den Winkeln umher, und durch alle Etagen hindurch hängt ^väkchs an Stöcken und Stangen zum Fenster hinaus. Wieviel

- ' die letztere braucht, um hier ohne Licht und Luft zu trocknen, .> ich gern erfahren. Das sind die Elosses von Edinburgh." Eingebettet in diese Quartiere der Edlen von einst und des i ...-.ibS von heute liegt die St. Giles--Kathedrale, in der'der mutige . rhn Knox predigte, der es wagte, dem bluttollen und sittenlosen Adel von damals, auch seiner- schönen Königin Maria, die Wahr­heit ins Gesicht zu schleudern.

So ist uns Fontane ein guter Führer auf dem Wege durch Alt-Edinburgh, der uns durch manche Anekdote die historischen Persönlichkeiten und Vorgänge oft näher brachte, als c« lang­atmige Geschichtsbeschreibungen vermögen. Er begleitet uns auch, wenn wir einen Ausflug nach Süd-Schottland und zwar nqch Abbotsford, dem Schloß Sir Walter Scotts machen, das dieser sich in einer sonderbaren Mischung der verschiedensten St,le am lachenden .Ufer des Tweed erbaut hat, und in dem er wahllos die kuriosesten Dinge sammelte.

Welter Scott, der vorher als Jurist tn Edinburgh gelebt hatte hat uns durch seine Romane Jvanhoe, Waverleh und viele andere mit seiner Heimat Schottland bekanntgemacht. Kaum wohl ist ein Schriftsteller so in die Seele seines. Volles em- gedrungen wie er. Im höchsten Hochland kennt der emsameWild- wärter außer der Dibel seinen Walter Scott. Fontane beschreibt uns diese Volkstünilichkeit Scotts in jenem Gedicht »Walter Scott in Wrstniinster Abtei," das wir oben wiedergegeben haben.

Auch von dem .Umzug Walter Scotts von Ednwurgh nach Abbotsford erzählt uns Fontane in dem von leiser Jrvme durch­wehtenWalter Scotts Einzug in Abbotsford'. Roch eme andere seiner Gedichte spielt in dieser Gegend Schottlands. Es ist die Ballade ..Tom der Reimer", die in der Löweschen Vertonung wohl zum Allgemeingut der Deutschen geworden ist. Der Auto­omnibus, der mich diirch dieses lachende Land fuhr, hielt am Huntlh-Fluß, an der Reimerschlucht an, und sem Führer berich­tete im schönsten Schottisch, daß Tom an dieser Stelle seiner Elfenkönigin begegnet sei. .

Run sind wir aber lange genug im Tiefland gewesen und beeilen uns über Edinburgh hinaus ins nahegelegene Hochland zu kommen. Schroff und steil, nur am Fuße bewaldet, erheben sich die Bergriesen, aus den großen und langen Seen, den so­genannten Lochs, gigantisch und ernst. Rur selten trifft man ein liebliches Tal an. Hier fand die Begegnung zwischen Archibald Douglas und den, König Jacob statt, die Fontane ,n seinem Gedickt verherrlicht hat. Hier liegt das Loch Kathrine, rn ferner Mitte die Ellen-Insel, die im Gegensatz zu,den schroffen «elfen ihrer Umgebung so schön ist, wie die Frau einst war, nach der sie heißt, Ellen Douglas, die Heldin in ScottsLadh of the late. Von ihr und von den Kämpfen, die zwischen Fichames und Roderik Dhu stattfanden, weiß Fontane in anschaulicher und anregendster Weise zu berichten. Diese Hochlandseen sind ereignis- schwere Stätten der Geschichte. Kämpfe der Schotten unterein­ander und gegen die Engländer haben hier Jahrtausende lang stattgefunden. .Um Stirling, einem Hochlandstädtchen mit einem Schloß, ähnlich den, Edinburgh-Castle, liegen allein vierzehn Schlachtfelder. Unweit davon erstreckt sich der Leven-See, auf dessen Insel sich ein altes Douglas-Schloß erhebt. Dort war es wo Fontane sich unwillkürlich Vergleiche mit der Mark und mit dem Schloß Rheinsberg aufdrängten, und wo er die erste An­regung zu den heimatlichen Reiseschilderungen empsing.

So wandern wir heute, wohlvorbereitet und geleitet von dem Dichter der Mark, durch Schottland, und sind von der groß­artigen und erlisten Schönheit des Landes ergriffen.

Das Mysterium der Zahl.

Von Dr. I. Wetzel.

Unsere Tatsachenmenfchen betrachten die Zahl und ihre Vielheit lediglich unter der zu erstrebenden Million, die Sport­lustigen macken sie zum Maßstab für Rekord- und Wettleistungen verwegenster Art, und die Wissenschaftler aller Fakultäten vom Astronomen bis zum Betriebswirtschaftler brauchen die Zahl und die Zahlen als Grundlage für ihre statistischen Tinter- iuchungen, mit denen ihre Theorien stehen und fallen. Haben die Zahlen auch einen tieferen Sinn? Im Volk öst Der Glaube hierfür ohne Zweifel vorhanden und auch die Shmbolik alter Völker, wie der Indier, Babylonier und Aegypter deutet darauf hin. Selbst im Mittelalter hat diese Shmbolik noch eine große Rolle gespielt, indem eine tiefere Bedeutung den Zahlen bei­gemessen wurde, die am häufigsten in der Heiligen ^Schrift auf­treten. Ganz allgemein soll hier einmal das Vorkommen der Zahlen in Geschichte, Sage, Religion, Kunst, Literatur und Ratur gewürdigt werden. Welche von den Zahlen ihm die liebste sei, darüber möge der Leser selbst, entscheiden.

In der mittelalterlichen Zahlenshmbolik ist die physische und die moralisch-religiöse Wett auf Zahlen aufgebaut. Die Zahl eins wurde gewählt für Gott selbst. ,

Die Zahl zwei war das Sinnbild der Zusammengehörigkeit (die beiden Testamente, das Diensseits und das Jenseits, die Kirche und die Synagoge, die zwei Naturen in Christus, die zwei Gesetzestafeln des Moses, der senkrechte und der Querbalken des Kreuzes. Sie war aber auch das Sinnbild der Gegensätz­lichkeit (Himmel und Hölle, Tugend und Laster) und schließ­

lich das Sinnbild deS Vera ä ug lichen. In der Staats­kunde weist die Zahl zwei auf die Belten Regierungsformen hin: Monarchie und Republik.

Eine besondere Bedeutung kommt der Zahl Drei in der Zahlensymbolik zu. Zunächst versinnbildlicht sie die Trinität Gottes. Auch Christus legt man ein dreifaches Amt zu: Das prophetische, das priesterliche und das königliche. Drei Könige besuchten den neugeborenen Christus in Bethlehem. Rach der Erzählung des biblischen Buches Daniel waren drei Männer im Feuerofen (Sadrach, Mefach, Abednego). Auch die Philosophen legten der Zahl drei eine besondere Bedeutung bei, so Pytha­goras, Fichte, Schelling, Hegel. Montesquieu teilte die Auf­gaben der Staatsgewalt in drei Teile: Gesetzgebung, Recht­sprechung und Verwaltung. Drei wesentliche Bestandteile muß der Staat aufweifen: Volk, Gebiet, oberste Gewalt. Dis vor kurzer Zeit gab es noch in einigen Ländern das Dreiklassenwahl­recht. Diele Dichetr teilen ihre Werke in drei Teile; vor allem Dante seine Göttliche Komödie, Dahn seinenKampf um Rom", Hebbel und Richard Wagner ihrenNibelungenring". Unser Er­kenntnisvermögen bewegt sich in drei Dimensionen: Punkt, lineare Ausdehnung und räumliche Vorstellung. In der Musik kommt dem Dreillang eine besondere Dedeutung zu. Er ist die Grundlage aller Harmonik und war schon im Altertum bekannt. Rach den Anthroposophen wickelt sich das gesellschaftliche Lieben auf drei Gebieten ab: 1. Staat und Rechtsleben, 2. Geistesleben und 3. Wirtschaftsleben. Rach üjnen sollen diese Gebiete scharf voneinander getrennt und verselbständigt werden, daher der Rame von der Dreigliederung des sozialen Organismus. In der gotischen Architektur kommt besondere Dedeutung dem Drei- patz zu, d. i. ein Maßwerk, das aus drei Kreislinien besteht, die in einen großen Kreis gestellt sind. Die Dreischneuß, eine gotische Rosette, besteht dagegen aus drei Fischblasen,, die nebeneinander in einem Kreise liegen. Der bekannte Dreispitz ist ein Filzhut mit Krempe, die hinten und an den beiden Seiten aufgeschlagen ist; der Dreizack ist ein Speer mit drei Zinken und bedeutet in der griechischen Mythologie die Herrschaft Poseidons über das Meer. Im Volksglauben mißt man der Zahl Drei ein besonderes Glück zu, daher der Ausspruch:Alle guten Dinge find drei!". Auch die Drüder Grimm in ihren Sagen gebrauchen die Zahl sehr oft, so z.D.:Die drei Quellen",Die drei Jungfern",Die drei Schatzgräber",Die drei Alten" uff.

Die Zahl Vier bedeutet in ter mittelalterlichen Zahlen- symüolir die physische Welt. Vier ist die Zahl der Evangelisten, die Zahl ter Propheten und Kirchenväter, der Weltgegenden, der Lebensalter, der Jahres- und Tageszeiten. Der Vierfürst ist im Altertum einer der vier Beherrscher eines Landes. Die vier ge­krönten Heiligen sind zwei Gruppen von Märtyrern: Severus. Severianus und Carpophorus und Vittorius. Das Dierstädte- bekenntnis ist das Bekenntnis der evangelisch-protestantischen Kirche, welches von Melanchthon ausgearbeitet und auf dem Reichstage zu Augsburg angenommen wurde. Der Dierwald- stätterfee hat seinen Namen von den vier ihn begrenzenden Wald­stätten. Den drei Stünden der früheren Zeit ist in den letzten Jahrzehnten ein vierter hinzugetreten, der Stand der Lohn­arbeiter. so bah man von ihm als demvierten Stande" spricht. Schließlich ist vier die kleinste Quadratzahl (zwei, im Quadrat), zwischen vier Wänden spielt sich ein großer Teil des Lebens ab und nach dem Volksglauben bringt das vierblättrige Klee­blatt Glück. c c.

Fünf ist die Zahl ter Sinne, die Zahl der Grundstofte: Feuer, Wasser, Holz, Metall und Luft, fünf ist die Zahl ter Erd­teile, ist die Zahl ter Linien im Notensystem, fünf ist die Zahl ter Finger an einer Hand. Daher rührt das römische Zeichen V, das die Hand wiedergibt, während die Doppelhand durch das Zeichen X zum Ausdruck gebracht wird. In fünf Teile ist das Bürgerliche Gesetzbuch eingeteilt, fünf Gebote hat die Kirchs er­lassen, fünf Wunden erlitt Christus bei seinem Tode. Die Fünf­monarchisten sind Chiliasten des 16. Jahrhunderts, die das Reich des wiederkommenden Christ erwarteten. Sie haben auch heute noch, wenn vielfach auch unter anderem Namen, Anhänger in den verschiedenen Ländern.

Die Zahl Sechs spielt insofern eine Rolle, als sie die o-it- ljchkeit und das moralische Streben versinnbildlicht. In Zoro- asters (Zarathustras) persischer Religion sind die sechs guten Geister Amschaspands die obersten Gehilfen des Ormuzd. Sechs- kanttg ist das Gehäuse, das die Menschen nad) ihrem -i-ote auf­nimmt der Sarg.

Run die Zahl Sieben. Sie war schon im Altertum be­kannt. Die Sieben ist eine heilige Zahl. So bei den Aeghptern und Babyloniern (die sieben Planeten), bei den Hebräern (die sieben Wochentage stammen von ihnen, der siebenarmige Leuch­ter). Die sieben weisen Meister ist eine aus Indien stammenoe Novellensammlung, ein Buch, das auch im Abendlands lange Zeit beliebt war. Die sieben Weisen sind historische Persönlich­keiten des alten Griechenlands aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, die als Vertreter der ethisch-politischen Lebensweisheit galten. In einer Novelle Plutarchs finden fich diese sieben Weisen zu einein Gastmahl versammelt. Die sieben Wunder ter Welt sind ein Verzeichnis der großartigsten Kunstwerke des Altertums, nämlich die Pyramiden, der Garten ter Semiramls, der babylonische Turm, die Zeus-Statue in Olympia, ter Ar- temistempel in Ephesos, das Mausolearm in Halikarnassos unD