Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Drühl'sche UniversitätS-Duch- und Steindruckerei, D. Lange, Siehe«

einen schicklichen Flipp lachte.

gestimmt."

Zabel wischte bald Gras! Die

redete ihn an.So, Herr Bürgermeister! Seist Euren ehrlichen Namen unter feinen unehrlichen Pakt! Hier, Herr Sekretarius, sein ausge- paßt, dat Euch nix in die Feder kömmt, vor dem sich unsere Enkel schämen! Ja, ja, ja, ja, Herr Professor Nägele, Ihr seid der Schlaueste! Ihr sagt zu allem ja und Amen. Stockebrandt, ehrwürdiger, gott­ergebener Mann, und weiter nix, da habt Ihr Eure Feder. Um Euch, Herr Finnickel, mach' ich lieber mit Verlaub einen großen Bogen. Zwar seid Ihr immer freundlich wie ein Ohrwurm, aber ich seh' lieber Euren Rücken als Eure Visage. Geruhen Platz zu nehmen, Herr Ballig. Paktiert nur mit den Sansculotten. Sie werden Euch mit Fleiß den Wanst erleichtern, dat Ihr nachher springen könnt wie ein mager Böcklein, ha, ha! Gehorsamer Diener, Herr Jungblut! Eure Feder! Ihr seid ein Geradeaus. Zwar wär' mir lieber, Ihr nähmt den Küfer­hammer und schlügt auf die hohlen Köpf' hier. Dann gäb's am End' noch

Ton."

Dat glaub' ich auch, Vatter. Die Köpf' sind zu schlecht

mit dem Finger über eine Stuhllehne., da wächst __________ Bärb hat wieder den Drecklappen geschont. Eine mal- vropere Kreatur! Und du, Flipp, du verdrehst die Augen nach ihr wie ein kranker Stockfisch."

,", lachte Flipp mit einiger Verlegenheit.

Lach' nit, Lümmel! Gibt et nit genug Malöhr in der Welt?! Halst hjch von dem Frauenzimmerchen fern. Die taugt nit für dich. Jung, laß' es dir von deinem alten Vatter gesagt sein, wenn du karessieren willst, dann guck' erst nach, ob dat Frauenzimmer keine Fransen am Unterrock hat und keine krummen Absätz'. Denn dann ist nix an ihr, dann ist sie eine propere und schlampige Kreatur. Und die Bärb ich hab' es gesehen! hat Fransen am Unterrock und hat krummme Absätz!" teilte sie auf dem Tische.

Er öffnete die kleine Tür in dem Holzgetäfel und rief hinaus:Barb! Bärb! Barbara!"

Nach einer Weile kam Bärb, die junge Magd, herein.

Herr Zabel?" rief sie munter.Was will Er? Tag, Flipp!"

Flipp nickte ihr zu mit einem zärtlichen Blick.

Bärbchen!" Zabel zog sie am Arme bis an die Stühle, fuhr mit den fingern über die Lehne und zeigte ihr den Finger.

He! Wat ist dat?"Ei," gab sie achselzuckend zur Antwort,ein

bißchen Staub. Was sonst?"

Ei, ein bißchen Staub, ein bißchen Staub? Ein fingerdick Dreck! Marsch! Mit dem Lappen drüber, Dreckschwalbe, mit Erlaubnis!" Bärb achte.

Der Herr Zabel haben schlecht geschlafen oder sind mit dem unten Bein aufgestanden."

Schwadronier' Sie nit! Tu' Sie, wat ich Ihr gesagt hab'. Auch über !e Tintenfässer! Gehörig! Die sind beklext."

Sie nahm einen Zipfel ihrer geblümten Schürze und wischte über die Lehnen und Tintenfässer.Die Herren Stadträte nehmens' mit der Pro- pertöt nicht so genau."

Wat ist dat für eine saubere Wirtschaft! Sie weiß doch, wie penibel her Herr Bürgermeister ist. Ich krieg's nachher auf bcn- Puckel, wat Sie versauen läßt."

Der Herr Zabel meints nit so, gelt nicht? Es ist ihm bloß eine Katz iber den Weg gelaufen", entgegnete sie und liebäugelte, während sie .'sichte, mit Flipp.

Hurtig, hurtig!" kommandierte Zabel,und laß' Sie dat Geklimper : dt den Augen! Der Jung' mag doch nix von Ihr wissen."

Püh! Als ob ich was von ihm wissen wollt'!"Ich wollt's Ihr ich nit geraten haben!"

Flipp machte ein komisch-betrübtes Gesicht. Bärb warf ihm hinter Zabels Rücken eine Kußhand zu. Flipp tat mit strahlenden Augen das gleiche.

Auf neun Uhr," sagte Zabel,ist die Sitzung angesagt, und gleich wird's schlagen. Mich rounberts daß der Herr Bürgermeister noch nit ha ist. Sitzt der etwa noch beim Frühstück?"

Noch nicht", erwiderte Bärb.Wie? Noch nit beim Frühstück?"

Ich hab' ihn heust morgen noch nicht gesehen, Herr Zabel." Wat?"Er wird sich wohl noch im Bett rekeln."Sprech' Sie nit so despektierlich, Sie Grasmücke! Immerhin geh' Sie und schau' Sie nach, und roenns nötig ist, weck' Sie den Bürgermeister. Es ist die höchste Zeit."

Ich? Den Herrn Bürgermeister wecken? Das tu' ich nit vor lauter Respekt. Ich fürcht', er nimmt es übel. Er ist so penibel!"

Eigentlich hat Sie recht", knurrte Zabel.Es wär' nit schicklich. So muß ich wohl selber gehen." Zabel ging durch die kleine Tür hinaus.

Flipp wartete ab,' bis Zabel die Tür hinter sich zugemacht hakte. Dann ging er rasch auf Bärb zu, umarmte sie derb und gab ihr einen herz­haften Kuß. Bärb ließ es sich kichernd gefallen. Dann fragte sie:Was ist dein Vater heust so stachelig?"

Ich weiß nit, wat für eine Laus ihm über die Leber gekrochen ist. Laß' ihn doch."

Heust kommen die Franzosen in die Stadt, hab' ich gehört, Fli>' Jst's wahr?"Der Vater sagt nein."Doch, Flipp, sie kommen! Diel tausend! Schöne Männer mit schwarzen Augen, so groß!" Und sie riß die Augen weit auf und starrte Flipp an.Und lustige Burschen sind's, sagt Nettchen Schluns. Die hat sie gesehen, sogt sie, lustig und keck und ein bißchen frech, frecher noch als du!" Dabei zog sie ihn an der Olafe.

Oh, Gott bewahre!" rief er und küßte sie wieder. Bärb lachte.

Sankt Lotte, Flipp, heißen die Franzosen, Sankt Lotte, ha, ha! Ein rarer Name für Mannsleut'. Warum heißen sie so?"Nun, weil sie Ohnehosen sind."

Ohne Hosen?" kreischte Bärb in komischem Schrecken.Nein, was du sagst! Jst's wahr?"Wahrhaftig!"Geh'! Mach' mir nix weis! Hast

du's gesehen?"Gesehen nit, aber der Kater hat's mir verzähl!." Bärb lachte und drehte sich im Kreise. Flipp sah ihre Röcke fliegen und stutzte.

Er starrte auf ihre Schuhe und auf den Rockjaum. Dann seufzte er tief und schmerzlich auf.Wahrhaftig es ist wahr!"*

Bärb schaute ihn voll Staunen und etwas angstvoll an.Flipp, was hast du? Ist dir nicht gut? Was gab's denn da zu gucken?" Sie besah sich ihren Schuh und Rock.

Flipp seufzte und antwortete dumpf:Du hast krumme Absätz' und Fransen am Unterrock."Das ist alles?" rief sie und lachte.

Ist bat nit genug?"Was soll bas denn, Flipp?"Bärb", ant, wartete Flipp mit vollem Ernst.Dat ist ein bös Zeichen, sagt mein Vater. Du bist nicht proper."

Bärb wurde ein wenig verlegen und zugleich ärgerlich.Geh' mir mit deinem tnotterigen Vatter! Du liebe Zeit, ich kann nit immer fein auf. gekratzt sein und den ganzen Tag zierlich umhertrippeln wie die Demoiseü ? Ich hab' meine Arbeit. Da gibts schon Flecken und Risse und abgelaufeni Schuhe." Sie wandte sich schmollend ab.Aber geh'! Such' dir eint Feine, eine Noble! Damit ist wenigstens deinem Mußjö Vater gedient.' Sie verzog den Mund und ging auf die kleine Tür zu.

Flipp eilte ihr bestürzt nach.Bärb, Herzensbärb, so war's doch nit > gemeint!"Das sagt ihr Mannsleust hernach immer! Nein, geh'! Ich brauch' mich nit an dich zu hängen. Warst bloß, wenn die Sankt Lotten kommen! Dann wirst du dir noch die Finger nach mir lecken. Darunter einer wird mich schon nehmen, da brauch' ich ihn gar nicht erst zu fragen. Und obendrein schenk' ich ihm noch eine schöne Nankinghose.

Bärb!" rief Flipp unglücklich,ich spring in den Rhein, wenn bu dich mit den Kerls einläßt Bärb schob die Unterlippe vor, aber psijtz, lich fing sie an zu meinen.

Ich muß mich bestens bedanken für eine Liebe, die schon über ein schiefes Absätzchen und über ein Stückchen abgetretene Litze stolpert."

Flipp nahm sie bei der Schulter.Aber, Bärb, sei wieder gut, ja! Meine Liebe ist doch gar nit über die abgetretene Litz' gestolpert, sicher nit! Ich meinte nur nämlich mein Vater sagte"

Ach! Ich ich kann ja kann ja die Litze wieder annähen." - Sicher, Bärb!" rief Flipp glücklich,bat ist ja rasch gemacht. Und die Absätz' schlag' ich dir selber grab. Dat kost nix. Doch, Bärb," fügte er leise hinzu,doch, es kost wat!" '

Was denn?" fragte sie lächelnd.Jst's auch nit zu teuer?"

Er schüttelte heftig den Kopf und flüsterte ihr ins Ohr:Heust abend wart' ich auf dich im Garten an dem großen Holunderbusch. Da da bring ich dir die Absätz wieder ins Lot. Soll ich?"

Ja wenn du kannst!"Ist es denn auch jetzt wieder gut, Bärb?" Sie nickte, sagte aber dann mit drohenden Augen:Ich will dst > aber warnen! Denk' an die Sankt Lotten!

Flipp lachte und küßte sie.

Da guck' mir ein Mensch an!" rief da Zabel, der ziemlich aufgeregt wieder hereinkam und die Zärtlichkeit der beiden sah.Leichtsinnig Voll! Respektlos Volk! Und Sie soll sich schämen, Mamsell Lüderlich!"

Die beiden hatten sich rasch losgelassen, und Bärb, mit rotem Kopse, wollte sich verteidigen.Oh, Herr Zabel, da bitt ich aber ; f

Zabel schnitt ihr bas Wort ab.Sie soll bat Maul halten! Und mit dir, Flipp, red' ich noch ein besonder Wort! Wenn ich bloß B>üßt, - sagte er bann mehr zu sich,wo der Bürgermeister steckt. An die Tür von Dero Schlafkabinett hab' ich geklopft, aber keine Antwort gekriegt. Durchs Schlüsselloch hab' ich geguckt, aber vom Bürgermeister hab ich nix ge­sehen, und der ist doch keine Stecknadel. Wat ist da los? Mir kriecht so eine Art Unruh' über den Leib. Ich will doch gleich die Demoqeae, Sabine aufsuchen."

Mit diesen Worten ging er wieder zu der kleinen Tur, aber der Sekre­tär, ernst, gefaßt und mit entschlossener Miene, trat herein.

Ah, Herr Sekretraius!" wandte sich Zabel sogleich an ihn.«tat i|t denn mit unserem Herrn Bürgermeister? Der ist nit da! Weiß Er, wo der steckt?" o u

Ich weih es", antwortete der Sekretär ruhig unb fuijr, als JaN mehr fragen wollte, rasch fort:Und ich wills ihm sagen, aber « gab ihm verstohlen einen Wink, daß Flipp und Bärb nicht dabei jein dürften. __ , ....

Zabel verstand und fuhr gleich Bärb an:Wat steht Sie da und iperrt Mund und Ras' auf?"

Mein je," entgegnete Bärb schnippisch,ich soll doch Stuyle njtjajenl So mach' Sie eine Pause! Sie hetzt sich zu sehr ab dabei. Marsch! Dar« schnitt ihm ein Gesicht und verschwand durch die kleine Tür.

Flipp wollte ihr nach, aber Zabel schnappte ihn am Rockzipfel. HM mein Täuberich!" Er zog ihn zum Tische, von dem er eine große, ff drechselte Schnupftabaksdose nahm.Hier. Nimm die Beine unter - Arme unb lauf zum van Nellen und hol frischen Kardinal, EehirnW für die Herren Stadträst. Sie haben es nötig nachher." Flipp nahm «>' Dose, und Zabel drängte ihn durch die Haupttür hinaus. , ,

Also, Herr Sekretarius, wo ist der Bürgermeister?"EingespeM He?" machte Zabel, der glaubte, nicht recht gehört zu haben. v

Zadel, ist Er etwa damit einverstanden, daß die Stadt den öf® zosen übergeben wird und daß wir überbem noch diese ohnverscham Kontributionen bezahlen?" M >

Damit zufrieden, heißt ein Hundsfott sein!"Das wollt«ich hör Er ist ein ehrlicher, gerader Mann, Zabel. Er soll mir helfen.

Dat will ich gern, aber in wat fürner Sach'?"»Die Stooi i retten."Hm," machte Zabel und kratzte sich hinter den Ohren, die Stadt zu retten hm" , ,

Die Stadträte sind voll Eigennutz, der Bürgermeister ist fonfua die Stadträte nehm' ich auf mich, den Bürgermeister muß Er mir . wahren, Zabel."Mit Verlaub, ich versteh' kein Wort! Wie wahren?"

(Fortsetzung folgt.)