,tna(s juuor gepredigt, aber ich glaube doch, daß ich durch Gottes Gnade unb Barmherzigkeit sogleich eine Predigt zu halten imstande bin!
Dann laß Er mal hören, was Er gelernt hat! Halte Er mir aus der Stelle eine Predigt! Aber ich rate Ihm', und dabei hob er den Finger, Mach Er seine Sache gut! Sein Schicksal hängt davon ab! Kann er nicht predigen, sehe ich, daß Er mir öffentlich eine Lüge vorgebracht hat. Er braucht dann rokyt Soldat zu bleiben, aber erhält seine verdiente Strafe für seine Frechheit! Und nun leg' Er los!'
Es ist mir kurios zumute gewesen, in meiner Soldatenmontur dem König so mir nichts dir nichts eine Predigt zu halten! Aber habe im Vorsatz und Entschluß beharrt durchzukommen, und so geantwortet: ,Der Befehl Eurer Majestät soll auf der Stelle erfüllt werden, so ungewöhnlich auch Ort und Zeit sind. Darf ich Eure Majestät bitten, mir den Bibel- lert anzug-eben, über den ich eine Predigt halten soll?'
Der König daraus: .Predige Er über die Worte: Gebt dem König, was des Königs ist!'
Alsbald bin ich in die Ecke gegangen, habe Seitengewehr abgelegt und Grenadiermütze vom Kopf genommen und dem König, der erstaunt zuschaute, erklärt, es gezieme einem Prediger, der das Wort Gottes vortrage, nicht, dabei in Wehr und Waffen zu erscheinen. Alsdann hab ich midj zum König gewandt und gesagt: .Geht das Textwort Eurer Majestät weiter: — — und Gott, was Gottes ist? Und darum muß ich Eure Majestät ersuchen, die Tabakspfeife aus dem Munde zu nehmen; denn die Ehrfurcht, mit der auch selbst ein König dem Wort eines Predigers zuhören soll, gestattet nicht, daß er inzwischen raucht!'
Hat der König abermals groß geschaut, ohne ein Wort daraus zu erwidern, die Pfeife aus dem Mund genommen und in der Hand behalten. Und darauf habe ich meine Predigt begonnen mit den Pflichten, die der Untertan gegen den König zu erfüllen habe, und dann dem König warm ans Herz gelegt, was der Monarch für Pflichten gegen den Untertan zu erfüllen habe, weil er Gott geben müsse, was Gottes sei. — Und darüber ist dem König, den es ergriffen hat, die Pfeife in der Hand zerbrochen. Ich habe fast eine ganze Stunde gepredigt, und ich glaube, es war die beste Predigt, die ich je in meinem Leben gehalten. Die heutige, zu des Königs Ausgang, war nur ein Abglanz davon.
Nach dem Beschluß meiner Predigt bin ich stumm und leer dagestanden, wie ein Faß, das ausgelaufen ist. Der König hat mehrmals aufgeseufzt und ist schweigend, mit langen Schritten, im Zimmer aus und niedergegangen. Hab' inzwischen, da es an der Zeit schien, Seitengewehr umgehängt und Grenadiermütze aufgesetzt und mich wieder stramm aufgebaut vor Seiner Majestät.
Hat der König endlich gesagt: ,Er hat mir gehörig warm gemacht und ordentlich die Leviten gelesen. Ich weiß nun, daß Er Seine Sache gut gelernt und sich in der Gottesgelahrtheit tüchtig umgesehen hat. So soll Er denn auch nicht länger ein Grenadier bleiben. Aber da ich Ihn wegen Seiner stattlichen Figur ungern missen möchte, will ich Ihm in Gnaden folgenden Vorschlag machen, den Er sich bis morgen überlegen und mir dann Antwort bringen kann: Er soll noch vorläufig fünf bis sechs Jahre beim Regiment bleiben, aber gar keinen Dienst tun, -sondern nur bei den Wachtparaden und großen Musterungen stramm initnrarschieren, so daß Er Zeit genug für sich behält, -in seinen Büchern fleißig zu studieren und sich hier -in Potsdam mit den Pastoren über geistliche Dinge unterhalten. Dazu will ich Ihm denn auch monatlich eine Zulage von zehn Talern geben, und Er soll auch Erlaubnis haben, für sich allein wohnen zu dürfen. Hat Er dann so fünf Ms sechs Jahre zu meiner Zufriedenheit gedient, will ich Ihm das Versprechen geben, daß Er eine Feldpredigerstelle bei einem Regiment oder eine Dorspfarrstelle erhalten soll. Er muß dann aber auch heiraten und darf sich jutr eine große Frau nehmen, damit seine große Rasse nicht ausstirbt. So, nun geh Er,, und da hat Er einen Taler, damit Er sich für die heutige Anstrengung einen vergnügten Abend machen kann!'
Damit hat -mich Seine Majestät Friedrich Wilhelm I. gnädigst entlasten.
Wie war ich froh, daß -die Sache so -gut abgelaufen -und ich auf jeden Fall vom Dienst als gemeiner Soldat enthoben war! Denn -ich habe mir vorgestellt, Entlassung vom König zu fordern, hätt' neuen Verdruß gegeben, und wie sollte -ich auch -in Wittenberg studieren, wo mein Geld so knapp war, und so war ich bei sorgfältigem Nachdenken zum Entschluß gekommen, es wär' das günstigste, des Königs gnädiges Anerbieten an« zunehmen; denn auf eine Pfarrstelle hätte ich ohnehin fünf bis -sechs Jahre warten müssen.
So hatte ich denn mein Brot, Unterkunft und zehn Taler für das Studium extra und sichere Aussicht, eine gute Brotstelle zu bekommen; was wollte ich mehr!
Hab' mich darum -in der Früh am andern Morgen wieder bei Seiner Majestät dem König melden lassen, wie dieser es befohlen, und mich be- . dankt für das königliche Anerbieten, das er mir gemacht. Da ist des Königs Gesicht eitel Lachen und gute Laune gewesen, und er hat -mir auf die Schulter -geklopft und -gesagt: .Das ist recht von Ihm, -daß Er Soldat bei meinem Garderegiment bleiben will, soll es auch nicht bereuen!'
Darauf hat der König den Hauptmann von Glasenapp, bei dessen Kompanie ich stand, kommen lassen und ihm besohlen, ich solle -gut und anständig behandelt werden gleich einem studiosus theologiae und sollt' verschont werden mit Stockschlägen und anderen harten Strafen. Sollt' -ich was ausfressen, wär' es allfogleich -dem König zu rapportieren. — Hatte also in Zukunft nur noch -eine Stunde mittags Parade zu machen und mußte sonst nur ausrücken, wenn große Revuen waren. Dafür erhielt ich aus der königlichen Kabinettskasse außer der Löhnung allmonatlich eine Zulage von zehn Talern, deren Empfang zu quittieren war.
'.'tun fand ich bei der Witwe eines Predigers in Potsdam Wohnung und Kost und führte ein fleißiges und zuträgliches Leben.- Langsam gelang es mir auch, Umgang mit den Herren Pastoren und anderen gelehrten Leuten in Potsdam zu frequentieren. Anfänglich hielten sie es
unter ihrer Würde, mit einem gemeinen Grenadier in feiner Montierung über die Straße zu gehen; -aber nach -und nach wurden's die Herren gewöhnt und unterstützten mich mit vieler Güte in meinem Studium, liehen mir Bücher und erwiesen mir sonst Gefälligkeiten. Meinen Dienst hatte ich so, wie es der König befohlen, und somit freie Zeit genug zum Studieren. Und stets hat Seine Majestät der König mich mit besonderem Wohlwollen behandelt, mir, wenn er mich sah, gnädig zugenickt ober auch ein paar freundliche Worte mit mir gesprochen.
Sind aber aus den sechs Jahren, die er mir verheißen, allmählich acht Jahre geworden, in denen ich Soldat im königlichen Garderegiment -unb Studiosus theologiae zugleich gewesen bin. Der König hat getan, als ob er sich seines Versprechens, mir eine Pfarrstelle zu geben, nicht mehr erinnere.
Ich aber hatte -inzwischen e-ennengeternt meine Eheliebste hier neben mir, damals die Jungfrau Helene Tiedemann, eheleibliche Tochter -des verstorbenen Küsters der Garn-tfonkirche -in Potsdam, und da ich von dem Versprechen Seiner Majestät erzählt, hatten wir uns verlobt, -unb die Verlobung hatte schon zwei Jahre gedauert. Ich hatte es gewagt, weil -das Mädchen so schön und ansehnlich, wohlgewachsen und hübsch gewesen ist — Nein, Leuchen, du mußt darüber nicht rot werden! Aber freilich, o groß sie ist, die Körperlänge, die Seine Majestät gefordert, hat sie nicht gemessen. Ist mir auch zuerst viel größer vorgekommen, weil sie - o stattlich ausgeschaut hatte, unb Bedenken sind erst hernach gekommen, ob der König wohl mit der Wahl meiner Helene einverstanden sein werde, weil er doch willens gewesen, durch mich und meine Frau große Nachkommenschaft zu erzielen.
Nun, Über die Bedenken kam ich hinweg, weil das Mädchen soviel meinte und klagte, sie würde hingezogen, und so faßte ich -im neunten Jahr ein Herz, und als der König -einst, wie -es seine Gewohnheit war, -in gnädigem Tone fragte: .Wie geht es Ihm?', antwortete ick; unverzagt: .Schlecht, zu Eurer Majestät Befehl!'
Ist der König dunkelrot geworden vor Zorn und ausgesahren: .Was, eine so unverschämte Antwort wagt Er mir zu geben? Er ist ein undankbarer Halunke, daß Er mir die vielen Wohltaten, -die ich Ihm erzeigt habe, auf -solche Weise vergilt!'
Hab' -ich ruhig geantwortet: .Halten Eure Majestät zu Gnaden, ein unbankbarer Halunke bin ich nicht. Die großen Wohltaten, die Eure Majestät mir huldreichst zu erweisen geruht -haben, werde ich stets dankbar in meinem Gedächtnis bewahren, aber -ich möcht' mich doch jetzt verändern.' ..
.Was? Hat Er es denn noch nicht -gut genug? Mich deucht. Er könnt damit zufrieden sein! Er führt -ein wahres Faulenzerleben, hat nichts zu tun, bekommt jein sicheres Geld!'
.Eure Majestät, Über freie Zeit klage ich nicht, allein ich möcht' in meinem Stande -als studiosus theologiae bald eine Beschäftigung finden. Auch hab' ich mir eine Braut angeschafft und wünsche in den Stand der Ehe zu treten. So wollte ich Eure Majestät untertänigft bitten, sich Allerhöchst Ihres Versprechens zu erinnern, daß ich eine Pfarrstelle erhalten soll!' -
,Hoho, eilt's Ihm so sehr, die Soldatenmontur mit dem schwarzen Rock zu vertauschen? Es -deucht mir, Er wäre noch zu jung um zu freien, und Er könnt' noch ein paar Jahr damit warten!'
Da i-st's -mir aus dem Maul gefahren: .Majestät, jung gefreit hat noch -nie gereut! heißt der alte Spruch unserer Väter!'
,R-a, -ich sehe, das Maulwerk sitzt Ihm noch immer aus der rechten Stelle!' hat der König gesagt und gefragt: .Wie heißt Seine Braut? Ich hoffe doch, daß sie eine große Person -ist; denn daß Er kleines Kroppzeug heiratet, gebe ich niemals zu! Er -ist groß, seine Frau muß daher auch groß sein, daß es -eine gehörig große Nachkommenschaft gibt!'
.Melde gehorsamst, meine Braut -ist die Jungfrau Helene Tiedemann, eheleibliche Tochter des verstorbenen Küsters Tiedemann von der Garnisonkirche!' hab' -ich geantwortet.
.Na, hör' Er, morgen um elf kann Er mir feine Braut vorführen. Ich will sie mir besehen und die Sache in Ueberlegung ziehen!' Mit diesen Worten machte der König kehrt.
Nun sprach -ich denn mit meiner lieben Helene vom Befehl des Königs, daß wir am andern Morgen beide vor ihm -erscheinen sollten. Sie hat -mir -später gestanden, es -sei der schwerste Gang ihres Lebens gewesen. Aber weil sie resolut war und heiraten wollte, verbarg sie es mir damals, faßte sich ein Herz, zog ihren besten Sonntagsstaat an und wanderte, ohne mir Furcht zu zeigen, an meiner Seite zur bestimmten Stunde -ins königliche Schloß.
Kaum hat -der König sie gesehen, ruft er aus: .Schmuckes Frauen- zimmerchen -ist sie zwar, aber zu klein, zu klein für meinen langen Grenadier! Geht nicht, kann die Erlaubnis zu der Verheiratung Ihm nicht geben. Er muß eine Frau haben, -die mindestens sechs Zoll größer ist als sie, sonst -g-ibt's keine große Nachkommenschaft!'
Aber mein Lenchen verliert zum Glück nicht ihre Geistesgegenwart, sondern erwidert unverzagt: .Der Wille Gottes, der Eurer Majestät die Krone aufs Haupt gesetzt, hat nrich nun einmal nicht länger wachsen lassen. Es sln-d auch nicht immer die höchsten Fruchtbäume, welche die besten Früchte tragen. Wenn Gott der Herr mir -in meiner christlichen Ehe gesunde Kinder geben sollte, so hoffe ich sie zu getreuen unb braven Untertanen Eurer Majestät zu erziehen, wenn sie auch nicht alle sechs Fuß Gröhe haben sollten!'
Da hat -unser König Friedrich Wilhelm I. gelacht unb meinem Lenchen ganz freundlich auf die Schulter geklopft unb gesagt: ,Seh schon, Ihr Maulwerk läuft ebenso -schnell wie -das Ihres Bräutigams, und wenn Sie and) sonst -in der Größe nicht recht zu ihm paßt, im fixen Sprechen kann Sie es mit ihm aufnehmen. So muß ich denn wohl ober übel den Heiratskonsens erteilen!'
Damit waren wir in Gnaden entlassen, und es waren in Potsdam keine zwei glücklicheren Menschen als wir, da wir aus dem königlichen Schloß ijerausgipgen. (Fortsetzung folgt)
tterantwortlich: vr. HansThyriot. — Druck undBerlag:Drühl'fcheUnf der sitäts-Buch-undSteindru ckerei. A. Lange,Gießen.


