^era» Iwortlich: l)r. HansThyriot. Druck undst)erlag:Drühl'jcheUniversitätS»'Luch« und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.

sich innerlich.

Alle Leute hat mein Vater mit Baumen verglichen", berichtete die Gret.Siehst du, sagte er zu mir, der Gemeindevorstand ist eine alte knorrige Kiefer. Eigensinnig und rückständig. Der ist nicht über sich hinausgemachsen. So war es. Man hat s ja erlebt. Ich halt's mit meinem Vater. Die Iran Lehrer, bei der wir waren, das ist eine feine Tanne, ohne Knorz. Die hat saubere Aeste nach allen Seiten, gleichmäßig gequirlt. Ein Prachtmensch im Wald. Wenn wir aber erst zur Frau Förster von Siebenellen kommen, da sollst du mal eine Fichte sehn!" |

Während sie so plauderte, raffte sie ihren Kram zusammen, und | nI-8 sie ihren Korb wieder auf dem Rücken hatte, setzten sie ihre Wanderung fort. , , .t . !

Sie veranlaßte ihn, vom Einsamerhof zu erzählen und wie es . ihm dort ergangen war. Zuerst wollte er nicht, schließlich ruckte er doch mit seinen Sorgen heraus. Ohne ihn zu unterbrechen, hörte sie mit geschärftem.Gesicht zu. Er berichtete nicht viel, man­cherlei für sich behaltend. Von Flunk erzählte er und vom Ver­lust seiner Harmonika.

Urteilend wiegte sie den Kopf. Ein lautloser Sturm ging über den fernen Knecht nieder. Der fchüttelte ihn bis in die Knochen.

Der Flunk", sagte sie streng,der ist ein ganz gewöhnliches Krummholz. Eine Latsche ist der. Schau ihn doch an, wie er schlurft. Finsteres Gestrüpp. Den wurmt's, baß du ein feiner Baum bist. Krummholz will nur Krummholz."

Wie zornig sie war.

Mußt halt darüber wegkommen, Juppi."

So gelangten sie nach Stebenellen.

Die Frau Förster war in ihrem Garten vor dem Forsthaus und mit ihren Blumen beschäftigt. Weiße, blaue, blaßrote Blumen.

Ei! Astern", rief die Gret, als sie die Frau begrüßt und Juppi vorgeführt hatte.

Der Sommer ist nicht laug bei uns, so müssen wir uns an die H^bstblumen halten."

Ich habe lange nicht so schöne Astern gesehn", sagte die Hem- den-Gret.

Das ist also der kleine Hofschaffer, von dem Ihr mir erzählt habt", meinte die Försterin.

Sie faßte ihn an der Schulter und bat die Ankömmlinge ins Haus. Schüchtern ging Juppi neben der großgewachsenen Frau. Sie war wirklich einer wohlgestalteten Fichte gleich. Noch nie war er einer so ansehnlichen Fran begegnet. Selbst die Gret mußte zurückstchn, die doch auch kräftig uud behend war.

DaS Forstbaus, mit einem mächtigen Hirschgeweih über der Tür und aufstrebendem Spalierobst rechts und links, war am Hang hingebaut und schaute mit seinen beitern Fenstern hinunter in da? von einem Bach durchflossene Wiescntal und schaute dar­über hinaus, wo sich das Land öffnete und Felder hergab für Ge­treide, Klee. Rüben und Erbsen. Hinter dem Haus wipfelte der Buchenwald, von milder Sonne angeiprüht.

Die Gret lud im Gang ab und wischte vornehm die Hände an den Rockfa^se». ehe sie eintrat in die Stube. Jupvi wurde von der Hand der Försterin freundlich über die Schwelle gedrängt. Nun waren stc int Zimmer, die Frau rückte Stühle und bot sie zum Niedcrsitzen nn. Juppi zöqerk. Die Stühle waren braun von Aussebn und hatten gedrehte Reine. Ihre Sitze waren mit Leder bezogen und. weiß Gott, golden benagelt Auf solchen Stühlen

nachten, das war Geburtstag.

Aber Frau Förster!" wehrte höflich die Gret.

Wir haben keine Kinder ..." sagte die Frau, räumte den Tisch ab, hieß die Gret, ihre mitgebrachtc Ware auspackcn, und ging hinauf, um den Anzug zu holen.

Juppi blieb allein im Zimmer, wo die Uhr tickte. Schnell huschte er zum Schrank, berührte ihn behutsam mit fühlenden Fingern. Das Holz war kühl und glatt wie Glas.

Die Gret brachte ihren Battist zum Vorschern, ein Paar Männerschuhe, die sie in Passau für den Förster hatte besohlen lassen, Schuhriemen und eine Rolle Zwirn. Die Försterin lud ihr den Anzug auf. Dann wurde der Battisthandel abgewickelt und auch das Geld für die Auslagen erstattet. Als man zum guten Beschluß noch einen Malzkaffee miteinander trank, erzählte die Gret von Geschäften und Kunden waldein und waldaus.

Der Uhrenkuckuck rief eins, da brachen sie auf, die Wasche- TClfCTtbCtt»

Auf Wiedersehn in deinem neuen Anzug", sagte die Försterin äU (Seh«'Augen begegneten strahlend ihren mütterlich freund­lichen Augen. t

Dankschön ..." flüsterte er und ergriff ihre Hand.

Sie verließen den Astergarten und überschritten den Bachsteg. Juppi schaute zurück: die große Frau schloß die Gartentür.

Eine hochfeine Fichte, die Frau Försterin", sagte Gret ver­traulich.Kerzengrad, ungezwungen wie ein schöngezogencr

Und "gut ..." fügte Juppi hinzu, aus dem Baumgleichnis seiner Freundin fallend. m ,

Der Nachmittag verstrich mit neuen Gangen, Besuchen und Geschäften. Abends blieben sie in einem Dorfwirtshaus. Bei Sonnenaufgang reisten sie weiter durch Wald und Wald.

So brachten sie eine Woche hin und auch die halbe uachste. Der Ballen auf dem Tragkorb nahm an Umfang ab. wie es Gret ge­wünscht hatte, das Gewicht und der Inhalt ihres Geldbeutels nahmen zu. Der Vorrat war fast abgesetzt, da schlugen sie einen aroßen Bogen durch das Wogenmeer der Fickten, Kiefern und . Buchen. Sie steuerten nach Hause. Da ward es Juppi schwer umS £cri.

Juppi ohne Heimat.

Nach diesem Herumzigeunern mußte Juppi miede/: den Berg hinauf zum Einsamerhof. Ihm war gar nicht wohl, als das Dach zwischen den Bäumen auftauchte und Flunk ihn mit schiefem Blick vor der Scheune erwartete.

Vom Urlaub zurück, Urlauber, he?" grunzte er mißlaunig. Was hast mir miGebracht?"

Juppi erschrak. Was batte er ihm mitgebracht?

Er zog ein belegtes Brot aus der Tasche, das ihm die Gret beim Abschied zugesteckt hatte ...

Man stand mitten in der Ernte. Die Nacht war kurz, die Tagesarbeit lang. Juppi wurde nicht geschont. Zog er zwar noch immer in der Erinnerung mit der Gret von Ort zu Ort, durch den großen Wald, übernachtete er zwar nock immer mit ihr in den Wirtshäusern und betastete heimlich die Möbel der guten För­stersfrau, deren Gestalt als ein klarer Baum in seinem Seelen­wald prangte, so hatte er doch auch Freude an der Feldarbeit, überdies wollte er sich nützlich machen, damit ihm seine Gemelnde- kindschaft niemand vorwerfen könnte. (Fortsetzung folgti.

Wald- phantasierte die Gret.Dann könnte man lang Wäsche

^Ich"helf"dir beim Verkaufen. Wenn du mal alt bist, dann gehich mit dem K°rb von Ort zu Ort" bot sch Juppi an.

Sie strich mit der Hand über sein blondes Haar.

man läuft M die Beine ab", meinte sie.Die Baume wissen, warum sie stehn bleiben ..."

"Ich "hab's°von mkne^Vater, das Laufen", gestand sie.Der batte das Leben auch in den Füßen. Durch ganz Deutzchland ist er gewandert, von Bayern bis ans Meer, und wenn die Straßen dor°t nickt zu Ende gewesen wären, hätte er sein Lebtag nicht kehrt gemacht. Als er schließlich daheim wieder ankam, war er noch nickt müd. Mit allen alten Bäumen unterwegs hat er Bekannt­schaft geschlossen. Ich hab etwas geerbt davon.

Bäume sind schön", sagte Juppi einfach. Das Bild seines Nuß­baums im Einsamerhof kam ihm in den Sinn: die Aeste langten hoch in die Luft, und die Blätter wischten wie Vogelslügel unter ^^"Ein^ Notizbuch, erzählte die Hemden-Gret, habe ihr Vater hinterlassen: darin seien lauter Vaumgeschtchten gewesen. Einmal habe er draußen im fernen Spessart eine tausendjährige Elche sechsmal mit ausgebreiteten Armen umspannt und seine Brust gegen den Stamm gepreßt, an den hölzernen Turm. Da habe es ?nnen geläutet. Bald hernach wäre die Eiche eingestürzt wie ein Bauwerk ... Um einen großen Nußbaum bet Erfurt habe er Tränen vergossen. Im Krieg hätten sie den Baum umgehauen für Gewehrschäste ... In Nassau habe er einen toten Mann in einer hohlen Linde gefunden. Das sei ein Gärtner gewesen, der kurz vor seinem Ende in die Höhlung gekrochen und in ihr wie in einem aufrechten Sarg verschieden war ...Das hat er ausgeschrieben. So war mein Vater. Er hat gesagt, die Menschen sind Baume. Mit dem Leib wurzeln sie unten, mit dem Geist oben. Manche stehn

aufrecht da und stattlich, andere hängen schief und krumm. Denen fehlt's dann innen", und sie flocht ein:Du mußt achtgeben, Juppi, daß du ein grader, guter Baum wirst."

Juppi dachte an seine himmelhohe Mittagsfichte und reckte

hatte nicht einmal sein Vater je gesessen, und er selbst erst recht nicht. Aber die Gret nahm ohne weiteres Platz.

Setz dich, Kleiner", forderte ihn die freundliche Wirtin auf. ^^JHr^Mann^käme heute nicht zu Mittag. Es sei genug da. Ob sie nicht mttessen möchten?

Die Gret wollte keine Umstände machen.

Ihr werdet mir doch den Jungen nicht um einen warmen Teller bringen", entgegnete die Försterin.

Und sie deckte den Tisch.

Plötzlich schnurrte die Uhr an der Wand, und ein Kuckuck rief stürmisch zwölfmal ins Zimmer. Er wippte vor seinem Uhrcn- haus, machte bei jedem Ruf einen Knicks vor Juppi und ver­schwand hinter seiner kleinen Klapptür. Der Lauscher saß da auf seinem goldbenagelten Stuhl und rührte sich nicht. Was es alles gab. Der übertraf noch um etliches seinen Finken.

Juppts Blicke weideten auf den Gegenständen. Die Möbel waren alle braun poliert und wie aus dem Laden so gut erhalten. Nicht ein einziger Kratzer verunstaltete die Tur des Geschtrr- schlankes, noch die Säulenbeine des Nahtlschchens am Fenster. So vornehm war alles und doch vertraut. Die Freude, hier zu sitzen, erquickte ihn und flößte einen wunderlich sanften Rausch m ®ie a^en^'zu brttt, die Försterin hatte ihm den Teller gefüllt. Das war ein Essen: Knödel und Pilze, auch etwas Fleisch. So ein Essen hatte damals nicht auf dem Tisch seines Vormunds gestanden, wenngleich es am Sonntag rvar, als er ihn aussuchte, eh er zum Einsamerhos hinauf mußte. Und süße Kirschen hatte es ganz und gar nicht gegeben, das wußte er genau.

Eine Glasschale voll eingemachter Schwarzkirschen wurde ihm zugeschoben. Die waren entkernt. Volles Ktrschenfleisch. Er genoß ÖtCId)*1 meine"6/ sagte die Försterin,Euer Juppi braucht eine bessere Hose und auch eine Joppe. Ihr sollt einen abgelegten An­zug haben, bringt ihn zum Schneider und laßt einen Jungen- anzug draus machen." , , n

Wie? Einen neuen Anzug sollte er haben? Das war ja Weih-