680
nacktem die wenigen (6) letzten Blätter beschrieben waren, die Ne noch freie Seite, die Vorderseite des Sechstletzten Blattes, bcmcht So kain es, daß spätere Einträge nicht mehr gemaclst werden konnten. Den hnndertsährigen Gebrauch sieht man auch dem abgenutzten Einband und den Blättern an. Der Rucken fehlt mehr als zur Hälfte und zwar, wie man deutlich erkennen kann: infolge von Abnutzung. r,, .
Was die Gemeinde Münzenberg veranlaßte, ,ich gerade int Jahre 1418 in den Besitz eines geschriebenen Rechtes zu setzen, und zwar eines Rechtsbuches, in welchem das bisher geübte Recht unb nicbergelegt toctr, erhellt aus der bamangen ^age der Verhältnisse ihrer Burgherrschast. Um diese darlegen zu können, muß allerdings weiter ausgeholt werden. .
Die bisherige Geschichte Münzenbergs zerfällt in zwei Abschnitte- 1166—1256 und 1255—1418. Aus dem ersten Abschnitt sei nur hervorgehoben, daß, nachdem Graf Kuno, der Sohn Konrads von Hagen und Arnsburg, vor 1166 die Burg Müuzenberg erbaut hatte, sein Geschlecht nichtganz ein Jahrhundert hindurch diese inne hatte. Schon 1255 starb es ttn Mannesstamme aus, nachdem dem Erbauer der Burg nur em Sohn, Ulrich I., und ein Enkel, Ulrich II., gefolgt waren. Nach dem 1255 erfolgten Tode Ulrichs II. traten als Erben seine 6 Schwäger auf: Reinhard I. von Hanau, Philipp I. von Falkenstein, Engelhard und Konrad von Weinsberg, Heinrich von Pappenheim und Konrad von Schönberg, womit der zweite Abschnitt beginnt. Schon 1288 hatte ledoch Philipps I. von Falkenstein Sohn, Philipp II. von Falkenstem, durch Kauf und Tausch die ganze Erbschaft bis auf Vs, den ha- nauischen Teil, an sich gebracht. Er fügte nun lemem Namen die Bezeichnung „Herr von Münzenberg" bei und siedelte vml seiner am Tonuersberg in der Pfalz gelegenen Burg Falteu- stein uach Münzenberg über. Dort saß nun dreies mächtige Dynastengeschlecht der F a l k e u st e i n e r 130 ^ahre lang ms zu seinem Aussterben im Manncsstamme rm Jahre 1418, dem Jahre, von dem wir oben ausgingen. Die Herren von Mlken- stein, eine der mächtigsten und angesehensten Dynastenfamilten ihrer Zeit, die dem Bischofsstuhl in Trier 56 Jahre hindurch, 1362—1418, zwei Kurfürsten als Erzbischöfe gab: vorher schon, seit 1257, Reichserbkämmerer und in der Goldenen Brille von 1356 unter den Reichsständen genannt, die den nach Frankfurt zur Kaiserwahl reifenden Kurfürsten bewaffnetes Geleite zu stellen hatten, — sie waren es, die die Blütezeit Münzenbergs herbei- führten. Unter ihnen iourde dieses zur Stadt erhoben: 1304 erhielt es sogar dieselben Rechte wie Frankfurt, und 1338 wurde ihm gestattet, zu Martini einen siebentägigen Markt abzuhalten. Münzenberger Matz und Gewicht wurde fast für die ganze Wetterau bestimmend. Die Bewohner des Städtchens fühlten und sahen, daß ihre Falkensteiner Herren ein Herz für sie hatten und daß diese für ihren fortschreitenden Aufschwung stets besorgt waren.
(Fortsetzung folgt.)
3« der Hauptstadt der mexikanischen Revolution - ein Idyll.
Die Augen der Welt sind wieder aus Mexiko gerichtet, und täglich kommen die Depeschen von den politischen Konflikten und Verstimmungen, die durch die Wahl des Generals Huerta zum Präsidenten hervorgerufen sind, von den Unruhen und Greuel- taten, die das Land durchwüten. Wer sich aber die Republik mm als ein Chaos aufgeregter Leidenschaften, als den erregten Schauplatz der allgemeinen Unruhe und des Kampfes vortzelleii wollte, der würde durchaus nicht das Richtige treffen. Die Mexikaner wissen vielfach weniger von den düstern Wolken, die durch ihre Schuld am politischen Himmel aufziehen, als der Europäer aus seiner Zeitung erfährt. Und die heiße Sonne des Südens, die so wilden Fanatismus ausbrütet, bescheint mit der gleichen lächelnden Ruhe mitten im Zentrum des Aufruhrs ein Idyll.
Der englische Korrespondent Hamilton Fyfe, der zum Studium der mexikanischen Verhältnisse ausgezogen ift, hat seine Schritte zunächst nach dem Staate Sonora gelenkt, dem Hauptherd des Aufstandes gegen den Präsidenten Huerta. Die Hauptstadt dieses Staates, der Huerta nicht anerkannt hat, Hermosillo, liegt 280 Kilometer von der Grenze der Vereinigten Staaten entfernt. Fyfe traf friedlich mit der Eisenbahn ein und fand da, wo er das größte Durcheinander erwartet hatte, gute Ordnung und idyllpche Ruhe. Er hatte sich mit besonderen Empfehlungsbriefen versehen und die größten Vorsichtsmaßregeln angewendet, nm recht sicher zu reisen, aber das erwies sich als unnötig. Hermosillo lag m behaglicher Trägheit da, wie nur je irgend eine mexikanische Stadt. „Rings um das Hauptguartier und das Regierungsgebäude sieht man viele blauuniformierte Soldaten mit geladenen Gewehren, die aber einen ganz gemütlichen Eindruck machen. Aber sonst ist kein Anzeichen dafür, daß die Revolution triumphiert. Das Leben rinnt in seinem gewöhnlichen Schlendertempo dahin: man kauft und verkauft, Plaudert auf dem Markt, sitzt herum in den schattigen „Patios", den stillen Vorgärten, schlendert auf der Plaza auf und ab, um die Musikkapelle zu hören und fährt am Sonn
tag nachmittag int offenen Wag?n in den Straßen spazieren, EU Tuchgeschäft, das sich vor der Hitze hinter großen Jalusien ver- birgt, hat ein buntes Plakat mit Riesenbuchstaben auSgehängtk „Preise ungewöhnlich niedrig". Glücklicherweise gibt es hier nur wenig Trunkenheit; man berauscht sich hier nicht an dem National getränk der Mexikaner aus gegohreuem Agavensaft, dem Pulque,- das weiter im Süden so viel Unheil anrichtet. Die Indianer von Sonora sind groß, stark und gesund. Sie sind tüchtige Kämpfer; und stets „gegen die Regierung". Neulich kam ein Trupp vpn ihnen, um seine Dienste dem General Carranza anzubieten; sie waren sämtlich mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Sie erhielten dafür Winchester-Gewehre, aber sie wären ebenso gern mit ihren Bogen in die Schlacht gegangen.
Die von der Sonne ausgedörrten Straßen sind dicht nut Staub bedeckt, gegen den die niedrigen grauen Häuser sich den ganzen Tag über fest abschließen, um sich erst am Abend M öffnen, wenn die Kühle herabsinkt, und die Palmeubäume schwarz und scharf gegen den blutigroten, in einem unheimlichen Feuer brennenden Himmel stehen. Die tief tönenden Glocken der, Kathedrale verkünden die Stunden, die in einem behaglichen Dämmerzustand 'vorübergleiten, leichtfüßig wie die Schritte, mit denen sich hier jeder bewegt, aber nicht langweilig, denn ist nutzt dieq idyllische Leben in diesem heißen Lande stets interessant? Schatz nur auf die entzückenden jungen mexikanischen Damen, alle trt weißen Röcken, die so hübsch mit bunten Bändern garniert sind. Du kannst sie kichern und plaudern hören, denn die Balkons liegen fast auf der Straße, und hier spielt sich alles tm FreM ab. Schau auf die kleinen Jungen und die müden Treiber, bta ihr rotes und grünes Getränk unten im Wirtshaus kaufem Schau auf den prächtigen alten Burschen, der da so aufrecht und soldatisch daherkommt. Er ist ein Hauptmann von 69 Jahren. Noch aktiv? Ja, und stets der erste in der Schlacht. Er war Tischler, bevor die Revolution anbrach. Nun find er und seine fünf Söhne alle in der Armee der Aufständischen und feine sechs Töchter beim Roten Kreuz. Auf der weiten Veranda des Arcadia- Hotels mich wohlig dehnend, schlürfte ich mit vollen Zügen, di» süße Atmosphäre dieses idyllischen Ortes, während mich Kuhle umfächelt und Lachen und Schwatzen zu mir herübertout. Und dieser Reiz wird noch erhöht durch ein Telegramm aus New York, das anfragt, ob die Verbündeten Hermosillo angegriffen haben und ob schon das Blut rinnt in den staubigen Straßen. „Das sieht ganz nach New York aus," murmeln, wir. „Wer denkt an Kämpfen oder überhaupt an irgend eine Tätigkeit. Wenn nur New York jetzt Hermosillo sehen könnte!"
Biichertisch.
— Deutsche Elternzeitschrist. Blätter für h ä u s l i ch e E r z i e h u n g. Verlag: Hermann Beyer u. «ohne (Beyer u. Mann) in Langensalza. — Der Kinderpsychologe Und Mitherausgeber der Zeitschrift für Kinderforschung Dr. Karl W i l k e r in Jena bittet alle deutschen Eltern um Mithilfe bet einer kinderpsychologischen Untersuchung. Es Handelt sich diesmal um die Entwicklung des ästhetischen Urteils bei Kindern. Auch m dieser wichtigen Angelegenheit gibt es noch mancherlei zu klaren, und diese Frage ist für die Entwicklung des ästhetischen Gefühls und Interesses von großer Wichtigkeit. Um nun über ein recht reiches Tatsachenmaterial verfügen zu können, wenden wir uns gewiß nicht vergeblich an die Eltern, insbesondere auch an die Mütter, die hier einmal die schönste Gelegenheit finden, ihr Kind nach einer besonderen Anleitung psychologisch zu beobachten. Das hierzu notwendige Material findet ein jeder im ersten Heck des beginnenden fünften Jahrganges der „Deutschen Elternzertschrift , das der Verlag Hermann Beyer u. Söhne Meyer u. Mann) itz Langensalza allen Eltern auf Wunsch gerne kostenlos znsendct.
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer.
zur |
in
er
geben
Frcudc kehrt
Müh'
wenn
fer-
heit
dich Leid
ent- dir
Leid
wird
der
dir
tig Tor-
ver- be-
heben
schon
was
deine
das künf-
Gott
schert
und
t-g
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Ruben, Rubin.
Redaktion: K-Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


