ersten sichte rkschen Versuche war es und auch der ersten bitteren ent@tnma“nroai es für Selma Lagerlöf und die Ihren verloren, fremde Menschen übernahmen es, wohnten darin. Aus eigener Kraft vermochte Selma Lagerlös Marbacka zurückzugewninen. Mit dem Ertrag ihrer Feder kaufte sie Haus und Hof, mit dem Betrag, den der Nobelpreis ihr einbrachte, kaufte sie auch die Lande- , IC'$ßaSUIman einmal verloren hatte, das hütet man doppelt in seinem Herzen. War Marbacka bis dahin Selma Lagerlofs angestammte ererbte Heimat gewesen, so hatte sie sie ictzt^ nut dem । Ertrag ihrer Arbeit zurückgewonnen, — jetzt war da», damal» noch kleine Landgut, erst wirklich ihr eigenster selbstverdienter Be- I
Und weiter stillte sich das Haus mit Erinnerungen. Schöpse- I rische Stunden erlebte es. Ehrungen und Erfolge iah es. Seine eigene Geschichte und die seiner Bewohner stand in den Büchern, die in seinen Mauern geschrieben wurden. Von dem äußeren ; glanzvollen Aufstieg der Dichterin bekam auch der alte Hof den < ihm gebührenden Anteil ab. Er wurde umgebaut und erweitert. ; Ein schlichter, aber kostbarer vornehmer Herrensitz wurde aus dem . alten kleinen Landgut, das einmal bescheidene Wohnstätte eines ; Dorfpastors gewesen war. _ , . „ , ,
Es ist begreislich, daß ein solches Haus seinen Bewohnern mehi sein und geben kann, als Menschen. v ,
Selma Lagerlöf ist weder Gattin noch Mutter geworden, aber i sie ist nicht einsam gewesen. Das Haus hat wie ein lebendiges . Wesen ihr Leben behütet, ist wie ein treuer Kamerad aus Kind- : heitstagen mit ihr mitgegangen, ins Alter hinein. Und wie da» 5,aus ihr die Liebe vergalt, die sie ,hm zugewendet hatte, so haben auch'die Menschen von Jahr zu Jahr versucht, ihr die Liebe zu vergelten, die so warm aus ihren Buchern spricht. Das schon ; Marbacka hat oft genug Gäste gesehen. Fremde Menschen au« i allen möglichen Ländern, die kamen, um Selma Lagerlöf zu sprechen und ihr zu danken Zu danken für die Stunden warmer | Freude, die ihre Bücher bereiten. 3
Selma Lagerlöf ist einmal Lehrerrn gewesen. Sie ergriff dieses Studium, um aus der Enge Marbackas herauszukommen, ihren i Blick zu weiten. Dieser Berus brachte sie in engste Berührung J mit der Jugend. Spürt man nicht heute noch heraus^wie sie es < da gelernt bat, zu den Herzen junger unschuldiger Menschen zu, sprechen? Wie versteht sie es in „Nils Holgerson die Schönheit Schwedens zu beschreiben, ohne jede trockene Gelehrsamkeit. Wi- ist doch „Gösta Berling" so recht ein Werk für funge Menschen, junge^ hetzen Selma Lagerlös einen Teil von ihrer
Jugend abgegeben, der ihr für ihr ganzes Leben und Schassen ge- , blieben ist. Aber auch andere Eigenschaften wurden in ihr geroeal und gepflegt, seit sie vom Todesjahr ihres Vaters an - 1885 - als Lehrerin in Landskrona tätig war. Und wenn man all dies! Eigenschaften zusammenfaßt, dann kann man sagen daß der Lehw rinnenberus sie dazu vorbereitete, die große geistig und ethm hochstehende Volkserzieherin zu werden.
I >hre Ethik ist — wie alles an ihr — nicht» äußerlich Anerzogenes, sondern sie entspringt Quellen w ihrem Inneren i«
I ihrem warmen, empfindsamen Frauenherzen. Ihre Ethik ist durch aus christlich, aber niemals d ogmatisch. Sie bleibt auch hier» Mensch, — nichts als ein großer einfacher Mensch mit gesundet« Verstand und untrüglichem Gefühl für alles Gerechte, Erhabene, Schöne und Gute.
Sehr deutlich wird dieser Drang zum Guten hin tn tprem zweiteiligen Werk „Ierusale rn". Schon daß dieser Stoff M zur Gestaltung reizte, zeigt, was für ein herrlicher Mensch tu I dieser Künstlerin steckt. . k. ..
Sie war damals von einer Reise zurückgekehrt, die sie durch Deutschland, Belgien, die Schweiz und Italien bis nach Siziue« hinunter geführt hatte. Die Mittel zu dieser schönen Fahrt natt dem Süden verdankte sie einem Stipendium König Oskars um Prinz Eugens, diesen beiden wohlwollenden verständnisvolle« Förderern und Freunden der Kunst. Es war in der ersten Zct ihres jungen Ruhmes, und sie entschloß sich, den Lehrerinnenberu aufzugeben, um sich ganz ihrem anderen größeren Beruf widme« ÄU Nach ^kurzem Aufenthalt mit ihrer Mutter in Landskrona ging sie zu ihrer jüngeren Schwester Gerda, die in Falun verheirate war und mit der sie von Kind an eine enge Freundschaft vei b""Dieses° Falun bot ihr viele Jahr lang Zuflucht. Wie sehr d ihr ans Herz gewachsen war, sieht man aus der Tatsache, daß m dort einen großen Teil ihrer Bibliothek, Porträts von Freunde« und Ehrengaben bewahrte. . .
Al« sie nun 1897 dorthin kam, um ihre Reiseeindrücke in Jiuo zu verarbeiten und sich zu neuen Ausgaben zu sammeln, hörte W von den Dalbauern erzählen, die ausgewandert waren, um m heiligen Lande ganz im Sinne der christlichen Lehre zu leben um iU Das^er'grifs Selma Lagerlös so stark, daß sie sich entschloß, dit Geschichte dieser frommen Auswanderer zu schreiben. Zwei JaP‘ später reifte sie nach Aegypten, Palästina, der Türkei uitd Grn chenland und arbeitete danach den zweiten Teil ihres Roman- „Jerusalem" aus, der in Jerusalem selbst spielt. ,,
Ohne zu übertreiben darf man sagen, daß uns aus den za i reichen Werken dieser nordischen Dichterin — in deutscher ueve tragung find sie alle bei Georg MüllerÄlbert Langen, München und auch etliche bei Hesie und Becker, Leipzig, erschienen - Bild einer großen vorbildlichen Frau entgegenleuchtet, aut 01 Schweden stolz fein darf.
Nechenschast über den Nobelpreis. I
Von Selma Lagerlös. I
Es ist ein wunderschöner Herbstmorgen, und ich gehe im Garten von Marbacka auf und ab, wahrend ich über dw Antwort . auf eine Rundfrage nachdenke, die ich von „Svenska Dagbladet erhalten habe Tas Blatt bittet mich, mich über die Bedeutung auszufprechen, die der Nobelpreis für mich verwnltch gehabt hat.
Ich sehe so deutlich das von Mühen und Gedankenarbeit gezeichnete Gesicht des großen Ersrndeis mit den melamboHüften Augen vor mir und fühle, daß die stunde gekommen ist. Rechet- schäft abzulegen über die Verwendung der großen Gabe, die ich empfangen habe. £g @tnn roar- dazu angewandt, um in größerer Ruhe, nicht so gehetzt, meine schriftstellerische Tätigkeit -8RL sichen Forschungsinstituten, der Förderung einer großen Idee, wie so viele andere Nobelpreisträger Ach nein, gewiß nicht!
Vor mir auf dem Gartenweg liegt ein Häutchen lichtgelbe» Herbstlaub. Eine kleine junge Birke hat nachts in einem bösen Traum ihr Blätterkleid abgeschüttelt, und nun liegt eS ftter, blinkend wie Gold. „Sieh da, ein kleiner Teil vom Gold meines Nobelpreises", denke ich hei nur selbst. ..
Ich hasse meine Blicke über Büsche und Baume schweben, die in herbstlicher Pracht dastehen, über Blumenbeete, roo froftgefette Ringelblumen wie Goldmünzen leuchten, über die Eten Felder, die zur Winterruhe vergilbt sind, und wieder denke ich. „Sieh da, I Gold von meinem Nobelpreis."
Denn dem ist wirklich so. Um all dies zu kaufen, diese Selber, diesen Garten, mein ganzes Urväterhetm, dazu ist mein Nobelpreis verwendet worden. Freilich habe ich schon, bevorich den Nobelpreis erhielt, das Wohnhaus von Marbacka mit. ^em alten Garten gekauft, aber all das klebrige, Aecker und Walder, Wirtschaftsgebäude und Taglöhnerhäuschen, das wurde mein dank Alfred Nobels Testament. t „ „ „
Und nicht genug damit, daß es mein muibe, aber ba§ aUeä hier baöeim so herrlich verfallen unb verwahrlost war, hatte ich auch Jahr für Jahr bie große Freude, neuzubaueu unb zu restaurieren, zu entwässern unb zu pflanzen, zu orbnen unb zu schaffen, I ohne Unterlaß, solange auch nur ein Der von ber Gabe des aroßen Mannes übrig war. „ . ., I
Aber was wird er selbst davon denken? Wie wird er mich ! bcuTtcilen?
Wird er verstehen, daß, wenn ich nicht gerade hier, auf diesem alten Hofe aufgewachsen wäre, mit feinen irralten Brauchen, feinern tRetcbtuni on deinen unb ®cfcbtd)tCTi, feinen guten, fünften I Menschen, nie Schriftstellerin, nie Nobelpreisträgerin gervor-
^Wirb^er verstehen, daß ich nur eine alte Dankbarkeitsschuld bezahlt, nur dem Hof Medergegebeu habe, was er mir geschenkt hat?
Selma Laaerlof und ibr Heim.
Von Elisabeth Augustin.
Droben in Schweden, tm landschaftlich so reizvollen Värmland, feiert eine große Frau und Künstlerin in Stille und Einsamkeit ’^Ste^^aTikt)1 'allc^FeftlichkeN und kostspielige Beglückwünschung verbeten weil so viel Not in ber Welt herrscht, für bereu Llube- ruug bas Gelb besser verweribet werben könnte. Diese etne bescheibene unb menscheufreunbliche Geste entspricht völlig bem Wesen bieser schwebischen Dichterin, bie feit vielen Jahren in bei ganzen Kulturwelt geliebt unb verehrt wirb. Sie hat nie bte Allüren einer gefeierten Größe gehabt. Aller Berühmtheit zum Trotz ist sie bis heute bie schlichte Tochter ihres Laubes geblieben, das noch so naturnah unb bobenverwurzelt ist unb in bem sogar die Städter noch in innigem Zusammenhang stehen mit ber dörflichen Bevölkerung
Selma Lagerlöf ist ein außergewöhnlicher Mensch. Sich selbst treu geblieben, rote es nur den Größten beschickten ist. Ein anderer großer nordischer Dichter verlangt solche Treue von Menschen als höchste Forderung: Ibsen, in seinem „Peer Gynt .
Da, roo Selma Lagerlös vor 75 Jahren geboren wurde, auf dem Landgut ihrer Eltern und Großeltern, Marbacka. da wohnt sie auch heute Ein Sinnbild für die Treue dieser Frau zu ihrem Geschlecht, ihrer Familie, ihrer Kindheit.
Man kann sich fa auch kaum etwas Schöneres denken, als ein solches .(beim, in bem alles Erinnerung ist an glückliche Tage und an Leid, das ein Bestandteil des Lebens war, wie die Freude. Ein Heim, das innig verknüpft ist mit bem Lebenswerk, mit ber so lieb geworbenen Geschichte vieler Helden, die in Selma Lager- löfs Büchern Gestalt gewonnen haben.
In diesen Büchern trifft man immer wieder auf liebevollste Schilderung von Marbacka. So ist Marbacka Ltljecronas Hof in „G östa Berlin g" und in „L i I j e e r o n a s Heimat, und Marbacka ersteht auch vor unteren Augen in „Jans Heim- ro e h", in „Nils Holgerson", in „M a r b a ck a" und manchen Erzählungen ,,
Marbacka — deutsch Sumpfhügel — ist der schwedischen Dichterin viel mehr geworden, als ein Heim im üblichen Sinne. Es ist Wiege unb Zeuge ihrer Ktuberkräume gewesen: Heim ihres geliebten lebensfrohen gütigen Vaters, Heim ihrer guten Mutter, ihrer Geschwister, ihrer Großeltern: Schauplatz ber ersten stillen Freuden beim Lauschen auf die Geschichten ber Großmutter unb das fröhliche Singen und Musizieren des Vaters, Schauplatz der


