Gießener MNeMätler

Unterhaltungsbeilage zum Siehener Anzeiger

Jahrgang 1926_____________________Dienstag, den Juni __________________Nummer W

Die Gefallenen.

Von Fritz Jacobs.

Kört Ihr es branden aus Fernen her, als wären es Glockenklänge?

Dazwischen braust es von Ehre und Wehr, als wären es Leldengesängel

Das ist das Meer! Kört Ihr es nicht?

Ich seh' es sich königlich türmen, und wie es zu schneeigen Kronen sich bricht, als wollt' es uns mahnend bestürmen.

Das ist die See, das deutsche Meer!

Es will in die Seelen uns singen von Tagen und Taten so groß und to hehr,, von Männern und heldischem Ringen dort draußen, wo - ewig die Woge, wallt, ost blutig sich färbten die Wellen, wo Lruhiger Zorn das - Sehnen geballt die tückischen . Feinden zu stellen;

wo. wildes Gestllrme mit Not und' Tod umspielte manch' kühnes Jagen, das leuchtend die Farben schwarzweißrot wie. heilige . Zeichen getragen;

wo deutsche Ehre die Muskeln gespannt, die Kerzen jauchzend geweitet, wo deutsche Mannen im Schlachtenbrand Old-England das Grauen bereitet.

Ich sehe das Meer, wie es wogt, sich schwingt, die Gruft so vieler Piloten, und höre, höre, wie brünstig es singt:

Gedenket der Leiden, der Toten!

Gedenkt ihrer Tage, gedenkt ihrer Tick und tragt sie flammend in Weiten, damit einst ihr Blut als heldische Saat. Jungdeutschland kann aufwärts geleiten 1"

Sllsgerrak.

Uns

^' 'Während des. russisch-japanischen Krieges hat es nicht an herber Kritik gefehlt, daß sich die russische Flotte >m Lasen von Port Arthur einschließen ließ. Die Franzosen prägten dafür das Wort, sie habe sich auf Flaschen ziehen lassen". Land auf s Lerz haben wir im Weltkrieg viel anders verfahren? Kat nicht auch nr unflrem Großen Lauptauartier ein verhängnisvoller Mangel an Angnffs- sreudiakeit geherrscht, der der Lochseeflotte Fesseln aufzwang und dadurch den Keim innerer Zersetzung in sie hineinpflanzte? Es ckann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß eine

schlacht großen Ausmaßes, in den ersten Monaten des Krieges geschlagen von gewaltiger Bedeutung gewesen wäre. 3wer Jahre nach Kriegsausbruch hat diese Schlacht hingegen.nur^noch die Be­deutung einer Leldentat erringen können. Daß, der Tag von Ska gerrak in der Geschichte auf ewig fortwwken wird, steht auf emem anderen Blatt. Um die blindlings anerkannte Ueberlegenheit Großbritanniens auf See, die niemand seit Trafalgar zu bezweifeln wagte, ist es jedenfalls seit dem Skagerraktage geschchen. Die ganze Welt hat durch ihn kennen gelernt, daß mit Elfer und Schaffens- steudigkeit selbst der größte Vorsprung im Kriegswesen emzu-

FMhjahr 1916 gewannen im deutschen Großen Laupt­auartier diejenigen Stimmen die Oberhand, die die bis dahin ge­wahrte Zurückhaltung der Flotte mit guten Gründen verurteilten. Mit der Führung unserer Seestreitkräfte waren andere Marmer be­traut worden, innerster Linie Admiral Scheer. Die neue Flotten-

Von Kapitän z. S. a,D. v. Waldeyer-Lartz.

Wir alle wissen, was. Erfahrungen im Leben bedeuten, ist aber auch nicht unbekannt, daß das Heranwachsende Geschlecht nur schwer, wenn nicht gar widerwillig anmmmt, was das Alter ihm an Erfahrung abgeben möchte. Was für den einzelnen Menschen gilt trifft auch für ganze Völker zu. Unterweisungen durch die Lehren der Geschichte werden wohl verstandesmäßig aufgenommen, unter dem Sturmwind der Ereignisse zerflattern sie aber oft m

leitunq sttebte zielbewußt die Freiwasserschlacht an und baute dem­gemäß das Gebäude ihrer Operationspläne aus. Lmzu kam, datz auch die Beurteilung der strategischen Lage zu Lande em fcharferes Vorgehen auf See wünschenswert scheinen ließ. Der Kaiser gab dem Drängen nach, der Flotte wurde endlich die seit langem erstrebte Bewegungsfreiheit zugestanden. Anfang Marz 1916 erfolgte em Vorstoß der gesamten Lochseestreitttäfte m dre Loofden, zur Beschießung der englischen Küste be, Lowestoott führte. Die Tätig- feit der deutschen Seestreitkräfte löste unmittelbar die englische Gegen- Wirkung aus. In der kritischen Admiralität war man sich schon fett längerem darüber im Unklaren, ob die gewählte Form der Kriegs- führunq als Fernblockade richtig sei oder nicht. Aus neutralen Ländern lagen bittere Beschwerden vor, insonderheit abev beklagte sich der russische Bundesgenosse, daß er unter den obwaltenden Ber- hältnissen aufs schwerste zu leiden habe. Dies alles kam zusammen, um bei der britischen Admiralität Erwägungen auszulosen, ob es ratsam sei, aus der bisher beachteten starren Zurückhaltung heraus­zutreten. Die anhaltende Rührigkeit der deutschen Flotte ist- es . dann gewesen, die diese . Ueberlegungen zum Entschlüsse hat reifen lassem Admiral Jellicoe, der Führer der Grand Fleet, faßte den Plan, durch Entsendung stärkerer Kreuzerverbande m das Kattegat deutsche Seestreitkräfte aus ihren Stützpunkten herauszulocken. Während sie westwärts von Jütland nach Norden steuerten, um die detachierten britischen Kreuzerverbände anzugreifen, plante Iellreoe, mit dem Gros seiner Flotte den Gegner von der Flanke her auf- zurollen. Der Zufall hat es gefügt, daß Admiral Scheer am gleichen Tage ein größeres Unternehmen zur Ausführung brachte. Ur. sprünqlich hatte er vor Sunderland demonstrieren wollen. Ungünstige Wetter- und Si^igkeitsverhältmss« hatten ihn jedoch hiervon abgebracht. So stieß er mit seiner gesamten Stottern das Skagerrak vor, um dort Landelskrieg zu führen. Auf diese Weife ist die Ska­gerrakschlacht zustande gekommen, andere Erklärungen, die man ge- ^Ueber ^en tatsäMchen Verlauf der Schlacht dürfte es auf Grund der deutschen amtlichen Veröffentlichung kaum mehr eine Meinungsverschiedenheit geben. Daß im England. der Kampf über das Für und Wider der Führerentschlusse wahrend der Schlacht noch immer tobt, hat seinen besonderen Grund. . DerBrtte erkennt klar, daß die Skagerrak-Schlacht an die Tore seiner Weltherrschaft- gepocht bat. Es hat in England nicht an einsichtigen Stimmen ge- fehlt, die den Skagerrak-Tag als einen der schwärzesten Tage des britischen Weltreiches bezeichneten. Ja es chreß sogar, daß sich in der langen und ruhmreichen Geschichte der britischen Marrne Nichts verzeichnet finde, was sich mit der Tragödie vorn, Skagerrak much nur einigermaßen vergleichen ließe. Daß England sich chom kZlus- aang der Skagerrak-Schlacht nur vonibergehend hat mederbeugen lassen zeugt von hochentwickeltem politischen. Instinkt und großer Vaterlandsliebe. Leute aber, wo das einst to mächtige Deutick and besiegt am Boden liegt, da hat man die Maske abgeworsen und streitet sich ganz offen über denJütland-Skandal -eine Bezeichnung, die selbst dem Büche eines britischen Adnnrals den äTitel gegeben bat Demaeaenüber hat es bei uns bereits wahrend des Krieges nicht an Unkenrufen gefehlt, die verkündeten, dietoeutsche Flot^ habe nach der Skagerrak-Schlacht ihren Wagemut verlor«,. Gerade das Gegenteil ist der Fall gewesen. Der. österreichisch-ungarische Marine-Attache hat seine Eindrücke über dre Stimmung an Bord der deutschen Schiffe unmittelbar nach ihrer Rückkehr von der Sch acht wie folgt niedergelegt:Die Flotte 'st begeistert mtt> mabsoluter Siegerstimmung. Lernnter b,s zum letzten Matrosen glaubt sie an ihre Stärke und sieht mit Zuversicht wetteren Zuftunmenstosten entaeaen " So ist es in der Tat gewesen: der Angriffsgeist war an Bord niemals mächtiger als nach der siegreichen Schlacht! Beretts am 19. August 1916 stand die deutsche Flotte wieder kampfbereit vor- der britischen Küste bei Sunderland. Wenn an diesem ^.age die Kanonen nicht gesprochen haben so war es nicht unsere Schuld.

Leute liegen die mächtigen Schiffe, die mit 'hren Nanwn das deutsche Volk und die deutsche Geschichte versinnbildlichten,^ dein Grunde des Meeres in britischen Lohettsgewaffeni. Wto sollen und dürfen trotz allem den Kopf nicht hängen lassen. Ein Geschlecht, das eine Flotte schuf, die ein Skagerrakschtog.kann und wird nicht untergehen. Ans gehört die Zukunft, sofern wir nur an sie glauben!

Den Toten oom Skagerrak zum Gedenken. Von Dr. med. Carl Stuhl, ehemals Marinestabsarzt d. Res. und Schiffsarzt S. M. S.Großer Kurfürst .

Es war am 25. April 1916. Wie eine feurige Kugel ging die Sonne eben über der Nordsee auf. Der Lorizont war klar auf zwanzig Meilen. Da machte unsere Flotte an der englischen Ostküste kehrt.