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Landschaft und nicht von dem Menschen aus. Gr malt zahlreiche Einzelheiten aus dem im nordischen Winter doppelt entbehrungsreichen und aufreibenden Kampfe der Arbeiter und Ingenieure. Das) der Alkohol hierbei eine Hauptrolle spielt und spielen muh, liegt auf der Hand. Der junge Ingenieur, der rm Frühling mutig und hoffninrgsfreudig hinaufkommt erhängt sich nach einem Jahre aus Verzweiflung. Die in einer Arbeiterbaracke die Wirtschaft führende Dirne wird bei einem Liebesabenteuer von einer Nebenbuhlerin erschlagen. Die Bauern vergessen im Alkoholrausch ihre im Freien vor dein Wagen stehenden Pferde und finden sie am nächsten Lage zu Schneebildern erstarrt. Die Thphusepidemre, ebenso die grandiose lappländische Erzählung von dem großen Renntiersterben und denr Zauberer Kumona, alles das stad großartig geschaute und zugleich grausig erhabene Bilden Der Menschengeist wird zuletzt über die Natur Herr, doch ist der oieg kein vollständiger und restloser, denn sie rächt sich nach Beendigung der Dahn, wie das entsetzliche Schicksal des von dem Elsenbahn- zuge zermalmten Bahnwärters Jonsson zeigt. So bleibt gegenüber dem riesenhaften Dau der Eisberge und der überwältigenden Wucht der Natur alles Menschliche ein groteskes Schattenspiel.
„Der Krater" ist die Fortsetzung der „Holle im Schnee Aach der Besiegung der Aatur heißen die Gegensätze nicht mehr Mensch und ewiger Winter, sondern, nachdem sich der ganze Menschenhaufe in die wilde nordische Einöde zurückgezogen zur Ausbeutung der Erdschätze in den Bergen, handelt es sich um rein menschliche Gegensätze meist sozialer Art: Arbeit und Kapitalismus, Mann und Frau, Kriegsahnung und Frledensgedanke, Verhetzung und treue Pflichterfüllung. Die Gestalten Skolds, Bjarnes, des Ingenieurs Kornwall und vor allem des Führers der Unzufriedenen, Lang, treten schärfer hervor. Erschütternd ist der Tod Skölds und Kornwalls Todeskampf auf dem Meer Das Schicksal des aus Brasilien heimkehrenden Auswanderers Lang, dein das Elend der Fremde das Herz geöffnet hat, bildet den harnionischen Ausklang des Werkes. Der dritte Teil „Spelnarna (Spekulanten), dessen Äebersetzung der Veröffentlichung harrst ist ganz aus der Gegenwart gegriffen und zeigt in lebensvoller ^Darstellung die von dem Börsentaumel erfaßten Kreise. Seme Hauptfigur erkennt die Sinnlosigkeit der Jagd nach dem Golde und bekehrt sich zu einem bürgerlicher Arbeit gewidmeten Leden.
Seit" September 1915 arbeitete Didring organisatorisch für das schwedische Lote Kreuz, während der folgenden fünf Jahre war er, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender des Hilfskomitees, besonders für die deutschen Gefangenen in Rußland tätig, und veröffenüichte 1920 über das Hilfswerk des schwedischen Roten Kreuzes ein umfangreiches Buch (Sveriges Hjälp till krtgs- fangarna). , „ ,, ...,
Während des Krieges erschien das auf dem schwedischen Theater zu Stockholm aufgrsührte Lustspiel „ Flygmaskinen" (Der Aeroplan 1915), das ebendaselbst aufgeführte Versdrama Gustav II. Adolf" (1916). Im Jahre 19« folgten die Novellen "Dortvm äraus falt" (Hinter dem Felde der Ehre), die das Leben der Kriegsgefangeneii behandeln und auch einzeln in deutschen Zeitungen und Zeitschriften erschienen, und das auf dem Stockholmer intimen Theater aufgeführde Drama „Elna Hall". Don d-r 1919 im Druck erschienenen Trilogie „Pa vag till frihiten (Arif dem Wege zur Freiheit) wurden die ersten Teile „Vater Geromi" (1918) und „Fangen" (Der Gefangene, 1919) auf dem schwedischen Theater in Stockholm aufgeführt, während der 1919 erschienene letzte Teil „Riket" (Das Reich) noch keine Aufführung erlebt hat. .
Arber das Leben des Dichters ist noch zu erwähnen, daß er von 1913 bis 1916 Theaterrezensent am „Aftonbladet" (Abend- black) in Stockholm war, daß er von 1915 bis 1920 den Vorsitz des schwedischen Schriftstellerverbandes bekleidete und dieses Amt seit 1922 wieder inne hat, und daß er, der seit 1900 mit einer dänischen Malerin aus der alten Familie Rye in glücllicher Ehe lebt, im Jahre 1920 eine zweijährige Reise nach dem europäischen Festlande antrat, die ihn nach Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, Länder, die er schon früher sehr wohl kannte, führte.
Die neuesten Kinder seiner Muse sind die Dramen „Deger- gudinen" (Die Siegesgöttin; 1920) und „Pension Bellevue" (1922), von denen das eine auf dem intimen Theater, das andere im Königlichen Schauspielhaus in Stockholm aufgeführt wurde, sowie die beiden Romane „Sigrid PerSdotter Bjurcorna" (1922), etn Frausnschicksal von tiefer Einfühlung und Wahrheit, „Tva vagar (Zwei Wege, 1923), und 1925 „Stormens öar" (Inseln des Sttir- mes), der erste Band eines fünfbändigen Zyklus, das unverzagte Heldentum der Fischer auf den Schären behandelnd. Der obengenannte Roman „Tva vägar" liegt unter dem Titel „Die Weltspinne" in einer mustergültigen deutschen Uebertragung von Else von Hollander-Lossow (Braunschweig), Georg Westermann 1925) vor. Auch dieser Roman wendet sich gegen das sinnlose Hasten unterer Zeit nach dem Mammon mit seinem Aervenkitzel, seiner Halbheit und Oberflächlichkeit. In frühen Stunden des Herbstes kann man überall von Spinnen hergestellte Aetze sehen, die taugemißt im Sonnenschein glitzern und glänzen und den sich ihnen nähernden Fliegen den Untergang bringen. So ähnlich glaubt der Held dieses Romans, daß eine allmächtige Geldliga die ganze Erde mit goldenen Retzen umsponnen habe und mit rücksichtslosem Eigennutz und unersättlichem Geldhunger die ge
samte Menschheit aussauge, und er stellt sich di« Lebensaufgabe, den obersten, von ihm „Weltfpinne" genannten Leiter dieser ge- ährlichen Liga aufzuspüren. Bei dieser Jagd nach einem Unbekannten ergeben sich eine Fülle merkwürdiger Abenteuer. Zuletzt aber erkennt der Verfolger, der die Welt von dem Joche des Kapitals befreien wollte, daß er einem Trugbild nachjagte und daß Gold ein Glück oder ein Fluch ist, je nachdem man davon Gebrauch macht. Und er muß dem Milliardär, den er für eine der Weltspinnen hielt, recht geben, als dies« bemerkt: „Arbett ist das Glück des Lebens".
Auf Didrings dichterische Entwicklung waren neben Ibsen, Strindberg, Maupassant und Zola vor allem Tolstoi und Dostv- ewski von Einfluß, vorübergehend auch Nietzsche. Wenn auch der Drang zu schöpferischer, dichterischer Gestaltung erst 189? in ihm erwachte, so war ihm doch schon in frühester Jugend eine Vorliebe für das Drama zu eigen. Die Träume und Ideen von der Freiheit und der Hebung der Völker, denen er lange nachhing, wurden durch den Weltkrieg als unverwirklichbar erwiesen. Seit Jahren erscheint ihm die Freiheit „in ein abscheuliches Kleid von Blut, Selbstsucht, Frechheit und Schwindel gekleidet", ©eine veränderte Auffassung kam in der Trilogie „Aus dem Weg« zur Freiheit zum Ausdruck.
Don seinem ersten Drama „Mitternachtsonne" an und weiter durch den „Steigei?', „Jngjald Jllrade", „Hohes Spiel", „Die Adler", „Valuta", „Sefta", „Die Erben", ja beinahe durch alle seine Dramen zieht sich tote ein roter Faden die Betonung der Notwendigkeit des Opfers. In der schrecklichen Dunkelheit, die die Herkunft und das Ziel alles Seins einhüllt, gibt es nur einen leitenden Stern, der dem Menschen die notwendige Drücke vom Diesseits in das Jenseits schlägt: die Pflicht. Dies« Brücke ist weder besonders schön noch ästhetisch, aber ethisch, und das Ethische hat, wenn man ganz ehrlich sein will, für den Menschen eine größer« Bedeutung als das Arsthetische. 2lm besten ist diese ethische Bedeutung mit dem ästhetischen Begriff und der künstlerischen Form verbunden unter Didrings Werken in den Dramen: „Hohes Spiel", „Die Adler", „Valuta", „Gros", „Elna Hall" und „Das Reich", sowie in den Romanen „Erz" und „Hinter dem Feld der Ehre", die der Verfasser darum als seine besten einschätzt.
Didring kennt Deutschland, das er mehrmals bereiste, und spricht und schreibt die deutsche Sprache. So hatte ihn eine Einladung des Hebbeltheaters zur Uraufführung seines Dramas Hohes Sviel" nach Berlin geführt. Auch während des Krieges weilte er wiederholt dort. Im September 1915 war er mit seinem Bruder, deut damaliaen Vorsitzenden des Roten-Krenzhilfskomi- tees, und mit dem Admiral Olsen wegen der Unterstützung Ver Kriegsgefangenen in Rußland und Sibirien in Berlin. Im Anschluß daran besuchte er die deutschen Kriegsgefangenenlager, insbesondere die großen Lager in Parchim, Soltau, Göttingen, das Offizierslager in Friedberg und das Lager in Ingolstadt. Zwei Jahre später fuhr er als Vertreter Schwedens zur Rote-KreuZ- konserenz nach Genf. Da er erst in letzter Stunde hierzu besttmmt wurde, fehlte di« Zeit zur Erwirkung des krtegsministeriellM Visums für die Durchreise. Das hatte an der schweizerischen Grenze eine längere Unterredung mit dem deutschen Paßoffizier zur Folge, der ihm später als Modell für den Wahrheitssucher in der „Weltspinne" (S. 54 ff.) diente. Auf der Rückreise wurde er Zeuge eines französischen Fliegerangriftes im südlichen Baden. Im Jahre 1922 weilte er, auf dem Rückweg von einer zweijährigen Reise mehrere Monate in München und in Oberbayern und später in Baden-Baden, um sich von den Folgen einer Vergiftung, die er sich in Rom zugezogen hatte, zu erholen. Aach in der deutschen Literatur ist Didring zuhause. Außer Nietzsche hat er die Philosophen Kant und Schopenhauer studiert. Von zeit- genössischen deutschen Dichtern stellt er am höchsten Gerhard Hauptmann, auf den er im Jahre 1913 im Schriftstellerverein die Rede hielt, als diesem damals der Nobelpreis zugeteilt worden war, und Thomas Mann, den er als feinen Psychologen schätzt. Dor allem ist er von Jugend auf ein Verehrer Goethes. Als der Weisheit letzter Schluß erscheint ihm dessen Sckermann gegenüber gemachter Ausspruch: „Ein tüchtiger Mensch aber, der schon hier etwas Ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu streben, zu kämpfen und zu wirken hat, läßt dte künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser.
Ueber Didrings Erzählungskunst, die schier unerschöpflich ist, wird man sich in Deutschland erst dann ein umfassendes Bild machen können, wenn auch weiter« feiner Werke in deutscher Ueberfetzung erschienen sind. In Frau Els« von Hollander- Lossow hat er eine Uebersetzerin gefunden, tote er sie sich Nicht besser wünsch« kann. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Dichter ihren Landsleuten nahezubringen; außer den genannten im Druck erschienenen Uebersetzungen liegen die der Romane Die Spekulanten" und „Inseln des Sturms" in der Handschrift vor und weitere wird sie in Angriff nehmen. Hat «st der Erzähler Didring in Deutschland Fuß gefaßt, so wird ihm auch der Dramatiker Didring folgen, dessen Stücke zwar größtenteils in Dühnemnanuskripten übersetzt vorliegen, aber bis auf einige wenige Ausnahmen noch nicht zur Aufführung gelangten. Und Ernst Didring verdient es in der Tat, in Deutschland gefamu und gelesen zu werden, denn er steht gleich den meisten feiner Lands- leute begeistert zu Deutschland.
SchrMettung: vr"sriedr. Wilh. Langes - Druck und Verlag der Drühl's-ben Univ.-Buch- und Steindruckerest R. Lange, Gießen.


