14 —
thrazitzeche Gongenbraym am Eingang von und einige
Großwerke in den neu eingemeindeten Vororten ^ Nordens, unweit der Tmscher, unweit des Rhem-Herne-Kanals. Die eigentlich e n Häufungen der Steinkohlenzechen liegen ubevhaupl.lm Norden und Osten von Essen. Heber die Ruhrberge unb üoer ben Stadtplan hinweg ist der Bergbau schon langsam hinweggegan- 'aen Was dort noch hie und da mit schwarzen unb toetßen Rauchwolken keucht und {tattert, wirkt fast nur tote Idylle.
So wurde Essen „trotz Krupp" langsam Derwaltungs- und Kulturmitte. Theater, Konzerte, Museen, alles noch jung, aber bereits mit Dahnbrechertoillen. Rur zehn, nur: zwanzig Jahre habet: gefehlt, dann würde man zu dieser Stadt gepilgert sem, wie heute nach Köln, nach Dresden, nach Leipzig. Wann wird Essen, wann wird Deutschland diese Ruhe zur Arbeit und zur Vollendung wieder haben? Erich Feldhaus.
©er Hund.
Novelle von Iwan Sergejewitsch Turgenew").
„Wenn man aber die Möglichkeit des ^mat^lchmi die Möglichkeit seiner Einmischung m das wirkliche Leben zulaßt welche Riolle kommt dann, glatten Ste mir dte Frage, dem ge sunden Menschenverstände zu?" verkündete Anton Stepanytsch und faltete die Hände über dem Bauche _ ,
Anton Stepanytsch stand im Rang eines Staatsrats, war Beamter in irgendeinem schwer zu bezeichnMden Departement, sprach langsam, ausdrucksvoll und in tiefem Baß und erfreute sich allgemeiner Hochachtung. Man hatte ihm erft vor kurzem, wie ferne Beider sich ausdrückten, „ein Stanislauschen-) angehängt .
„Das ist vollkommen richtig," bemerkte S worcwrtsch.
^Darüber läßt sich gar nicht streiten," fugte Kinarewitsch hinzu.
Ich bin derselben Meinung," fiel der Hausherr, Fmoplentow, aus seinem Winkel mit Fistelstimme ein. „
„Ich muß aber gestehen, daß ich anderer Memung bin, denn mir selbst ist einmal etwas Hebernatürliches wide.sahren, sagte ein Mann von mittlerem Wuchs und mittleren Jahren, mr. Bäuchlein und Glatze, der bis dahin schweigend hinter dem Ofen gesessen hatte. Die Blicke aller Versammelten richteten sich neugierig und fragend aus ihn — und es trat tiefe Stille ein.
Dieser Mann war ein mit Glücksgütern nicht allzu reich gesegneter Gutsbesitzer aus Kaluga, der vor kurzem nach Petersburg gekommen war. Er war früher Husar gewesen, hatte im Spiel Hnglück gehabt, seinen Abschied genommen und sich auf dem Lande niedergelassen. , , ,
Durch die neuesten wirtschaftlichen Hmwalzungeiv) waren seine Einkünfte sehr verringert worden, und er hatte sich nach Petersburg begeben, um nach einem einträglichen Pöstchen Hmschau zu halten. Er besaß keinerlei Talente und hatte gar keine Verbindungen: aber er setzte große Hoffnungen auf die Freundschaft eines alten Regimentskameraden, der mit einem Male, mir nichts, dir nicyts, hvchgekommen war, unb dem er einmal beigestanden hatte, als 'es galt, einen entlarvten Falschspieler zu verprügeln Außerdem baute er auf sein Glück — und es ließ ihn wirklich nicht im Stich; schon nach einigen Tagen erhielt er die Stelle eines Jn,pektors gewisser staatlicher Magazine — ein einträgliches ivgar ehrenvolles Amt, za dem es keiner besondern Talente bedurfte, denn die Magazine selbst existierten nur in der Voraussetzung, wrd es stand noch nicht einmal fest, womit man sie füllen würde; geschahen aber hatte man sie aus Sparsamkeitsgründen, zur Entlastung der Staatskasse. , ,, .
Anton Stepanytsch brach zuerst das allgemeine staunende Schweigen. _. , , ,,
„Wie, mein Verehrtester Herr? begann er, „Sie behaupten allen Ernstes, daß Sie etwas Hebernatürliches erlebt haben — ich will sagen: etwas den Rarurgesetzen Widersprechendes?"
„Ja, das behaupte ich," erwiderte der ,verehrteste Herr', der eigentlich Porsirii Kapitvnytsch hieß.
Etwas den Raturgesetzen Widersprechendes!' wiederholte Anton Stepanytsch erregt; der Ausdruck schien ihm sehr gut zu ge- I fallen.
„Jawohl . . . ganz recht; gerade so etwas, wie Sie es zu I nennen beheben."
„Das ist erstaunlich! Was sagen Sie dazu, meine Herren?
Anton Stepanytsch versuchte seinen Zügen einen ironischen I Ausdruck zu geben, es gelang ihm aber nicht — oder, richtiger, es
*) „Rovellen von Turgenew", ausgewählt, übersetzt I und eingeleitet von Arthur Luther, hat das Bibliographische Zn° I stitut in Leipzig Herausgegeben. Wir entnehmen dem Bande du? höchst charakteristische Geschichte „Der Hund", die zahlreiche Vor- I züge der Turgenewschen Erzählungskunst aufweist. Wie der rus- I fische Dichter die Menschen und die Dinge in der Tiefe erfaßt, j so &aß seine dennoch flott hingeworfenen Skizzen und Schckde- | ningen einen eigentümlichen Stimmungswert besitzen, das zeigt I sich hier und in den übrigen Rovellen des Buches, von denen ! einige auch in Deutschland spielen. .
i) Der russische St. Staunistausorden, dessen zweite Klasse am I Halse getragen wurde.
| 8) Die Aufhebung bei' Leibeigenschaft (1861).
Man muß wissen: Essen „an berOtuK" Negt eigentlich gar i nicht an diesem Strome. Richt so wie Magdeburg oder Dresden an j der Elbe, Köln oder Mainz am Rheine sich erstrecken. Es hat sogar I jahrelang, als es den Ruhrstrom schon im Rainen .führte mit seinen Gemeindegrenzen nicht einmal seinen Saum beruhrt. Heute I ist das ja anders. Aber doch nur als eine ^erwaltuiigsform Die Ruhr ist Essens Grenze, aber sie beyerrscht nicht Elsens Stadtbild Wohl aber gehören die Ruhrberge und die Ruhr ! Waldungen und all diese Mittelgebirgsschönheit, die sich da aus- brettet, zum Stadtganzen, zum Bilde jener
die sich anschickte, die Forderungen der neuzeulichen Stadteba erfüllen eine Stadt aus Siedlungen un d W r u n i
J »Tn »’n Enllen Die Ruhr, Westfalens Hauptstrom ist
MK.MLMZ8
Wohnstadt dieser Millionengemeinde liHi.und freundlich gestalt«u
MoßenGeste als Ne ^tarößte egÄtobigteite«
®Mil\ MWWWMZ MMUMMZZ
mingm und Pmnklandhäuser, so warm und trau ich wie es die Gestalter großstädtischer Wohnanlagen in Berlin z. B. niemals SS braX ilnb Z diesen Stadtteilen Essens aus wandert es heb in Wäldern und in Tälern stundenweit, unberbaubar, un- yrf&ar, - bmn bie Stadt und Krupp sind die H a u p t h e r r e n
6 :u"pp? das ^deutet eine Zweiheit für Essem ^bietende Großindustrie und umfassende Fürsorge. Ganze Äad.teile kleiner und kleinster Arbeiterbillen und geschmackvoller Wohnstraße, die auch nicht eine Ahnung der Mietskaserne austammen lassen! Da ist der Alfredshos. Da ist vor allem die Gartenstadt Mar = garetenhöhe. Hier schuf (auf einer Stiftung erwachsen) ein einzelner Baumeister, Metzendorf, eine ganze große Mohnstadt in einem Guß. Für zwanzigtausend Menschen ist sie geplant. Lausende wohnen schon dort. Eine hohe Steinbrucke uberspannt ein Tal — und dann ist man im Märchen. Kleine Giebelhäuser, bescheidene Einzelvillen. Ein Marktplatz mit Kaufhäusern und Arkaden. Erst seit etwa 1910 geschaffen und doch schon so vertraut, wie sich uns z. B. ein Rothenburg oder ein Rordlmgen erschließt. Aehnlich und doch wieder anders Krupps Altenhof. — Das kostenlose Heim vieler tausend ergrauter Arbeiter des Merks, die hier ihre Kleinbilla und ihren Garten, ein leder für sich hüben. Daneben ausgereiht, wie die Flügel eines Prunkschlosses mit Weitblick über Park und Wald, Kruppsche Erholungshäuser und Krankenanstalten. , „ „
Krupp überall. Ern Kruppsches Hotel, Kruppsche Warenhäuser für jeden Bedarf, Kruppsche Mühlen, Bäckereien, Fleischereien, Kruppsche Berussseuerwehr, die heute noch große Teile der Stadt betreut. Hnd die Hauptsache natürlich das Kruppsche Werk selbst. Sie gibt trotz der Entwaffnunng Blut und Rahrung dieser Gemeinde, sie, die „Gußstahlfabrik". Aber häßlich, Rauch, Schmutz? Richt anders als die Aneinanderreihung anderer deutscher Großindustrie auch.
Kohlenzechen sind im Stadtgebiete nur vereinzelt. Die Kruppsche mitten im Werke (Sälzer und Reuack), die große An-


