Schlachten, Entführung Minderjähriger? Ich sagenichts", steige ein und fahre hmau; zam Oialel. Die junftaujend Habgierigen tri|jt der Schlag. No film uo business.

Das delphijche Oraiel weissagt noch heutzutage. Eine Stimme ant­wortet aus einei liiysljjchen Dampswolks aus Englisch. Die gute Frauen­stimme kündet:Sie sind ein feiner Herr aus Germanien, in Ihrer linken Hosentasche haben Sie ein Feuerzeug, in Ihrer rechten Brusttasche einen braunen Reisepaß, in der linken eine rotlederne Brieftasche. Sie lieben eine Dame aus Amerika. Der Zähler Ihres Autos zeigt: 7629 Kilometer. Bitte mir Fragen über ihre Zukunft zu stellen! Pro Frage hundert Drachmen. Der Herr dort wird sich erlauben, jeweils zu kassieren."

Ein Greis tritt aus mich zu und hält die schmutzige Hand hin. Ich soll ein halbes Pfund hineinlegen.

Nichts lege ich hinein. Denn in diesem Augenblick geht mir ein Licht auf. Ein schwaches Kerzenlicht nur. Doch es genügt, um zu erkennen, daß der Gauner Epaminondas, der mich in meinem Zimmer beobachtet hat, die Seherin in der Dampfwolke beizeiten über meine Berhältnisfe aufklärte.

So ist der Lauf der Welt. Das Los aller Kulturen ist schließlich der Untergang; selbst mit Pindar und Plato hat das Schicksal keine Aus­nahme gemacht. Nur die Dummheit überdauert die Jahrtausende; sie höret nimmer auf, wie die Liebe. Vor dem Orakel schützt kein Sokrates, und neben Goethe lebt die Kartenlegerin.

Geburt des Buchstabens.

Besuch in einer Schriftgießerei.

Von Hermann Linden.

Herstellung der Matrizen.

Der Weg der Type beginnt bei dem Zeichner. Die Variationen der Schriften hängen von dem Einsallreichtum der Zeichner ab. Immer wieder werden neue Schriften erfunden. Das Alphabet existiert in un­zähligen Figuren.

Der Buchstabe wird in vergrößertem Maße aus Papier gezeichnet. Im eigenen photographischen Atelier, das über di« modernsten und prak­tischsten Apparate verfügt, wird diese Zeichnung photographiert, und zwar in dek verileinerten Form der wirklichen Type. Nach dieser Photographie erfolgt die Herstellung der Matrize, das ist die Gußsorm des herzu­stellenden Buchstabens, di« Mutter der Type. Die Herstellung der Matrizen, die in verschiedenen Räumlichkeiten erfolgt, ist ein langsames, mühevolles und vor allem sehr anspruchsvolles Arbeiten. Da gehören feine Augen und geduldige Hände dazu. Das Schneiden der Matrizen ist erstklassige Handwerkskunst. Es geschieht nach drei verschiedenen Methoden.

Der Stahl st empel.

Die älteste, auch heute noch gebräuchliche Art ist die Herstellung des geschnittenen Stahlstempels. Das geschieht folgendermaßen: Auf die polierte Kopffläche eines kleinen Stahlblockes, der die Größe eines kleinen Fingers hat, wird die Buchftabenform nach der photographierten Zeichnung ab« gepaust. Dann ergreift der Schneider seine Feilen, eckige hat er und runde, und schneidet den Buchstaben scharf, tief und genau in den Stahl hinein. Den Stahl läßt man vorher erglühen; dann ist er weich und nachgiebig. Der Buchstabe mutz erhaben erscheinen, daher wird das überflüssige Metall innerhalb und außerhalb des Buchstabens weggefeilt. Der fertig« Stahlstempel, Matrize genannt, trägt aus seinem Kops den positiven Buchstaben. Zur Kontrolle des Schristbildes macht der Stempelschneider während der Arbeit Rutzabdrücke, nach denen Korrekturen vorgenommen werden. Zum Guß der Type aber ist die entgegengesetzte Form, die negative Form, notwendig, eben die Matrize. Der Stahlstempel wird daher in ein weicheres Metall, Eisen oder Kupfer, hineingepreßt. Ein kleiner Eisen- ober Kupferblock wird in ein Richtinstrument gespannt, um die möglichst genaue Stellung des Stempels zu erhalten. In einer Hebel- preffe wird nun der Stempel eingeprägt, und so entsteht die Matrize. Bei größeren Schriftgraden ist der Stahlschnitt unwirtschaftlich, man benutzt deshalb die zweite Herstellungsart der Matrize, die galvanische Methode. Richt in Stahl, sondern in ein weicheres Metall, Zeug genannt, schneidet man den Buchstaben auf die Breitseite ein. Der Zeugschnitt geht auf die gleiche Art vor sich wie der Stahlfchnitt, mit Händen und Feilen. Von dem in Zeug geschnittenen positivenOriginal" wird die negative Matrize auf galvanischem Weg« hergestellt.

Das ist für den Zuschauer ganz autzerordentlich interessant. Wir treten in ein kleines Gemach ein, das uns zunächst zur Flucht anregt. Ans dem Absatz möchten wir uns herumdrehen und sofort verschwinden. Warum? Warum? W»il wir da in einer ganz verwünschten Weise immerzu husten müssen. DerMeister dieses mysteriösen Kabinetts", ein Mann, der schon lange nicht mehr zu husten braucht in diesem alchimistischen Zimmerchen, erklärt. Vor uns sehen wir zwei Badewannen, in die wohl keiner von uns steigen möchte, denn die Temperatur ihrer Flüssigkeit ist 80 bis 90 Grad Celsius. Zudem sieht die Flüssigkeit, di« darin hin und her schwabbelt, dickes, grünes Gewäsier, nicht einladend aus. Auch duslet sie nicht nach göttlichen Parfüms. Hier also bilden sich unsichtbar und peheimnisvo'l. dennoch zauberhaft genau die galvanischen Matri-en. Mehrere Originale was das ist, wurde vorhin erklärt legt der Gal- vanovlastiker zusammen, schließt sie mit einer Isolierschicht die Se'te mit den einflemeftt-n Buchstaben bleibt natürlich offen und hängt sie in das Bad. An Kupferstangen. Den Originalen gegenüber hängt man die Nick-lplatten, das Geburtsmaterial der Matrizen. Sämtliche Stücke hängen tief in der Flüssigkeit. Wenn man sie seben will muß man sie an ihren Drähten Heraufziehen. Die Flüssigkeit enthält Nickelsulsat präpa­riert» N'ckchsalze. Malier und Essigsäure. Durch diese Bestandteile wird die Fo-tleituna der elektrischen Ströme begünstigt. Positive und nega­tive Elekt'-Iziiäten strömen die Kunlerd^ähte hindurch, unter ihrer Kraft zersetzen sich die «ingehängten Nickelplatten; die kleinen Teilchen des zer­

setzten Nickels schwemmen d!e Originale an, und bilden eine dicht zu­sammenhängende Schicht, die später von den Originalen abgeklopst, auf ihrer Innenseite die negative Form der Buchstaben zeigen. Das so ge­wonnene negative Abbild, das Auge, wird dann mit Zink hintergossen. Die gußfähige Matrize ist fertig.

Die Bohrmaschine.

Wir kommen nun zu der dritten Methode der Matrizenherstellung, Die bereits geschilderten sind Handarbeit, die dritte ist maschinell. Hier erspart sich die Vorarbeit. Es wird das Buchstabenbild nicht erst positiv hergestellt, sondern das negative Bild wird direkt gebohrt mit raffiniert konstruierten Maschinen. Diese Bohrmaschinen beruhen auf dem lieber« tragungsfgftem des Pantograph (Storchschnabel). Auf einer Messing, schablone wird der Buchstabe eingeschnitten, etwas größer, als er her­gestellt werden soll. Diese Messingschablone wird zur Rechten des Pan« tographs eingefchraubt. Die Schablone befindet sich jetzt unter dem Führungsstift. Der Arbeiter setzt die Maschine in Betrieb und fährt mit dem Führungsstift den Buchstaben auf der Schablone nach. Diese Bewe- gung erzeugt gleichzeitig eine andere Bewegung am anderen Ende der Maschine. Hier dreht sich der B o h r ft i f t fortwährend um feine eigene Achse. Dieser Bohrstift besteht aus Silberstahl. Während er sich drehh sechstausendmal in der Minute, bohrt sich seine Spitze in das unter ihm eingeklemmte Eisen- oder Bronzestück ein, tief und scharf. Die Bewe­gungen, die vom Führungsstift ausgeführt werden, übertragen sich auf die Supports, zwei kleine Metallblöcke, auf deren oberstem das zur Matrize bestimmte Bronzestück eingefchraubt ist. So wiederholt der Bohrstift zur Linken die Bewegung des Führungsstiftes zur Rechten. Und auf dem Vronzestück erscheint das eingebohrte Bild des Buchstabens in der richtig verkleinerten Form. Der Bohrer kann durch zwei Schrauben auf jede beliebige Tiefe eingestellt werden. Die Bohrspitzen haben verschiedene Stärken. Alle Ausdehnungen der Buchstaben Länge, Breite und Tiefe ergeben sich nach der Gesamteinstellung des Pantographs und der Stärke der verwandten Bohrspitzen.

Die nun auf diese drei Arten hergestellten Matrizen sind in der bis jetzt erreichten Form noch nicht ganz gußfähig. Sie werdenjustiert". Die beim Einprägen, Hintergießen und Bohren entstandenen kleinen Un­regelmäßigkeiten werden beseitigt. Mit Handgießinstrument und Hand- pumpe werden Probebuchstaben gegofsen. Bei allen Phasen der Her­stellung wird mit äußerster Präzision gearbeitet. Es stehen zur Prüfung der Tiefe der Matrize, der Linien und Ausdehnung der Buchstaben außer­ordentlich genaue Meßinstrumente zur Verfügung, denn das fertige Pro­dukt, die Schrifttype, mutz sich genau in das seine typographische Maß­system einfügen. Nun kennen mir die Vorarbeiten für die Herstellung der Druckbuchstaben. Die eigentliche Fabrikation geschieht erst durch den Guß der Type aus der Matrize.

Das Gießen der Buchstaben.

Der Schilderung des Gießens seien einige Angaben über das Material vorausgeschickt. Das Material, aus dem die Typen gegossen werden, ist eine Legierung von Blei, Zinn und Antimon. Diese Mischung, die nach einem bestimmten Verhältnis erfolgt, garantiert die Widerstandsfähigkeit und Geschmeidigkeit der Buchstaben. Das Typenmaterial wird meistens schon in der richtigen Legierung von den Metallhüttcn geliefert, teilweise aber auch in der eigenen Schmelze der Gießerei hergestellt.

Wir betrachten zuerst die Handgießmaschinen, die heute nur noch in beschränktem Maße Verwendung finden. Ueberhöngende Buchstaben von Kursivschriften, Schmuckstücke und Einfassungen werden auf diesen lang­samer produzierenden Maschinen hergestellt. Der Buchstabe, der aus der Handgießmaschine fällt, hat noch ein Angußstück, das abgebrochen werden muß. Auch ist noch ein Schleifen, Ausfetzen und Fertigmachen notwendig. Alle diese kleinen Nebenarbeiten erspart die Komplettgießmaschine, die dis zu 40 000 Buchstaben im Tage gießt. Um eine noch höhere Gesamtleistung zu erzielen, hat man die Doppelgießmaschine gebaut, die eigentlich zwei Gießmaschinen auf einem Sockel darstellt, jedoch von einem Arbeiter bedient werden kann. Die Tagesleistung dieser Maschine beträgt etwa 70000 Buchstaben.

Die Gießmaschine besteht aus zwei Teilen, die sich beim Guß inein­ander vereinigen. In dem einen Teil wird in einer kleinen zur Matrize führenden Röhre der Körper des Buchstabens gegossen, im anderen Teil ist die sich nähernde Matrize, die sich aus den Kopf der einströmenden Bleimasse abdrückt. Die Komplettgießmaschine arbeitet ihrem Namen gemäß: komplett. Sie entläßt den Buchstaben im Gegensatz zur Hand- gießmaschine druckfähig. Ihr innerer Organismus ist technisch vollendet. Sie gießt nicht nur den Buchstaben, hurtig und genau, sie schneidet ihn auch richtig und stützt die Angüsse ab. Druckfertig fallen die Buchstaben aus der Maschine und reihen sich auf einem hölzernen Winkelhaken neben­einander auf. Die Maschine ist in ihren sämtlichen Teilen diirchhöhll, kanalisiert. Fortwährend fließt durch Schläuche zugeleitetes Master durch diese Kanäle, um die Maschine in der richtigen Temperatur zu halten, sie vor Ueberhitzung zu bewahren. Um das in dem Napf flüssige Blei in seinem Schmelzzustand zu erhalten, wird dieser Bleinaps von Mischpreß- gas beheizt. Der sich fortwährend bildende silbrige Bleischaum wird ab­geschöpft.

Nun greifen die Leiterinnen in die Produktion ein. Das sind weiblich« Arbeitskräfte, die das Zusammenlegen der fertigen Buchstaben besorgen. Don jeder Schrift wird eine bestimmte Einheit gegossen, zusammengelcgt und verkauft. Diese Einheit, deren Zusammenstellung sich nach den Eigen­tümlichkeiten der betreffenden Sprache richtet, heißt dasMinimum. Der Guß erfolgt nach besonders aufgestellten Gießzetteln, die die Gun- zahl jedes einzelnen Buchstabens bestimmen. Die Leiterin holt P4)JW Buchstaben von den Maschinen, legt sie nach den Vorschriften desMmi- mums zusammen, packt ein, etikettiert, numeriert, und der Buchstabe ist versandfertig. Diese Minima kommen dann aus das Lager, das zwar räumlich nicht riesenhaft, aber so beschwert durch sein« bleiernen Lasten ist, daß man so vorsichtig war, es in bas Souterrain zu quartieren.

Verantwortlich: Ur. HanS Thyrlot. Druck und Verlag: Vrühl'sche LlnlversitütS-Duch-- und Steindruckerei, R. Lange, Viehen.