Wird der Täter aber dennoch in der Stadt getroffen, so soll ihm di« Hand abgeschlagen werden." Und ebenso verstanden die Schweizer bei Gartendiebstählen keinen Spaß; wurde der Uebeltäter auf frischer Tat ertappt und konnte er den Schaden nicht durch Bezahlung sühnen, so mußte er zu Schimpf und Schande nackt von einem Ende der Stadt zum andern laufen.
So, geschützt durch des Gesetzgebers Bestimmungen, umhegt von Zaun oder Mauer, die die Früchte der Mühen dem Eigentümer sicherten, war der Oustgarten eine Stätte eifrigster Arbeit zu jeder Jahreszeit. In anmutigen Versen schildert der Mönch W a nd a l b e r t vom Kloster Prüm Obstgärtners Tätigkeit im Gang der Monate. Schon der März sieht ihn beim Versetzen und Pfropfen der jungen Stämme; dann folgt das Putzen und Beschneiden, und wie früh bereits diese Arbeiten eingebürgert waren, ersehen wir daraus, daß schon das Althochdeutsche dafür besondere technische Ausdrücke kannte. Erste Erntesreuden, aber auch Erntemühen erwachsen dem Gärtner, wenigstens im südlichen Teil unseres Vaterlandes, bereits im Juni, wenn die frühesten Obstsorten, Kirschen, Erstpslaumen und frühe Birnenarten sowie Süßäpfel, reifen und gepflückt sein wollen; es folgen bis in den September hinein, Pfirsiche, Spätpflaumen, Aepfel, Birnen und Nüsse und in manchen Gegenden Kastanien wie Feigen. Von Dauerobst, das für den Winter sorglich in eigenen Gelassen aufbewahrt wurde, kannte man damals nur den Apfel.
Während die alten Deutschen bis in das späte Mittelalter hinein auch das Wildobst, wie es Wald und Flur besonders in Form von Holzäpfeln und Holzbirnen spendete, nicht verschmähten und namentlich einen Most aus solchen Aepfeln zu schätzen wußten, schied man bei den veredelten Arten der Früchte deutlich zwischen vornehmen und gewöhnlichen. Nur auf der Herrentasel fand man Pfirsiche und Quitten, Feigen, Mandeln und Maulbeeren, von denen die drei letzteren bloß in wenigen Gegenden Deutschlands heimisch waren. Dagegen kann man als V o l k s o b st im wahrsten Sinne die im einfachsten Bauerngarten wie im herrschaftlichen Park nicht fehlenden Aepfel, Birnen, Pflaumen und Haselnüsse, nennen. Eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Gruppen nehmen die Walnüsse, die Kornelkirschen und Mispeln, sowie die früher im Süden und Südwesten auch in breiteren Volkskreisen heimischen Kastanien.ein.
Diese Mannigfaltigkeit, die jedem Tafelanspruch, von dem verwöhntesten bis zum bescheidensten, Genüge tat, wurde schon früh von den alten Deutschen dankbar ausgenützt. Namentlich in den Klöstern, deren strenge Tischregeln den Genuß des Fleisches vierfüßiger Tiere auf die Kranken und Schwachen beschränkte, bildete das Obst eine willkommende Abwechselung des Speisezettels. Daß auch der gesundheitliche Wert dieser Nahrung frühzeitig erkannt worden ist, wissen wir u. a. aus dem „R i n g" des Heinrich von Wittenweiler, einer mittelalterlichen Dichtung, in der ein Bauernarzt in einer Rede über die richtige Lebensführung eingehend von den Vorzügen des Obstgenusses, von der besten Zeit und Reihenfolge, in der es verzehrt werden soll, ausführlich spricht.
So, als Stätte frohen Naturgenusses wie als Spender künftiger ©aumentabe und Gesundheit geliebt und gepflegt, verwuchs der Obstgarten auf das innigste mit den Lebensformen unseres Volkes. Unbewußt war auch in dem einfachsten Mann die gleiche Schätzung lebendig, der der große Weise des Mittelalters Albertus Magnus Ausdruck gegeben hat, wenn er unter allen Gewächsen die Bäume, unter diesen wiederum den Obstbaum am höchsten wertet und achtet.
Die Dame mit dem Otterpelz.
Die Geschichte eines rätselhaften Falles von Caren. Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.
(Fortsetzung.)
Er ließ ihn auf einem Stuhl Platz nehmen, der im vollen Licht des breiten Fensters stand, und fragte in feiner selbstverständlichen und herzlichen Art: „Kommissar Kling hat mir gesagt, daß Sie ihm neulich ohnmächtig vom Stuhl gefallen sind. Passiert Ihnen das öfter?"
Grau wurde rot und machte eine unwillige Bewegung. „Unsinn, ich bin vollkommen gesund! Es war auch gar nicht der Rede wert. Ein wenig Hunger vielleicht. Ich hatte lange nichts gegessen." ,
Schon möglich. Sie machen ja auch im allgemeinen einen ganz kräftigen Eindruck. Aber vielleicht kann ich Ihnen doch etwas verschreiben, damit so etwas nicht wieder vorkommt. Denn ..."
„Danke, bemühen Sie sich nicht! Ich hoffe!, daß meine Verurteilung bald erfolgen wird. Und bann dürften Ihre Verordnungen ohnedies ziemlich Überflüssig fein, Herr Doktor!"
Er sprach mit einer spöttischen Ergebung, die irgend etwas Tragisches hatte. Morris entgegnete ohne die geringste Empfindlichkeit: „Vielleicht, Herr Grau. Aber vorläufig ist es ja noch nicht so weit. So ein Verfahren kann sich Monate hinziehen. Und Sie werden in dieser Zeit Ihre Kräfte sehr nötig haben! Wenn Sie bei jedem Verhör zusammenklappen oder gar ernstlich krank werden, tragen Sie jedenfalls nicht dazu bei, das Verfahren zu beschleunigen — wie das doch Ihr Wunsch zu sein scheint. Es liegt also in Ihrem eigenen Interesse, Ihre Gesundheit zu schönem Gestatten Sie ...?"
Er nahm ruhig die Hand des Patienten und fühlte den Puls.
Hm das Herz scheint nicht ganz in Ordnung zu sein. Sehen mir gleich einmal nach! Wollen Sie, bitte, den Oberkörper frei machen.
Grau entkleidete sich ohne Widerspruch. Die ruhige Bestimmtheit des Arztes schien ihren Eindruck nicht verfehlt zu haben.
Dr Morris war erstaunt über den fdjöngebauten, muskulösen Oberkörper des Mannes. Während er ihn abzuklopfen begann, fragte er ab- lenkend, „wo haben Sie denn Ihre prächtigen Muskeln her? Treiben Sie Sport?" m
„Nein, die habe ich mir bei der Marine geholt.
„Dann scheint Ihnen das Leben zur See ja ganz gut bekommen 3U ^Körperlich — ja. Aber psychisch wäre es bestimmt mein Ruin gewesen. Dazu gehört eine andere Natur. Nicht so ein Einzelgänger, wie ich einer bin. Diese fünf Vierteljahre waren die Holle für mich!'
Wieder wird der französische Gesandte in Berlin vorstellig. Blücher sah das Unheil kommen, versuchte es im letzten Augenblick abzuwenden. Ansang Oktober verfügt er die Beendigung der Erdarbeiten und den Beginn der Wegeverbesserungen. Zu spät! Napoleons Groll konnte er nicht mehr besänftigen.
Unaerroeilt wurde er nach Berlin zur Berichterstattung berufen. Seme Rechtfertigung mißlang, konnte auch nicht gelingen. Das Kolberger Lager gehörte der Vergangenheit an. Die Schanzen wurden wieder eingeebnet, fchmachvollerweise unter französischer Kontrolle. Blücher selbst mußte, wie schon einmal unter Friedrich dem Großen, in den Stand der Jn- aktivität treten!
Die Abhängigkeit der preußischen Politik von der sranzosischen wurde immer größer. Der König mußte für seine „zweifelhafte Politik" und schwankende Haltung büßen. Aus einem heimlichen Gegner wurde ein offener Verbündeter. Zwanzigtausend Mann mußte er gegen seinen einstigen Waffengefährten, den Kaiser von Rußland, aufbieten. Gerade soviel, als Blücher für seine Lagerfestung benötigte! Diese Zwanzigtausend aber waren es, unter ihrem Führer Porck, die den Umschwung herbeiführten. Blüchers kühne Pläne wurden wenige Monate später, wenn auch in ganz anderer Form, überraschende Wirklichkeit. 1813 und 1814 erfolgte Preußens Erhebung. Blüchers Verbannung wurde aufgehoben. Als „Marschall Vorwärts" errang er Weltruhm.
Obstgarten-Freuden der alten Deutschen.
Eine kulturgeschichtliche Plauderei.
Van Dr. Erich Weber.
Wenn die Kronen unserer Obstbäume im duftigen Festkleid vom bräutlichen Weiß bis zum heitern Rosa leuchten, an Anmut mit den nur der Schönheit dienenden Zierpflanzen wetteifernd, verstehen wir es wohl, daß unsere Ahnen in ihrem „obizgarto" ober „boumgarto" die älteste Form des Lustgartens sahen, daß sie in ihm, der im Verhältnis zu dem Würz- und Blumengarten weitläufig angelegt war und auch nicht des zierenden Schmucks von Sträuchern ermangelte, mit Vorliebe Erholung suchten.
Karl der Große, der dem Gartenbau eine so hervorragende Stelle unter den die Sitten seines Volkes veredelnden Einrichtungen zuteilte, gab das Vorbild in den Gärten feiner Pfalzen und Meierhöfe und vor allem der durch ihn beeinflußten Klöster. Im engen Bund mit den gelehrten Benediktinermönchen erließ er die Vorschriften zu ihrer Anpflanzung und Pflege, während er gleichzeitig durch seine weitreichenden Beziehungen, besonders durch seine Freundschaft mit dem Kalifen H a - run al Raschid, für eine Vermehrung des Anbaumaterials bes deutschen Gartens sorgte.
Wie seine Bestrebungen Wurzel schlugen, davon zeugt deutlich der aus dem dritten Jahrzehnt des 9. Jahrhunderts uns überlieferte Grundriß des Klosters St. Gallen. Hier wurde von den frommen Brüdern der Baumgarten in tief bedeutsamer Weise auf den Friedhof verlegt, rings um ein mahnend emporragendes Kreuz. Weiträumig breitet er sich aus, wie es das Capitulare de villis, eine heute Ludwig dem Frommen zugeschriebene Verordnung, auch für Meierhöfe fordert. Im Obstgarten vor dem Stadttor, auf dem grünen Rasen unter dem Schattendach der Bäume lustwandelten die Bürger, entflohen der Enge der damaligen Wohnungen; hier traf sich der Liebende in heimlichen Stelldichein mit der Dorfschönen, hierher slüchteten aus der Düsternis der Burggemächer König Ludwig und Irmengard, und des Baumgartens Wipfel waren Zeugen ihrer trauten Gespräche und ihres Verlöbnisses.
Und wenn der Dichter des „Heliand" ein Bild des Garten Gethsemane entwirft, in dem der Herr mit den Jüngern wandelt, dann wird es ihm von selbst zu einem heimischen Obstgarten — so innig verknüpft war in der Vorstellung der damaligen Zeit der Begrisf des Entspannung gewährenden Lustwandelns mit solchen (Bartenanlagen. Im 70. Titel des „Capitulare“ wird eine stattliche Anzahl von Fruchtbäumen aufgezählt, die die Verwalter auf den Gütern anpflanzen sollen, darunter vor allem mannigfaltige Arten von Ae-pfeln — diesem Obst, das, wie es das älteste wildwachsende Germaniens gewesen und als das früheste italienische Zuchtobst schon im Römerreich eine beherrschende Stelle gespielt hat, auch in den deutschen Gärten so entscheidend voranstand, daß der Name „Pomario“ häufig mit Obstgarten überhaupt gleichgesetzt wurde; aber auch viele Sorten von Birn- und Pflaumenbäurnen neben Kirschen, Pfirsichen, Quitten, Mandeln, Feigen und Nüssen sind hier verzeichnet.
Und daß diese Norschristen nicht bloß auf dem Papier standen, sondern erfreuliche Wirklichkeit wurden, wissen wir aus den Berichten der Visitatoren aus den Hofgütern. Die hier angelegten Baumschulen zeichneten sich häufig durch recht ansehnlichen Umfang aus; so erfahren wir, daß Kai er Karl einmal auf einem der Meierhofe 100 Birn-, 115 Pflaumen- und 1125 Kirschbäume setzen ließ. Das Verzeichnis der veredelten Obstsorten, das uns durch seine Reichhaltigkeit in Erstaunen setzt, muhte ihm alljährlich vorgelegt werden. Aber auch dem Obstbau im Kleinen galt frühzeitig Sorge und Schutz; so begann 'inboyerischen Bolts» recht der Begriff des Obstgartens, für den besondere Schutzbestimmungen galten, schon bei zwölf Stämmen. , .
Wie hoch die Schätzung der Obstkultur in der Folgezeit, besonders unter den Hohenstaufen, gewesen, geht aus den die Köstlichkei^n des Fruchtgartens chützenden und jeden Baumsrevel hart strafenden Gesetzen hervor^ So erließ Friedrich Barbarossa Zehentfreihelt für alles, ,was im Beschlüsse des Hofes" gebaut wurde, worunter ausdrücklich Die Baumfrüchte erwähnt wurden, und der Landfrieden von 1177 tat einen jeden der einen Obstbaum ober Weinstock umhieb, einem Mordbrenner gleich in die Acht. Nach einem von diesem Kaiser erlassenen und von Otto IV. 1209 bestätigten Gesetze mußte Derjenige, der einen Baum unbefugt fällte, den zwölfjährigen Ertrag als Strafe geben, wenn dieser Baum gepfropft war; und die gleiche Buße war auch im Schwab en- spiegel" festgesetzt. Doch noch weit strenger ging die Stadt Augsburg mit den Gartenfrevlern ins Gericht. So heißt es: „Der den anöern schädigt in seinem Garten, Baumgarten, Wiesen, so soll er an ben 'Pranger geschlagen, durch die Zehen gebrannt und aus der Stadt geschasst werden.


