unbeschreiblich traurig..."

, Ich dachte hier öfters daran und dachte es eben wieder", sprach er langsam und herrisch.Man könnte einen Strich unter alles machen und gewissermaßen von neuem beginnen. Sie so dachte ich könnte ins Haus hier ziehen; könnte hier herrschen. Es ginge keinen Menschen etwas an. Und kein Mensch würde das geringste zu denken wagen. Man steht nicht umsonst auf einem Lebensgipfel, hat nicht um­sonst diese Höhe durch Leistung erreicht. So dachte ich noch eben, kurz bevor du kamst. Wir sind reife, freie, uns allein verantwortliche Menschen. So dachte ich."

Als deine Geliebte, Lu?"

Du sollst nicht gebunden sein. Darin liegt in den meisten Fällen der tragische oder lästige Zwiespalt, das Gefährliche und die .Entzauberung', wie du es nennst. Die Tür ist offen; das schafft Freiheit und Vertrauen, weil es ohne Zwang ist. Auch für deinen Beruf ohne jeden Zwang."

Es war eine Weile still; nur das feine, zärtlich erregende Knistern von Katarinas Pelz war vernehmbar. Sie legte ihre Tasche weg eine umständliche Beschäftigung, bei der ihr der weite Pelz hinderlich war. Dann saß sie wieder voll stillen Kummers da und knisterte mit dem weichen TierfellIch fürchte, daß das nicht viel ändern würde", sagte sie bann.Du bist nicht leichtlebig bestimmt kein Mann des kürzeren oder längeren Abenteuers. Du würdest auch das sehr ernst und mit unlösbaren Klammem in dein Leben einzuordnen suchen Und ich ich habe mir niemals etwas aus Liebschaften gemacht. Ich glaube, Lu", Kfie, tragisch lächelnd,es würde alles so bleiben, wie es war.

das willst du doch gar nicht mehr? Ich bin deiner nicht mehr

"Ja Ich glaube, ich kann nichts mehr dagegen tun. Pause.-. End­lich "sprach sie, ohne den Blick zu heben, und indem sie die Stimme festigte weiter:Vielleicht, Lu ja, vielleich ist es besser so bart ich auch das sagen?, daß wir es gewissermaßen antizipando ich meine: jeder für sich vorweg erlebt haben. Ich auch darüber nachgedacht: Das Leben ist schwieriger und viel banaler und in seiner Endwirkung doch genau so wie diese schlagfertigere -Lowoedia Humana, wie Diez es nennen würde", sprach sie weise, mit lächelnden und plotz lick zuckenden Lippen.

Und der große Gelehrte horte unbewegten Gesichts zu.

, Wann willst du mit deiner Mutter fahren?

Sobald wir Antwort haben. Ich werde gleich telegraphieren. Ich muß dort unten natürlich sehr fleißig arbeiten. Ich erzahIte bir oon Johnny Scribles? Ich hab' mir s überlegt unb mit Dr Kittel darüber gesprochen. Ich möchte meine großen neuen Tanze erst gier bet. uns herausbringen. Ich muß nock> daran feilen. Das ist immer das Wichtigste """er"Profeffor^atmest iaut. Er bog sich zu 'hr hinüber.Ich» birt ein schwerer, verwitterter Klotz, kein behender, lugendlicher Apoll, der deiner schwebenden Art und Heiterkeit besonders nahesteht!

Ach, nicht, Lu!" bat sie.Auch ich war sehr gut zu dir. Du darfst nickt unaereckt fein!" Die Worte hallten tm Zimmer,ßteber, lieber Su!" Sie senkte und schloß die ^heih bestürzten Augen.Verzeih mit, ^Sie^saßnodj^'eine^aBeile bequemer, Knie über Knie. Louis rauchte. Einmal lachten sie kurz; er hatte ihr, auf ihre Frage, von Dagobert und feiner neuen Lebenslage und von Barby Pick, die sie kannte, erzählst Er kramte in Gedanken in feiner Schreibtischlade und fand ein flaches goldenes, mit Brillanten besetztes Döschen aus der Papst-Jnnozenz-Zeit. D^Oh^ danket Luh! Wie reizend es ist! Wie wunderschön! Es soll mich auch an diese Stunde erinnern.

Brauchst du etwas?" Er dachte mit Widerwillen an Selenna und wünschte, ihr zu zeigen, daß sie 'hm,,trotz allem, ">Et sei , das Wort wühlte in ihm. Sie würde ihren Schatten, den verdrehten Dr. Kittel, die behende Ratte, mitnehmen; es wurde sie eine Masse Gelb t0^Sie bankte lächelnd, sehr warm mit Mund und Augen.Nein, danke dir von Herzen. Immer der alte, gute Lu!"

Er wurde furchtbar dose, der alte gute--

Eine Uhr schlug. Andre Uhren und Uehrchen antworteten. Ein klingen­des und mahnendes Konzert. , . .,

Im Winter willst du hier in Berlin tanzen? fragte er feindselig.

Sie nickte.Willst du mich sehen?"

Ich glaube nicht."

Es muß meine beste Leistung werden! Ich bin vollendet ausgeruht, voll drängender, befreiter Kraft. Auch das durch diese Zeit durch bich. Weißt du: Es ist doch das reinste Gluck, zu formen... Sie bewegte leicht' zärtlich und anmutig die inbrünstig greifenden Hande m der Luft, kaum merklich die Arme, den ganzen Körper.

Er sah ihr wortlos zu: ein fremder, schwerer Herr dieser Erde...

Und nun erhob sie sich lautlos, wie schon einmal vor einiger Zeit, vor langer Zeit, fo dünkte es sie, und stand herrlich, wie das süße Leben vor ihm.Ich will nun gehn. Lu. Leb wohl Heber Lu! E n furchtbar schwieriges Erlebnis, wenn ein mächtiger Fixstern und em im Lebensraum tanzender temperamentvoller Komet Zusammenstößen... Du warst sehr gut zu mir. Unauslöschlich gut unb heb. Fern vom Alltag, beine Welt. Unb eine kostbare Besinnung. Ich danke bir von Herzen, Lu Es ist besser so besser auch für bich. Seiner kann feiner Welt entrinnen, unb überall geht ber Tanz weiter..." Sie neigte sich stark unb freimütig zu ihm unb riß sich los.

Dann horte er, wie schon einmal, ein Kleib knistern unb rauschen. Spürte eine bezaubernbe Lebenswärme, einen heißen Lebensbuft ent­schweben. Er brähnte ihr nach, ein unbeholfener Riese, wie er sich fpurte, ber etwas Helles, ungreifbar Halbes verfolgte. Er umfaßte bas Ge- länber.Nimm meinen Wagen, Katarina! Finke soll dich fahren. Klüter!" Seine rauhe Stimme bebte, wie das Geländer.

Ja, den nehm' ich gern, Lu! Ich gehe durch den Garten.

[ Addio, LuI"

XXIX.

Um die Mittagsstunde muhte Diez nach der Bülowstraße fahren. Sein Nachfolger im Archiv derVegumag" konnte sich in einer Sache nickt zurechtfinden. Diez hätte es telephonisch erledigen tonnen Jeden- falls befand sich Diez bald darauf auf dem Korridor der Reklame- QbU,gräulein Grotemeyer ist beim Chef," sagte Bürodiener Ziepke.

Diez schenkte Ziepke keine Zigarette, ließ Ziepke stehn unb ging gebankenvoll burch ben Korriborschlauch weiter. Nichts Neues-. Machte Karriere, Fräulein Grotemeyer, hegte ben naiven Glauben, bie dicke Raupe Brosie ums Fingerchen wickeln zu können. Aber solche (Tajaren aus Talg litten mitunter an Geistesverwirrung, dachte Diez gemuthd).

Da war das Sekretariat neben dem Chefbüro, und plötzlich erschien Till in Lebensgröße in der Tür und prallte auf Herrn Dr. Diez Haffet- brink Sie sah frisch und jung aus, gerötet, wunderbar hübsch, wie er sie kaum noch gesehn zu haben glaubte; sie schien auch großer und statt­licher zu fein, eine köstlich lebendige, weibhast und zornig erregte Im- Nanu, Diez?" Auch sie starrte ihn an.

Dahinter, in dem großen Privatbüro, stand der kleine, rundliche Eugen Brosie, ein rosiger, fetter Gummifchwamm, und starrte edensaus. Dann klappte die Tür unter Tills Händen kräftig zu.

(Fortsetzung folgt.)

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Klüter stand lautlos da, Kopf schräg, ein Bild gedunsener und Verschwiegenheit.Die gnädige Frau ist dal

Wer?"

D^r^Prostsist "drehte sich mit raschem, kräftigem Schwung aina fest und würdig, an die Treppe hinaus.

6 9©tör' ich? Guten Tag! Ich bin gestern öuruckgekommen.

-u schlechtes Wetter bei Julia. Immer Sturm und Regem

8 ^ch freue mich Gut zurück? Wollte eben ein Stuck an gehen." Er küßte ihr die Hand und sah sie mit blanken, harten Augen an Willst du nicht ablegen, Katarina?" . ,

Sie fckritt voraus.Wie geht es dir? Ich erwartete immer einmal

von dir?u hören Lu. Oh, wieder stattlich und frisch? Natürlich!" Sie musterte ihn ernst und aufmerksam und nahm Platz. ^Jch hotte keine Ahnung ich hörte erst gestern davon; Kika hat deinen Gartner Glanzel

unb M mll «tobenem Stan wieder besorgt prüfend, in sein männliches, unverändert sympathisches und verläßliches Gesicht. Er war dennoch verändert, frember durch ein Erlebnis. Sie war selbst verändert durch einen Komplex von Er­lebnissen. Er wirkte wie ein versachlichter Freund aus sie, unbestimmt älter für ihr nüchternes Sehen, und war in jeder Sekunde ein unaus­sprechlich vertrauter Freund, voll lebendigster Erinnerung.

(Sie selbst bot in dem hellen Pelz einen mädchenhaften frischen An- blick dar- war von der kalten Luft draußen belebt und gerötet; der heitre Mund blühte, als müsse er unbefangene Dinge sagen, unb die hohen Brauen mit den leichten haarechten Abstrichen an ben Seiten waren noch liebenswerter _ m

Da war wieder die grimmig beißende Wunde ber ungeheure Groll unb Schmerz... Louis faß unbewegt.Du siehst ausgezeichnet aus!