Altes Bauernhaus.

Don Karl Burkert, GDS.

Mag auch die Welt mit allen Winden treiben, dies Haus steht fest und will nicht anders fein. Es grüßt sein Herz mit ruhig blanken Scheiben und bauernehrlich in den Hof hinein.

Ein Friede glänzt aus Dach und Tür und Schwelle, ein Schwalbenglück an rauher Bretterwand.

Getreu der Hausgeist schwebt um Herd und Ställe, schützt Huf und Horn und wahrt den Scheiterbrand.

Aus allen Luken streicht, aus allen Ritzen, der Duft des Korns und streng der Brotgeruch. Bom Zinngeschirr die stillen Stuben blitzen, und Spind und Kasten sind voll Flachs und Tuch

Der Nelkenstock am schmalen Kammerfenster, der leise Braus, der durch die Linde geht. Kein Wank, kein Zweifel, keine Nachtgespenster nur hell der Mensch, der seinen Tag besteht.

Einst im Dezember.

Von Karl Burkert, GDS.

Der Winter war damals noch ein gerechter, redlicher Winter. Meist schon am Sankt-Martins-Tag zog der Steffel Vogelroth, was der dösige Gemeindediener war, zog der Steffel sich die bunte Zipfelhaube, mit den Schneckenhörnern dran, über die Ohren, kroch derselbige mit seinen groben Bauerntatzen in die schafwolligen, schaffarbenen Fäust­linge hinein und dann war's auch wirklich ernst, nämlich mit dem Winter.

Die Dorfstrah« war mit dünnen Eisspiegeln überfroren, der Acker taute nicht mehr auf, die Wiesengründe versanken in Starre. Am Mor­gen stand die Sonnenkugel trübrot und dunstig über den bereiften Wäldern. Ihren kargen Schein schleppte sie wie einen vergilbten Vesper­mantel durch die ausgedarbten, schmalwangigen Mittagsstunden. Alle Tage ein Zeitlein früher schwand sie, drüben über dem alten Heidenstein, hinter die tannenschweren Hügel. Jäh wuchs die Nacht in die Stuben.

So schloffen wir in den Dezember hinein, und draußen in der Welt und auch drinnen im Menschen wurde es von Tag zu Tag stiller, lieber ein Kleines war der Schnee da. Wie ein Geheimnis war er aus den Wolkenfalten der Nacht gesunken. Man schlug in einer Frühe die Augen aus, und da waren das Kirchdach und die Schulscheuer weiß. Im Apselgarten ziepten die Meisen. Ihre gelben und blauen Vogel­brüstchen leuchteten wie die grellen Gedenkbilder, davon wir das Ge­sangbuch und den Katechismus voll hatten, und die wir unter den Bankladen verstlchlen den Dorfmädchen zuschoben.

Mausflink sichten die Meisen durchs Gewipfel. Immer schnabelfertig hackten sie in alle die Rinden und Ritzen. Die Dorfspatzen waren ein­fach perplex. Verstrubelt, vergrämt glotzten sie von der Dachrinne.

Und dann schneit« es wieder und wieder, und die ganze Welt schwebte auf einmal nach lauter Schnee. Nun zeigten sich auch die Häher. Mit ihren bunten Federspiegeln schlüpften sie scheu durch die Haselhecken, die rundum das Dorf umhegten. Die Spatzen fingen zu lärmen an:Mordio!" klang's von allen Ecken und Enden, hinaus mit diesen Rittern! Sie fressen den kleinen Leuten, das Brot weg! So schilpten und schrillte« die Dorfspatzen, und ste stürzten sich in Hast aus di« RoHäpsel.

Und die Brunnen wurden immer verzagter. Zittrig klingelte ihr Strahl. Dom Brunnenrand hing ein Eisbart. Der Pump-nschwengel knarrte vor Frost. Der Gockel spreizte sich im Huhnerloch, zeterte Mit seinen Hennen und getraute sich nicht mehr heraus. Das Kronlein könnt' Ihm verfrieren! An den Stallwanden glimmrete e- wie stlbernes Gespinst. Di« Haustüren kamen wieder zu Ehren. Ordentlich schnappten sie mit de« altväterischen Schlössern. Die^ Bauernstuben- brodelten vor Wärme, aber nur selten lag so em messtnggelber, hölzerner W nter- sonnenltrabl über dem Tisch. Die Tage wurden immer verschlossener. Wse Nüsse waren fk wie Wundernüsse, darinnen -in G-he.mms ver- 8miUnb'efn einem Nachmittag, da war's dann soweit. und ich ging mit dem Steiiel iiu Holze. Sem langes, blankes Waioveu yarre er unter* benSlrm geklemmt Das Dreiuhrläuten hing noch versummend in der Lust, wie wir den Wäldern entgegenschr.tten. Dw ^lder glanzten leicht schneeblau. Klar und scharf zackte «me ferne Sch-rm^nnem den Himmel Dünn sickerte das Licht durch den Schlehdorn Di Raben doften aus den schneeoerkrusteten Wegbaumen, rauschten Ejzsnieael zer-

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raumig war sein Schritt. Kickten und nichts wie

Run standen tmr mitten im yii(f)tenl)ol3. ü o)TOh, r Want.

Fichten. Tadelloses Gewächs. Fichten, «re lunge Mädchen so Ick Die erste beste war ein Pracht stuck we?-eme Stadtstube noa,^ gesehen. Dem Steffel aber taugte sie nichtL^er ei^en 6onner((f)Iäd)=

Verwöhnter. Für alles, was Waldi hieß, b er^en umher, tlgen Blick. Spähend, wählend trat er 3 I , Schnee stäubte

Er klöpfette mit dem Beilstiel an em Stämmchen, ^vqne^^, von den Zweigen. Er bog hier und bog Qten üiich jetzt und

bemusterte einen jeden AstquirbWas meinst? Jr S rcbete ich

dann fein« stillen Augen.Nimm ihn, aber immer war es

mehr denn ein halbes Dutzendmal dem Steffel zu, aber imm

vergebens. An meiner Nase vorbei ließ «r den FlchMng wieder auf in die Lust schnellen. Der hatte sich noch kaum zur Ruhe gewiegt, waren wir schon wieder weiter.

Aber allmählich kamen wir dann doch zu Streich; der Steffel hatte endlich den richtigen Baum gefundenSchau, das wird er jein!" sagte er mit großer Ruhe, und dann blitzte das Beil.Er könnt' meinet­wegen noch schöner fein!" sagte er, als er das Bäumlein ausastete. Aber", fügte er hinzu,alles auf der Welt ist halt, wie es eben ist. Du mußt eben tüchtig was hinaufhängen!"

Wenn ich's heut überdenke in jenen paar Wochen stak eine ganze Philosophie. Damals ließ mich das ungeschoren. Es lag mir der Baum auf der jungen Schulter, und wenn das kein Glück war, dann weiß ich nicht. Wie wenn ich den ganzen Wald und alle feine Geheimnisse auf der jungen Achsel trüge, so war mir tiefinnerst zu­mut. Wie der Fahnenträger aller Menschenfreunde fchritt ich einher neben dem Steffel. Abendgrauen umwob uns. Rundherum war Frieden und Schweigen. Einmal ruckte noch ein Holzstäuber in einem Tannenschlag, bann warb es wieder still. Die Bäume schmiegten sich weich ins Dunkel, ihre Wipfel horchten in den weiten Himmel.

Wir gingen heimzu über das schneeweite Feld. Wie goldene Blumen blüten ein paar frühe Sterne aus der Himmelskrone. Eine Vetglocke fang und schwang von irgendwo. Wie kamen ins Dorf, und das silberne Mondhorn glänzte hinter dem Kirchturm hervor. Droben der frischvergoldete Uhrweiser ging stark auf Fünfe. Unten die Dorf» straße roch auf einmal nach Weihnacht.

Brief im Advent.

Von Else von Hollander-Lossow.

Ziemlich spät kam der Briefträger. Ursula hatte schon ein paarmal aus dem Fenster gespäht. Endlich klingelte es. Sie lief zur Tür. Zei­tungen kamen, ein Bankbries für den Vater, eine Postkarte für die Schwester, für sie felber ein Brief ... aber nicht der erwartete! Sonder­bar. Herbert schrieb zu jedem Sonntag, und gerade zum Advents­sonntag sollte er nicht schreiben? Von wem war denn der Bries? Da ertönte der Messinggong, sie legte den Brief auf die Diele vor den Spiegel und eilte an den Frühstückstisch.

Eine merkwürdige Beleuchtung hatte das Zimmer. Gegen «ine schwarzdunkle Wolkenwand schien die Morgensonne.Vielleicht gibts Schnee!" meinte der Vater.Au fein, wenn Weihnachten Schnee läge, ich wünsche mir doch Skier!" rief der Tertianer.Und was für Wetter bestellst du dir, Ursula?" Die Mutter lächelte zu ihr hinüber. Ein schnelles Erröten machte Ursulas Gesicht weich und lieblich. Es war ja ein Geheimnis zwischen ihr und der Mutter, um das die andern noch nicht wußten. Aber daß Herbert nicht geschrieben hatte! Sollte er so viel zu tun haben?

Du mußt heute noch den großen Adventskranz winden!" erinnerte der Vater,das Tannengrün ist vorhin schon vom Gärtner gekommen!" Seidenband hab ich gestern schon gekauft", nickte Ursula,rotes, und rote Kerzen, wie immer!"

Ihre ältere Schwester zuckte die Achseln:Für meinen Geschmack sieht Silber und Weih viel feiner aus, aber du klebst eben am Her­gebrachten! Weil der Adventskranz immer mit Rot war, muß er so bleiben!"Und wenn ich das täte ... wäre das etwas Schlimmes?" Ursulas Stimme klang etwas beleidigt. ,Zhr seid doch wirklich dof!" mischte sich der Tertianer ein.Geldes Band und gelbe Kerze» sind das einzige Wahre, die riechen doch am besten!"

Kinder, streitet euch nicht", der Vater zündete sich seine Zigarre an,beeilt euch lieber, daß wir den Kranz bestimmt zu unferm Nach­mittagskaffee fertig haben. Ich mag das zu gern, wenn die Wachs­kerzen duften und der erste Tannengeruch das Haus weihnachtlich durch­zieht... lieber die Farbe müßt ihr euch schon einigen!" Aber es fiel nicht so leicht, sich zu entscheiden. Wer sollte nachgeben? In der Wohn­stube neben dem Ofen lag das Tannengrün in einem Haufen, aber keines von den Geschwistern hatte so recht Lust, anzufangen. Heraus­fordernd lagen rote, weiße und gelbe Bänder und Kerzen auf dem Tisch und schienen zum Kampf zu rufen.

Ursula, die zögernd an diesen Tisch getreten war, fiel auf einmal der Brief ein, den sie draußen hingelegt hatte. Der Poststempel unleser­lich. Sie trat ans Fenster der Diele, riß den Brief an einem Ende auf. Sah nach der Unterschrift. Las. Der Bries war von Herbert- Schwester, die sie noch nicht kannte, Herbert war mit dem Auto verunglückt.

Ursula hatte keinen Blutstropfen mehr im Gesicht, als sie zu der Mutter ging und ihr stumm den Brief reichte.Armes Kind!" Mehr konnte die Mutter nicht sagen.Aber er lebt! Es ist ... doch noch Hoff­nung ... Vielleicht ..."

Gerade jetzt!" Ursulas Sippen begannen zu zucken, und plötzlich lag ihr Kopf an der Schulter der Mutter. Die konnte nur streicheln und streicheln. Was sollten Worte nützen? Vielleicht war ein schöngefügter Plan für immer zerbrochen. Statt voll fröhlichem Verlobungsjubel mür­ben die Weihnachtstage voll Trauer und Leid fein.Seine Schwestep schreibt ja, der Arzt wird erst heute genau feststellen können, wie der

JKeinft du nicht, Mutter, daß das nur Aufschub, nur Verschleiern- wollen ist? Meinst du nicht, daß Herbert ... schon ... tot ist?" Ursulas Lippen wehrten sich, das Wort auszusprechen.

Auf einmal riß die Mutter sich zusammen.Wir telephonieren fetzt sofort mit seiner Schwester. Wenn es sein muß, fährst du noch heute hin. Kopf hoch, Ursula! Vielleicht ist es nicht so schlimm! Es soll doch Weihnachten werden, Kind!"

Aber es kommen so viele Menschen so elend ums Leben... Der Tod"nimmt nicht Rücksicht daraus, ob wir Advent feiern. ."

Nicht jammern, Ursula! Nicht, ehe du weißt, was ist. Vielleicht brauchst du alle Kraft, vielleicht braucht er all deine Kraft..."

Was werden die andern sagen?" Ursulas Stimme bebte. Die Mutter nickte ihr zu. ,Zch melde jetzt gleich das Gespräch an! Dann sage ich