hören des Anbaus bestimmter Holzarten Kusammenhinge. So wandte man sich der Untersuchung des Holzes der Balsamfichie zu, da festgestellt worden ist, daß das Ende dieser Holzkultur in Oberitalien ungefähr mit dem Verfall der Crenwnenser Gsigenbauerei, die die bei weitestem berühmteste war, zeitlich zusammenfällt. Die mikroskopische Untersuchung eines Stückchens Holzes einer alten Amati-Geige, die durch einen unglücklichen Zufall zer- trünimert worden war, ergab jedoch einwandfrei, daß das Hotz der Balsamfichte nicht vorlag. Nun wandte man sich der chemischen Analyse zu und untersuchte neben dem Holze der Amati-Geige noch das gewöhnliche italienische Geigenholz, das gewöhnliche deutsche und außerdem noch das Balsamfichtenholz. Diese chemischen Analysen, auf die nicht näher eingegangen werden kann, ergaben nur, daß das Holz alter Geigen weniger Benzol-Alkohol-Extrakt enthält, als neues Geigenholz, was vermutlich nur auf das verschiedene Alter der Hölzer zurückzuführen ist, da hei deren Altern ihr Fett-, Wachs- und Harzgehalt chemischen Veränderungen unterworfen wird, wodurch seine Löslichkeit in Alkohol oder Benzol ebenfalls wesentlich beeinträchtigt wird. Vermutlich ist aber der Gehalt an genannten Stoffen in den alten Geigen genau so groß oder nur wenig verschieden von den neuen Geigen, kann jedoch nicht mehr einwandfrei nachgewiesen werDen.
Interessante Aufschlüsse ergab dagegen die Veraschung der verschiedenen Geigenhölzer. Hier zeigte es sich nämlich, daß das Holz der Amati- Geigen und überhaupt auch anderer sehr alter Geigen einen bedeutend größeren Aschegehalt besitzt, als das neuer Geigen. Dieser Umstand weist mit aller Entschiedenheit auf eine Beize des Holzes mit gewissen Salzen bin. Man kann nämlich nach einer solchen Beize des Holzes selbst durch sorgfältigstes Waschen nicht» mehr alle Salzreste aus ihm herausbringen, da diese Reste von gewissen Bestandteilen des Holzes außerordentlich stark festgehalten werden und so natürlich bei der Veraschung den Aschegehalt erhöhen. Der Zweck einer solchen Beize wäre ebenfalls einleuchtend. Durch geringe Salzmengen kann nach Schwalbe eine schädliche Uebertrocknung des äußerst empfindlichen Geigenholzes vermieden werden, die sich dann dl einer stets gleichbleibenden Klangfarbe äußern müßte. Außerdem können verschiedene konzentrierte Lösungen von gewissen Salzen entweder das Holz zum Quellen bringen, oder eine vorhandene Quellung wieder rückgängig machen, wodurch also nach Belieben die wichtige kolloidale Eigenschaft des Holzes, feine Quellfähigkeit, verändert oder unterbunden werden kann. Dieser Weg wäre demnach ebenfalls in gewissem Sinne eine „künstliche Alterung", die man also wohl schon vor Jahrhunderten gekannt hat. Denn durch eine Quellung und nachherige Zusammenziehung des Holzes konnte sehr wohl eine Lockerung der einzelnen Faserteilchen des Holzes erzielt werden, so daß diese dann leichter schwingen können als vorher.
In der Holzasche der alten Geigen konnten chemisch verhältnismäßig beträchtliche Mengen an Kalksalzen festgestellt werden, wodurch die Vermutung auf eine Beize mit Seewasser nicht bestätigt wird, da dieses nur ganz geringe Mengen Kalksalze enthält. Die Art der zum Beizen verwendeten Salze ist bis heute noch nicht geklärt und noch völlig rätselhaft.
Die große Schwierigkeit der genauen Identifizierung Reser Beizsalze wird vor allem durch die geringen Mengen des zur Untersuchung vorhandenen Materials bedingt, da man natürlich nicht hierfür absichtlich kostbare alte Geigen vernichten kann.
Trotzdem dürfte die Zeit nicht mehr allzu fern sein, wo man endlich das Fabrikationsgeheimnis der altitalienischen Meistergeigen restlos geklärt haben wird, wodurch sich dann dem modernen Geigenbau völlig neue und unerwartete Perspektiven eröffnen würden.
Dom Gold.
Von Dr. Balduin Ernst.
Kein Metall hat von den ältesten Zeiten der Menschheitsentwicklung an das Sinnen und Trachten der Völker fo zu fesseln vermocht wie das Gold. Luch heute liegen die Verhältnisse nicht anders.
Deutschlands Boden ist sehr arm an Goldlagerstätten, und was in den Statistiken als deutsche Golderzeugung erscheint, entstammt fast ausschließ- kch ausländischen Erzen. Immerhin, wenn wir in den alten Chroniken blättern, so erkennen wir, daß fast alle unsere deutschen Mittelgebirge wie Thüringer Wald, Taunus, Fichtelgebirge usw., aber auch verschiedene größere Flüsse goldführend sind und in früheren Jahrhunderten mit Erfolg zur Goldgewinnung herangezogen wurden. Am ertragreick)sten waren wohl die Lager in Niederschlesien, wo in der Gegend von Goldberg-Löwenberg Bergbau umging, der erst nach dem großen Mongoleneinsall von 1241 in Vergessenheit geriet. Es waren also deutlich politische Ursachen, dir eine Abwanderung der alten Bergleute und damit das Erliegen des Bergbaues zur üotge hatten. Auch an anderen Orten ist sicher nicht immer ein Nach- wsien der Erzführung die Veranlassung zur Vetriebseinstellung gewesen. Schon aus diesem Grunde konnte man von den in neuester Zeit an verschiedenen der obengenannten Oertlichkeiten vorgenommenen Versuchen zur Neubelebung der Goldgewinnung Erfolg erhoffen, dies um so mehr, als die unvollkommene Technik der früheren Betriebszeit ausschließlich eine Berjolgung der reinen Golderze gestattete, während die heute so wichtigen Mi scherze unbeachtet auf die Halde geschüttet wurden. Fast immer hat die Gewinnung des Goldes von den losen Seifenlagern der Berghänge und vl” U,rtyru.nfl genommen, um erst viel später in Schächten und * bas .Me Ursprungsgestein des Edelmetalls überzugreifen.
r °«n g«Jiereit deutschen Flüssen sind die Eder und der Rhein seit ein™ erkannt, und die Sage vom Rheingold erhält
mAmeituf* enthalten Hintergrund. Die Eokdwäscherei des Rheins reicht SÄ? 7. Jahrhundert zurück und ist trotz der geringen
RuMPm^er £ni) "k^en Flußsandes — 0,014 bis 0,011 Gramm
«neTn S ~ D°n «^bedürftigen Fürsten der Uferstaaten immer Für das Rheinwasser selbst haben Probeabnahmen Milliontel rar« . Gegend von Karlsruhe und Leverkusen drei imXrWn ^ramm m tausend Liter als Durchschnitts-Wett ergeben, was eme gleichmäßige Verteilung des Goldes im gesamten Fluß- ^ckükmeter «ei einer settindlichen Wasserführung von 2000
« bikmeter eme recht ansehnliche Edelerzmenge ausmacht/
So aussichtslos es wäre, die Rhein- und EdergoldwSscherei in der heutigen Zeit neu beleben zu wollen, so wenig Erfolg hat man bisher auch mit der Gewinnung des im Meerwasser aufgespeicherten Goldoorrats gehabt, der der Trübe der Flüsse seine Ansammlung verdankt. Immerhin spielt die Frage der Goldgewinnung etwa seit den nenziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine gewisse Rolle, und der Vorschläge und Patentanmeldungen sind nicht wenige, die seitdem von den verschiedensten Seiten in der Angelegenheit gsniacht worden sind. Nur eine kleine Anzahl der Entwürfe ist freilich in die Tat umgesetzt worden; ursprünglich versuchte man in Amerika das in große, flache Bottiche eingeleitete Meer- wasfer durch Zinnwasser zur Abscheidung des Goldgehaltes zu bringen. Später, als der Erfolg bei diesem Verfahren ausblieb, führte ein Zufall zu der Beobachtung, daß mit Eisensulfat durchtränkte Hochofenschlacke eine besonders kräftige niederschlagende Wirkung auf das Meeresgold hat, wodurch die Schlacks selbst allmählich mit Gold angereichert und in ein Goldgestein, ähnlich den natürlich vorkommenden, übergesühtt wird. Aber auch über dieses Verfahren und die darauf begründeten Anlagen in New- Jersey und bei Fire Island ist in den letzten Jahren nichts mehr bekannt- gewordeu; wahrscheinlich war es auch ein Fehl schlag wie fein Vorläufer.
Die ganze Frage der Meeresgoldgewinnung erhält nun ein neues Gesicht, weim man die Ausführungen Professor Habers auf der diesjährigen Tagung des Vereins deutscher Chemiker lieft. Legte man bisher allgemein den Untersuchungen alte Untersuchungsergebnisse von 5 bis 10 Milligramm auf die Tonne Meerwasser zugrunde, so hat Haber an einer großen Reihe von Hochwasserproben, die er selbst auf einem von deutschen Schiffahrtsgesellschaften zur Verfügung gestellten und ausgerüsteten Schiffe gesammelt hat, nur wenige tausendstel bis hunderttausendstel Milligramm Gold im Kubikmeter Wasser feststellen können. Mehrere tausend Proben wurden ihm auch vom deutschen Forschungsschiff „Meteor" aus dem südlichen Atlantischen Meere und von dänischen Schiffen aus den isländischen und ostgrönländischen Gewässern zur Verfügung gestellt, deren Goldgehalt zwischen einem Hundertstel bis fünf Hundertstel Milligramm schwankte. Selbst in dem als besonders goldhaltig gerühmten Kalifornischen Golf ergaben sich keine höheren Werte. Dagegen erwiesen sich einige Proben geschmolzenen Polareises als verhältnismäßig am reichsten. Bemerkenswert ist übrigens, daß das Gold nach Haber nicht in gelöstem Zustand, wie man bisher annahm, sondern vorwiegend als mechanische Trübe und als Bestandteil vieler Schwebewesen im Meer vorhanden ist. So scheinen die Haberschen Untersuchungen, die zum erstenmal den Goldgehalt des Meerwassers unter besonderer Berücksichtigung der Hochsee nachgevrüft haben, endgültig mit der alten Hoffnung aufzuräumen, daß der Gold- hunger der Menschheit eines Tages aus den gewaltigen Vorräten unserer Meeresbecken mühelos gestillt werden könnte.
Anekdoten.
Nacherzählt von Bruno Frank.
Der große Kant führte ein liebeleeres, einsames Junggesellendasein, gern hatte er eigentlich nur feinen Diener Lampe; an dessen Erfahrung war er gewöhnt, und an dessen Treue glaubte er. Aber nach vielen Jahren stellte sich heraus, daß dieser Lampe stahl; er wurde entlassen. Nun gab es in Kants methodisch abgeteiltem Leben eine gewisse Stunde täglich am frühen Abend, da rückte er feinen Sessel ans offene Fenster, spannte ab und erlaubte sich, etwas anderes zu sein als ein zermalmender logischer Hammer. Und täglich kehrten nun unweigerlich seine Gedanken zu Lampe zurück, zu seiner Sorgfalt und Pflege. Er sehnte sich nach diesem Dieb und schämte sich doch, Moralist, der er war, seiner Sehnsucht auf das bitterste. Deshalb schrieb er auf ein Stück weißen Karton bie Worte: „Lampe muß vergessen werden!", und stellte diesen Karton allabendlich vor sich hin auf die Fensterbank. Man fand ihn noch in seinem Nachlaß.
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Mit einem Freunde stand Schiller am Fenster und betrachtete einen Kometen, dessen Erscheinung gerade damals die Gemüter heschästigte. „Welch großer erhabener Gedanke", sagte Schiller bewegt. „Woran denkst du?" fragte der andere. „Wohl daran, daß dieser Stern so aus unerforschtem Dunkel heroorgetaucht, um in ein gleiches wieder einzugshen?" „Nein, Bester," antwortete Schiller, „sondern daran, daß zu dieser Stunde das Publikum von ganz Europa gleichzeitig seine Augen auf diesen Stern gerichtet hält."
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Talleyrand lieh einer Unzahl von Regierungen seine glänzenden Dienste, dem König so gut wie dem Konvent, dem Kaiser so gut wie der Restauration. Für jede tat er sein Aeußerstes, aber wenn sie abgewirtschaftet hatte, verließ er sie und wandte sich dem neuen Lichte zu. Als er nun, schon ein alter Mann, dem Bürgerkönig Louis Philippe die Treue schwören sollte und vor dem Erzbischof von Paris stand, da wandte er sich zum König, drohte lächelnd mit der schon zum Schwur erhobenen Hand und sagte: „Sire, 's ist der dreizehnte!"
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Bei einem Eingeborenenstamm am Rio Negro sah Alexander von Humboldt einen alten Papagei, der außerordentlich fließend und wohl- artifuliert sprach. Humboldt konnte aber dennoch die Worte nicht verstehen und bat einen Häuptling um die Uebersetzung. — „Diesen Papagei kann auch ich nicht verstehen", sagte der Häuptling. „Niemand von uns kann es, denn er spricht nicht unsere Sprache." — „Er ist also wohl von weither zu euch gekommen?" — „Nein, aber er ist ungeheuer alt und spricht die Sprache des Stammes, der vor uns in btefen Talern gewohnt hat. Dieser Stamm ist ausgestorben." — „Die den Bogel verstanden haben, sind tot," sagte Humboldt und sah seine Begleiter en, „die mit chm leben, verstehen ihn nicht und er selber . . ."
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Einer jungen, hübschen Dame fiel der Fächer zu Boden. Der alte, weißhaarige Fontanelle, der daneben stand, bückte sich mühsam mit steifen Knien und hob ihn auf. Sie nahm den Fächer und dankte kaum. „Aber, gnädige Frau," jagte Fontanelle, „sehen Sie mich doch an! Bei Gott, Sie verschwenden Ihre Kälte!"


