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Schristleitung: Dr. Friedr. Wilh. Lange.

Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch, und Steindruckerei, R. Lange. Dießen.

,, blieb Sanier Lagerlöf dicht vor Li/a Maja stehen.Wenn ich es doch glauben dürfte!" sagte er. Und noch einmal wanderte I er burdjs gcmae Zimmer. Dann trat er wieder zu ihr.Dann warst du ja das Mädchen, das mein lieber Vater mir bestimmt hat," sagte er.

aber was Mamsell Lisa Maja darauf erwiderte, das hat die alte Haushälterin nie erfahren, denn sie begriff, daß es nun an der Zeit für sie sei, sich zu entfernen.

Jedenfalls faß das Brautpaar noch stundenlang beisammen ^ud sprach miteinander, und am nächsten Tag war die Versöhnung geschlossen und kurz darauf wurde Hochzeit gefeiert.

, _ hat der alten Haushälterin erzählt,

daß nichts an Wege gestanden habe, als seine Schwermut und seine Drillen. Einmal hatte er gedacht, er wolle seiner ersten Braut Mn tim# tun; dann wieder hatte er an seinen Bruder Elof ge» ^ich., und daß er doch selber nicht glücklich werden dürfe, weil der ^ine Veranlassung so unglücklich geworden war.

Uber durch Lisa Majas Traum hatte er nun etwas Festes und Sicheres erhalten, nach dem er sich richten konnte, uiid nun fand er auch den Mut, das zu tun, was sein größter Wunsch war.

Mpb von seinem Hochzeitstag an wurde er ein ganz andrer Mensch. 3n den ersten Hahren bekam zwar die Schwermut noch v*-1* nnd irgwer Macht über ihn; aber später wurde er ruhig uno gleichmäßig in seiner Stimmung. Sein Bruder ertrank ein Hahr nachdem die Hochzeit auf Marbacka stattgefunden hatte, und .danach brach wieder eine lange schwere Zeit über ihn herein; aber auch diese ging vorüber.

Er und meine alte Herrin waren dann sechsundvierzig Hahr« lang verheiratet, und während der letzten dreißig Hahre war alles überwunden; es gab keine glücklicheren Menschen auf der ganzen 4vßlt.

Die Kinder aber lagen in ihren Beitchen und lauschten und staunten, und zugleich wurden sie von Herzen froh; denn ihr Groh.! Ppter war bis jetzt nur ein lebloses Bild für sie gewesen, jetzt aber e't" M einem Menschen von Fleisch und Blut geworden.

Zum Schlüsse glaubte außer Lisa Maja kein Mensch mehr, daß es noch zu einer Hochzeit käme. Das schlimmste dabei war für Lisa Maja, daß nun die jungen Herren von Sunne und Amtervik wieder auf Freiersfüßen nach Marbacka kamen. Lisa Maja gab ihnen zwar zu verstehen, wie vergeblich ihre Bemühungen waren, aber einige von diesen Freiern waren überaus hartnäckig. Sie kamen nach wie vor, und als Lisa Maja ihnen die Besuche auf Marbacka untersagte, legten sie sich am Waldrand auf die Lauer imd paßten ihr auf, wenn sie des Wegs daherkam.

Alles Schlechte, was sie von Daniel Lagerlöf wußten, kramten sie vor ihr aus. Einmal bekam sie zu hören, er sei der Genosse aller der nichtsnutzigen und dem Trünke ergebenen Kavaliere, die in der Gegend umherfuhren, die Höfe aussogen und der Schrecken aller ordentlichen Menschen waren; dann wieder behaupteten sie, er laufe im Walde umher wie ein wildes Tier.

Einige ärgerten Lisa Maja auch mit der Nachricht, Daniel Lagerlöf sei jetzt Negimentsschreiber geworden und könne nun wohl heiraten, wenn er der Sache nicht überdrüssig geworden wäre; und andre erschreckten sie mit der Behauptung, er laufe der Tochter des Finnen Erik nach, der der Neichste im Lande sein sollte.

Mer nichts von alledem berührte Mamsell Lisa Maja auch "ur im geringsten. Sie blieb gleich vergnügt und vertraute fest auf ihren Traum; o ja, es kam sicher so, wie ihr da offenbart worden war.

Eines Tages jedoch drang ein Gerücht zu ihr, wonach ihr Verlobter gesagt haben sollte, wenn er nur seine Verlobung los wäre, so ginge er ins Ausland und lernte ordentlich Geige spielen

Das ergriff sie, wie noch nichts sie ergriffen hatte, unS sie ging hinaus, um mit dem langen Bengt zu sprechen.

»Hör einmal, Bengt!" sagte sie.Du mußt die Kutsche an- spannen und gleich nach Khmsberg hinauffahren, um den Regi» mentsschrerber zu holen, denn jetzt will ich mit ihm reden."

, -^a- ich will's wohl versuchen," erwiderte der lange Bengt; aver was soll ich tun, wenn er nicht gutwillig mitkommt?" i - »®a0 tput, du dürftest nicht allein zurückkommen," sagte sie; i unb bann fuhr der lange Bengt nach Khmsberg. i

Sanze Tagreife hinauf nach Khmsberg, und der E folgenden Abend wieder. Aber 1X1 6en RegimMtsschreiber bei sich im Wagen.

Mamsell Lisa Bkaja empfing ihn freundlich wie immer. Sie

Sie wurde noch röter, und bann berichtete sie ihm mit wenigen Worten, wie sie in der Neujahrsnacht den TraumpfannkuHen ge­backen imd ihn mit seinem Vater im Traume gesehen und was sein Vater zu ihr gesagt habe.

Er legte Messer und Gabel nieder und sah sie mit großen Augen an. <

»Das hast du dir hinterher ausgedacht," sagte er.

»Du kannst Maja Perstochter fragen, ob ich nicht schon, eh« du aus dem Schlitten stiegst, gewußt habe, wer du bist, ja, gleich bet jenem ersten Male, wo du hierherkamst, um Heu zu kaufen," versetzte Mamsell Lisa Maja und wendete sich, an die Haus- reicht?"' um den Tisch herumging und die Schüsseln

»Ja, aber warum hast du früher nie davon gesprochen?" fragte er.

Wirklich brachte er auch eine Begegnung zwischen seinem Bru­der und Lisa Maja zustande; aber damit richtete er das größte.

-Unheil an. Der Pfarrer verliebte sich so heftig in Mamsell Lisa Maja, daß er sein Leben lang an keine andre mehr denken konnte, sie aber liebte den Verwalter von Khmsberg und wollte den an- dern durchaus nicht haben.

Pastor Lagerlöf brachte es jedenfalls nicht bis zu einer Ver­lobung. Er erhielt den Befehl vom Bischof, eine Person zu hei­raten, die er jahrelang im Hause gehabt und der er die Ehe ver­sprochen hatte. Frau Aaklitz hatte dabei ihre Hand im Spiele, und es entstand nichts als großes Unglück aus der ganzen Sache, benn als Pastor Elof Mamsell Lisa Maja nicht bekam, ergab er sich dem Trunk und war bald ebenso heruntergekommen, wie er zuvor prächtig und ausgezeichnet gewesen war.

Danach aber .hatte Daniel Lagerlöf niemand mehr, den er hätte an seine Stelle setzen können, und wenn er der Pfarrtvchter ituf Marbacka helfen wollte, so mußte er es schon selber tun. Und da meinte er wohl, es habe mehr Sinn, einer Lebenden beizu- stehen, als eine Tote zu betrauern, und so faßte er Mut und warb um Lisa Maja.

Diese war überglücklich und glaubte, nun sei aller Kummer zu Ende; aber gar bald merkte sie, daß ihr Verlobter sehr eigen­tümlich und verschlossen war. Er kam nur selten auf Besuch, und wenn er kam, konnte er stundenlang still dasitzen und sie immer nur ansehen. Oder er legte die Geige ans Kinn und spielte un= |Weil kein andres Band zwischen uns fein sollte als dein unterbrochen, von dem Augenblick an, wo er kam, bis er wieder I eigner Wunsch, das kannst du dir wohl denken," antwortete sie. sortging I ^un saß er wieder ganz still da, aber er schien von dem,

Schlreßlich kam er nur noch ganz selten nach Marbacka, es | was er gehört hatte, tief ergriffen.

konnte ein ganzes Hahr vergehen, ohne daß er seine Braut sah. IKannst du mir sagen, wie der Mann aussah der sagte er

Wenn sie ihn gelegentlich einmal fragte, wann die Hochzeit I sei der Propst von Lagerlöf in Arvika?" fragte er nach einer sein solle, kam er immer mit neuen Ausflüchten. Zuerst sagte er, I kleinen Weile.

sie müßten warten, bis er so viel verdient habe, daß er Marbackq |Jawohl," antwortete sie und fing gleich an den Propst zu erwerben und die Miterben ausbezahlen könne. Ein andermal I beschreiben. Und sie mutzte ihn wohl auch Zug um Zug getroffen mußte er seine Brüder unterstützen, die in Lund studierten, und ! haben, denn der Sohn wurde so verdutzt daß er vom Tische auf­wieder ein andermal mußte die Hochzeit aufgeschvben werden, weil I stand.

er versuchen wollte, als Negimentsschreiber angestellt zu werden. IMer mein Vater starb ja in dem Hahr, wo du geboren tour- Er schob auf und schob auf. Bald hatte er zuviel zu schreiben | dest," sagte er.Du hast doch wohl von ihm erzählen hören "

bald mußte er zuviel umherreisen. |Ich hatte vorher nie einen Menschen namens Lagerlöf ge­

sehen und habe auch, ehe ich von euch geträumt habe, niemals toeöer von dir noch von deinem Vater reden hören," erwidert« Mamsell Lisa Maja. Frag doch. Maja Perstochter, die hier neben uns stehl ob sie mich nicht oftmals deinen Vater genau so hat be­schreiben hören."

Lisa Ma^lrchftch aber nichts anmerfen. Er war nämlich schon , führte ihn in den Sc-ial und bat ihn, sich zu setzen und sich non der <§etoefe?FH obwohl seine Braut tot war, wollte j langen Neise anszuruhen, auch sagte sie, das Mendeswn toür&e er ihr doch die Treue halten und an keine andere denken. I schnell bereitet werden, denn er müsse sicherlich hungrig fein

Hedenfalls aber kam er diesen Winter noch öfters nach Mar- Der Negimentsschreiber ging im Zimmer aus und ab und fab b?«a, um Heu zu kaufen, unb ha fand er gar bald heraus, wie I finster und ungeduldig aus. Er schien nur auf den Augenblick schwer Lisa Maja es bet ihrer Stiefmutter hatte. Das Mädchen I 3fu warten, wo er wieder seiner Wege gehen könnte. u tat ihm von Herzen leid, und er hätte ihr sehr gern geholfen, aber I Als sie dann beim Abendbrot saßen, das Brautpaar aanr er konnte ja um seiner toten Braut willen durchaus nicht um sie j allein, wendete sich Lisa Maja in dem Augenblick wo gerade

werben. Dafür aber kam er auf den Gedanken, sein Bruder, der I Maja Perstochter mit dem Essen hereinkam, an den' Aegiments-

orobert m den finnischen Wäldern irgendwo Pfarrer war, solle sie j schreiber, gerade als ob sie bis dahin gewartet hätte, und fragte

heiraten. ] ihn, ,ob es wahr sei, daß er seine Verlobung mit ihr lösen wolle.

Ach ja," sagte er und sah ebenso trübsinnig drein wie die ganze Zeit vorher. Das täte er am allerliebsten, und sie müsse das eigentlich auch schon lange gemerkt haben.

Da stieg Lisa Maja das Blut ins Gesicht, und sie sagte, wenn sie ihn bis jetzt nicht darüber gefragt habe, so sei das nur aus dem Grunde geschehen, weil sie es für ganz gewiß ansehe, daß sie füreinander bestimmt seien.

Doch da stieß er ein häßliches Lachen aus und fragte, was sie damit sagen wolle.