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Verantwortlich. Dr. Hans Thhriot. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch« und Steindruckerei, 2t. Lange, Gießen.

(X7- ApnO beim Erwachen aus einem kurzen, aufgeregten Schlummer die Erdflache unter mir so plötzlich und wunderbar im Umfang ver- großert fand, daß sie nicht weniger als 39 Grad scheinbaren Durchmessers darstellte. Ich war wie vom Donner gerührt. Worte können keinen Be- griff von dem völligen Schrecken und dem Erstaunen geben, die mick ergriffen und ganz und gar überwältigten. Meine Knie zitterten unter ,rrf meine Zahne klapperten mein Haar stand zu Berge.Der Ballon ist also wirklich geplatzt," das waren die ersten verworrenen Ge­danken, die meinen Geist durchstürmten,der Ballon ist also wirklich p atzt und ich fiel, fiel mit der heftigsten, beispiellosesten Geschwindigkeit! Aus der riesigen Entfernung, die ich schon so rasch durcheilt hatte, war zu schließen, daß es höchstens noch zehn Minuten dauern könnte, bis ich Mit der Erdoberfläche Zusammenstößen und in die Vernichtung gestürÄ werden mußte." Aber endlich kam mir die Ueberlegunq zu Hilfe. Ich sann ich grübelte, und ich begann zu zweifeln. So war die Sache un­möglich. Ich konnte keinesfalls so rasch heruntergekommen sein. Ueberbies "ayerte ich mich zwar der Fläche unter mir, aber längst nicht in dem Schnelligkeitsoerhältnis, daß ich zuerst angenommen hatte. Diese lieber, legitng trug dazu bei, meinen gestörten Geist zu beruhigen, und es war nur schließlich möglich, die Erscheinung aus dem ihr zukommenden Ge- sichtspunkte zu betrachten. Tatsächlich muhte der Schrecken mich meiner Sinne beraubt haben, um mich den großen scheinbaren Unterschied zwi­schen der Fläche unter mir und der Oberfläche meiner Mutter Erde über­sehen zu lassen. Letztere war in Wirklichkeit über mir und vollständig durch den Ballon verborgen. Während der Mond, der Mond selbst in seinem Glanze unter mir, zu meinen Füßen lag.

Die Betäubung und Ueberraschung, die durch diese außerordentliche Veränderung im Stande der Dinge in meinem Geist erregt wurde war vielleicht das unerklärlichste an dem ganzen Abenteuer. Denn der Um­sturz selbst war nicht nur natürlich und unvermeidlich, sondern ich hatte ihn auch tatsächlich erwartet, als einen Umstand, der eintreten müßte wenn ich an dem Punkte meiner Reise angekommen wäre, wo die An­ziehung des Planeten durch die Anziehung des Satelliten aufgehoben wurde, ober besser gesagt, wo die Schwerkraft des Ballons zur Erde weni­ger stark wäre als feine Schwerkraft zum Monde. Freilich erwachte ich aus einem tiefen Schlummer mit verwirrten Sinnen, um eine Erscheinung wahrzunehmen, die ich zwar kommen sah, in diesem Augenblick jedoch nicht erwartete. Der Umschwung selbst hat sich natürlich allmählich und gradweise vollzogen, und es ist durchaus nicht sicher, daß ich ihn durch irgend einen internen Beweis einer Umkehrung wahrgenommen hätte, wenn ich wach gewesen wäre, els er sich zutrug, d. h. wahrscheinlich hätte, ich weder an meiner Person noch an meinem Apparat irgendwelche Be­lästigung ober Störung bemerkt.

Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß, als ich zum richtigen Verständ­nis meiner Lage kam und von dem Schrecken, der jede Regung meiner Seele verzehrt hatte, befreit war, meine Aufmerksamkeit zunächst der Be­trachtung der physikalischen Erscheinung des Mondes galt. Er lag unter mir wie eine Karte, und obgleich er noch in einer nicht unerheblichen Entfernung zu fein schien, konnte ich doch seine Gliederung mit auf­fallender und geradezu unbgreiflicher Genauigkeit feststellen. Das gänz­liche Fehlen von Meeren, sowie auch von Seen, Flüfsen und sonstigen Gewässern, fiel mir beim ersten Blick als erstaunlichstes Merkmal seines geologischen Baues auf. Doch, so sonderbar es klingt, sah ich große ebene Gebiete, die entschieden angeschwemmt waren, während bei weitem bet größte Teil der sichtbaren Halbkugel mit unzähligen vulkanischen Bergen bedeckt war, die kegelförmig in der Form, eher wie künstliche als wie natürliche Erhebungen aussahen. Der höchste davon ist nicht mehr als 3| Meilen hoch; aber eine Karte der vulkanischen Gegenden von Campi Phlegraei würde Ew. Exz. einen besseren Begriff von der allgemeinen Gestalt geben, als irgendeine unwürdige Beschreibung, die ich selbst wagen könnte. Die meisten Vulkane waren entschieden im Zustande des Ausbruches, und ihre Wut und Wucht äußerte sich in fürchterlicher Weise durch das wiederholte Donnern der fälschlich so benannten Meteorsteine, die nun mit immer schrecklicher werdender Häufigkeit aufwärts zum Ballon geschleudert wurden.

18. April.

Heute stellte ich eine riesige Zunahme der Gestalt des Mondes fest, und die entschieden gesteigerte Schnelligkeit meines Abstieges fing an, mich zu beunruhigen. Ich muß daran erinnern, daß zu Beginn meiner Erwägungen über die Mgölichkeit einer Fahrt nach dem Monde bas Vor- handensein einer Atmosphäre in seiner Nähe, deren Dichtigkeit im Ver­hältnis zum Körper des Gestirnes stände, eine erhebliche Bedingung meiner Berechnungen bildete, und zwar trotz vieler Lehren vorn Gegen­teil und, wie ich hinzufügen muß, trotz allgemeinen Unglaubens gegen das Bestehen irgendeiner Mondatmosphäre. Aber außer meinen früheren Behauptungen bezüglich des Enckeschen Kometen und des Zodiakallichtes stützten sich meine Ansichten auf gewisse Beobachtungen von Herrn Schroeter von Lilienthal. Er beobachtete den Mond, der zweieinhalb Tage alt war, abends nach Sonnenuntergang, bevor der dunkle Teil sichtbar wurde, und setzte seine Beobachtungen fort, bis er zu sehen war. Die beiden Hörner schienen sich in sehr scharfen, verschwommenen Spitzen zu verlängern und ihre fernsten Ausläufer waren von den Sonnenstrah- len schwach beleuchtet, bevor irgendein Teil der dunkeln Halbkugel sichtbar wurde. Kurz nachher war der ganze dunkle Rand beleuchtet. Diese Ver­längerung der Hörner über dem Halbkreis, dachte ich, mußte durch den Wiederschein der Sonnenstrahlen durch die Mondatmosphäre entstehen (die genügend Licht in seine dunkle Halbkugel zurückwerfen konnte, um ein helleres Zwielicht zu erzeugen als das Licht, das die Erde zurück- wirft, wenn der Mond etwa 32 Grad von Neumond entfernt ist), also 1356 Pariser Fuß. Mit Hinblick darauf nahm ich an, daß die größte Höhe, aus der die Sonnenstrahlen zurückgeworfen werden können, 5376 Fuß sein müsse.

(Fortsetzung folgt.)

-eichen für meinen endlichen Erfolg. Tatsächlich hatte ich über meine bis­herige Richtung einige Beunruhigung empfunden, denn wenn ich sie noch länger beibehalten hätte, wäre überhaupt keine Möglichkeit gewesen, an den Mond zu gelangen, dessen Bahn nur in dem kleinen Winkel von 5-8-48" zur Ellipse geneigt liegt. So sonderbar es auch scheinen mag, begann ich jetzt erst einzusehen, welchen großen Irrtum ich begangen hatte, als ich meine Abfahrt von der Erde nicht von einem Punkt in der Ebene der Mondellipse aus unternahm.

9. April.

Der Erddurchmesser hatte stark abgenommen und die gelbe Farbe der Oberfläche wurde stündlich tiefer in der Tönung. Der Ballon hielt stetig seinen Kurs nach Südwest und tarn um 9 Uhr nachmittags über der Nordecke des Golfs von Mexiko an.

10. April.

Heute früh wurde ich plötzlich durch einen lauten knatternden, krachen­den Lärm aus dem Schlafe geschreckt, den ich mir nicht erklären konnte. Er dauerte nur kurz, aber während er zu hören war, hatte er keine Aehnlichkeit mit irgend etwas, was ich jemals auf der Welt vernommen hatte. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß ich äußerst beunruhigt war, da ich im ersten Augenblick den Lärm für das Platzen des Ballons hielt. Aber bei genauester Untersuchung des ganzen Apparates fand ich nichts in Unordnung. Verbrachte einen großen Teil des Tages mit Grübeln über den außergewöhnlichen Vorfall, konnte aber keine Lösung finden. Ging unbefriedigt zu Bett, in großer Angst und Aufregung.

11. April.

Bemerkte eine überraschende Abnahme des scheinbaren Durchmessers der Erde und zum ersten Male eine große Zunahme in demjenigen des Mondes, der in wenigen Tagen voll fein mußte. Ich brauchte lange Zeit und große Mühe, um die Zelle mit der zum Leben genügenden atmo­sphärischen Luft zu füllen.

12. April.

Die Richtung des Ballons änderte sich in sonderbarer Weise, und ob­gleich ich dies natürlich erwartet hatte, war ich doch sehr darüber erfreut. Nachdem der Ballon bei seinem früheren Kurs etwa den 20. Grad süd­licher Breite erreicht hatte, schwenkte er plötzlich in steilem Winkel nach Osten ab und setzte den ganzen Tag diese Richtung fort, sich fast, wenn nicht vollständig, genau in der Ebene der Mondellipse haltend. Bemer­kenswert war eine starke Schwankung der Gondel als Folge dieser Rich- tungsänberung eine Schwankung, die während mehrerer Stunden stärker ober schwächer anhielt.

13. April.

Wurde wieder sehr beunruhigt durch eine Wiederholung des lauten knatternden Geräusches, das mich am 10. April erschreckt hatte. Dachte lange darüber nach, ohne eine befriedigende Schlußfolgerung daraus ziehen zu können. Große Abnahme im Erddurchmesser, der jetzt zum Ballon in einem Winkel von kaum mehr als 25 Grad lag. Den Mond konnte ich überhaupt nicht sehen, da er fast im Zenit stand. Blieb weiter in der Ebene der Ellipse, aber ohne weiter nach Osten zu kommen.

14. April.

Aeußerst rasche Abnahme des Erddurchmessers. Heute hatte ich ent­schieden den Eindruck, daß der Ballon augenblicklich die Linie der Apsiden zum Punkt der Erdnähe durchlief, mit anderen Worten, daß er den direkten Kurs hielt, der ihn unmittelbar zum Mond bringen mußte, und Zwar an die der Erde am nächsten liegende Stelle feiner Bahn. Da der Mond selbst direkt über mir war, blieb er meinen Blicken verborgen. Große anhaltende Anstrengung nötig, um die Atmosphäre zu konden­sieren.

15. April.

Nun konnte ich nicht einmal mehr die Umrisse der Kontinente und Meere mit Bestimmtheit auf der Erde bezeichnen. Ungefähr um 12 Uhr hörte ich wieder, zum dritten Male, den schrecklichen Ton, der mich früher schon erschreckt hatte. Jetzt dauerte er aber längere Zeit an und nahm an Stärke zu. Schließlich, während ich bestürzt und von Grauen er­griffen irgendeine gräßliche Zerstörung erwartete, erzitterte die Gondel mit äußerster Stärke und eine riesige flammende Masse aus irgendeinem mir unbekannten Stoffe tarn mit dem Lärm tausendfachen Donners brül­lend und heulend an den Ballon. Als ich meine Angst und mein Er­staunen einigermaßen überwunden hatte, vermutete ich ohne weiteres, daß es ein vulkanisches Bruchstück sei, das von dem Weltkörper, dem ich mich so großer Schnelligkeit näherte, abgestoßen war; ein Teil jener Substanz, von der man auf der Erde zuweilen Teile findet und sie in Ermangelung einer besseren Bezeichnung Meteorsteine nennt.

sirr , 16. April.

Als ich heute, so gut ich konnte, aus allen Seitenfenstern aufwärts sah, bemerkte ich zu meiner großen Freude einen sehr kleinen Teil der Mondscheibe, die auf allen Seiten des großen Umfanges meines Ballons hervorsah. Ich war in äußerster Erregung; denn ich bezweifelte nicht, daß meine gefährliche Fahrt sich ihrem Ende nähere. Die Bedienung des Kondensators erforderte jetzt eine so ungeheure Mühe, daß ich mir kaum noch die geringste Rast von meiner Anstrengung gestatten konnte. Schlaf war überhaupt ausgeschlossen. Ich wurde ganz krank, und mein Körper Zitterte vor Erschöpfung. Unmöglich konnte die menschliche Natur diesen Zustand heftigen Leidens noch länger ertragen. Während der jetzt kurzen Zeit der Dunkelheit kam wieder ein Meteorstein in meiner Nähe vorbei, und die Häufigkeit dieser Erscheinungen erschreckte mich einigermaßen.

17. April.

Dieser Morgen wurde ein Wendepunkt in meiner Reise. Ich erinnere Daran, daß am 13. April die Erde in einem Winkel von 25 Grad lag. Am 14. hatte dieser noch erheblich abgenommen, am 15. war eine noch stackere Abnahme bemerkbar, und als ich mich am 16. schlafen legte, ! - k ich einen Winkel von nicht mehr als etwa 7 Grad und 15 Minuten feft. Wer beschreibt mein Erstaunen, als im am Morgen dieses Tages