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ihn, indem sie erklärt, der Äkte lei init ihr gekommen, und so gehen wir zusammen hinauf.

Eine Kammerzofe erscheint nach einer Weile mit der Mit­teilung, daß die gnädige Frau sich im Nebenzimmer ankleide, und verschwindet.

»Guten Morgen, Helenal" ruft Eva.

»Guten Lag, GvchenI" antwortet eine entzückend frische Stimme.Sofort, sofort, in einein Augenblick bin ich fertig!"

»Helena! Du weißt nicht, was dich hier erwartet und wen tm gleich erblicken wirst... 3d) habe einen Harfner mitge- bvacht, den leibhaftigsten Harfnergreis, der je durch die Steppen der Ukraine gewandert ist.

Ein Aufjauchzen ertönt im Nebenzimmer, die Tür wird aufgerissen und hereinstürzt Helena, unamgekleidet, im Mieder, mit aufgelöstem Haar.

»Ein Harfner! Ein Blinder! Hier, in Warschau!"

Kein Blinder! Er sieht!" ruft hastig Eva, die den Scherz nicht zu weit treiben möchte.

Wer es ist zu spät, denn im selben Augenblick werfe ich mich Helena zu Füßen und rufe im reinsten Dialekt:

»Cherub Gottes!"

älnd ich umfasse mit beiden Händen ihre Füßchen und mein Dlick gleitet bewundernd dieselben hinauf. Völker, kniet nieder! Kommt herbei mit Nauchfässern, ihr Menschen alle! Die Venus von Milo, die wahrhafte Venus!

»Cherub!" wiederholte ich mtt ungeheucheltem Enthusiasmus.

Mein Harfner-Enthusiasmus erscheint dadurch erklärlich, daß ich nach langwierigemWandern" eine Llkrainasoele wiederge- frmden habe. Trotzdem entzieht mir Helena ihre Füßchen und eilt fort... Mit Blitzesschnelle sehe i<& noch ihre entblößten Schultern und ihren Hals, die mich an die Psyche aus dem neapolitanischen Museum erinnern.

Dann entschwindet sie hinter der Tür, ich aber verbleibe kniend in der Mitte des Zimmers.

Evchen droht mir dabei mit dem Sonnenschirm und lacht, ihr rosiges Näschen in einem Resedabukett versteckend.

Unterdessen beginnt durch die Tür ein Gespräch im schönsten Dialekt,' der jemals in der älkraina gesprochen wurde. Ich war 8cm vornherein auf alle möglichen Fragen gefaßt und lüge daher wie gedruckt... Ich-bin ein Imker aus dem Czehrhnschen. (Meine Tochter ist einem Schlachziz nach Warschau gefolgt, und ich Aller habe mich in meinem Bienengarten einsam gegrämt, bis ich ihr nachgezogen bin. Gute Menschen haben mir ab und zu für meine Lieder Geld zugesteckt. Und jetzt? Jetzt werde ich mein liebes Töchterchen Wiedersehen, es segnen und dann heim- kehren, denn ich sehne mich nach dem mütterlichen Boden der Llkraina. Dort allein, unter meinen Bienenkörben, will ich sterben. Sterben muß ja ein jeder, und für den alten Philipp ist es schon lange an der Zeit.

WaS doch eine echte Künstlernatur ist! Evchen weiß doch, wer ich bin, und wird trotzdem von meiner Nolle derart er- gxissen, daß sie ganz melancholisch ihr reizendes Köpfchen neigt und mich voll Mitleid ansieht.

Helenas Stimme aus dem Nebenzimmer bebt auch vor Rührung.

Die Tür öffnet sich ein wenig, ein wundervoller weißer Arm zeigt sich durch die Spalte und ganz unerwartet befinde idji mich im Besitze von drei Rubeln, die ich amrehme, da ich nicht anders kann. Dabei schütte ich im Namen aller Heiligen einen Strom von Segenswünschen auf das Haupt Helenas aus.

Es tritt die Kammerzofe herein mtt der Meldung, Herr Ostrzynski sei unten und lasse fragen, ob die gnädige Frau ihn empfangen wolle.

»Laß ihn nicht vor, meine Teure!" rüst Eva erschrocken.

Helena erklärt, daß sie ihn natürlich nicht empfangen werde. Sie äußert sogar ihre Verwunderung über den so frühen Besuch. Ich selbst kann ebenfalls nicht begreifen, wie Ostrzynski, der als Kenner der Formen bekannt ist und sich viel darauf einbildet, zu einer fo frühen Stunde vorsprechen konnte.

Da muß etwas Besonderes vorliegen!" sagt Eva.

Aber für weitere Erklärungen bleibt keine Zeit mehr übrig, denn im selben Augenblick erscheint Helena in vollständiger Toilette und gleichzeitig wird das Frühstück gemeldet.

Die Damen begeben sich in den Speisesaal.

Helena will mich durchaus an den Tisch sehen, aber rch tveiaere mich und lagere mich mit meiner Larse auf der Schwelle. Nach einer Weile wird mtt eine so reichlich gefüllte Schüssel vorgesetzt, daß deren Inhalt genügen würde, sechs ukrainischen Larfnergreisen dtt Magen zu verderben. Ich greife zu, denn erstens hab« ich Hunger, sodann aber kann ich während des Essens Helena bettachten.

Wahrlich, einen schöneren Kopf gibt es in keiner Galerie der ganzen Welt! Nie in meinem Leben habe ich so durchsichtige Augen gesehen: man sieht durch dieselben alle seelischen Vorgänge, so tote man durch das Wasser eines hellen Sttomes den Grund sieht. Diese Augen besitzen noch dtt Eigenheit, daß sie früher als die Lippen zu lachen beginnen, wobei sich das ganze Gesicht wie durch einen Sonnenstrahl erhellt. Welch eine unvergleichliche Süßigkett umspielt ihren geschlossenen Mund ... Es ist ein Kopf in der Att des Carlo Dolce, wiewohl die Zeichnung der Augen und Brauen an die edelsten Typen des Sanzio erinnert.

Ich unterbreche das Essen und schaue und schaue ... und brs <m mein Lebensende würde ich fo Hinschauen.

Du warst gestern nicht bei mir," sagt Helena zu Eva.Ich dachte, du würdest nachmittags herüberkominen."

Am Morgen hatte ich Probe und nachmittags wollte ich das Bild von Magorski sehen."

Hast du es gesehen?"

Nicht ordentlich, es war ein zu großes Gedränge . . . Und du?"

Ich war stütz morgens da. Welch ein Künstler! Man möchte wirklich mit diesen Juden weinen."

Eva sieht mich an, ich fühle inich wie im Himmel.

Ich werde noch hingehen, so ost ich nur kann," sagt weittr Helena.Wir wollen doch zusaimnen hin, willst du? Vielleicht heute noch? Ich freute mich nicht bloß über das Bild, sondern auch über den Gedanken, daß ein solches Talent uns gehört."

And eine solche Frau soll man nicht anbeten!

Da höre ich weiter:

Schade, daß man von diesem Magorski so merkwürdige Sachen erzählt . . . Ich gestehe dir offen, ich vergehe vor Neugierde, ihn kennen zu lernen."

So?" sagt Eva mit gleichgültiger. Miene.

Du kennst ihn, nicht wahr?"

Ich kann dir versichern, daß er bei näherer Bekanntschaft sehr verliert: eingebildet und eitel, ach, wie eitel! ..."

Ich habe so große Lust, Eva die Zunge zu zeigen, daß ich mich kaum beherrschen kann, doch sie blickt mich mit ihren schelmischen Veilchenaugen an und sagt:

Ihr scheint den Appetit verloren zu haben, Alter?"

Ich muß ihr die Zunge zeigen, ich halte es nicht länger aus!

And sie wieder zu Helena:

O ja! Lieber den Magorski bewundern, als ihn kennen lernen. Ostrzynski nennt ihn ein Genie in der Hülle eines Coiffeurs."

Würde' Ostrzynski so etivas gesagt haben, so hätte ich ihm die Ohren abgerissen. Allein ich weiß zu gut, daß Eva den Schelm im Nacken hat; ich finde jedoch, daß sie diesmal zu weit geht.

Glücklicherweise ist das Frühstück zu Ende.

Wir gehen in den Garten, wo ich meine Lieder vortragen soll.

Dies macht mir allerdings nicht sonderlich Spaß; viel lieber bliebe ich bei Helena als Maler, denn als Harfner. . .

Aber es geht nun nicht mehr anders!

Ich sehe mich an die Mauer in den Schatten der Kastanien­bäume, durch deren Blätter die Sonne durchschimmert und auf der Erde eine Anzahl heller Flecken bildet. Diese Flecken zittern, f'mn- mern, schwinden und erscheinen wieder, je nachdem der Windhauch die Blätter berührt. Der Garten ist sehr wett, das städtische Geräusch dringt fast gar nicht durch, besonders da es von dem Geplätscher eines Springbrunnens übertönt wird. Die Hitze ist groß. Im Dickicht der Blätter hört man das Gezwitscher der Bögel, leise wie im Traume klingend. Sonst herrscht tiefe Stille.

Ich bemerke, daß sich ein recht schönes Gemälde gebildet hat: der Garten, das Dickicht der Bämne, dtt Sonnenflecken, die zivei aneinander gelehnten wunderschönen Frauen, und ich, der Greis, mit der Harfe an der Mauer sitzend dies alles enthält emert Zauber, den ich als Maler vollauf empfinde.

Ich gehe ganz in meiner Nolle auf und mit'innigstem Gefühl singe ich:

Glücklich nennen mich die Leute

Habe oft darob gelacht

Ach! es netzen bittre Tränen

Mir die Wang in stiller Nacht.

Elend wandr' ich durch das Leben Elend werd' ich gehn zu Grund! Weshalb hast du mich geboren, Mutter! in unsel'ger Stund'?

Eva ist hingerissen als Künstlerin, Helena als Tochter der Akrairra, mrd ich weil beide so schön sind, daß mrch chr Anblick berauscht.

Helena lauscht dem Gesang ohne überttiebene Empfindsamkeit, ohne künstlichen Enthusiasmus, aber ihren durchsichtigen Augen sche ich es an, daß ihr das Zuhören ein wahrhaftes Vergnügen x>erutf<xd)t.

Welch ei» Gegensatz zu jenen Damen aus der Akraina, dtt zum Karneval nach Warschau kommen und chre Tänzer während der Quadrille mit ihrer Sehnsucht nach der Heimat zu Tode lang­weilen, während sie in Wirklichkeit nicht mit vier Pferden während der Tanzsaison nach der Akraina zurückzubringen wären.

Helena lauscht, bewegt im Tatt ihr herrliches Köpfchen, bemerkt bisweilen:dies kenne 'ich!" und singt dann mit mir. Ich aber übertreffe mich selbst. Ich hole aus meinem Gedächtnis und aus meiner Brust meine ganze Steppenweisheit hervor und krame all dtt Hetmans, Ritter, Kosaken, Falken, Sonias, Marussias, Steppern Grabhügel u. dgl. mehreres aus. Ich wundere mich selbst, wo ich das alles herhäbe.

Dtt Zett verging Wie im Traum.

Ich kehrte heim, etwas ermüdet, aber berauscht. . .

14.

Im Atelier finde ich ganz «nerwartettrweffe dtt alten SuÄvwskis und Kazia.

Sie wollten mir eine Aeberraschung »rachen.

Wozu in aller Welt hat Stoiatecki ihnen gesagt, daß rch bald ^Weder^Kazia, noch die Allen haben mich erkannt. Ein Beweis, wtt gut ich verkleidet war. Ich nähere mich Kazia und ergreife chre L«ch, sie tritt etwas bestürzt zurück.