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herischen Mlle und Pracht feiner Kontrapunktik überschüttet und so in ihnea die Hohe seines kompositorische« Schaffens überhaupt erreicht. Nirgends läßt sich die geradezu dämonische Gewalt Ser die Melodik. Tonalität. Rhythmus und Metru n zersetzend.n und auflösenden Mächte besser nachweisen als bei dm Hiller- Variationen. Hier geht es nicht um Um- und Neubildungen des Themas, sondern um Auslösungen. Maskierungen LI 3 zur völ.i en Unkenntlichkeit des ursprünglichen Themencharakters. Welch rin Unterschied überhaupt zwischen Brahms und Reger! Wohl hat Reger starke Berührungspunkte mit dem Wiener Meister, z.B. in den beiben Klarinettensonaten mit den langsamen Sätzm, die von wunderbarer Tiefe erfüllt sind, oder in den Frühwerten der Wiesbadener und Münchener Zeit im Stil der. Brahmsschen Intermezzi. So übertönt Reger in den Hilleroariativnen schon mit den ersten Variationen die holde Beschaulichkür, sagm wir einmal Zopfigkeit des Themas, durch das laute Pathos seiner unendlichen, uferlosen Kombinatorik. Brahms' Kunst hat im letzten Grunde apollinischen Charakter, der sich in der Zeit der Reise p'/hr und mehr abklärt. Regers Schaffen ist durchaus dionysisa-, charakterisiert und bestimmt durch die Form- u rd Maßlosigkeit des Barock. Die bis zu den letzten Konsequen en gesteigerten auslösenden Kräfte der Modulation und Ehroma ik, die nicht wie bei Bach und etwa auch bei Liszt durch innere formelle Geschlossenheit in Schranken gehalten werden, di: eigen­tümliche Melvdiebehandlung Regers, die nach dir Seite des 3n= strumentalrezitativs hinüberbiegt, jener stark von der Orgel bcein- sluhte, dicke, undurchsichtige Klavier- und Orchestersatz, der sich erst allmählich unter der Einwirkung der Meininger Zeit aus­klärt, und jener weltschmerzliche, pathologisch und von mo­derner Unrast durchsetzte Stimmungskvmpiex werden zu ein m abgerundeten Bild der Schafsensweisr des M isters durch s ine Neigung zum Klassizismus ergänzt, d:r allerdings nur die vom modernsten musikalischen Barock erfüllt: alte Form repräie Ui rt. Hier liegen auch die Keime eines frühen Todes für so manches an sich hochbedeutende Werk Dege sr viele aber werden leben und die Zeiten überdauern; von den Liedern, die in dec Mehrzahl ob der literarischen Unkultur des Komponisten bereits ein er­ledigtes Kapitel bilden, wohl nur wenige Perlen, desto zahl­reicher die Orgelkompositionen, die Variationen, die Haupt äch- lichsten Orchesterwerke, der 102. P alm und vor all an die wunder­baren Blüten seiner Kammermuckk (etwa das soätr A=2113(1» Klavierquartett, das Streichquartett op. 121, die Sona'en, P ä- Ludien, Fugen für Violine Solo, die Sonatinen für Klavier). Das erschütterndste Erzeugnis aber der von mir hochverehrten Ku ist Regers ist für mich derSymphonische Prolog zu einer Tra­gödie", jenes faustische, durch L.ere u ad Lud. täntalisches Ding'n und ohnmächtiges Ermatten tieferar.nfend: Selbstbekenntnis des Meisters, jene Vorstufe zur tragischen Sinfonie, Und anders ist ihm das Leben wohl auch nicht erschienen.

Lappen-Wanderung.

Don Carl Schöjen.

Der norwegische Dichter und Forscher Carl Schöjen hat unter den Lappen wie einer der Ihren gelebt, teilgenvm- men an den Pendelzügen ihrer Sommer- und Winter­wanderungen, sich ihre uralten Sagen und Wundergeschich- ten zu eigen gemacht und ist tief eincedrungen in den ur­zeitlichen Zauber dieser primiti en Kultur. In e nem von 3. Sandmeier meisterhaft übertragenen BuchSkouluk- Andares", Berichte aus Lappcand, das eine neue, die Kultur der Völker des hohen Nordens behandelnde Samm­lungArktis" des Verlages Eugen Diederichs in Jena eröffnet, erschließt uns Schöjen diele unbe annte Welt. Die Lappen sind noch Nomaden, die nach alter Gewohnheit den Winter in schwedischen und den Sommer in norwegischen Gebieten verbringen und wie die Zugvögel alljährlich ihre Wanderung antreten. Davon erzählt die folgende Schil­derung. Die Dchriftleitung.

Im Monat März, der Njuktia, Schwanenmond genannt, denn da kommt dieser Vogel zurück, befinden sich die Herden in rascher Wanderung über die weiten Lappmarken. Der Harscht bedeckt die ganzen Niederungen, und deshalb ziehen die Renntiere vom Wald­land hinauf in die Berge.

Nicht alle Lappen wandern so weit gegen Westen wie bis zum Meere, aber trotzdem ist es wie der Ausbruch eines ganzen Stam­mes, wenn das Samevolk die Winterwohnplätze verläßt und sich

ihrer Arbeit beschäftigt um die Feuerstätte sahen. Die Flamme brannte immer hoch in dieser- Zeit, Und warnten die Hunde, daß ein Fremder sich näherte, hatte der Fremde auf der Wanderung in der kal en Winterluft schon von wri.em den guten Rauch des Feuers erkannt, ehe er es endlich erreichte.

Nun sah er auch den Feuerschein über der Rauchöffirung und Schatten, die sich hinterm Zelttuch bewegten, Urck> bald ward er mit Freundlichkeit begrübt und ihm ein Platz angeboten zwischen den Bewohnern der Kale <Heim).

War es aber um die Nachtzeit, Latz die Hunde anschlugen, La galt dies sicher Mutieren, die um das Lager schlichen.

And der Hausvater- war schnell bei der Türöffnung und horchte auf alle Laute in der Schneelandschast. Irgendwo fiel Das Nordlicht grün und spukhaft durch die Wolken. And wo der Himmel klar war, sah er Lapplands Sterne je nach ihren Namen. Und die Milchstrabe heitzt in seiner Sprache Dogelsteig, und das Siebengestirn Kälberschar. War es hohe Nacht, sah ec auch Davna, and dieser Stern ist der Mitternachtsstern, an dem sein Volk seit uralter Zeit die Stunde abgelesen hat.

Dies alles gehört in den Hochwinter.

Wenn der Lappe nun aufbricht zur Wanderung, geschieht dies um der Tiere und Menschen willen zur Nacht, wenn der Harscht am besten trägt. Im übrigen ist der Tag nun so verändert, das) die Sterne spät kommen und früh verschwinden, und schlietzlich werden um ein kurzes die Nächte ganz hell fein.

Die Wanderung ist das Leben des Lappen, und wie jeder Weitz, muh er dort sein, wo das Renntier seine Nahrung findet.

Aber für die Wächter, die mit ihren Hunden allezeit den Her- sden folgen müssen, ist es oft hart genug, wenn die Tiere da und dort hinlaufen, um nach Flechten zu suchen. Erst hoch oben in den Bergen, wo das Wetter den Schnee wrggefressen und der Sturm die Flächen reingefegt hat, verhal.en sie sich mitunter ruhig weidend, so daß auch Biese Leute ein wenig zur Ruhe kommen. Nirgends findet man hier Schutz vor dem Schueesturm, und die Wächter, sowohl Männer wie Flauen, spannen deshalb ein Zelt­tuch aus. da? f.e immer misch süh en m che i Feuer mitWacholder und Heidekraut,'-um ihr Essen zu wärmen, unv legen sich endlich im Schnee zur Ruhe. Die Nach! ist nur ein Dämmern. Unb leuchtet es irgendwo in den Bergsesten wie ein Funken oder eine Glut auf, so wissen sie, dah dort Wächter aus einer anderen Gegend ihre» Rastplatz gefunden haben.

Wessen Wächter können das fein? denken sie. And wie sind Heuer wohl die Flechtenweiden in diesen Bergen?

Dann kommt der Schlaf, Und erst am Tage, wenn man wieder meilenweit über das weihe Land hinausblicken tonn, sehen sie, wo die Herden im Norden und Süden ihre schwarzen Bänder über den Schnee ziehen.

Zehntausende und aber Zehntausende sind auf der Wanderung durch alle Lappmarken. Wo Futter zu finden ist, weiden sie und ziehen dann weiter, immer gen Westen.

Diele Renntiere verlieren während der Wanderung zeitig ihr Geweih in dem festgestampften Schnee. Aber noch ist nicht die Zeit gekommen, da die Rennkühe an jene Plätze hasten, wo sie ihre Kälber zu werfen pflegen.

Abgesehen von jenen Lappen, die die Wächter der Herde je­weils ablösen, hat das Kaatevolk mit den Weiderenen wenig Be­schwerden, ab«! sie haben noch die Zugtiere zu versorgen und zu leiten, die langen Reihen von Remitieren und Pulkschlitten zu den neuen Lagerplätzen zu bringen. -Und wenn sie im grauen Dämmern der Nacht aus der Wanderung sind, scharrt das Fahrzeug über den Harscht, und zwischen dem Ruf des Fahrers hört man bann und wann Hundegebell und das Weinen einer Kinderstimme. Glei­ten sie aber lautlos über Neuschnee, hört man das rasche Knacken in den Beinsehnen der Renntiere.

Diese Karawanen folgen den Herden nicht zu den Dsrgweiden, sondern halten sich nur in deren Nähe auf, so datz, wenn sich etwas ereignet, ein Bote sie erreichen kann, und errichten ihre Zelte im Windschatten, am liebsten an Stellen, wo sie auch ein wenig Brenn­holz und Reisig findeit. Im Feuer ist Gesellschaft, das Feuer ist des Lagervolkes bester Freund. Aber der Lappe kann es auch lange entbehren. Seine Kleidung aus doppeltem Fell hilft ihm dabei, und geht er allein in die Beige, und der Schrecken kommt über ihn, oder droht Sturmwetter, so spannt er seine Stier ab und ver­birgt sich in einem Loch tief im Schnee. In diesem Loch kann er sich stundenlang ruhig halten, ja sogar schlafen. Und erst wenn der Schrecken sich verflüchtigt hat oder der Schneesturm vorbei ist,

«aus die Wanderung nach seinen Bergen begibt. Und nun sind sie vorbei, die Sage, da di« Frauen der Nachbarn sich oft in der Hütte versammelten und nach Lappenneuigkeiten fragten und sich die Sagen aus alter Zeit erzählten, während sie vor dem Feuer laßet} Knd ihren Sens-Faden spannen, oder da der Hausvater leine Schneeschuhe nahm und sein Renntier davor spannen konnte und so eine Skisahrt machte, um nach den Wächtern der Herden zu lehen. Während der Winter am strengsten war und die Sterne nur für kurze Zeit erbleichten unb dann bald wieder am Himmel glänzten unb lange leuchteten, spielten die Kinder verzagt in dem hohen Schnee nahe beim Lager, und kröchet, bald wieder in die Hütten «nd suchten sich ihre Plätze zwischen den Erwachsenen, die mit

kriecht er wieder heraus und fährt weiter.

Während der Wanderung der Sida ist es auch keine Selten­heit. Latz ein Lappenweib fein Kind im Schnee gebiert.

Das Kind wird dann nach dem Brauch der Vorzeit in geschmei­diges Rennkalbsell eingeschlagen oder in das weihe Fell des Polar­fuchses, und sodann wird seine kleine Wiege gut zugedeckt auf ihren Platz im Schlitten gelegt.

Die Reise führt wieder weiter. Und bald hört man eine neue Stimme im Zuge der Renntiere.

Und weiter geschieht es auch manchmal, datz der Tod untes der Wanderung einen der Aeltesten des Stammes einhvlt.