nKiit des Kaisers in griechischer und lateinischer Schrift tragen. Dieselben

|tf)-r haben die phryg.jche Landschaft Aizaoni untersucht, vor allem den herrlichen, zum Teil noch aufrecht stehenden Tempel. Sie fanden vor dessen Westgiebel einen 15 Tonnen schweren- Block, aus dem das von Randen umgebene Brustbild der großen Göttermutter, drei Meter hoch, ausgehauen war. Dieses Bild krönte die Spitze des Giebels. Zum Tem­pel sanden sich die Hallen eines großen rechteckigen Vorhofes und des angrenzenden Marktplatzes. Nirgends in Kleinasien könnte man so über­sichtlich das Gesamtbild einer reichen römischen Landstadt bester Zeit auf­klären, wie dort.

Freilich, unvergleichlich großartiger ist das Bild, das sich durch die letzten Ausgrabungen zu Ephesus, dem langjährigen Schauplatz öster­reichischer Forschungen unter Rudolf Heberdeys und Joseph Keils Leitung ergeben hat. Zu dem bereits früher gefundenen Stadtbild iMärkte, Hafen, Thermen, Bibliothek, Theater, Odeion, Stadion, Artemistempel usw.) tritt neuerdings das riesenhafte Jsisheiligtum, ferner der Bezirk des Zeus und der Kybele und das Nymphäum mit seinen leichten dekorativen Tabernakeln. Alles das wird aber übertroffen durch die Entdeckungen auf frühchristlichem Gebiet: der großen von einer bifikikalen Fclskirche gekrönten Katakombe, die sich im Laufe von Jahrhunderten um die legen­darischen Gräber derSiebenschläfer" gebildet hat, jener Jünglinge, die sich bei einer Christenverfolgung in die Berghöhle flüchteten, dort ein- schliefrn und erst nach Jahrhunderten wieder erwachten. Von außeror­dentlicher Bedeutung ist auch die Freilegung der geradezu grandiosen Lo- hanneskirche, die sich als einer der schönsten Bauten des Kaisers Justinian erwies, und in der sich die Stätte gefunden hat, wo das Grab des Apostels Johannes verehrt wurde. Nur die größten byzantinischen Bauten von Ko stantinopel, Salonik oder Ravenna können in i diesem neuen Fund ver­glichen werden. Deutsche Mittel haben zur Freilegung nicht ausgereicht: amerikanische Hilfe, die Adolf D e i ß m a n n vermittelte, war entscheidend.

Wandern wir südwärts nach Syrien, so ist der höchst interessanten französischen Grabung in Byblos zu gedenken. Von dort bezogen dis alten Aegypter die Libanonzedern als Bauholz, wie auch König Salomo für den Tempel in Jerusalem. Dort stand ein altäayptischer Jsistempel, und, was wichtiger ist: es fanden sich die ältesten phönikischen, schon im 12. Jahrhundert geschriebenen Schriftzeichen! Bisher hatte man die Schrift der Phönilier für viel jünger gehalten.

Auch in Palästina sind Ueberraschungen zu verzeichnen: Professor Sellin und Dr. Weltzer haben die durch den Weltkrieg unterbroche­nen Ausgrabungen in L-ichem wieder ausgenommen, haben die ge­waltige Stadtmauer mit zwei großen Toren sestgestellt und sind im In­nern auf einen Bezirk gestoßen, in dem sich allem Anschein nach ein Turmtempel (Zickurat) erhob. Die Grabungen sind bis ins 14. Jahrhun­dert v. Ehr. vorgedrungen. Sie zeigen übereinander altkanaanäische,- bifdje und griechische Schichten.

Endlich sei der wichtigen Entdeckungen gedacht, die der Leiter des orientalischen Instituts zu Jerusalem, Pater Dr. Mader, an der allehrwürdigen Stätte des Haines Mamre gemacht hat, wo nach der Bibel Abraham die göttlichen Verheißungen empfing. Die Stelle eines Brun­nens, wo der auch von Flavius Josephus erwähnte gewaltige Terebinthen- baum stand, ist festgestellt. Es fanden sich dabei die Reste des von Hero- des erbauten Tempels, der nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus ebenfalls zerstört wurde und verwüstet liegen blieb, bis 135 n. Ehr. Kaiser Hadrian ein nun nicht mehr ausschließlich jüdisck)es Heiligtum errichtete. Dieses ließ wiederum Konstantin der Große niederreißen und erbaute aus den Werkstücken eine große griechische Basilika, die erst 614 von den Neupersern zerstört wurde. Noch die Kreuzfahrer verehrten den Ort als Hain Mamre".

Geheimnisse der Tiefsee.

Von Dr. Hellmut Thomasius.

Im Gegensatz zur Eroberung des Lustmeers schreitet die der Tiefsce nur sehr langsam vorwärts. Das ist nicht nur aus wissenschaftlichen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen zu bedauern, denn es ist an­zunehmen, daß auf dein Grund des Ozeans mancherlei Schätze verborgen liegen, die der Menschheit bei ihrem Kampf ums Dasein gute Dienste leisten könnten. Ob es möglich sein wird, sie herauf,zuholen und ob wir, wie manche Optimisten glauben, jemals Metalle, Kohle und vielleicht noch manches andere aus dem Meresgrund zu gewinnen imstande sein werden, kann heute außer Erörterung bleiben. Vorerst ist es wichtig, zu wissen, wie es dort unten aussieht. Erst diese Erkenntnis kann Richtlinien für ein weiteres Vorgehen geben. Viel ist hier zu ergründen, denn etwa zwei Drittel der Erdoberfläche find vom Meere bedeckt.

Bei allem, rvas wir bisl)er über die Tieffee erforschten und aus ihr entnahmen, handelte es sich nur um Stichproben. Unsere technischen Hilfs­mittel roaren unzulänglich. Wir ließen Lote hinab, um die Tiefe zu messen und ersetzten sie später durch die Schallwellen künstlich herbei­geführter Explosionen. Der Meeresgrund wirft den Schall zurück. Aus der Zeit, die zwischen der Explosion und seiner Rückkehr vergeht, läßt sich die Tiefe berechnen. Wir fischten mit Hilfe besonderer Einrichtungen allerlei Getier und Pflanzen heraus. Wir entnahmen Gcsteinsproben vom Meeres­grund und find dadurch über feine Beschaffenheit allerdings sehr lücken­haft unterrichtet. Auch versunkene Schiffe haben wir gehoben. Aber nur dann, wenn sie ziemlich nahe an der Oberfläche des Wassers lagen. Im Laufe der Zeiten sind mit den Schissen zugleich ungeheure Schatze, wertvolle Ladungen von Gold und Silber in die Tiefe gesunken. Von vielen dieserGoldschiffe" weiß man, wo sie liegen. Aber es fehlt >edc Möglichkeit, zu ihnen hinabzustcigen.

Freilich haben sich unsere Tanchereinrichtungen im Laufe der Zeiten sehr verbessert. Die Technik des Tiefseetauchens hat wesentliche Fortschritte gemacht. Mit Taucheranzügen kommt man bis etwa 90 Meter in die Tiefe. In einzelnen Fällen ist man sogar weiter vorgedrungen. Besondere Einrichtungen ermöglichen cs sogar, daß die Taucher in 60 bis 70 Meter

Tiefe stundenlang arbeiten können. Aber was sind diese Zahlen gegen die großen Tiefen der Ozeane, bei "denen es sich um Tausende von Metern handelt! Der Wunsch, noch weiter vorzudringen, führt zu allerlei techni­schen Neuerungen. Eiserne Kammern wurden gebaut, große Kugeln, in deren Wände Scheiben aus dickem Glas eingelassen wurden. Diese Kugeln versenkte man von Schiffen aus ins Meer. Oben setzte man an ihnen Rohre an. Je tiefer die Kugel Hinabjank, desto mehr 'wurden die Rohre verlängert. So entsteht schließlich ein Schacht, durch den man von oben her in die Kugel hinabsteigen kann. Durch die Fenster hindurch wird die Umgebung mit elektrischen Scheinwerfern erleuchtet. Allerlei Werkzeuge, die außen an der Kugel angebracht werden, können von innen in Tätig­keit gesetzt werden. Aus diese Weise kam man bis über 150 Meter in die Tiefe. Aber schließlich gibt es auch hier ein Ende. Wird der Schacht zu lang, so wird er zu schwer und gefährdet das Schiff. Andere techni­schen Einrichtungen wurden erdacht. Anstatt den Taucher in einen wasser- dichten Anzug zu stecken, hüllte man ihn in eine Art von Ritterrüstung ein. Aber auch damit kommt man nur bis zu einer bestimmten Grenze. Die große Tiefe bleibt nach wie vor unzugänglich.

Jetzt endlich ist es zum ersten Male gelungen, mit Hilfe ganz neu­artiger technischer Einrichtungen das bisher für unmöglich gehaltene mög­lich zu machen und die im Verhältnis zu den bereits erzielten Leistungen ungeheure Tiefe von 850 Meter zu erreichen. Dieser Bahnbrecher der Tiefsee ist der Ingenieur Dr. Hans Hartmann aus Neuyork. Er er­dachte eine Tauchvorrichtung, die sich von allen dagewesenen wesentlich unterscheidet und ließ sie nach seinen Plänen in Deutschland bauen. Sie entsprach allen in sie gesetzten Erwartungen und hat bei den im Mittel­meer vorgenommenen Tauchversuchen die Probe glänzend bestanden. Die Versuche werden im nächsten Frühjahr und Sommer fortgesetzt werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dann noch größere Tiefen erreicht werden. Die Berechnungen, die dem Bau der Hart'mannschen Ticfsee-Kammer zu­grunde gelegt wurden, sehen eine Widerstandsfähigkeit gegen einen Was­serdruck vor, der einer Tiefe von etwa 1800 Meter entspricht. Gelingt es, bis hierher vorzudringen, so bedeutet das einen Fortschritt, dessen Folgen sich heute überhaupt noch nicht übersehen lassen. Bon etwa 150 Meter bis auf 1800 Meter ist ein gewaltiger Sprung, der neue Aussichten eröffnet.

Die Hartmannsche Tauchkammer unterscheidet sich von allen bisher dagewesenen Taucheinrichtungen dadurch, daß sie nicht durch ihr eigenes Gewicht in die Tiefe sinkt. Sie stellt einen zylinderförmigen Hohlkörper aus Stahl dar, der oben und unten durch Halbkugeln abgeschlossen ist. Dieser Hohlkörper ist so gebaut, daß er schwimmen muß, daß er stets seinen Auftrieb behält. Er wird nicht durch sein eigenes Gewicht, son­dern durch eine Wasserschraube in die Tiefe hinobgefuhrt, die durch einen Elektromotor angetrieben wird. Der Propeller sitzt an einer senkrechten, am untersten Teil der Kammer angebrachten Welle und wird durch einen aus Stahlstangen gebildeten Korb gegen Beschädigungen von außen her geschützt. Wird er in Umdrehungen versetzt, so zieht er die Kammer in die Tiefe. Der zum Betrieb nötige Strom wird durch ein Kabel zuge­führt, das im Begleitschiff an einen Stromerzeuger angeschlosfen ist. Sollte dieses Kabel einmal reißen, so hat das weiter nichts zu sagen. In diesem Falle würde die Tauchkammer durch ihren eigenen Auftrieb sofort an die Meeresoberfläche emporsteigen. Damit dieses Emporsteigen nicht allzu rasch erfolgt, was unter Umständen unerwünscht sein kann, führt die Kammer noch eine Akkumulatorenbatterie mit sich. Diese übernimmt sofort die Speisung des Ekektromotors mit Strom und damit die Regelung der Drehzahl des Propellers. Die Kammer kommt langsam in die Höhe.

Das Stromkabel enthält, auch eine Fernsprechleitung, die den Verkehr mit dem Begleitschiff ermöglicht. Dadurch, daß dieses Kabel an irgend­einer Stelle reiht, könnte eine Gefahr entstehen. Reißt es hoch oben, so sinkt das abgerissene Stück in die Tiefe. Es kann bei großer Länge so schwer sein, daß sein Gewicht die Kammer mit in die Tiefe zieht. Um dies zu verhüten, hak Dr. Hartmann eine sehr bemerkenswerte Einrich­tung erdacht. Das Kabel endet kurz oberhalb der Tauchkammer in eine als Elektromagnet ausgebildete Schale. Diese Schale zieht das obere ent­sprechend geformte Ende des kurzen an der Tauchkammer befindlichen Kabelstückes an. Cs hält dieses Ende so lange fest, als Strom fließt. Reißt das Kabel irgendwo, so hört der Stromfluß auf. Die elektromagnetische Schale wird unmagnetifd) und läßt das untere Kabelstückchen los. Damit ist die Kammer vom Gewicht des Kabels frei. Sie kann nun unter Ver­wendung ihrer Akkumulatorenbatterie aufsteigen.

Das Kabel liefert auch den Strom für die elektrische Beleuchtung, die für gewöhnlich durch zwei an der Außenseite der Kammer angebrachte große Leuchtröhren erfolgt. Diese Leuchtröhren sind, damit sie durch den Druck des Wassers nicht zerdrückt werden, nochmals in Röhren aus star­kem Glas eingeschlossen. Sie genügen, um die Umgebung in ziemlich weitem Umkreis aufziihellen. Zwischen ihnen befinden sich zwei Fenster, durch die der im Innern der Kammer Sitzende die Umgebung überblicken kann. Sollen photographische oder kinematographische Aufnahmen ge­macht werden, so werden außen an der Kammer noch zwölf Scheinwerfer in Betrieb gesetzt, die zusammen ein sehr starkes Licht liefern. Die Auf­nahmekamera sitzt gleichfalls außen an der Taiichkammer und ist hier elektromagnetisch festgehalten. Dies hat den Zweck, sie im Falle der Ver­schmutzung oder wenn schnell entwickelt werden soll, um zu sehen, ob die Aufnahmen gelungen sind, ohne weiteres aufsteigen lassen zu können. Der Strom wird abgeschaltet und die Kamera steigt empor.

Die Tiefsee-Kammer ist von oben her zugänglich. Sie kann nur eine Person aufnehmen. Ist diese eingestiegen, so wird der Deckel verschraubt. Im Innern sind Vorrichtungen angebracht, die die Lust ständig durch Reinigungsvorrichtungen treiben. In diesen wird die ausgeatmete Kohlen­säure entfernt und der verbrauchte Sauerstoff ergänzt, so daß die gleiche Menge Luft ständig atembar bleibt.

Es scheint nicht ausgeschlossen, daß mit dieser Kammer eine neue Stufe der Entwicklung für die Eroberung der Tiefsee anhebt. Wenn ein Vergleich möglich ist, so bedeutet sie für die Meere vielleicht das gleiche wie das Flugzeug für die Luft.