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leien Rangstreitigkeiten. Die Vorteile, um die Ihr Euch zanket, sind 'sämtlich viel geringer, als der, den Ihr alle von der Ewigkeit haben würdet." And ebenso zeitgemäß ist seine Klage Last den Deutschen nur der Führer fehle, um sie zur Macht und Gröhe zu bringen, um ihre Tapferkeit, ihren blühenden -Tatendurst, ihre hohen Fähigkeiten zu entbinden. Die Freude an dem Charakter der Deutschen, die Liebe zu den Sitten und der Verfassung,der Vorzeit bricht bei Hutten immer wieder durch, er hat sein Volk m dem reinen Spiegel der Vergangenheit- schauen lassen, damit es neue Zuversicht und Stärke gewinne. Am schönsten in seinem letzten Werk, dem Dialog Armknius, der zum erstenmal Heinnann den Cherusker als getreuen Gkhart der Deutschen heraufbeschwort und so die lange Reihe der Hermann-Dichtungen bis zu Hemrlch von Kleist eröffnet. Sein Arminius erhebt vor dem Totenrichter Minos den Anspruch, der erste Feldherr der Welt zu sein, und er wird als Befreier seines Volkes von der Unterdrückung durch die Wel
Verehrung des deutschen Wesens erwächst Hutten die Hoffnung, da st seine Nation sich wieder auf ihre Große beginnen werde. Jauchze, o jauchze, mein Deutschland, wofern du dich selbst erkennst" ruft er aus, und er glaubt den Augenblick des Erwachens, der Selbsterkenntnis herangekvmmM. Er hoffte auf Die Erneuerung des deutschen Kaisertums. Der Kaiser sollte em stehendes Heer schaffen, aus Bittern und Laichsknechten zum K^ws gegen Türken und Franzosen. Wie ein Mann ^Me das Volk aufstehen für Freiheit und Gerechtigkeit und dre alte Sitte. Dieses hvffnungsfrohe Frühlingswehen, dieser Geist erner neuen Zeit d in den Tagen der Reformation Deutschland erfüllte, hat tu, Hut tens Schriften den herrlichsten Ausdruck gefunden. Er ist elii ^Mbel- ruf, der noch heute nicht verhallt ist: »die Geister erwachen! Es ist "^Huttens Einstellung ist nicht in erster Linie religiös, tote fnft allen Mitkämpfern Luthers, sondern politisch^ sein Streben war national und deutsch im besten Sinne. Er ist mit seinen Unternehmungen gescheitert," sagte fern Mograph D. F. St.auß, »aber nicht, weil diese in sich unrecht °der verkehrt waren son dern nur weil er sogleich und sofort durchfuhren wollte was nur eins nach dem andern und in langen Fristendurchzu^uhrenwan Luther und der gesamte Protestantismus beschrankte ach auf das religiöse Gebiet, sah von dem Politischen ab Uud nahm auch von deii Errungenschaften des Humanismus nur so viel auf, als chr seine Zwecke unentbehrlich war: der Protestantismus kxit^in seinen Kampf mit der katholischen Reaktlon, die Einheit und Macht der Deutschen Reiches vollends gebrochen, und Sitte und Bildung des deutschen Volkes in enge Bande geschnürt, w-rauhe Gewänder ge- kldiöet. Dafür aber hat er innerhalb seines Gebietes seinen ,Zweck erreicht, die Befreiung der gereinigten Kirche von Mn'i, die Erziehung des deutscheii Volkes, soweit es ihm sich nicht verschlotz, zu selbständigem religiösem Leben durchgeseht. -Und als die Zeit erfüllt war, wurde jene starre Rinde gesprengt, aus der konfes- sionell-protestantischen ging mit unserer klassischen deutschen Literatur die freie humane Bildung hervor. Und abermals wie d e Zeit erfüllt war, ist ans dieser humanen Durchbildung des deutschen Volkes die politische Einheit und Macht, das neue Deutsche Reich hervorgegangen. Jetzt sehen wir: Hutten hatte doch recht gehabt, daß er eins nicht ohne das andere haben wollte, in der Tat gehören auch beide: die im Protestantismus wurzelnde humane Bildung und die politische Einheit und Macht der so gebildeten Ration wirklich zusammen, und Huttens Irrtum ist nur der aller prophetischen Raturen gewesen, zugleich und m et nein ats glänzendes Ideal zu schauen und zu begehren, was die Menschheit nur Schritt um Schritt und Stück für Stück m jahrhundelangem Ringen erreichen kann." _ , „
Aber als ein Dorahner und Vorläufer wies er kommenden Geschlechtern und Jahrhunderten den Weg, und die späteren haben sich seiner erinnert, als 1848 das Volk um seine Freiheit kämpfte Ünd 1870/71 die von ihm so heiß ersehnte deutsche Einheit und das deutsche Kaiserreich neu geschaffen wurde. Strauß hat damals Hutten, den »christlichen Ritter", unter die Geistesführer der Ration eingereiht, und so schreitet er uns in seiner leuchtenden Rüstung noch heute vorauf, gelassen und kühn zwischen Teufels- und Todesgefahren, ein Volksmann und Patriot, ein Kämpfer für deutsche Freiheit und deutsches Recht.
Was not tut.
Der »Rheinische Beobachter", der schon lange rühmlichst bekannte wackere Kämpfer für Deutschlands Recht am Rhein, zieht zur rechten Zeit Worte eines Joseph G ö r - res wieder ans Licht, Worte des Mannes, der in sernent »Rheinischen Merkur" während derBefreiungskriege mit durchaus selbständigem Geist die Interessen des deutschen Volkes am Rhein so krastvoll und ernst vertrat, daß Rapoleon seins Zeitschrift mit dem Ehrentitel einer sechsten Großmacht belegte. Wollen wir deutsch verfahren, dann wenden wir vorerst unsere Kratt auf uns selbst zurück; wir lassen die Idee, die in uns T ; . ^getreten, mehr und mehr durchleuchten unser Inneres und ir ourchwärmen, wir reichen einer dem andern die Leuchte hin, daß auch er fein Licht daran entzünde; wir legen selber Hand an uns, wie der Künstler sie an Stein und Erz legt: und wenn wir es dann zu einer rechten Gestalt gebracht und uns in einem Willen
aneinander schließen, dann ist unser Volk eine leuchtende Ehrensäule, wie noch, keine in der Geschichte gestanden hak.
Voneinander sind wir getrennt wie eines Baumes Zweige, von anderen Völkern aber tote verschiedene Bäume eines Waldes. Untereinander sollen wir die e n g st e G e m e i n s ch a s t haben den Fremden uns in keiner Weise aufpfropsen. Singe jeder seinen Ton, tote er eint haften feinn unb ntdA, ober t>or ullem irtun eine monie zugrunde liegen. — .
Was jeder dem Ganzen zum Opfer bringt, ist dreifach tn dem Ganzen wieder gewonnen; auf diesem Grundsatz ist der Staat erbaut, darauf muß auch das Reich gegründet frin. —
So lange wird Deutschland in Schande und Erniedrigung leben, preisgegebenen eigenem Hader und frechem Uebermut, bis jein Volk sich, wieder der Idee zuwendet, von der es sich, der Eigensucht nag)» tagend, lossagte, und bis es durch wahrhaftige Gottesfurcht, gründlich treuen Sinn, festes Zusammenhalten tn gleicher Begeisterung und bescheidener Selbstverleugnung, wieder tauglich geworden ist, solche Werke auszuführen, wie es sie jetzt in seiner Versunkenheit aufgegeben.
Die Mutter.
Ein Erlebnis von Christoph ®ieprecht.
Das war vor einem Dezenium noch gute braune Schotte voll Kraft und erdhafter Schönheit. Kornblumen, Raden und Mohne blickten aus wogendem Getreide. Kartoffeläcker erzählten und sangen vom Urwuchs, von dem, was Menschen an Erde und Manschen an Menschen bindet. Es ist vorbei.
Heute überschreite ich das Gelände, grübelnd in den Tiefen des Geschehens, dasl von Tal zu Berg und weiter von Berg, zu Berg schleudert. Man geht oft an sich entwickelnden Dingen gleichgültig vorüber, ohne sich der ganzen Tragweite der Entwicklung bewußt zu werden. Ja, man jubelt oft einer Umwälzung zu, um erst später zu erkennen, um welchen Preis sie vor sich ging. So auch hier. m
Es ist ein schwüler Juliabend. Das Gelände, von dem ich sprecke, ist die große breite Essener Kruppstraße, die sich vorn Bismarckplatz bis zur Mülheimer Grenze zieht. Sine Doppelreihe junger Bäumchen erstreckt sich zwischen zwei Fahrdämmen, gerade an der Stelle, wo uns der Krieg die neuen Werkhallen schuf. Dichter Qalm quillt aus den neuen hohen Kummen. Ich schreite an der ungeheueren Front des Baues vorüber, der trt der Zeit heiliger Rot Geschosse um Geschosse spie — Tag und Aacbt — Rächt und Tag. Heute dient er der Slrbeit des Friedens Aber damals — da rauschten und brausten die Transmissionen und Räder, surrten die Spindeln und Zahngetriebe der Bänke — niegeschaute Dynamik einer stürzenden Welt. Und m den Hallen, standen sie wie überall — in blauen Blusen und Hosen — die deutschen Frauen und Mädchen, die das Schicksal herausrch aus Heim und Familie und hineinstieß in die eiferne Welt. Roch habe ich ihr Bild vor Augen wie ein Kolossalgemälde voll tragischen Heldentums. Roch sehe ich die glitzernden Spanchen in den blonden Locken, die zerrissenen Händchen, von der Arbeit geschwärzt, und noch fühle ich den Schlag der heißen, zerrissenen Herzen/ die nach Friede lechzten, — und Mutterschaft .....
»Leben Sie auch noch," klingt es dicht vor mir auf dem Prv- menadenteeg. Erstaunt schaue ich auf. Eine junge Frau, an der Hand ein kleines, blasses Mädchen, und eines in einem wackligen Wägelchen reicht mir die Hand. . . Traurig blickt sie mich an. Die ganze Welt liegt in diesem Blick. Es ist dasselbe blaue Auge noch wie damals, als sie neben mir an der Werkbank stand und Granaten drehte. , r
„Ob ich noch lebe? — Mehr denn je zuvor: früher haben wir nur geträumt,“ gebe ich zurück, »heute erleben wir das Leben."
Auch ich weiß heute, was Leben ist. Wann nimmt dieses Elend ein Ende? Da, sehen Sie die Kinder an. Seit Wochen bekommen Sie schon keine Milch mehr. Sie siechen dahin — fterben mir vor den Augen. Sagen Sie, gibt es wohl noch einen Gott. Gibt es einen Gott, der so etwas zulassen kann? Reun Jahre schon trägt man das Entsetzlichste, neun Jahre hat man gehofft und gebetet um Frieden, nur um Frieden, und heute, da man uns bestialisch erwürgt, möchte man alles verfluchen, was sich noch Gott und Menschen nennt!“ ,
Tränen quellen aus den blauen Augen, aus diesen feelen» vollen Augen, die mich so oft zu dichterischem Schaffen begeisterten. Aus ihnen las ich ja damals mein Gedicht „Kriegsarbeiterin. Jetzt schwingen in mir bie Verse von damals wieder:
„Dann ruft die Maschine in wildem Gebraus: Laß nur dein Träumen und Sehnen — An meinem Herzen hier weine dich aus 3m Takte mit meinem Stöhnen ..."
Arme junge Mutter, du verkörperst mir die,, zerbrechende Seete der deutschen Frau! Damals brachte die Arbeit der Rot dir Hoffnung — du harrtest aus — und heute schaust du in die verlöschenden Augen derer, die du unter dem Herzen trugst. Mutterschaft! Deutsche Frau, deine Mutterschaft ist zu einer Hölle unsäglicher Qual geworden! Und doch sollst du die Retterin ,etn. Du- bist das grüne Band, das un- mit der großen Mutter Erve verbindet, aus der unsere Zukunft wächst. Du mußt leidend hoffen, bis endlich der Mensch geboren wirb und du — wirst ihn gebären . . .


