Die bedeutendste aller Entdeckungen unserer Expedition! Und ihr vertreibt mir, ehe sie abgeschlossen ist, die Neger durch eure dumme Schießerei!"

Dumme Schießerei? Dumme -?

Seht her: Gesänge der Sudanneger beim Menschenschlachtsest! Wort­wörtlich ausgezeichnet. Notengerccht sestgehalten."

Jawohl: Beim Menschenschlachtfest. Und der geschlachtet werden sollte bei diesem Fest, der geschlachtet und aufgesressen wäre, wenn sie nicht dummerweise geschossen hätten: Er!

Ich??"

Wer soi^t?

Öb"er^as ganz vergessen hätte? Wie in aller Welt es nur möglich wäre, seiner Errettung vom Tode nicht behilflich zu sein?

Vielleicht bin ich gerettet worden, weil ich den Tod vergaß l chinundherblicken. Begreifen. Keiner wagt zu antworten.

Dann lieh Gustav Nachtignl sich losbinden und begann als ob nichts Außergewöhnliches sich ereignet hätte, weder mit ihm noch durch Ihn _ den Gefährten die Opferfestlieder vorzulesen, vorzusingen und, hingerissen von ihrer Rauschgewalt, vorzutanzen.

Begegnungen auf der Elefantenjagd.

Von Afrikaforscher Hans Scham bürg k.

An der Wasserscheide des Kongo und Zambesi, im Lande der Wa- tunda, erwachte der Morgen. Zögernd, unsicher. Kein Vogelgezwitscher begrüßte die ausgehende Sonne, kein Summen der Insekten, die danach trachten, in den ersten Strahlen ihre taufeuchten Flügel zu trocknen. Im dichten Rebel lag das Land. Vergeblich suchten die Sonnenstrahlen einen Weg durch das feuchte Grau zu finden. Hie und da piepst em Bogel. Zaghaft, verschämt. Ist nicht sicher, ob wirklich ein neuer Tag geboren ist, ob er im Traum erwacht. Plustert sich auf in der Kalte. Neugierig mustern die blanken Aeuglein die graue Welt. Vereinzelte Insekten ver­suchen aufzuschurren. Vergeblich, die graue Feuchtigkeit druckt sie zu ^°Jch saß am schlecht brennenden Lagerfeuer. Nur widerwillig fraß die rote Glut das feuchte Holz. Mich fror. Ich fluchte. Die Trager legten mein kleines Zelt zusammen. Der Nebel hatte sich durch die Leinwand gefressen. Ganz naß, doppelt so schwer wie sonst, war die Last. Der Träger, der immer wegen der leichten Last von seinen Kameraden be­neidet wurde, sah höhnisch lächelnde Gesichter durch die Nebelwand stoßen. Doch er war Philosoph. Ich bewunderte seinen zur Schau ge­tragenen Gleichmut. Er fluchte innerlich. Das ist am frühen Morgen ungesund. Nachdem die Sachen verschnürt waren, kamen die Leute ans Feuer. Hockten nieder nach. Negerart, mit ausgebreiteten Armen, die Handfläche dem Feuer zugekehrt, als wollten sie die Glut umarmen, sie an den kalten Körper drucken. , , .

Wir waren mitten im Elcfantenrevier. Hatten am vorhergehenden Abend frische Fährte gesichtet. Lagerten hier, um nicht zu nahe an die Elefanten heranzukommen; sie nicht zu vergrämen durch den Lärm, den selbst die auf Elefantenjagd bestens geschulten Träger machen. Ich hatte Befehl gegeben, kein Holz mit der Axt zu schlagen. Nur trockene Aeste zu brechen. Brechendes Holz schreckt die Elefanten nicht, aber ein Axt- schlaq, ein Geräusch von Metall, treibt sie zur Flucht. Em Luftzug von Menschen, tausend Meter entfernt, setzt sie in Bewegung. Lautlos schließen sie sich zusammen. Mächtigen Schemen gleich gleiten sie auf weicher Sohle durch den Wald. Wandern rastlos dahin, die ganze Nacht hindurch, um eine möglichst große Strecke zwischen sich und ihre Verfolger zu bringen.

Es war sieben Uhr. Wir sahen noch am Feuer. Sonst waren wir um diese Zeit schon lange auf dem Marsche. Von den zwölf Stunden Licht der Tropen, gleichmäßig das ganze Jahr hindurch, muh man auf der Elefantenjagd jede Minute ausnutzen. Heute fehlt mir der Mut, den Aufbruch zu befehlen. t m , _ . r,.

Die Sonne nahm den Kampf auf. Druckte den Nebel zur Erde, stieß Löcher hinein. Auf den Hügeln tauchten die Baumspitzen aus dem Nebel­meer, aus denen die Vögel fröhlich zwitschernd die wärmenden Sonnen­strahlen begrüßten. , , ..

Ich gab den Befehl zum Aufbruch. Noch steif vor Kalte hoben die Träger ihre Lasten. Mein Mambunda-Elefantenjäger Makamanda setzte sich an die Spitze. Unsere Richtung war heute genau nach Westen. Alle Elefantenfährten, die wir am Tage vorher gesehen hatten, waren nach Süden gegangen. So kreuzten wir die Fährten und konnten die frische ^Jn^jenen Tagen hatte ich mich zu einem lebenden Kompaß heraus­gebildet. Nur einmal am Tage brauchte ich mich nach dem Kompaß zu orientieren, um dann mit absoluter Sicherheit die Richtung einzuhalten. Die Elefantenjagd hatte mich folgende Methode gelehrt. Wenn ich vom Standlager abmarschierte, schliig ich eine Himmelsrichtung ein, in der ich Elefanten vermutete. Diese Richtung wurde solange ungehalten, bis ich eine Fährte fand, die mehrere Tage alt fein konnte. Dann nahm ich sie auf lieh mich vom Elefanten in das Elefantenrevier führen. Sobald andere Fährten bewiesen, daß wir im richtigen Revier waren, wurde wieder eine Richtung genommen, die quer zu den Spuren lief. Ich ging stets an zweiter Stelle hinter dem Jäger und gab die Richtung an.

Wir marschierten durch lichten Hochwald über offene Stellen, auf denen mannshohes Farrenkraut üppig wucherte. Auf den großen Blat­tern lag die Feuchtigkeit der Nacht, die uns bis auf die Haut durchnäßte. Das Gelände senkte sich einem Flutzlauf zu. Ein« Ebene breitete sich vor uns aus, auf der noch der Nebel lag. Ein Wolkenmeer von hoher ®erg= warte gesehen. Wir tauchten hinein in die Feuchtigkeit, die uns mit kalten . Aus der grauen Sichtlosigkeit sprang ein Pfiff. Ein Riedbock, dessen scharfe Augen den Nebel durchdrangen, oder dem ein Windzug unsere Witterung zugetragen hatte, war flüchtig geworden, suchte Schutz in sicherem Schilf, am Rande des Flußlaufes.

Plötzlich stockt Makamanda. Zeigt auf die andere Seite des Flusses. Mächtige schwarze Körper bewegen sich dort durch den lichter werdenden

Nebel. Ich hebe die Hand. Meine gut geschulten Träger sinken lautlos zu Boden. Bevor ich mein Fernglas an die Augen bringe, schiebt sich wie ein Vorhang eine neue Nebelwand vor uns. Ein Windstoß zerteilt sie. Durch die beschlagenen Linsen läßt sich nur undeutlich sehen. Doch sicher sind es Elefanten. Der Rauch meiner Pfeife zeigt den Wind günstig. Ich reiche zurück nach der Elefantenbüchse. Prüfe noch einmal den Wind. Drehe mich um, durch Zeichen den Trägern Ruhe gebietend. Und als ich wieder hinschaue nach den Elefanten, da bricht siegreich die Sonne durch und ihre Strahlen spiegeln sich aus dem schwarzglänzenden Fell einer Herde Wafserböcke, die im flatternden Nebel riesengroß erschienen waren. Eine Nebel-Fata morgana hatte uns ein Trugbild gezeigt, eine Hoffnung erweckt, die die Sonne grausam zerstörte.

Auf der Flußebene, die von Elefantenwechsel durchfurcht, herrschte reges Leben. Herden von Pferdeantilopen zogen dem Walde zu. Im Nebel verschwinden die Beine. Es sieht aus, als schwimmen sie durch ein graues Meer. Kleine rote Oribi, von denen nur die Köpfe mit dem geraden, spitzen Gehörn sichtbar, sprangen schreckhaft ab, wenn wir ganz nahe herangekommen. Unsichtbar kläfft ein Schakal. Ganz verschwommen im Nebel und Sonnenschein eine große Herde Zebra. Ihr gestreiftes Fell paßt sich den abwechselnden Nebel- und Sonnenstreifen an. Man könnte ie für Schaitey halten, für Astralleiber einer Hypnose. Eine Gruppe ehr­würdiger Marabus hielt eine wichtige Ratssitzung am Fluhufer.

Wir marschierten am Fluß entlang, der hier durch eine Sumpf­niederung fließt. Die Karawane blieb etwas zurück. Ich sollte erst mit Makamanda einen gangbaren Weg finden. Im Schilfbestand bewegt sich eine schwere Antilope. Noch kann ich sie nicht ausmachen. Langsam wachsen aus dem Schilf zwei helle Gehörnspitzen, streben höher und zeigen die Spiralform des Kudugehörns. Doch dann wechselt kaum fünfzig Schritte vor mir ein prächtiger Sitantunga, diese seltene Sumpf­antilope, über eine Lichtung, deren Gehörn dem Kudu gleicht. Wie immer, wenn man auf Elefantenjagd nicht schießen darf, sah ich an diesem Tage das seltenste Wild, das ich oft wochenlang vergeblich gejagt hatte.

Aus der Niederung stiegen wir wieder hinauf zum Hochwald. Immer wieder kreuzen Elefantenfährten unseren Weg, aber alle waren drei bis vier Tage alt. Nachdem wir so einige Zeit marschiert waren, lächelte uns das Glück. Vor uns, deutlich abgezeichnet auf dem feuchten Gras, lag eine frische Fährte. Es schien, als ob der Elefant erst eben durchgewechselt sei. Es war die Spur eines mächtigen Bullen. Sorgfältig wurde sie untersucht. Sie war doch schon einige Stunden alt. Der Morgennebel hatte sich noch darauf gesenkt. Feuchtigkeit lag in den Rissen, die die Sohle in das Erdreich gedrückt hatte. Der Boden war hart, der Fuß des Riesen hatte sich nicht tief eingesenkt. Eine Elefantenspur auf hartem Boden sieht aus, wie ein großer Emailleteller, mit vielen Rissen und Sprüngen. ,

Nachdem alle Träger beisammen waren, nahmen wir die Fährte auf. Ein Boy ging als letzter, die Leute zusammenzuhalten. Der Elefant führte uns erst in schnurgerader Richtung durch lichten Hochwald. Es war leicht, ihm zu folgen. Die. erste Losung, die mir fanden, war schon kalt. Makamanda hatte recht behalten. Der Elefant war hier vor Tagesgrauen marschiert. Wir machten uns auf eine lange Verfolgung gefaßt. Das Gelände stieg gleichmäßig. Es ging einer Wasserscheide zu. Dort lvaren immer Dickichte. Vielleicht wollte er sich einstellen im Schatten, wo ihm wenig Gefahr droht. Im Dickicht sing auch die Spur an kreuz und quer zu gehen. Er hatte angefangen zu äsen. Aber auch die nächste Losung war noch kalt. Unter einem hohen Baum hatte er gestanden, mit dem Vorder­lauf den Sand aufgewühlt und sich in den Greifer des Ruffels geschärt. Fast immer ein Zeichen, daß sich der Elefant einstellen will. Den Sand bläst er sich unter den Leib und über den Rücken, um sich von den lästigen Stechfliegen und anderen Parasiten zu befreien, die ihn quälten. Hier mußte er sich zwischen sechs und acht Uhr aufgehalten haben, denn auf einigen Spuren lag noch der Morgentau, während andere schon den Tau zerstört hatten. Wie ein offenes Buch liegt in solchen Fallen am Boden ausgezeichnet, die Geschichte der Bewegung des Elefanten vor dem Jäger. Wir waren wohl kaum drei Stunden hinter dem Tier. Nacy aller Voraussicht mußt er noch in dem Dschungel stehen.

Ich befahl den Trägern zu rasten. Zeigte ihnen am Stand der Sonne, wann sie mir wieder folgen sollten. Mit Makamanda ging ich alleine weiter. Im Gehen knickten wir Zweige, legten auch sorgfältig Zweige über andere Fährten, die frisch aussahen.Schloßen den Weg , roie der Reger in ganz Afrika sagt. Wie man es auch mit den Negerpsaden macht, die vom eigenen Weg abzweigen. So waren wir sicher, daß uns die Leute mit den Lasten nicht verfehlten. , ,

Mit aller Vorsicht pirschten wir weiter. Blieben oft stehen, um Den Wind zu prüfen. Horchten auf jedes Geräusch. Wir konnten jeden Augen­blick auf den Elefanten stoßen. Berechnen ließ es sich nicht mehr, stier im Dschungel konnte man ihn ebensogut in fünf Minuten, wie erst nast vielen Stunden antreffen. Bald merkte ich aber, daß er feine Absicht ge­ändert hatte. Wohl war er noch äsend kreuz und quer gezogen, halle aber noch einige Scharstellen gemacht, aber ebenso deutlich erkannte ich, daß er immer eine bestimmte Richtung einhielt.

Es war unheimlich ruhig im Dschungel. Kein Vogelgezwitscher, keine Schreie munterer Affen. Es ist ein eigenartiges Vergnügen, Elefanten in diesen Dschungeln zu folgen. Vorsichtig pirscht man weiter. Das sterz klopft zum Zerspringen. Jeden Augenblick kann auf wenige Schritte »er Elefant vor einem stehen. Undurchdringlich die grüne Blatterwand Dschungel, die auf wenige Schritt jeden Ausblick versperrt. ytoB 9) stockt der vorausgehende Fährtensucher! Bestimmt, gerade >n Augenblick, wo man einen Fuß hochgehoben hat, um über eine man hinwegzutreten. Auf einem Bein balancierend, muß man stehen cieioei Lauscht angestrengt nach vorn. Glaubt ein Geräusch zu hören. . leicht ist es aber nur das ungestüme Schlagen des eigenen H^ns, eine Buschantilope, die flüchtig abgeht. Dann gebt es roeiter. Bal he es über einen umgestürzten Baumriesen klettern, bald sich wie em I unter den Lianen durchwinden. Sähe man nicht die untrüglichen Z hi die Trittsiegel der Elefanten vor sich, nicht zu glauben, daß kurze o vorher der mächtige Dickhäuter durchgewechselt. Hinter ihm hak | >