Bekanntlich unterhielten Friedrich der Große und Voltaire lange Jahre vor der Uebersicdlung des letzteren nach Berlin und Potsdam eine rege Korrespondenz, und es füllt uns dabei wiederholt auf, daß Voltaire damals schon auf die Wirkung der technischen Hilfsmittel für den Erfolg einer guten Schauspielvorstellung aufmerksam macht. Da heißt es beispielsweise in einem Bries von 26. Mai 1742, daß man „ein Stück in noch so guter Sprache schreiben kann, und doch immer Gefahr laufen müsse, durch falschen Gebrauch der Ratschen und der Spagniolen um die besteii Effekte gebracht zu werden". Die hier von Voltaire erwähnten Ratschen stellen sich bei näherer Nachforschung als die damals bekannten Wind m a f ch i n c n heraus, die besonders in den Heldenstücken dieser Epoche eine gewichtige Rolle zur Unterstreichung der Tapferkeit und Unerschrockenheit spielten. Diese Windmaschinen waren keineswegs mit Erbsen gefüllt und wurden auch nicht gedreht, wie man das schon fünfzig Jahre später (bei der französisch-italienischen Wandertruppe Latour- Tamarini) in Straßburg, Mainz und Köln kenncnlerte, sondern diese Ratschen bestanden aus trockenen Rohfellen, die mit Ruten gepeitscht wurden nachdem man sie über vier Spannhölzer gezogen hatte. Es war klar, daß eine große Geschicklichkeit dazu gehörte, mit diesen Leder-Ratschen hintereinander den gewollten und anhaltenden Effekt zu erzielen, und chon der berühmte französische Schauspieler Lekain, der um 1760 herum • einen ähnlichen Ruhm in Europa wie Kainz oder Matkowsky erworben * > . , i'«. s. ____ „m. SU1t Sah nti h’öfrAonfnJ nnm 1 7 rillt!i
i(in die Heimat", wie er mit einem Leuchten in seinen lchwarzeiß guten, ein wenig schiefgestellten Äugen sagt. „Vielleicht können wir ein bißchen Helsen. Dazu bin ich reich geworden!
Ein Gast des Festes hatte mit mir den gleichen^ Heimweg. „Ich bin auch in dieser Hölle gewesen, die sie Alaska heißen , erzählte er. »Drei ^abre voll Hunger Schmutz, Wahnsinn und Verzweiflung in dieser bar- barischen Wüstendes Schwelgens und der heulenden Sturme in deren ---rost oje Lunge erfriert, daß man sie in Stückchen aushustet, unter einem Vol von Tieren das den Säugling tötet, wenn die Mutter ftirbt, weil er sonst verhungern müßte. Und zu denken, daß es einen Menschen gib , der solches Elend freiwillig seine Heimat nennt, um derentwillen er die Herrlichkeit und den Zauber der durchwärmten Zivilisation verlaßt ... Nein — Eskimo bleibt Eskimo und stumpfsinnig! .
Seither find wieder Jahre vergangen, und id) lebe in meiner Heimat, einem schönen milden, gesegneten Lande, mit schonen, milden, gesegneten Menschen. Aber wenn ich lese oder höre, daß es unter ihnen da und dort Leute gibt die ihre wunderbare Heimat schmähen, oder die dazu reich geworden ind, um ihr Geld hinaus-, anstatt helfend hereinzutragen dann muß ick) immer an den Eskimo Natatak und seine Schwester I,nna denken. (Berechtigte Uebertragung von R. U rb a n.)
Dschengiskhan.
Von Friedrich H i e l s ch e r.
Wir schreiben das Jahr 1227. Das Lebenswerk des Dschengiskhans ist vollendet. Niemand ahnt heute mehr, was es der damaligen Welk bedeuten mußte, daß da ein Reich entstanden war, großer als irgendeines bis zum heutigen Tage, und inmitten einer Welt, die in kleinen und kleinsten Umkreisen dachte und sich bewegte, einer Welt, der die gegenwärtigen Riesenmaße und Riesenräume fremd waren, und die nun im tiefsten erregt vor einer Macht stand, vor der die heutigen Reiche verblassen müssen. . .... „
Was war geschehen? Der jugendliche Führer einer mongolischen,Ro- madenhorde hatte sich gegen tausend Anfeindungen an der Spitze seines Stammes durchgesetzt. Dann kam ein Bries des Kaisers von China. Temudschin — so lautete der wirkliche Name des DschengisklMns — möge ihm den schuldigen Tribut entrichten, der seit alters üblich und angemessen sei. Temudschin antwortete kurz, er fordere seinerseits den Sohn des Himmels auf, sich ihm schleunigst zu unterwerfen, widrigenfalls er Jen- King das heutige Peking, niederbrennen werde. In Jen-Kingi war man sprachlos. China beherrschte halb Asien, und dieser lächerliche Kmrps nut feinen paar Nomaden roagte es ..., ach was, der war nicht ganz normal, dem mußte man einfach ein paar Soldaten auf den 5)als fd)icfen, dann war der Fall erledigt. Die paar Soldaten wurden ausgeschickt und kehrten nicht wieder. Regimenter wurden aufgeboten und kehrten nicht heim. Der Gouverneur von Nordchina rückte persönlich ins Feld und würbe oer« nichkend geschlagen. 1215 stand der Dschengiskhan als Herr ganz Chinas in Jen-King.
Als der Mongolenkhan 1227 fein Ende nahen fühlte, war er Herr über ganz Nordasien, Nordchina, China, Vorderasien und das europäische Rußland. Es gab keinen Gegner, der ihm widerstehen konnte. An seinem Hofe in Karakorum trafen sich Gesandte des Papstes, europäischer und asiatischer Fürsten, Händler aus Samarkand und Venedig, aus Schanghai und dem Ural. Es gab kein Bekenntnis und keine Religion, die am Hofe des großen Khans, im Herzen der Mongolei, nicht vertreten ge-
Bald nach dieser Krönung seiner Arbeit geschah jene völlig über- raidienbe Aussprache, in der dem Dschengiskhan die Priesteischaft fast aller Religionen der Erde gegenüberstand und auf einmal Nicht mehr im Angriff wrn, sondern dein Angriff einer einzigen schlichten Frage stand- 3Ul,6ienfa6enemieber im Zelte Ternudschins, sie verneigten sich würdevoll bei jedem Wort und hielten die Beine gekreuzt unter dem Körper, sie bildeten ein niedriges Halbrund um den erhöht sitzenden großen Khan, sie sprachen langsam und bedächtig und redeten über öen Sinn des menschlichen Lebens. Da öffnet« der Khan den Mund zu der ersten Srng?, die sie jemals von ihm gehört hatten und hören sollten. Sie waren so überrascht und so erschüttert, daß die Nachwelt von dem Wortlaut die er ftraae gut unterrichtet ist, obwohl sonst die Berichte über den Dschengis- kban bie gerade angesichts der Bedeutung feiner Persönlichkeit und seines Werkes wünschenswerte Genauigkeit und Ausführlichkeit vermissen lassen.
Der Dschengiskhan fängt an, von der Herrlichkeit feiner Schätze und Länder zu berichten; er spricht von der Macht seiner Heere und d^ Unbesiegbarkeit seines Volkes; er schildert, wie sein Schwert lebe ®ren3e zerschlagen und jeden Widerstand vernichtet hat. Das alles sagt er ganz einfach, ganz ruhig, ohne die Spur irgendeines Geltungsbedürfnisse wie sollte er das auch nötig haben? —, er stellt einfach fest, es ist so^ Und dann auf einmal bricht es heraus aus ihm, und er Wirst der foffung losen Geistlichkeit, welche nach dieser Einleitung alles °^ereerwartethat, nur nicht das, was wirklich kommt, die Frage ms Gesicht. „Und wozu ^^n^cm großen Zelt herrscht ein furchtbares Schweigern Wo sonst tue Rede wild durcheinanderwogt, wo sonst die Getreuen und Heerführer, die Freunde und Söhne des Khans freien Zutritt und offenes Wort haben, wo der fröhliche Lärm nächtlichen Umtrunkes ober bas eintönige @e= murmel fieqessicherer Gebete lebt, herrscht löbliches Schweigen. Der Blick des Khans sucht jeden einzelnen der Priester und Magier, und keiner hält dem Blicke stand. Niemand wagt zu antworten; denn niemand weih, was er von dieser Frage halten soll, und wie sie gemeint ist. Man versteht einfach nicht, was der Khan will.
In diese Stille hinein fragt er zum anderen Male: „Wozu das alles? Da werden die Geister wach, da merken die Nestorianer unb bie $ub« dhisten, die Konfuzianer unb die Muslime, baß ber Khan sich nicf)t ub sie lustig macht, daß er es ernst meint, bah er nach ihren vielen Gebeten und Verkündigungen von ihnen erwartet, sie würden in dem einzigen Augenblick Antwort wissen, wo er keine Antwort weif); imb fi(’ lpuren zugleich, daß hinter ber Frage ber Zweifel an ihrer Weisheit hockt, daß diese Frage zugleich ein Fehdehandschuh ist, daß es nun daraus ankommt, daß es aus jedes einzelne Wort ankommt, wie niemals vorher beim Zusammensein im Zelt. Nun reden sie alle auf einmal, nun will keiner dem anderen die rechte Antwort gönnen. Aber wiederum sieht der Kh°." jeden einzelnen, der antworten will, mit lenem ruhigen und unergründlichen Blick an, der mehr als 50 Jahre hindurch Unzählige in Schrecken oder Begeisterung versetzt hat. Und w?n ber Blick trifft, ber gerat ms Stottern ber verfängt sich in (einer Rede, der wird unsicher, und schließlich starren ihn aller Augen in beinahe angsterfüllter Gegenfrage an. worauf willst du eigentlich hinaus?
Da spricht der Khan zum dritten Male. Und er zeigt ihnen mehr von seinem Wesen, als er jemals irgendeinem, als er jemals aua) nur sich Liber gezeigt hat. Seine Offenheit ist von erschütternder Große Er sagt mit derselben Nüchternheit unb Ruhe, mit der er immer spricht. „Ich habe Tausende verbrannt und totgeschlagen. Ich habe Hunderttausende verbrennen und totschlagen lassen. Warum habe ich das ge an?
Da gibt es im ganzen Zelt keinen mehr, der den Herrscher auch nur anzusehen wagte. Da sind sie alle verwirrt; gerade jetzt, wo er ganz osten gewesen ist, begreifen sie nichts mehr. Niemand spricht Durch dieses Schweigen hindurch geht der Khan zur Tur und verlaßt das Zelt.
Er sieht daß sie so wenig wissen, wer er ist, wie er selber es weiß. Er weiß es wirklich nicht; und wirklich, sie wissen es auch nicht.
Nach wenigen Monaten ist er tot. Sein Reich wachst und kämpft drei Jahrhunderte ’ lang. Im vierten Jahrhundert nach seinem Tode zerfällt es ... ___________________
Bühnen-Geränsche vor 200 Jahren.
Von Dr. Herbert Schmidt-Lamberg.
weien wäre. ,, . . ...
Die Priester dieser verschiedenen Glaubenswelten waren einander nicht freundlich gesinnt; und einig waren sie sich eigentlich nur darin, daß der unerhörte Anspruch Ternudschins, Herr der ganzen Welt zu sein, zuruck- gewiefen werben müsse zugunsten ... ja zugunsten wessen eigentlich. Da hörte die Einigkeit Ikon auf. Es gab buddhistische Priester m Jtaratorum, eigentümlich bleiche unb stille Köpfe, es gab nestonamsche Christen, Vertreter einer in Europa seit Jahrhunberten verschollenen christlichen Kirche, die aber in Asien ungebrochen blühte und wuchs, es gab Schintopriester mit ihrem seltsamen Kopfputz, Teufelsbeschwörer aus Tibet und Fakire aus Indien, islamische Derwische und Ulemas aus Arabien weise Anhänger des Konfuzius aus China. Das wimmelte durcheinander, und zu allen war Temudschin gleich höflich, gleich zuvorkommend und — gleich ablehnend. Er stellte (ich über sie alle, unb sie standen alle gegen ihn in der Zurückweisung dieses feines Verhaltens. Er fchnitt niemandem das Wort ab, wenn in nächtlichen Gesprächen die Rede aus diese Dinge kam, aber er fragte niemals. Draußen vor dem Zelt, in dem sich die Kopse erhitzten, standen im kühlen Nachtwind ber mongolischen Steppe unb im stillen Atem ber nahen Bergriesen feine Krieger, unb bas genügte ihm. Was gab es ba zu fragen? Die Welt gehörte ihm, und wenn er wollte, so bedurfte es nur eines Winkes, unb biefe alle, bie ba im großen Zel! um ihn herum faßen, waren nicht mehr.
Bis eines Tages das Unerhörte geschah, daß der Khan den Mund öffnete. Das war nicht lange nach dem großen Reichstag, den der Khan nach seinem letzten gewaltigen Eroberungszuge einberufen hatte. Die Großen feines Reiches standen an ber Spitze ihrer Reiterheere tief inmitten Europas, inmitten Vorberafiens, inmitten Sübafiens, und ber alte Khan faß allein in feiner Heimat, endlose Wegstunden von feinen Getreuen entfernt, eine reglos gewordene Spinne inmitten eines ungeheuren Netzes von Heerstraßen, Befehlsstafetten, bewaffneten Plätzen, niedergebrannten Städten und bedingungslos gehorfamen Stammesverbändeii. Da holte er bie Großen, ba befahl er feine Getreuen zu sich, um bie Gewalt vor ihren Augen unb Ohren einzuteilen, um ben würdigsten feiner Söhne zum Nachfolger zu ernennen, und dafür zu sorgen, daß seine übrigen Söhne nicht eifersüchtig auf bie Macht bes Ernannten würben, um ihm alle Macht bes Reiches recht und richtig zu übergeben. Das war eine schwere Ausgabe und wurde bie vielleicht größte Leistung Temu-
dschins überhaupt ber nun, am Enbe seines unerhörten Lebens, niji)t ' hatte, sagt dazu in einem Brief an den Grasen d Argental vom 17. I mit der Gewalt der Waffen, sondern allein mit der feines Herzens um 1761: „Man mußte eigentlich nur Leute an die Jlpparate bmter ber
bie Zukunft seines Lebenswerkes kämpfte unb sie tatsächlich zu sichern Bühne lassen, die selbst einmal unsere Rollen gespielt haben. Grst gestsr
vermochte ' ist es mir in der Tragödie „Maximien" (von Lachaufsee) zugestohen, daß


