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Ler er.es. 1868 zum Mitarbeiter und Herausgeber. der Monatsschrift „Overland Monthly" brachte, einer Publikation, --deren Motive programmätzig aus dein Lebeir. Aero-Kaliforniens • mit allen den durch die Entdeckung des Goldes hervorgerufenen! Phrasen entnommen wurden und eine neue west-amerikanische Literatur schaffen sollte. ■
Bret Harte, der ja in dem wilden Dorado so recht durch die Mühle gegangen war, konnte nun fernen schriftstellerischen Talenten, die sich schon vorher in humoristischen Skizzen und Gedichten gezeigt hatten, vollends freien Spielraum gewähren, und so entstand denn zuerst jene prächtige Geschichte „The Luck os Roaring Camp" (Das Gluck des Drüllerlagers). Aus .eigener Anschauung schildert hier der Dichter jene wilden Gesellen, die aus allen Gegenden des großen Amerikas zusammengeströmt waren, — oft schon deshalb, weil der heimatliche Boden ihnen zu heiß geworden war, meist aber angetrieben von dem glühenden Verlangen, schnell reich zu werden. Ein entbehrungsvolles, hartes Leben führen jene Abenteurer in den Ausläufern des wüsten Gebirges, das zwischen Kalifornien und Aevada liegt. Aach schwerer Tagesarbeit bietet sich ihnen als einzige Erholung der böse Whisky und das ebenso schlimme Pokerspiel. Das Recht des Stärkeren, der Revolver und das Bowiemesser spielen dabei oft die entscheidende Rolle.
Da tritt ein Ereignis ein, das die ülngezähmten, die zügellos in den Tag Lebenden aufrüttelt, in ihnen die Erinnerung an jene vergangene Zeit wachruft, als sie noch den schmalen Weg der menschlichen Anständigkeit und Ordnung wandelten: Sn dem Lager wird ein Kind geboren, einer armen Indianerin, die zwischen den vielen verkommenen Männern längst auf deren Äiveau herabgesunken ist. — Ülnd da löst sich denn die harte Kruste um das Herz der rohen Burschen, der neu geborene Knabe wird reich beschenkt, nach dem Tode der Mutter von der Männer- gemeinde adoptiert, — und einer der Goldgräber versucht am Ende das Kind aus einer Sturmflut zu retten, in der beide umkommen.
Eine gediegene kleine Geschichte, die nicht nur die hohe Kunstfertigkeit, sondern auch bei allem Streben nach Lebens- Wahrheit den festen Glauben des Verfassers an die Güte der menschlichen Aatur verrät, die sich für ihn selbst bei denen noch findet, die am Wege fielen und aus den Kreisen der anständigen Gesellschaft ausgeschieden sind.
Diese humane Idee liegt fast allen anderen Erzählungen Bret Hartes zugrunde. Sie erscheint auch in der zweiten Skizze, die kurze Zeit darauf in der genannten Zeitschrift erschien, — „The Outcasts of Poker Flat". Denn auch die Ausgestoßenen von Poker Flat, jene weiblichen und männlichen Geschöpfe, die selbst für die abenteuerlichen Charaktere des Miningkamps nicht mehr gut genug geworden sind, finden in den Einöden der Sierra ihr besseres Selbst wieder und sterben versöhnt mit sich und der Welt, als sie endlich in einem Schneesturm Allmutter Aatur in die Arme schließt und nicht wieder von sich läßt.
'Sie Skizze „Tennessees Partner" ist das hohe Lied der in der Wildnis geschlossenen Männerfreundschaft, die sogar ein an dem anderen begangenes ülnrecht des einen, ja selbst den Tod überdauert, den der Partner, ein Pferdedieb und Strastenräuber, am Galgen findet, und in der Geschichte „Brown of Calaveras" verwandelt sich der professionelle Spieler dem Schwachen gegenüber, dem er sein einziges Gut, fein über alles geliebtes Weib, rauben könnte, in einen Edelmenschen von großmütiger Ent- sagungskraft.
Diese und andere Erzählungen erschienen während der kurzen Tätigkeit Bret Hartes an dem „Overland Monthly" in der Monatsschrift. Unter seinen dort veröffentlichten Gedichten zeichnet sich naiiteirtlich „The Heuthen Chinee", der Zopsträger mit dem bescheiden harmlosen Lächeln und den falschen Karten im Aermel durch gesunden Humor aus. die heimlichen Verse von „Dickens in Camp", die kurz nach dem Tode des großen englisches Romanschriftstellers geschrieben wurden, suchen in der Literatur ihresgleichen:
-UeBer den Fichten treibt langsam der Mond, beleuchtet den murmelnden Fluß, die Schnee-Minarets der Sierra. Am Lagerfeuer ruht das harte Geschlecht der Goldsucher. Da erhebt sich einer unter ihnen, zieht aus der Tasche ein abgegriffenes Buch und läutert die Seelen der Kameraden, in&em er ihnen Dickens vorliest. —
Aoch im Januar 1871 erschienen zwei Beiträge Bret Hartes im „Overland Monthly". Dann aber hörten seine Beziehungen z« der Zeitschrift auf. Der Erfolg seiner Erzählungen und Gedichte im Osten Amerikas und in England hatte sich unmittelbar nach deren Veröffentlichung eingestellt. In England war es kein Geringerer als Dickens, der auf den kommenden Mann im fernen Kalifornien hinwies, und als Bret Harte einem Ruf nach Aeu-- York folgte, um dort Redakteur des „Atlantic Monthly" zu werden, fand er, daß man dort seine in allerlei Zeitungen nachgedruckten Gedichte herausgeschnitten hatte und in der Westentasche trug.
_ Doch auch in Aeuyork war seines Bleibens nicht allzulange, wchon 1878 begab sich Drei Harte als Konsul nach Krefeld und Steel Lahre später in gleicher Stellung nach Glasgow. Im Jahre lWö finden wir ihn, ganz der Schriftstellerei lebend, in London, w® er 1902 verschied. Drei Harte gehört zu den Schöpfern einer
neuen und - Originellen Dichtungsart - m der amerikanischen Literatur,---der sogenannten „Short Story" (kurzen Geschichte),
die heute noch quantitativ in den Vereinigten Staaten "blüht, was aber die. Qualität Betrifft, nur noch sehr wenig Befriedigendes Bietet. Aamenilich „The Luck of Roaring Camp", „The Outcasts of Poker Flar" und „Tennesies Partner" sichern ihm ■ einen Ehrenplatz in der Weltliteratur; denn es ist eine merkwürdige Tatsache, daß Bret Harke später nichts ähnlich Schönes mehr geschaffen hat.
Um die Größe dieser drei Kabinettstücke ganz begreifen zu können, .muß man den Boden betreten haBen, auf dem sie spielen, und das, trotzdem sich die Verhältnisse in Kalifornien seit, jener Zeit doch gar gewaltig geäußert haben. Dieser Zauber einer märchenhaft wilden Periode hatte auch den jungen Bret • Harte gefangengenommen, in ihm den Dichter geweckt. Seine Trennung von dem Stück Erde, auf dem er zum Manne, zum . Künstler gereift war, bedeutete für ihn den Verfall. Seine zahl- reichen, nicht in Kalifornien entstandenen Werke weisen des Gediegenen und Vortrefflichen noch genügend auf; ihnen allen fehlt aber die spontane Aaivität, jene ursprüngliche Frische, die ihm ans dem Erdreich der westlichen Heimat zuströmte.
Es herrschen heute noch Zweifel über die Motive, welche Bret Harte bewogen, Amerika zu verlassen und in England dauernden Aufenthalt zu nehmen. Von mehreren Seiten wird behauptet, daß der Dichter, trotz guter Einnahmen, in der neuen Welt in beträchtliche Schulden geriet und deshalb das Land seiner Geburt verließ — um nicht mehr dahin zurückzukehren. Wahrscheinlicher Hingt die Angabe, daß es Bret Harte inmitten einer älteren, gefestigteren Kultur besser gefiel, als in dem damals noch recht primitiven und unfertigen Amerika.
. Der Abschied von dem Kalifornien jener Zeit wenigstens dürste ihm nicht allzu schwer gefallen sein. Denn während die von ihm in San Franzisko veröffentlichten Geschichten und Verse ■ seinen Ruhm nach dem Osten trugen, erregten sie am Stillen Ozean, viel böses Blut. Man tonnte es dem jungen Schriftsteller nicht verzeihen, daß er die Schattenseiten, die doch schließlich an den Grenzen des weißen Kulturelements, in einem Lande, das noch kaum zehn Jahre alt war, vorhanden sein mutzten, zum Gegenstand feiner Kalifornien schildernden Kunstwerke wählte. Ehe „The Luck of Roaring Camp" erschien, weigerte sich die Bei der Monatsschrift angestellte Korrektorin, die Erzählung zu Ende zu lesen, weil sie dieselbe für unanständig und gottesläster- I lich hielt. Don üBerfrommcn Leuten wurde die Skizze sogar ein Werk des Teufels genannt — und eine gewisse Animosität gegen Bret Harte, den Dicht«', den die ganze Welt mit der Gründungs- zeit des Goldenen Staates, der Stadt San Franzisko, identifiziert, ist heute noch in Kalifornien nicht ganz ausgestorben. Ich habe wenigstens einmal von einem gebildeten jungen Kalifornier den Ausdruck gehört: „Bret Harte is a disgrace to California".
Alein die Zeit heilt alle Wunden. Vergangen ist jene Periode, über welche gewisse überempfindliche Elemente in Kalifornien gänzlich unnötigerweise erröten zu müssen glauben. Aoch eine Generation, und Bret Hartes vermeintliche Indiskretionen über Kaliforniens Vergangenheit werden dort vergessen feilt.
Gabriele d'Armunzio in der Villa Thode.
(Schluß./
Frau Thode schreibt Bries auf Brief. D'Annunzio würdigt sie keiner Antwort. Inzwischen beginnt in Dänemark der Feldzug gegen ihn; die Blätter sind voll davon. Der Schriftstellervereiw schreibt an d'Annunzio einen sehr höflichen Brief. Keine Antwort. Aoch einen, etwas schärfer im Don. Der Dichter ist immer noch allzu groß, um seine dänischen Kollegen einer Antwort zu würdigen. Aber jetzt schreibt er an Frau Thode:
„Ich Bin kraick gewesen. Ich Bitte Sie, am Sonnabend das Frühstück mit mir einzunehmen. Wir wollen miteinander reden. Ich Bin Bereit, Ihnen alles zu geben, um was Sie mich bitten.
Juni 1921. Gabriele d'Armunzio.
Obgleich sie es demütigend findet, geht sie doch. hin. Sie will ihm nicht vor den Kopf stoßen, zuviel steht auf dem Spiel.
Bereits bei dem ersten Besuch ist viel verändert. Jetzt ist die Villa kaum wiederzuerkennen. D'Amnmzio spricht von dein Kriege gegen ihn und Bittet Frau Thode, weitere Schreibereien in der Presse zu verhindern. In dem Falle will aüch er sich nicht unwillig zeigen. Ja, er verspricht, ihr alles zu geBen. Sie braucht ihm bloß eine Liste zu senden, und er wird die Sachen zu ihr Bringen lassen. Allerdings hat er das Haus von der ttalienischen Regierung gekauft und es sehr teuer bezahlt. Es tut ihm leid, aber es ist ganz unschuldig.
Die verzweifelte junge Frau geht „nach Hause" und schreibt die Liste. Vor allem wünscht sie ihres Mannes fämtllche Manuskripte, Tagebücher, Driefsanrmlungen, kurz gesagt alles, was sich im Schreibtische und in den Schränken in seinem Arbeits- S: befindet; außerdem persönliches Eigentum (von &er Aus-
; endlich einige von den Thomaschen Bildern, die ein gen wert sind. Ja, und eine Warmorvase, die im Parke steht, die sie für' Henry Thodes Grab bestimmt hat.
D'Annunzio schreibt; , „
.Ich bin noch etwas leidend. Verzeihen Sie mit. Ich hab- jetzt Ihre Liste gelesen, nicht ohne Verwunderung. Ich habe


