Durchaus lebten Versuch der Wiedervergeltung, sondern murmelte ►ur einige Worte, wieer wolle es bei der nächsten passenden Gelegenheit heimzahlen" eine natürliche und leicht verständliche Aeuherung des Zornes, die übrigens nichts zu bedeuten hatte und zweifellos, kaum ausgesprochen, auch schon wieder vergessen war.

Wie immer sich das auch verhalten mag, so hat es doch keinerlei Einfluß auf die nun zu erzählenden Begebenheiten; es steht jeden­falls fest, daß die Leute von Aattleborough hauptsächlich auf das Zureden des Herrn Pennifeather hin endlich zu dem Entschluß ka­men, sich auf der Suche nach dem vermißten Mister Shuttlewvrthy über oie Ämgegend zu zerstreuen. Zunächst kamen sie zu dem Ent- schluh, überhaupt zu suchen; und nachdem dieser Entschluß end­gültig gefaßt war. erschien es als eine Selbstverständlichkeit, daß die Suchenden sich zerstreuen, das heißt, sich In kleine Haufen teilen mußten, um die älmgegend gründlicher absuchen zu können. Run habe ich vergessen zu erzählen, durch welche haarscharfe Logik es demalten Charley" gelang, die Leute davon zu überzeugen, daß dies das denkbar verkehrteste Vorgehen war. Jedenfalls überzeugte er die Leute alle mit Ausnahme des jungen Pennifeather und schließlich wurde die Vereinbarung getroffen, daß die Bürger alle zusammen mit demalten Charley" als Wegweiser eine gründ­liche und genaue Aachsuche aufnehmen sollten.

Run war zu dieser Rolle allerdings keiner berufener als der alte Charley", von hem jedermann wußte, daß er Luchsaugen hatte; doch wenn er auch die Leute in die abgelegensten Winkel fiihrte, auf Wegen, von deren Bestehen in der Rachbarschaft nie­mand etwas geahnt hatte, und wenn auch die Rachsuche unaufhör­lich Tag und Rächt nahezu eine Woche lang betrieben wurde, so konnte doch keine Spur von Mister Shuttlewvrthy entdeckt werden. Wenn ich sage keine Spur, so ist das nicht wörtlich zu nehmen, denn eine Spur war allerdings da. Man hatte dem armen Herrn, nach den Hufen seines Pferdes (die eigenartig waren), bis zu einem Fleck ungefähr drei Meilen östlich vom Markt auf der Haupt­straße nach der Stadt nachgespürt. Hier bog die Fährte in einen Rebenweg durch ein Keines Gehölz ein; dieser Rebenweg mündete später wieder in die Hauptstraße und schnitt ungefähr eine halbe Meile cklmweg ab. Ms man den Hufspuren auf dem Rasenboden folgte, kam man schließlich zu einem Tümpel stehenden Wassers, der unter Brombeeren halb verborgen lag; und gerade vor diesem Tümpel brach die Fährte spurlos ab. Es schien übrigens, als habe irgendein Kampf dort stattgefunden und als sei ein großer schwerer Körper, viel größer und schwerer als der eines Mannes, vom Weg nach dem Tümpel zu gezerrt worden. Dieser letztere wurde zweimal sorgfältig al^efischt, ohne daß etwas gefunden wurde. Die Leute waren im Begriff, wegzugehen und alle Hoffnung auf Erfolg aufzugeben, als die Vorsehung dem Mister Goodfellow den Gedanken eingab, das Wasser ganz abzuleiten. Dieser Vorschlag wurde mit Hurra und vielen Lobsprüchen auf desalten Char­ley" Scharfsinn und Klugheit begrüßt. Da viele der Bürger Spaten mitgebracht hatten, in der Annahme, es könne notwendig werden, einen Leichnam auszugraben, so wurde die Trockenlegung rasch und schnell erreicht; und kaum wurde der Boden sichtbar, als das Eigentum des Mister Pennifeather erkannten. Diese schwarzem Seidensamt entdeckte, die nahe n alle Anwesenden sofort als das Eigentun, des Mister Pennnifealher erkannten. Diese Hacke war arg zerrissen und mit Blut befleckt, und mehrere unter den Anwesenden erinnerten sich genau daran, daß ihr Eigentümer sie noch am selben Morgen getragen hatte, als Mister Shuttle­wvrthy nach der Stadt aufgebrochen war, während andere wieder bereit waren, eidlich zu erhärten, daß Mister Pennifeather das ehe Kleidungsstück im weiteren Verlaus des Mordtages falls getragen hatte; noch auch war irgend jemand aufzufin­den, der sich hätte erinnern können, die Jacke seit Mister Shuttle- worthys Verschwinden überhaupt an Mister Pennifeather bemerkt zu haben.

Run sahen die Dinge für Mister Pennifeather sehr böse aus. Änd als eine unzweifelhafte Bestätigung des Verdachtes gegen ihn entstanden war, beobachteten die Anwesenden, daß er ganz außer­gewöhnlich blaß wurde und auf die Frage, was er zu seiner Ver­teidigung vorzubringen habe, unfähig war, ein Wort zu antworten. Daraufhin verließen ihn die wenigen Freunde, die sein stürmischer Lebenswandel ihm gelassen hatte, und stimmten, lauter noch als seine alten und erklärten Feinde, für unmittelbare Verhaftung. Dagegen zeigte sich wieder, durch den Gegensatz noch verklärt, Mister Gvodfellvws Großmut in hellstem Licht. Er verteidigte Mister Pennifeather mit warmen und beredten Worten, wobei er öfter als einmal darauf hinzielte, daß er dem wilden Hungen dem Erben des ehrenwerten Mister Ehuttleworthy" die Be­schimpfung vergeben habe, die er (der junge Mann), zweifellos in der Hitze der Leidenschaft für recht befunden habe, und was ihn selbst angehe (Mister Goodfellow), so sei er weit entfernt, den Verdacht zu teilen, der sich, leider Gottes, aber unbestreitbar, gegen Mister Pennifeather erhoben habe, er (Mister Goodfellow) wäre entschlossen, alles aufzubielen, alle seine geringe Beredsamkeit anzustrengen, um um um, so weit er es mit seinem Ge­wissen vereinbaren könne, dieser tatsächlich äußerst ungewöhnlichen Sache ihre Schärfe zu nehmen. . ,,

Mister Goodfellow fuhr etwa eine halbe Strrnde lang m dieser Meise fort, wobei weder sein Kops noch sein Herz an Lob zu kurz kamen. Aber warmherzige Leute sind eben selten genau in ihren Beobachtungen, sie lassen sich zu allen möglichen Abschweifungen

und unangebrachten Bemerkungen verleiten, gerade in dem hitzigen Vifer, einem Freund zu dienen, und tun so oft mit der besten Absicht in der Welt einer Sache mehr Schaden als Ruhen.

Sv ging es im vorliegenden Fall mit der Beredsamkeit des alten Charley"; denn wenn er sich auch ernsthaft für den Ver­dächtigen ins Zeug legte, so geschah es doch irgendwie, daß jede Silbe, die er aussprach (soweit sie nicht den Zweck hatte, dein Sprecher in der guten Meinung seiner Zuhörer zu erheben), den Verdacht vertiefte, der sich bereits an die Person des von ihm Ver­teidigten geheftet hatte und die Wut der Menge gegen ihn noch steigerte. Einer der unbegreiflichsten Irrtümer, die dem Redner unterliefen, war seine Anspielung, daß der Verdäch igeder Erbe des ehrenwerten Mister Shuttlewvrthy" sei. Daran hatte das Volk bisher tatsächlich nicht gedacht. Man hatte sich nur erinnert, daß der Onkel ein oder zwei Jahre zuvor verschiedentlich mit der Enterbung gedroht hatte, und daß er außer dem Reffen keine anderen lebenden Verwandten hinterließ; und man hatte daher diese Enterbung immer als beschlossene Sache betrachtet so ein­fältig waren die Rattleborvugher; die Bemerkung desalten CHar­vey" aber brachte mit einem Schlage neues Licht in die Sache und weckte die Erwägung, die genannten Drohungen seien eben nur Drohungen gewesen; und im Anschluß hieran wies die Frage Cui bono unweigerlich auf Mister Pennifeather als Täter. Sein Onkel hatte ihn, nachdem er das Testament zu seinen Gunsten auf­gesetzt hatte, mit Enterbung bedroht, die Drohung war allerdings nicht wahr gemacht worden. Das ursprüngliche Testament war. wie sich ergab, nicht geändert worden. Wäre es geändert worden, so wäre der einzig mögliche Beweggrund für den Verdächtigen der einer sinnlosen Rache gewesen, älnd selbst dieser Beweggrund wäre nicht voll zur Wirkung gekommen, ja die Hoffnung bestand, zu Gnaden wieder ausgenommen zu werden.

Mister Pennifeather wurde also vom Fleck weg verhaftet und die Menge zog mit ihm heim, nachdem man noch ein wenig gesucht hatte. Auf dem Heimweg aber ergab sich ein weiterer Umstand, der den vorhandenen Verdacht bestärkte. Mister Goodfellow, dessen Eifer ihn immer an der Spitze des Trupps hielt, wurde beobachtet, tote er plötzlich einige Schritte vorlief, sich bückte und einen offenbar kleinen Gegenstand vom Grase aufhob. Man sah weiter, tote er nach kurzer Prüfung den halben Versuch machte, ben Gegenstand in seiner Tasche zu verbergen. Diese Bewegung wurde aber, wie ge­sagt, bemerkt und daher verhindert, wobei es sich herausstellte, daß der aufgehobene Gegenstand ein Klappmesser war, das ein Dutzend Leute sofort als Eigentum des Mister Pennifeather erkann­ten. äleberdies waren auch seine Anfangsbuchstaben auf dem Griff eingraviert. Die Klinge war offen und blutig.

Run blieb kein Zweifel mehr an der Schuld des Reffen, und sofort bei der Rückkehr nach Rattleborough wurde er dem Richter zum Verhör vorgeführt.

Hier nahmen die Dinge abermals eine sehr ungünstige Wen­dung. Der Gefangene hatte auf die Frage nach seinem Verbleib an dem Morgen von Mister Dhuttleworthys Verschwinden die Kühnheit, zuzugeben, daß er an eben jenem Morgen mit seiner Büchse sich in der nächsten Rähe des Tümpels, in dem seine blut­befleckte Jacke durch den Scharfsinn des Mister Goodfellow gefun­den worden war, auf der Bockjagd befunden hatte.

(Schluß folgt.)

Dom Umgang mit Tieren.

In ihrem unterhaltsamen neuen BucheVom Umgang mit Tieren" (Verlag E. Haberland, Leipzig) gibt die bekannte Kennerin Gräfin Montgelas eine Fülle anschaulicher Geschich­ten aus ihrer reichen Erfahrung über die Behandlung von Hunden und Pferden. Wir geben hier einige fesselnde Proben:

Auf dem Gute meiner Eltern war, unter anderen Jagdhunden, ein Gordon Setter, namens Black, der auf der Hühnerjagd Her­vorragendes leistete, aber dabei ganz nach seinem Kopse arbeitete. Man kannte die vorzügliche Rase und die hohe Intelligenz dieses Hundes und ließ ihn gewähren. Wenn man z. B. ein Feld rechts von der Straße absuchen wollte und Black auf Pfiff nicht kam, son­dern links von der Straße regierte, konnte man überzeugt fein, daß die Hühner sicher dort lagen. Black beobachtete aus den Schuß, wie viele Hühner fielen und brachte sie alle nacheinander^ ohne daß man ihn auf die einzelnen aufmerksam hätte machen müssen.

2ch erinnere mich, daß wir einmal der Meinung waren, es seien drei Stück gefallen. Rachdern Black diese drei gebracht hatte, ging er aus Befehl nicht mit uns weiter, sondern suchte offenbar Noch nach einem vierten Huhn. Wir waren überzeugt, daß er sich irre und sagten:Komm, Black, es ist feind mehr da'. Black ließ sich aber nicht irremachen und brachte nach einigem Suchen ein viertes, geflügeltes Huhn, das noch gelaufen war. Erst bann re- vierte er weiter. , ,

Black war so selbstänbig und intelligent, daß man ihn frem­den Hagdgästen mitgeben konnte, gewissermaßen zur Führung. Richt der Jagdgast führte den Hund, sondern der Hund den Hagdgast.

Viele Hunde würden ja allein mit einem fremden Jäger gar nicht ins Revier gehen. Black wußte aber, daß dies von seinem Besitzer manchmal gewünscht wurde und kam diesem Wunsche nach, im Bestreben, seinem Herrn zu dienen. Wenn es sich um erfahrene Jäger und gute Schützen handelte, war das Einvernehmen zwischen