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Friedrich Les Zweiten Kutscher.
Don August Kopisch.
Des alten Fritz Leibkutscher soll aus Stein zu Potsdam auf dem Stall zu setzen sein — da fährt er so einher, als ob er lebend Wär’:
aller Kutscher Muster, treu und fest und grob,
Pfund genannt; umschimeitzen könnt'er nicht: das war femLovl
WordWege fuhr er ohne Furcht, sein Mut
hielt aus in Schnee, Dacht, Sturm und Wasserflut.
Ihm war das einerlei, er sand gar nichts dabei: .
in dem Schnurrbart fest und steif blieb fern Gesicht, . und man sah darauf kein schlimmes Wetter niemals nicht.
Doch rührte man an seinen Kutscherstolz, war sedes Wort von ihm ein Kloben Holz-; woher es auch geschah, daß er es einst versah
und dem alten Fritz etwas zu gröblich kam, wessentzalb derselbe eine starke Prise nahm und sprach: „Ein grober Knüppel, wie Gr ist, der fährt fortan mit Eseln Knüppel oder Mist!
Lind so geschatz's. Ein Jahr bereits verflossen war, _
als der Pfund einst Knüppel fuhr und gutes Muts ihm begegnete der alte Fritz; der frrrg: „Wie tut st „I nu, wenn ich nur fahre," sagte Psmch, indem er fest auf seinem Fahrzeug stund, „so ist mir's einerlei und weiter nichts dabei,
ob's mit Pferden oder ob's mit Eseln geht fahr' ich Knüppel oder fahr ich Eiker Majestät Da nahm der alte Fritz Tabak gemach und sah den groben Pfund sich an und sprach:
„Hm, sind't Er nichts dabei, und ist Ihm einerlei, ob es Pferd, ob Esel, ob Knüppel oder ich; lad' Gr ab und spann' Er um und fahr' Er wieder mich. Friedrich der Große und die Alchimie.
Von Friedrich v. Oppeln-Bronikowski.
Diese Aeberschrist scheint unsinnig, und doch trifft sie LU- Den Beweis liefern die menschlich sehr fesselnden, soeben veroffent- licb^en Briefe Friedrichs des Großen an seinen vormaligen Kammei dtener "Fredersdorf"'(Verlagsanstalt Hermann Klemm, Berlin- Grünewald). Fredersdorf hatte sich vom Soldaten zum Kammerdiener des Kronprinzen Friedrich aufgeschwungen; nach dessen a.h^n- besteiaung wurde er sein Geheimer Kammerer, der seme Schatulle verwaltete und wegen feiner Treue und Verschwiegenheit auch man- ckerlei andere teils recht diskr'ete Aufträge erhielt. So gingen die Engagements' und Anliegen des königlichen ^heater-personals feirrf?fcinc Hand, sogar diejenigen politischer Geheimagenten, und fcbliesilicb drängten sich auch Alchimisten und Quacksalber an ihn heran Das war seine schwache Seite. Umsonst schalt der König ibn wegen dieser Neigungen freundlich aus; Fredersdorf blieb feinen Adepten und Kurpfuschern treu; ja, vorübergehend gelang es ibm den König selbst für die Goldmacherer einzunehmen.
^'Mor wir A die 'gesstigen Hintergründe dieser nierkwürdigen Tatsache eingehen, sei der Tatbestand selbst kurz dargestellt. .
Dm Anfang macht ein Geldmacherrezept, das Fredersdorf dem König im Sommer 1753 einschickt. Dieser antwortet auf Deutsch, in seiner unorthographischen Schreibweise, die wir dem Leser aber ersparen wollen: „Gesundheit ist besser als alle Schutze der Welt Pfteqe Dich erst, daß Du besser wirst, dann können wir Gold und Silbe?machen. And wenn Du ja schon quacksalbern^willstz so mache lieber Proben mit. Gold und Sllberalsnnt allerhand verfluchte Medizinen an Demen Leib . Der Kömg ist hier all» nnck aanr skevtiscb Im September bekommt er selbst das tengevor eines ^Goldmachers, das er Fredersdorf zusE »wei en ich nur aarnickt mit solchen Leuten abgeben mag . Fredersdorf soll „zu fehm ob es die Mühe wert ist, sich mit chm zu un ö« machen".
1 siet- dämmert der Glaube an die Möglichkeit des Goldmachens allo schon leist auf. Offenbar herrschte er damals allgemem, denn
Jsn,,;,. fährt fort: Die Goldmachers konunen nun von allen Enden"Iii der Tat istneben diesem Goldmacher alsbald noch von einer Goldmacherin, einer Frau Nothnagel, die Rede. „Die Person", schreibt Friedrich, „betriget sichselber oder will uns be- teigen. Anmögliche Dinge kann man nicht möglich machen. Ich vor mein Part (Teil) habe es mir ganz aus dem Sinn gesckflagen^. Er gibt aber Fredersdorf zu: „Du hattest! E b^v veMY . ernähr >,ock- er ist bereit die Frau selbst unlerVorsichlsmayregenk
SsifÄm 3 iih »«"Ä* Kammer kommen." Ja, er hält das Goldmachenmt sich stlrmöglich, nur nicht in großem Amfange. .Man hat I^>t>pelsins ^ aber nicht im Großen, daß es möglich tfU Und die Goldmacyerm kommt! „Ich habe die Person gesprochenschrebtderKöntg. „Sie schwört (bei) Leib und Seele, daß sie Es erfüllen will, was sie gesagt hat. Ich habe ihr gesagt, rch glaubte nicht em Wor. davon; sie bleibt dabei und versichert, Mittwoch em Stilck stetig
rennen wollte, tat keines von beiden. Er stellte stch vielmehr, als ob er den Heranstockenden nicht sähe und lud, dem König krampfhaft den Rücken zukehrend, mit vervierfachtem Eifer werter Solz auf den Wagen. „Nun," klopfte Friedrich, der glaubte, den Arbettenden zu überraschen und dessen gutmarfterte Acberraschung tote em * - stiel genoß, ihm, endlich bei dem Holzhaufen angelangt, mit seinem Krückstock auf deit Rücken, „tmn Pfund! Er ist mir aber arg heruntergekommen in dem einen Iährlein, seit Er nicht mehr in Vteinen Diensten steht. Holzkloben muß Er fahren, der früher einen König durch die Lande kutschiert hat? Arg ist Er hermttergekommen! Wenn sein König auch (setzte er, schnell fern rechtes Bein wwd^ mtt dem Krückstock stützend und vor Schmerzen, mtt denen es sich wegen der Angestütztheit rächte, Gesichter schneidend, bitter hinzu) wenn sein König auch mit den Jahren ein Krüppel geworden tst, etn Köittg "^Pft>nd'verfiel?als ob nicht ein Jahr, sondern ein Tag dazwischen
läge, seit er zum letzten Male mit Friedrich gesprochen hatte, sofort wieder in seine alte Gewohnheit und antwortete, wetl er manchesmal erlebt hatte, daß so am besten mit dem Galligen auszukommen wate dem König auch diesmal mit einer Frage. die Ruffen, entgegnete er, „damals bei Kunersdorf Ew. Majestät wirklich gefangen und in eines ihrer Dreckgeflütgnisse geworfen hatten, würden Ew Majestät deswegen das Kommandieren vergessen haben? Oder hätten ^Ew. Majestät sich statt der Soldaten etwa Läuse gegriffen und sie zu einer auf Befehl einschwenkenden Armee dressiert?"
Friedrich, froh, ttach dem wurzellosen. Geschwätz der, Los- schranzeit endlich einmal wieder einem etgenwüchstgen, festeer- wurzelten Wort zu begegnen und der Hoffnung — endllch ! endlich!-- das Lachen zur Strecke zu bringen, nach dem er wochenlang auf der Lauer lag, Friedrich antwortete auf die kuriose Frage mnes davon- gejagten Kutschers: „Wenn ich mich lebendig von den Russen hatte fangen lassen — vielleicht. Aber" — fuhr er, wie sein Windspiel am eine hinqehaltene Wurst auf die über ihm baumelnde Schlußfolgerung Pfunds lüstern, fort — „aber, was hat das Kommandieren eines Königs mit dem Kutschieren emes Knechtes zu schaffen?
„Meinen Ew. Majestät etwa", ereiferte Pfund sich, „mit wtferetnem sei es etivas anderes, wo s um s. Lebenkönnen geht? Krüppel oder Knüppel, Könige oder Kloben, Ma;estatenoderMist !vas ich fahre gilt gleich. Die Äauptfache ist und bleibt, d aß tch fahre!-
Hebet dieser Antwort verging Friedrich das Lachen. Er fragte Pfund nach dem Wohnort und dem Namen fernes Dienstherren und kruckstockte sich zu seiner Kutsche zurück. .
Als Pfund zur Mittagsstunde mit seiner Fuhre Lol« aus den Bauernhof kam, saß Friedrich auf der Bank neben der großen£ür. Hansel, der Aelteste des Bauern stand, wahrend die Bauersleute die obere Hälfte der Tür zurückgeschlagen hatten uiid verstohlen um die Ecke lugten, zwischen den Knien des stomgs. Gerade schenkte der König dem Knaben, da er ihm auf die Fragen, welche er mtt allen Gebieten des Schulwissens, insonderheit aber dem der preußischen Geschichte, an ihn richtete, gute. Antworten^gegeben hatte, einen funkelnden Taler und ermahnte ihn, me in seinem Leben zu vergessen, daß er den, der auf der Münze abgebildet sei, einmal.auf der Bank vor der Hoftür von Angesicht zu Angesicht gefreit hatte.
Als der König Pfund kontmen sah, w,nkte er feie Bauersleute aus dem Hause heraus und sagte, auf den Berdutzten zeigend. „Den da nehm ich mit. Wir sind guteBekannte. Das hier - damit l)ändigte er dem Bauern einen großen Geldbettag ans wird, denke ich, für einen neuen Knecht reichen."
Pfund stand verwurzelt wie eine Eiche. Jetzt.wandte pch der König, feen Dank der Bauersleute mit einer ärgerlichen Land- bewegung abwehrend, zu seinem ehemangen Lerbkutscher. And, nun das Lachen, nach dem et wochenlang vergeblich tzemcht hatte, findend, scherzte er: „Alldieweil es Ihm ja ganzlichgleichgultig ist, ob er Knüppel oder Krüppel, Kloben odetKstnge,Mistodte. Majestäten fährt, so kann Er von heut an ja wohl wieder Mich kutschieren?
. Da ritz es Pfund auf feine Knie nieder, und aufschluchzend küßte er dem König den Saum seines Rockes.
„Latz Er das", knurrte Friedrich. „Mach Er ferne Firlefanzereien wie ein Weibsbild. Sonst muß ich am Ende doch noch glauben, daß Er zu alt für seinen Posten geworden ist. Pack et schnell seinen Krempel zusammen. Die Kutsche steht vorm Schützenhaus. Ich stöckere langsam voraus. Wenn Er eine Sekunde spater als ich anlangt, kann ich seine Dienste nicht mehr brauchen.
„Packen?" lachte Pfund aufspringend. „Packen? Nichts hat s nötig, als diesen lieben Leuten die Land zu geben und ihnen zu sagen, daß alles, was ich besitze — das Geld, das den Strumpf m meinem Bettstroh dick macht, und das, was sie für den Verkauf meines Koffers und meiner Klamotten kriegen — dem hier, dem Hansel gehört!" And schon war er, wie er ging und stand, davongerannt.
„Ihr- müßt nämlich wissen," bedeutete der König den Bauersleuten, als sie ihn an das Loftor geleiteten, „daß wir zwei, der Pfund und ich, zusammengehören wie Euer Landpferd und Euer Sattelpferd. Bocken wir auch manchmal und schlagen nacheinander aus — Wenn wir zwei nicht an einer Deichsel ziehen, ist keiner von uns zuftieden." ... , . . ~.
Als der König bei seiner Kut,che angejtumpert kam, ,aß Pfund — in der einen Land die Zügel, in der andern die Peitsche, mtt der er in einemfort knallte, daß groß und klein, soweit es noch mcht versammelt war, zusammenlief — schon auf dem Bock. And obwohl der König ihn noch manchesmal davonjagen wollte er hat es kein zweitesmal getan. Wenn es Pfund auch wie er behauptete gleichgültig war, was er fuhr, Friedrichs hat es für besser gehalten, daß er einen Königskrüppel — hinter sich auf dem Wagen hatte.


