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KM Verleger oder verborgen in den Moppest von Sammlern. Gs lohnt, das umfangreiche Material einmal daraufhin durchzusehen, wie jene Künstler sich zu dem uns hier beschäftigenden Problem „Krieg und Pferd" gestellt haben.
Äebergehen können wir wohl die Darstellungen, die sich, z. T. bewußt und betont, im Stil oder Llnstil der „Bilderbogen" vergangener Tage halten (Seewald u. a.). Sn ihrer Nachbarschaft stehen die kitschigen „Sttmmungs"bilder mit Titeln wie „Der gute Kamerad", die uns auch diesmal nicht erspart geblieben sind. Künstlerisch wertvolle Blätter hingegen gaben Liebermann, Feldbauer, Meid und mancher andere. Doch handelt es sich hier nicht um Kriegsgraphik im strengen Sinne (d. h. Haß die Werke ohne das Erleben des Krieges durch die Künstler schlechthin undenkbar wären). Die Genannten haben auch außerhalb des Krieges immer oder doch von einem gewissen Zeitpunkt an die Gewähr geboten, einen Stoff wie „Husarenangriff" (Feldbauer), „Soldat auf galoppierendem Pferd" (Liebermann), „Kavalleriepatrouille an der Tränke" (Meid) meistern zu können. In diesem Zusammenhang mutz allerdings erwähnt werden, daß so berufene Tierbildner wie der hervorragende Aug. Gaul im Kriege kaum über satirische Belanglosigkeiten hinausgekommen sind, die überdies durch die ewige Wiederholung der gleichen Sinnbilder (Deutschenadler, Russenbär, Britenleu) bald ermüdeten. Mehr aus einer Verinnerlichung des Tagesgeschehens heraus geboren find schon Ehrenkrönungen der Pferde, die freilich auch noch oft genug Pathos ohne Inhalt bleiben. Vollgültiges schufen in diesem Sinne Lothar Bechstein und vor allem Willi Geiger („An die Pferdei").
Gleichbedeutend neben, wenn nicht sogar über diesen alle- gvrisierenden Huldigungen stehen Werke, die etwa in einer Reihe mit der Limburgschri, Plastik einzuordnen siird; die durch die lauteren Mittel unverfälschter Wahrhaftigkeit wirken. Und zwar Nicht im Sinne sentimentaler Mitleid-Weckung, sondern mit der ethischen Tendenz der Gewisfensaufrüttelung gegenüber einer Leistung, die vieles von unserer eigenen Leistung erst ermöglicht oder doch gestützt und getragen hat. Dleeker („Morgenrot'), -Jäckel („Schlachtfeld"), Deeh (auf Blättern, deren wertvollstes „Masuren" ist), haben Mensch und Pferd in ihrem Kämpfen, Leiden und Sterben zu einer harmonischen, fast mitunter natur- gesetzlichen Einheit verschmolzen. Hierher gehört auch die Mappe „Die Leiden der Pferde im Kriege" von O. Schubert.
Ein noch darüber hinausragendes, außerordentlich beachtliches Werk zu unserem Thema hat ein Künstler geschaffen, dessen Kriegsgraphik sonst nicht eben viel Höhepunkte aufzuweisen Hai: Otto Hettner. Ins Visionäre gesteigert, wird sein „Hollenpferd" — nach Aage Madelung — zum grandiosen Symbol für Millionen Tierschichale, die — in ihrem Bereich — nicht minder tragisch, nicht minder groß und erhaben find als die gleichzeitigen Geschicke des Menschengeschlechts. So mag auch Georg Gelbke empfunden haben, als er feinen „Tod" ein dem Hettnerschen ähnliches Höllenpferd reiten ließ.
Es läßt sich heute kaum vermuten, wieviel — oder ob überhaupt etwas von dem Genannten Dauer haben wird. Wir aber sollten es — und noch manches Verwandte — wesentlich mehr beachten, als es die Mehrzahl von uns bisher tat. älndank gegenüber Mitkämpfern, die ganz genau fo wie wir selber ihr Letztes daran gaben, sollte auch da leinen Raum finden, wo der Ausgang nicht dem ehrlichen Mühen entsprach!
Das Lächeln der Regelindis.
Ein Frühlingsbrief von der Saale.
Mitten -.in der Nacht, wirllich um Mitternacht, hält der v-Zug mit einem kurzen Ruck. Nicht viel Aufenthalt ist. Schnell wird das wenige Gepäck zusammengesucht und man steht auf Dem Bahnsteig der Station Naumburg und sieht mit einigen Sehnsuchtsgefühlen dem Zuge nach, der zischend im Dunkel verschwindet Zürich—Luzern—Chiassv—Milano stand verheißend auf den Schildern der Wagenreihe. Der Zug nach dem Süden, der Zug, der Hochzeitspaare und andere sorglose Menschen in die Gefilde der Seligen bringt. Es fröstelt ein wenig mehr, wenn das Bild vom lachenden Blau des Luganer Sees, des zarten Grüns der Jsvlabella und all der Stätten an der Pforte Stallens in der Erinnerung aufsteigt, dieser Stätten, wo der Frühling schon dem Sommer die Hand reicht, während im kargen Norddeutschland kaum sich die ersten Triebe neuen Lebens Hervorwagen.
Nun auch hier soll der Frühling früher {ein, Hier „an der Saale hellem Strande", Es ist vielleicht wirklich wichtiger, dah man eine Melodie hört und ihr folgt, als dah man Daedecker und dicke andere Neisebücher wälzt, um einen Ort zu finden, der erreichbar ist, wo man ein paar Tage der Erholung von des Winters Last finden und dem Frühling, der da kommt, feine Reverenz machen kann. Jedenfalls hat man eins schon erreicht, als man der Lockung der Melodie folgte. Man ist losgelöst von dem großen, überlauten Schwarm der Ausflügler, die dem Steinhaufen der Großstadt entgehen wollen und doch immer nur in Herden sich hinaus aufs Land ergießen und so den Dunst der Steinmauern unlösbar mit sich tragen.
Mso nicht der Erinnerung nachgetrauert und hinein in die Hufsitenstadt, Man will sich freuen, und wenn man sich freuen
will, so gibt jegliches Anlaß zur Freude. Ei, wie vornehm werden wir empfangen. Der einsame Wagen der Elektrischen 'Bahn hat seine Bänke mit einem prächtigen roten Polster geschmückt, Sollte das uns zu Ehren sein? Denn wahrscheinlich ist es doch wohl nicht, daß man diesen Sonderluxus morgens auch den dicken Marktfrauen bietet, die mit ihren hochgefüllten Gemüsekörben in die „Stabt" hineinfahren und den Arbeitern, die mit ihren Gerätschaften zur Arbeit wollen. Stellen wir uns jedenfalls vor, daß der rote Plüsch eigens zu unserer Ehrs aufgelegt fei und freuen wir uns daran.
Nach gut verbrachter Nacht — wo anders in der Welt, als in Deutschland und gerade im mittäglichen Deutschland findet man solche vertrauenswürdigen Gaststätten alter Wirtekultur, die schon durch ihre Namen „Zum schwarzen Roß", „Zum roten Stier", „Zu den drei Mohren" und wie sie sonst noch aus der Zeit der Postkutsche überkommen sind, die Gewähr dasür Bieten, daß man dort aufgenommen ist wie in Abrahams Schoß — wandert man durch die Straßen und Gassen des alten Städtchens, das einst wie durch ein Wunder befreit wurde von der fanatischen Herrschaft des Huß und seiner wilden Anhänger. Alta Straßen, alte Gassen und Winkel. Hier werden in den zitternden Sonnenstrahlen Märchen und Sagen lebendig, die man als Kind hörte, und die man im Lebenskampf wieder vergaß, und die doch aus der Vergangenheit aufsteigenö das sind, was trübere Gegenwart leichter ertragen läßt und feste Zuversicht auf neue Zukunft gibt. Hier unter den spitzwinkeligen Häusern, die mit alten Symbolen geschmückt sind, mit Inschriften, die von Llr- väterhaick» geschrieben wurden, hier wird die Sprache des Herzens wach und man fühlt, was deutsch ist. was Deutschland bedeutet und ist tief im Innersten erhoben von der Gewißheit, blutverbunden zu sein mit deutscher Scholle.
Dann steht man vor dem Dom, dem Dom von St. Peter und St. Paul. Das ist ein Wunder, ein verwirrendes Wunder zuerst, wie sich dort die Türme recken, gebaut in zwei sich widerstreitenden Stilen, wie das massige romanische Schiff sich vordrängt und im Seitenchor, den es mit Rundbögen an den Boden kettet, sich dann doch strebend auflöst in befreiter Gotik. Ein Wunder dieses Beisammenseins zweier Baustile, die allüberall in deutschen Landen um die Herrschaft rangen und deren Vereinigung immer wieder versucht wurde, und die doch immer wieder sich befehden, und die hier, wo sie gleichberechtigt nebeneinander stehen, wo sie ineinander übergehen und doch im Einzelnen voll ihre Eigenheit behalten, eben dadurch die Zwiespältigkeit überwinden. Ein Wunder, das nichts Verwirrendes an sich hat, wenn man es gläubig auf sich wirken läßt. Ein: Symbol, das mit höherer Klarheit, als es Worten und dem nach- schürfenden Verstand möglich ist, das Problem aufweist, das das Problem Deutschlands überhaupt ist und das zugleich die Lösung lehrt.
Dieser Dom ist im Innern hell. Von einer solchen Helle, daß sie fast unwahrscheinlich ist gegenüber der Dämmerung, die in anderen deutschen Domen heimscht, jener Dämmerung, die selbst dort, wo reine romanische Bauart breite Fenster öffnet, doch wieder erzeugt wird durch den Schlagschatten der dicken Wände und der schweren Pfeiler.
Hohe Wände, Steinmauern eigentlich, Lettner genannt, schließen doch die Helligkeit nicht aus, wenn sie auch stiller und gedämpfter durch die gentalten Scheiben des gotischen Halbrundes bricht. Der alte weißhaarige Kirchner, der die Gruppe der Besucher führt, weist auf den Eingang des westlichen Chors und seine Türgestaltung hin, die wohl einzigartig in der Kunst ist. Gs ist das Kreuz, an dem der Erlöser hängt und unter seinen ausgebreiteten Armen her, die noch segnen, da der Nagel die zuckenden Hände an das Kreuzeholz heftet, tritt man ein in diesen stillen Raum, der höchste Köstlichkeiten deutscher Kunst enthält. Die Standbilder der Stifter der Kirche Eckards und Frau ilte, die mit einer unnachahmlich weichen Bewegung das Gewand empvrhebt und es schützend vor das zarte, tief in Frauenstille versunkene Antlitz hält, äknd dann gegenüber Hermann, hochgereÄ und mannhaft und daneben jene Frau, die lächelt. Wie lächelt diese Frau? Nein, es ist nicht das Lächeln der Mona Lisa, jenes Lächeln, an das die Nachwelt herum- deutet und für das sie nie und nimmer eine Lösung finden wird, weil es ein Lächeln ist, das nur in einem einzigen Augenblick erstehen konnte, ein Lächeln, das nicht Seele wiedergibt, sondern flüchtigen Gedanken, der über die Seele hinüberhuscht, und der nicht zum Verweilen bestimmt ist. Dieses Lächeln der Frau Regelindis ist ein Lächeln anderer Art. Es ist der Wider- scheitz mehr des Herzens noch als der Seele: es ist ein Lächeln der deutschen Frau, ein Mutterlächeln, ein Lächeln, dessen Abglanz immer währt, und das uns allen vertraut ist, denen, sich das Antlitz einer Mutter neigt. Es ist ein deutsches Mutterlächeln, das so deutsch ist, so das ist, was höchste deutsche Frauenschönheit ausmacht, daß du es nie in der Welt finden wirst, sahst du es nicht als Kiitd im Antlitz deiner Mutter, oder siehst du es nicht bei der Frau, die deinen Lebensweg mit dir geht und sich herniederbeugt über euer Kind....
Regelindis Lächeln begleitet einen, wenn man tm ©onnen« gelast den sanft geschwellten Hügel hinansteigt, der oben von einer Windmühle gekrönt ist, und von dem man einen Lieberblick über die Stadt mit ihren spitzen Giebeln, tief geneigten Dächern


