nenländischen Verlader durch rasche. zuverlässige und eingehende Auskunftserteilung über die Verlademöglichkeiten über See unterrichten, ohne sich selbst mit Speditionsgeschäften zu beschäftigen Auch die weitverzweigte Organisation der Hapag-Reisebureaus an allen grvheren Plätzen wurde weiter ausgebaut, so daß es dem Fahrgast, der eine Schiffsreise unternehmen will, in den meisten Fällen möglich ist, alle Auskünfte in feinem Heimatort zu erhalten.
Ein gewisses Wiederaufbaustadium ist erreicht. Die wichtigsten Linien, die vor-dem Kriege von Schiffen der Hamburg-Amerika- Linie befahren wurden, sind wieder eingerichtet worden, wenn auch die Zahl der Schiffe, verglichen mit der Vorkriegszeit, gering ist. Leben ist überall zurückgekehrt, in den Kontoren an der Wasserkante und über See. Es wäre vermessen, wollte man deshalb bereits heute von einem Aufblühen der deutschen Schiffahrt reden. Der Verlust der gesamten Aeberseeflotte war zu gewaltig, und die Entschädigung, die das Reich in seiner Finanznvt den Reedern bieten konnte, viel zu gering. Auch ist die Schiffahrt ein zu wichtiges Glied der Wirtschaft grober Rationen, als dab die allgemeine Wirtschaftslage nicht auch aus sie zurückwirkte. Immerhin aber kann das bisher im Wiederaufbau der hamburgischen Seeschiffahrt Erreichte, nach all der Rot der Vergangenheit und in «ll der Rot der Gegenwart, die unsere Wirtschaft erschüttert, mit Freude erfüllen und Hoffnungen wecken auf eine bessere Zukunft.
Goethe und Schiller im Verkehr.
(Sine zeitgenössische Schilderung.)
Der Geislesbund zwischen Goethe und Schiller, der den Höhepunkt unserer klassischen Dichtung darstellt, tritt uns aus ihrem Briefwechsel am großartigsten entgegen und wird auch in so manchen Berichten der Zeitgenossen lebendig. Aber während fast immer der hohe Flug des Ideals diese Bilder in eine gewisse unwirkliche Seine rückt, gibt es nur wenige Schilderungen, die den Verkehr der beiden Dioskuren in den alltäglichen Rahmen nüchterner Wirklichkeit stellen. ®in solches wenig beachtetes, aber durch seinen Realismus besonders wichtiges Zeugnis bietet ein Bckef von K. D. Funk an Schillers Freund C. G. Körner, der in dem bei R. Olden- dourg in München von A. Enzinger und W. Hausmann herausgegebenen Werk „Aus Deutschlands Vergangenheit" mitgeteilt wird. Es sind hier Stücke meist dichterischer Erzählkunst zu einer außerordentlich farbigen Geschichte der deutschen Kultur vereinigt, und unter dem vielen vergessenen und doch wertvollen Stoff, der hier neue Wirkung gewinnt, ist dieser Brief ein besonders interessanter Fund. „Schiller lebt ein sonderbares Leben," erzählt Funk. „Ausgemacht scheint es mir indessen, dab gerade diese Art von Existenz ihm möglich war, um das zu leisten, was er in den letzten drei Jahren geleistet hat,' aber ich fürchte, er wird dabei zjugrunde gehen. Ganz abgesondert von aller Gesellschaft lebt er in feiner eigenen Welt. Es kommt oft in mehreren Monaten nicht aus dem Zimmer, natürlich macht ihm nun schon die blohe Luft einen unangenehmen Eindruck. Doch würde ihn das nicht abhalten, zum Genuß der wirklichen Ratur und des geselligen Lebens zurückzu- kehren, wenn er da irgendeinen Ersatz für den hohen Genuh, den ihm seine Abgezvgenheit gewährt, finden konnte. Sein niedlicher wilder (junge macht seine einzige Unterhaltung mit der Welt, und gerade war auch die Baterliebe das einzige Bind, welches ihn. ohne irgendeine Art von Sinnlichkeit ernzumischen. doch vor Strenge und dem menschenfeindlichen Wesen eines Einsiedlers bewahren konnte. . .
Goethe ist der einzige, der die Zeit, wo er in Jena ist, viel mit Schillern lebt; er kommt alle Rachmittage um 4 Uhr und bleibt bis nach denr Abendessen. Gewöhnlich tritt er schweigend herein, setzt sich nieder, stützt den Kopf auf, nimmt auch wohl ein Bach oder einen Bleistift und Tusche und zeichnet. Die stille Szene unterbricht etwa der wilde Junge einmal, der Goethen mit der Peitsche ins Gesicht schlägt, dann springt dieser auf, zaust und schüttelt das Kind, schwört, daß er ihn einmal wurzeln oder mit feinem Kopf Kegel schieben müsse, und ist nun, ohne zu wissen wie, in Bewegung gekommen. Auf alle Fälle taut er beim Tee auf, wo er eine Zitrone und ein Glas Arrac bekommt und sich Punsch macht. Schiller selbst wandelt, ja, man möchte sagen, rennt unaufhörlich im Zimmer herum, sehen darf er sich garnicht. Oft sieht man ihm sein körperliches Leiden an, besonders, wenn ihn die Erstickungskrämpfe anwandeln. Wenn es zu arg ist, geht er hinaus und braucht irgendein Besänftigungsmittel. Kann man ihn in solchen Momenten in eine interessante Unterredung ziehen, kann man besonders etwa einen Sah hinwerfen, den er auffaßt, zerlegt und wieder zusammensetzt, so verläßt ihn sein liebel wieder, um sogleich zurückzu.kommen, wenn an dem Sah nichts mehr zu erörtern übrig ist. Ueberhaupt sind ihm anstrengende Arbeiten das sicherste Mittel für den Augenblick. Man sieht, in welcher ununterbrochenen Spannung er lebt unb wie sehr der Geist bei ihm den Körper tyrannisiert, weil jeder Moment geistiger Erschlaffung bei ihm körperliche Krankheit hervorbringt."
Die DreihAndertjahrfeier Von „Shakespeares Werken".
Die angelsächsische Welt rüstet sich zu großen Feiern, in denen die 300. Wiederkehr des Jahres begangen wird, in dem „Shakespeares Werke" das Licht der Welt ervlickten. In einem Folio- bande, der bei seinem Erscheinen mit 1 £ bezahlt wurde, wurden, im Jahre 1623 herausgegeben: „Mr. William Shakespeares Komödien, Historien und Tragödien. Veröffentlicht gemäß den treuen Originalkopien, London. Gedruckt bei Isaak Jaggard und Eduard Blount 1623.“ Es ist dies die berühmte erste Folioausgabe von der gegenwärtig noch etwa 100 Exemplare überall in der Welt verstreut sind und die, wenn ein Stück auf den Markt kommt, je nach dem Zustand der Erhaltung viele Taufende Pfund erzielen. Die „First Folio" ist zweifellos nicht nur eines der seltensteq und kostbarsten, sondern auch eines der wichtigsten Werke, die je erschienen sind. Durch diese Ausgabe wurde erst Shakespeare der Welt geschenkt: vor ihr nimmt nicht nur die ganze Shake'peare- Wissenschaft, sondern fast unsere ganze Kenntnis des größ'ei Dramatikers der Weltliteratur ihren Ausgang. Zwei alte Buhnen- kameraden des ehemaligen Schauspielers und Theaterdirektvrs, Hemminge und Condell, brachten sieben Jahre nach dem Tode des Derfafsers diese Ausgabe heraus, die eine besondere Ehrung darstellte, wie sie damals nur Chaucer und Spencer, den beiden größten englischen Dichtern, zuteil geworden war. Hemminge, der erste Darsteller des Falstaff, der damals Direktor der von Shakespeare begründeten Truppe war, ging voran; er unterzeichnete an erster Stäle. Condell, der seit 1610 als Mitbesitzer des Globe» Theaters ihm gleich stand, folgte bescheiden hinterdrein, wie es auch bei der Aufzählung der Mitglieder der Truppe in amtlichen Akten geschieht. Mer Buchhändler teilten sich in das gefchäf lichr Wagnis, und sie sprachen am Ende der letzten Seite des Buches in diesem Sinne ihre Bedenken und Hoffnungen bei der Herausgabe aus. Als Schmuck war dem Werke ein Stich des Holländers Martin Drveshut vorangesetzt, der durch einige Verse Den Johnsons als ähnlich gepriesen wurde. Dann kam eine Widmung an zwei besondere Gönner der Bühne, an das „höchst edle und unvergleichliche Brüderpaar, die Grafen von Pembroke und Montgomery. „Eure Lordschaften," heißt es darin, „fanden so viel Gefallen an den einzelnen Stücken, da sie aufgeführt wurden, als dieser Bund, ehe die Stücke veröffentlicht wurden. Verlangen trag, Euch anzuhören. Wir haben sie nur gesammelt und dem Verstorbenen einen Dienst erwiesen, indem wir seinen Waisen Vormünder verschafften; weder Ruhen noch Ruhm für uns streben wir dabei an, nur das Airdenken eines so würdigen Freundes und Kameraden, wie unser Shakespeare war, wollen wir lebendig erhalten, indem wir Eurem höchst edlen Schutze demütig seine Spiele darbringen."
In der dann folgenden Vorrede wenden sich die beiden. Her- tausgeber „an das große gemilchte Publikum" und baten es, doch Sa das Buch recht eifrig zu kaufen. „Diese Stücke," sagen sie, „bieten sich jetzt geheilt und mit ganzen Gliedern Eurem Anblick dar. Er, der ein so glücklicher Aachahmer der Ratur war, war auch ein höchst holder Dolmetscher derselben. Geist und Hand vereinigten sich bei ihm, und was er dachte, sprach er mit solcher Leichtigkeit aus, daß in seinen Manuskripten kaum eine Korrektur sich findet." Sie sind stolz auf ihre Leistung gegenüber den „gestohlenen und unechten Kopien, die vom Betrage und der Raubsucht unredlicher Fälscher verstümmelt und entfernt waren." Wirkstch haben sie sich auch mit der Textherstellung die größte Mühe gegeben, wofür wir ihnen gar nicht genug dankbar fein können, denn wenn wir ihnen überhaupt den größeren Teil der Werke allein verdanken, so besäßen wir die ändern ohne sie doch nur in verstümmelter Form, Mur 17 von Shakespeares Dramen waren bei seinen Lebzeiten gedruckt worden. Die beiden Herausgeber brachten 36 zusammen, wobei sie eine Anzahl unter seinem Ramen erschienener Stücke als unecht ausschlvssen. Rur bei 6 Dramen legten sie den Text der früheren Raubdrucke ihrer Ausgabe z:'.gründe; im übrigen benutzten sie die Theaterhawdschriften, die durch die große Feuersbrunst von 1866 alle vernichtet wurden. Die Forschung hat erwiesen, daß sie wirklich vollständige und zuverlässige Texte geboten haben und daß jede Reuausgabe von ihrer Leistung ausgehen muß. Mit besonderer Sorgfalt ordneten sie die Stücke an, nahmen als „Historien" nur die Dramen auf, die aus der englischen Geschichte geschöpft waren, während sie den „Trvilus" nur anhangsweise dieser Abteilung anschlossen. Ein Fehler ist ihnen nur passiert, daß fte „Gymbeline" unter die Tragödien rückten, obwohl die Stimmung des ganzen Werkes es mehr den Komödien nähert. Mit einem feinen Gefühl für die Wirkung stellte^sie die bedeutendsten Werke am Anfang und Ende jeder Abteilung und sorgten auch sonst für Abwechslung. Der Erfolg belohnte ihre Mühe. Die Ausgabe wurde soviel gekauft, daß sie 1632, 1633 und 1683 neu aufgelegt werden mußte. Der grimmige Theaterfeind William Prynne eiferte darüber, daß „Shakespeares Stücke auf dem besten Kronenpavter gedruckt sind, auf weit besserem als die meisten Bibeln", und ein Prediger klagte, die Leute lesen Shakefpeare mehr als die Bibel,
Schriftleitung: August Goetz. — Druck und tBerUj d»- Brühlschen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.


