tm Gang stand Wasser, überall lagen verrostete Schienenstücke im Schlamm, die vorsichtig mit den Füßen ertastet werden mußten. Der Große, Starke, der sich vorhin wider die Bruder hatte erheben wollen, stolperte und fiel der Länge nach hin, wöbe, er sich eine nicht unbeträchtliche Wunde in die Hand rrtz. Schlammgetränkt erhob er sich, der Riß wurde mit dem einzig vorhandenen, nicht ganz sauberen Taschentuch verbunden. Kein Laut außer dem eintönigen leisen Aufprall des Wassers, das aus den Fugen und von der Decke tropfte. Hin und wieder machte sich auch etn aufgestörtes Tier, das man nicht erkennen konnte, davon. Die Grabesstille bewirkte, daß sich die Forscher nur flüsternd zu verständigen wagten, manchem war nicht ganz heimlich zumute. Nach einer Stunde stieß man auf herabgestürztes Geröll, das den Weg versperrte. Die zugeschttttete Ausfahrt konnte hier noch nicht sein, aller Wahrscheinlichkeit nach mußte der Tunnel hinter dem Steinhaufen weitergehen und die Knaben machten sich daran, den Schutt wegzuräumen und an der Seite aufzustapeln. Mitten in der besten Arbeit gab ein Kleiner der Meinung Ausdruck, daß Decke und Wände von jenem Pistolenknall zusammengebrochen sein müßte»! sicher lägen die beiden Leichen unter den Steinen. Alle hielten osort mit schreckensbleichen Mienen inne, aber Hans erinnerte sich aus Erzählungen alter Leute, daß man die Erschossenen damals gefunden und herausgebracht hatte. Indessen wollte die rechte Simmung nicht mehr aufkommen, auch fing die einzige Lampe an, trüber zu brennen, und die Helden machten sich, so schnell es gehen wollte, auf den Rückweg.
Dämmerung hing zwischen den Bäumen, als sie wieder herauskamen. Stumm und erhitzt trabten sie durch den Wald. Vor den ersten Häusern trennten sich Hans und Willi von den anderen. Morgen sollte die Erforschung fortgesetzt werden und der Große, Starke, dessen Vater ein Jnstallationsgeschäft besaß, versprach, eine, wenn es ihm glückte auch zwei frische Batterien mitzubringen.
Herr Reddersen war noch nicht zurückgekehrt, obwohl der Wagen schon vor einer Stunde zum Bahnhof gefahren war. Die Brüder fühlten sich erleichtert und reinigten sich notdürftig.
Plötzlich legte Willi die Seife ans der Hand: „Herrgott! Fritz!" Hans starrte ihn nur an. Fritz hatten sie ganz vergessen.
Sie stürmten wieder hinaus. „Nimm dir auch eine Stange!" ries Hans.
Es war schon fast dunkel, die ersten Sterne standen am Himmel. Glanzlos dehnten sich die überschwemmten Wiesen aus. Hinten die Berge waren nicht mehr zu erkennen. Die Brüder stakten wie die Besessenen, der Kahn schwankte gefährlich. Die Weide näherte sich, schwarz und gespenstisch.
„Fritz!" rief Hans leise. „Fritz —!" Alles still.
„Na, der wird einen schönen Bock haben!" meinte Willi. Aber seine Stimme klang nicht sehr sicher.
„Fritz--! Fritz--— k" Nur ba§ Wasser gluckste leise.
Die Weide war leer. Kein Fritz hockte im Geäst.
Sie fuhren um den Baum, sie stocherten mit den Stangen im weichen Grund, immer größere Kreise beschrieb der Kahn. Bis sie, ohne sich anzusehen, ohne ein Wort zu sprechen, langsam zu- rückstakten.
Der Wagen rollte gerade durch das Tor, als die Brüder sich auf den Hof drückten.
Herr Reddersen sprang herunter. „Eine Stunde Verspätung hat-der Zug gehabt, Jungens!" rief er. „Der Bahndamm ist ganz unterspült. Und jetzt habe ich einen Bärenhunger." Er ging zur Haustür, die beiden Jungens trotteten hinterher. „Aber wo ist denn Fritz?" fragte er plötzlich und blieb stehen.
Die Brüder standen mit gesenkten Köpfen.
,Fritz", sagte Willi leise und schluckte, Fritz ..."
In diesem Augenblick geschah ein Wunder: Fritz erschien in der Tür, braun, frisch, wahrhaftig, er war gesund!
„Ich habe mir gerade die Hände gewaschen, als der Wagen kam, Papa", sagte er, als ob das die unbefangenste Sache von der Welt war, und begrüßte den Vater.
„Na!" sagte der bloß.
Hätte Herr Reddersen nicht soviel von der Reise und vom Hochwasser zu erzählen gehabt — die Mahlzeit wäre in einer feierlich- lich-bedrückenden Stille vor sich gegangen. Denn Hans und Willi, die sonst kaum zu bändigen waren, saßen mit blassen Gesichtern da, rührten kaum das Essen an und stießen nur hin und wieder ein gepreßtes „Ja, Papa!" hervor.
Vis Herrn Reddersen endlich diese ungewöhnliche Schweigsamkeit auffiel. „Ihr redet ja heute keinen Ton, was habt ihn denn wieder angestellt, ihr Herumtreiber?"
Aber ehe Hans und Willi mechanisch ihr hier gänzlich unangebrachtes „Ja, Papa!" murmeln konnten, hatte Fritz gesprochen.
„Wir haben erst Schularbeiten gemacht, Papa, und dann sind wir in den Wald gegangen. Aber angestellt haben wir nichts."
„Na, dann ist's gut", sagte Herr Reddersen. „Aber es wird wirklich Zeit, daß die Mutter bald wiederkommt! Und nun marsch ins Bett, ihr hättet überhaupt schon längst essen sollen, ihr Racker ihr!"
Die beiden Aeltercn ließen den Kleinen unwillkürlich den Vortritt an Treppe und Tür. Sie standen alle drei schon im Nachthemd, da brach Willi endlich das Schweigen.
„Also wie hast du denn das nun gemacht?" fragte er und fing au, ein zweites Glas leerzugurgeln.
„Gelaufen", sagte Fritz.
Nun mußte Willi bas Glas doch hinstellen. „Was, gelaufen?
Hast >u gehört, Hans? Fritz ist durch das Wasser gelaufen."
Kans murmelte etwas vor sich hin und hantierte völlig überflüssigerweise mit der Bürste, als ob ihn das alles gar nichts anginge. r . . ,, ,,
„Ich bin einfach runtergesprungen und dann bin ich gegangen", sagte Fritz. „Hier, wollt ihr sehen?"
Er holte ein gänzlich durchtränktes und schlammige» Kleiderbündel unter dem Bett hervor.
Willi sah es sich übergenau an. „Wann war denn das?" fragte er, um etwas zu sagen.
„Zwei Stunden danach", sagte Fritz.
„Ja ..." meinte Willi gedehnt. Und nach einer Weile setzte er hinzu: „Latz man, ich werde das Emma morgen selber sagen, daß sie die Hose und des Hemd sauber machen soll."
„Schön", sagte Fritz und knipste das Licht ans.,
Fünf Minuten waren vergangen.
„Weißt du", sagte Willi plötzlich aus dem Dunkel, als wenn er genau wüßte, daß noch keiner eingeschlafen war, „wir wollen nämlich morgen noch mal zum Tunnel, da kommst du mit. Nicht wahr, Hans", fragte er in der Richtung zu Hansens Bett, „Fritz kann doch morgen mit, wenn wir zum Tunnel gehn?"
Hans sagte: „Ja."
Und weil er vorher beinahe gar nicht geredet hatte, mußte er sich erst furchtbar räuspern.
tasche eine Empfehlnugskarte, die erwartungsvollen Augen eröffnen liche ist diese Begünstigung schwer erwählte außer mir scharen sich unsre Führer sein sollten.
sollte. Für gewöhnliche Sterb- zu erringen. Nur wenige Aus- um die zwei Angestellten, die
Tore rings die Marmorhalle
Oie Goidfestvng von Neuyork.
Von'Ernst Wiese.
Wall Street ist die Börsen- und Bankenstratze der reichsten und größten Stadt der Welt, von der gesagt wird, daß sie mit ,Gold gepflastert" sei. Damit ist gemeint, daß jeder Quadratmeter dieses Bodens allein Dollartausender wert sei. In Wirklichkeit aber gibt es in einiger Tiefe unter dem Pflaster ein zweites Pflaster an» wirklichen Goldbarren. Der größte Teil der in der Welt vorhandenen Goldschätze liegt unten in diesem Boden, in den Tresoren der Großbanken verwahrt, weit mehr als in jeder Goldmine. Unter diesen Tresoren mag wohl wieder der Goldkeller der Federal Reserve Bank von Neuyork allen andern
voranstehen, denn in ihm befindet sich Großamerikas Goldschatz. In diese Federal Bank zog ich eines Tages ein, in der Bries- ■ ' ~ " das Reich des Goldes meinen
In einem der Aufzüge, deren ----- -------
im Parterre zieren, geht es hinunter. Erst in 25 Meter Tiefe, teilweise schon im Fels des Eilandes Manhattan, beginnt das Reich des Goldes. Drei von diesen fünf Stockwerken gehören noch zu den Räumlichkeiten der Bank, die vierzehn Stockwerke über der Erde hat. Eine verstärkte Bewachung läßt schon hier aus- schauen und auf besondere Zwecke schließen. Bewaffnete Hüter, Polizisten ähnlich, stehen in den Gängen und vor jedem Raum. Tatsächlich befinden sich hier die Geldsortier- und Zählräume.
Noch ein kleiner Rutscher daun, und wir sind in der Tiefe der gewaltigen Schatzkammer. Sie nimmt drei Stockwerke ein. Zwan- zig Meter mißt die Riesenburg in der Höhe, ein Vielfaches in der Breite. Je näher wir nun dem Gold kommen, desto schärfer werden die Schutzmaßnahmen. Ueberall stehen schwerbewaffnete Wächter, einige Mann vom gesamten 250 Mann starken Wachregi- ment. Plötzlich tauchen sie hinter jeder Ecke wie aus dem Nichts auf, mit scharfen Blicken verfolgen sie mißtrauisch jedes orts- t fremde Wesen. Ein Gefühl der Furcht beschleicht mich, das sich von Minute zu Minute noch steigert, da wir jetzt durch weißgetäselte, j schmale Gänge schreiten. Es wird auch noch verstärkt durch die Kälte, die diese kahlen Wände ausstrahlen. Immer eisiger kriecht es über meinen Rücken, je tiefer wir hinabkommen. Man atm« ■ schwer und bedrückt. Unsre Schritte hallen dumpf, unwillkürlich trete ich sachter auf, um nicht das Echo noch zu verstärken.
Plötzlich eine kleinere Halle. In ihrer Mitte fesselt mein Auge eine kreisrunde Scheibe in einem quadratischen Vorbau: gut drei Meter mag sie tm Durchmesser haben. Es ist die erste der Riescn- panzertüren, die den Eingang in das Heiligtum verschließen. Ihre ganze Außenfläche erglänzt von reinstem Nickel und Stahl. bespickt ist sie mit allen möglichen Stangen, Hebeln, Rädern und Schranben, daß man nicht an eine Tür denken würde, sondern an bas Armaturenbrett einer Riesenmaschine oder einen Höllen- apparat. Da sind vor allem die riesigen Griffräder zur Betätigung des Riegelwerkes. Fast den Lenkrädern eines Autos gleich an Größe, doch wuchtiger und massiver. Am auffallendsten ist aber die schwere Aufhängevorrichtung. Diese wird bedingt durch die runde Gestalt der Tür, die gewöhnliche Scharnierbänder unnv Iw macht. Die Riesenangeln sind bei der Tür nicht an der Seite, sondern in der Mittellinie angebracht. Die Aufhängebolzen sind allein schon aus schenkeldickem Stahl. Ein Stahlarmkreuz bcloei das Verbindungsglied zwischen der Tür und dem Rahmen uuo ermöglicht ein vollständiges Schwenken zur Sette. Die Tür kann nicht mit der Hand geöffnet werden, dazu ist sie viel zu schwer. । Nicht weniger als 90 Tonnen Material stecken in ihr, das Ladimge- gewicht von sechs Frachtwaggons. Die Schwenkbewegung wird vo einem eigenen Elektromotor mit Zahnstange übertragen. ,
Keinerlei Schlüssellöcher sind an der silbrig glänzenden zu finden. Ihre Stelle vertreten große Kombinationsrosetre - Wie die Drehräder eines Riesenradioapparats sind sie mit vtei Teilstrichen versehen, diese wieder mit Nummern ober Buchstao beschrieben. Man kann nun so ein Kombinationsschloß auf >e- beliebige, ober auch mehrere Worte und Zahlen einstellen lag


