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wäget, daß mir nii
verantwortlich: Dr. HansThyriot. —Druck undDerlag:BrühIZcheUniverfitäts-Buch- undSteindru ckerei, R. Lange,Gieß en.
nicht einmal ihren Geruch zu ertragen. Somit, mein gnädiger Herr, wenn wir ins Freie gehen müssen, so geschieht solches, ohne euch irgendwie erzürnen oder betrüben zu wollen. Gott erhalte euch bei eurer Freude,
werten Bürger, schleppte davon Edelsteine, Geschirr, Frauen und Mädchen, aber nur die jungen. Was die alten betraf, so lieh er ihnen das Leben, vermeinend, man brauche sie nicht zu toten, denn sie stürben schon ohne Beihilfe vom Schrecken.
— „Ja", sagten alle.
— „Xu solches nicht", flüsterte Pieter Gans dem Blaeskaek ins Ohr, „tue solches nicht, sie werden sonst dem Geistlichen von dem pausbäckigen Teufel schwatzen und uns verbrennen lassen, mein lieber Freund."
— „Ich bin taub", sagte Blaeskaek, „kommet, ihr Lieblichen!"
Und so traten denn die hübschen Frauen ein und setzten sich voll Demut, die einen neben ihren Männern, die andern neben ihren Verlobten, und die Mädchen auf eine Bank.
— „Ihr Frauen", fragten die Zecher, „wollt ihr mit uns anftoßen?
— „Ja", versetzten sie.
— „Und trinken, wie wir?"
— „Ja", sagten sie.
— „Und seid ihr nicht allhier gekommen, uns Mäßigkeit zu predigen?
— „Mitnichten", sagten sie, „wir sind gekommen ohn' anderen Wunsch, denn bei unseren guten Männern und Verlobten zu sitzen und mit ihnen zu scherzen, wenn's erlaubt ist, in Gottes Hut."
— „Das nenne ich wahrlich ein gutes Wort", sagte ein alter Mann, ,/aber ich sehe darunter Frauenlist keimen."
Keiner jedoch hörte aus ihn, denn die Frauen hatten sich rings an den Tisch gesetzt, und jeder sagte: „Trink das, mein süßes Lieb, das ist himmlischer Trank." ,
— „Schenk ein, Nachbar, schenke ein, verschenke diesen süßen Saft."
— „Wer ist mehr denn ich? Ich bin der Herzog: ich habe guten Trunk und gutes Weib. Wohlauf denn, bringe Wein her: denn heute bedarf es Feiertagsgetränk, diese artigen Frauen zu ehren."
— „Mut. Ich hab« zu viel zu trinken: ich will den Mond erobern: aber erst nachher. Jetzo bleibe ich bei meiner guten Frau. Gib mir ein Küßchen, Schatz."
— „Allhier ist nicht der Ort, vor soviel Leuten", erwiderten die Frauen. Und eine jede sagte mit viel Zärtlichkeit und süßem Gebühren: „Komm mit nach Hause."
Sie Hütten solches gerne getan, die Zecher, aber sie wagten es nicht und schämten sich voreinander.
Das errieten die Weiber und sprachen davon, umzukehren.
— „Wohl, wohl", sagte der Alte, „hatte ich solches nicht vorhergesagt?
allesamt."
Und also zogen die wackeren Frauen davon, ob auch die Männer sie mit Gewalt zurückhalten wollten.
IX.
Wie sich die Zecher so bei ihren Bechern und Kannen verlassen sahen, betrachteten sie einander voll Staunens und sprachen: „Seht diese Frauen! Sollte man nicht immerzu ihrem Willen ehrfurchtsvoll untertan sein. Unterwürfig erscheinen sie, und sind doch herrschsüchtig. Wem kommt von Natur aus die Gewalt in allen Dingen zu, dem Manne oder dem Weibe? Dem Manne. Wir sind die Männer. Auf, laßt uns trinken! Und wir werden stets nach unserem Willen handeln, der uns hier zu bleiben heißt, solange es uns gefällt."
So redeten sie und zeigten großen Zorn, aber in Wirklichkeit sehnten sie sich nach ihren lieben Frauen. Und sie blieben lange Zeit ohne ein Wort zu reden; einige gähnten, andere schlugen mit dem Fuße eine Weise, viele tanzten auf ihren Bänken, als seien allda spitze Nadeln.
Plötzlich verließ ein junger Bürgersmann, der unlängst verheiratet war, das Zimmer und sagte, ihm habe der Arzt verboten, mehr denn sechsundzwanzlg Becher Biers zu trinken, und diese habe er getrunken.
Wie das die anderen vernahmen, gaben alle Bauchgrimm vor oder Kopfweh, Melancholei oder Stopschnupfen, und eilten in ihre Behausungen, mit Ausnahme einiger alter Männer.
Und sie suchten geschwind ihre Frauen. So ward erfüllet, was der gelehrte Thomas von Klapperibus in seinem großen Buche „De Amore“, im sechsten Kapitel geschrieben hat, wo zu lesen ist, daß das Weib stärker ist denn der Teufel.
X.
Indessen, dies Ereignis trug sich nur ein einzigmal zu; denn am folgenden Tag zechten die Brüder in der Trompete, und als die wackeren Frauen dorthin kamen, sie herauszuholen, wurden sie mit Schimpf verjagt.
Die Männer aber zechten und sangen fröhliche Weisen.
Manchmal kam der Nachtwächter und vermahnte sie, sie sollten nach Sonnenuntergang nicht solchen Lärm vollsühren. Und sie hörten ihm voll Andacht ,;n und schienen ganz demütiglich ihre Sünden zu bereuen; und sie sagten ihr mea culpa her; in der Zwischenzeit boten sie ihm so reichlich zu trinken an, daß der arme Wächter nachher seine Runde an einer Mauer machte und dort wie eine Bratsche schnarchte. Und sie setzten ihr Gelage fort und ihren schweren Schlaf, worüber die traurigen Frauen nicht nachließen zu klagen. Und so während eines Monats und vier Tagen.
Aber das böse Geschick wollte, daß der gute Herzog mit dem gnädigen Herrn von Flandern Krieg geführt hatte, und ungeachtet der Friede geschlossen war, blieb noch eine Rotte von Schelmen und Dieben im Lande, die die Dörfer verwüsteten und ehrsame Bürger beraubten. Besagte Rotte wurde von einem wilden Hauptmann befehligt, der da hieß Eifenzahn, denn auf seinem Helme stak ein langer, spitzer, scharfer Zahn, eines Teufels Zahn oder der eines Elefanten aus der Hölle, der gar abenteuerlich : gehauen war. Und wenn er kämpfte, stieß er des öftere mit besagtem Zahn, gleich einem Widder. So fiel in dem Herzogtum Brabant manch tapferer Haudegen. Aus besagtem Helm war auch ein böser Vogel, der mit dem Flügel gegen das Eisen schlug, von dem behauptet wurde, er heule gar schrecklich in dem Schlachtgetllmmel.
Der Eisenzahn war gewohnt nachts zu kommen, feinen Schlag gegen die Dörfer zu tun, und er erwürgte ohne Gnade die armen eingeschlum-
XI.
Als eines Nachts wenige Sterne glänzten und nur gelegentlich der Mond, kam Meister Andreas Bredael atemlos mit eiligen Schritten gen Uccle.
Er wollte kund tun, daß er von ungefähr hinter einem Strauche an der Pariser Straße versteckt, eine Schar von Männern habe vorübergehen hören, die er für die des Eifenzahn halten wolle, denn er habe den Helm des Schelmen gesehen.
Während die Räuber auf der Straße angehalten hatten, sich zu laben, habe er sie reden hören, wie sie jetzt nach Uccle zögen, große Beute zu holen und gute Mahlzeit zu halten, wie sie aber die Hauptstraße aus Seitenpfaden verlassen müßten, daß man sie nicht erkenne. — Meister Bredael meinte, sie würden hinter der Kirche eintreffen.
Alfa unterrichtet war er nach Uccle auf der Pariser Straße gekommen, hatte die Räuber um gut eine halbe Meile überholt und wollte die Bewohner warnen, sich wohl zu rüsten, um diese Verfluchten standhaftiglich zu empfangen.
So klopfte er an dem Gemeindehause an, um die Glocken lauten zu lassen; aber niemand öffnete, denn der Wächter, der Bruder war vom guten Vollmondgesicht, schlief gleich den anderen wackeren Zechern. Andreas Bredael versuchte ein ander Mittel und rief so laut: „Feuer, Feuer, Brand, Brand", daß alle Frauen, alten Leute und Kinder sofort auf- wachlen und an die Fenster stürzten, näheres zu vernehmen.
Andreas Bredael zeigte sich ihnen und beschwor sie, sofort herabzukommen, was sie dann auch taten. Wie er sie alle beisammen sah, kündete er ihnen die nahe Ankunft von Eifenzahn und vermahnte eine jede, unverzüglich ihren Gatten zu wecken.
Bei dieser Rede begannen die alten Weiber wie närrisch zu klagen: „Willkommen sei der Eisenzahn, der Zahn Gottes, der sie alle entleiben soll. Ha, ihr Zecher, wir werden euch durch himmlische Strafe gehenkt, lebend verbrannt und ertränkt sehen; das ist nicht zu viel für eure Sünden." Und, als ob sie Flügel an den Füßen hätten, eilten sie in ihre Häuser. Da hörte Meister Bredael, der mit den Jungen auf dem Platz verblieben war, wie die tollen alten Weiber schrien, greinten, heulten, keiften, mit Kesseln und Töpfen rasselten, ihre Männer aufzuwecken, riefen sie: „Ihr Schufte, wachet auf! Ihr süßen Freunde, kommt und verteidigt uns. Ihr Säufer, tut nur einmal eure Pflicht in euerer verdammten Leben. Ihr lieben Schmerbäuche, wollt ihr uns morgen tot auffinden? Ihr dürft es uns nicht nachtragen, daß wir euch schlagen wallten. Närrinnen waren wir dazumal und zu hitzig, ihr aber wäret klug, aber jetzt rettet uns." Und so mengten sich Zornesreden mit süßen Worten wie Milch mit Essig.
Aber keiner von den Wackeren wachte auf.
— „Was soll das?" fragte Meister Bredael.
— „Weh, Herr", erwiderten die Jungen, „Ihr sehet es wohl, sie sind wie tot während der Nacht, und schon seit langem ist es so. Vielleicht, daß sie der Engel des Herrn zu erwecken vermöchte, wenn er kann. Ach, wollen uns diese garstigen Männer auch noch sterben lassen, nachdem sie uns verlassen haben?"
„Weinet nicht weiter", sagte Andreas Bredael, „jetzt ift’s nicht Zeit. Liebt ihr eure Männer?"
„Gewiß", erwiderten sie.
„Und eure Söhne?"
„Ja", versetzten sie.
„Und eure Töchter, die so hübsch und zierlich sind?"
„Ja", antworteten sie.
„Und würdet ihr sie gern verteidigen?"
„3a", erwiderten sie.
„Nun also", fügte Bredael hinzu, „gehet hin und holet die Waffen dieser Schläfer und kommt schnell wieder hierher zu mir. Wir werden auf ein Mittel sinnen, uns gut zu verteidigen."
Bald kamen die Frauen zurück mit den Bogen ihrer Männer, ihrer Brüder und Verlobten. Und diese Bogen waren weit berühmt im ganzen Lande, denn sie waren wie die stählernen und schossen Pfeile mit gar gewaltiger Kraft.
Und es kamen auch Knaben von zwölf Jahren und weniges mehr und einige tapfere alte Männer, aber die Frauen sandten sie wieder heim und sagten, es käme ihnen zu, die Gemeinde zu bewahren.
Sie hielten sich alle auf dem Platze aus und redeten mit viel Eifer und großem Mut, aber ohne jegliche Prahlerei, und waren ganz in Weiß gekleidet, in Blusen, Röcken und Hemden, so wie der Frauen Nacht- gewandung zu sein pflegt; aber diesesmal war es durch eine besondere Gottesgunst, wie ihr es hören sollt.
Wantje war auch dabei, gar kühn und beherzt, und meinte plötzlich, daß man beten solle. Und alle Frauen knieten voll Andacht nieder, und das Mädchen sprach also:
„Heilige Jungsrau, die Ihr Königin seid im Himmel, wie die gnädige Herzogin Königin ist in diesem Lande, blicket auf uns, die wir ehrfurchtsvoll vor Euch liegen, auf uns arme Frauen und Mädchen, denen jetzt zukommt Männerarbeit zu verrichten und sich zum Kampfe zu rüsten, um der Trunksucht ihrer Männer und Väter willen. Wenn Ihr nur um ein kleines unseren Herrn Jesus bitten wolltet, uns hilfreich zu fein, so wären wir des Sieges gewiß. Und wir werden Euch voll Dankbarkeit eine schöne Krone weihen aus lauterem Golde, mit Rubinen, Türkisen und Diamanten besetzt, dazu eine schöne güldene Kette und ein schönes Brokatgewand mit silbernen Blumen bestickt, und desgleichen Eurem Sohne, unserem Herrn. Daher bittet für uns. Heilige Jungsrau."
Und alle die wackeren Frauen und Mädchen sprachen ihr nach: „Bittet für uns, Heilige Jungfrau."
(Schluß folgt.)
Sie wollen uns von hier holen."
— „Mitnichten, Herr", versetzte Wantje voller Sanftmut, „aber er- icht gewöhnet sind, solch starke Getränke zu trinken, ja Geruch zu ertragen. Somit, mein gnädiger Herr, wenn


