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wieder in die Wangen. v..r, L
Und dies heilige Muttersehnen hatte fte gelästert mit höhnischem Wort. Vor ihm, vor dem schwergeprüften Mann, dessen Lebensglück vernichtet war durch eine Frau, solch echter Weiblichkeit b>ar — dessen unr'""*'"''3 einem! Sohn sie kannte — vor ihm, i
Zornig auf sich selbst, arbeitete sie mit hastigen Griffen ent Herd weiter. t oK
Warum nicht? Immer luieber fragte sie es sich, und immer wieder klang da in ihrem Innern die Antwort, die sic doch nicht hören wollte: Weil er recht hatte — weil es gar nicht ihre wirkliche Meinung war, was sie da so spöttisch hingeworfen hatte! _
Oder waren denn all jene Stunden geheimer grauer über ihre Einsamkeit, über die Nutzlosigkeit ihres Lebens nicht gewesen? Jene Stunden eines dunklen Sehnens nach Mannesliebe, nach Mutterglück ! Jene Stunde erst vor wenig Tagen, droben auf der Breza dei Malmorti, wo tote ein süß berauschendes Gefühl der Gedanke über sie gekommen war, wie selig es eine Frau doch machen müßte, einem Manne wie ihm den so heiß ersehiiten Sohn und Erben zu schenken?
Lichte Röte schoß ihr auch jetzt beim Gedenken daran
mein Mühen nicht umsonst war."
Wieder ein Froher, mit strahlenden Mienen, folgte er ihr in die Hütte, und- der ärmliche, dämmernde Raum ward ihm unter ihrer liebreizend waltenden Frauenanmut zu einem traulichen Heim. So saßen sie, beide in einem Ge- fühl wunschlosen, stillen Glücks, beieinander, wenig sprechend, nur mit der stummen Sprache der Blicke einander gestehend, was die Seele so heimlich-süß durchdrang.
" Mann aber litt es Gottliebe nicht länger. Es drängte sie, von sich selbst zu ihm zu sprechen, von ihrem inneren Werden- gang, daß er die Worte von vorhin richtiger verstand, den Schlüssel zu den Widersprüchen ihres Innern bekam. Und so erzählte sie ihm denn von ihrem äußeren Leben und ihrem seelischen tzeranreifen; erzählte so, während draußen die Dämmerung in Dunkelheit sich wandelte und nur die knisternde, rötlich flackernde Flamme vom Herde her noch ein spärliches Licht ern den Raum warf.
Malmort hatte schweigend zugehört, jetzt ganz im tiefen Schatten auf der Bank hinten sitzend, während Gottliebe stahe am Herde ihren Platz hatte, wo sie von Zeit zu Zeit die Glut schürend, ein neues Holzscheit an die Flammen schob. Nun vernahm sie aus dem Dunkel eine Bewegung', upd er trat auf sie zu. !Dicht stand jetzt seine hohe Gestalt vor ihr; so traf sie sein bewegter Blicks
danke Ihnen für diese Stunde, Fräulein Gott-
aestilltes Sehnen nach einem öoijn Jie iutuhc — uui iy.u, der die geheim immer noch genährte, heilige Verehrung der Frau ihr huldigend zu Mißen hatte legen wollen!
Heiß schoß es ihr plötzlich in die Augen. Sie hatte Taut aufschluchzen, ihm nachstürzen mögen und zuschreien: Nein, nein! Glaub mir doch nicht! Es ist ja nicht wahr, was ich da eben sprach. Mein Herz weiß nichts davon.
Aber sie blieb wie gebannt am Herd stehen, mechanisch weiter ihr Werk dort verrichtend, und nur in ihrer Brust brannte ejn heißes, großes Weh: Etwas Köstliches, Großes hatte sie da eben verloren — unwiederbringlich.
Mer Tee war so fertig geworden, aber Malmort ließ sich noch immer nicht sehen. Da ging sie pochenden Herzens hinaus, ihn zu suchen.
Sie fand ihn abseits auf einem Block sitzend, wie er, in düsteres Sinnes verloren, in die heraufziehende Dämmerung starrte.
„Herr v. MalMort —" .
Leise, zaghaft schlug ihre Stimme an sein Ohr, und er drehte langsam das Antlitz nach ihr herum. Der müde.
er drehte langsam das Antlitz nach ihr herum. Wer müde, bittereMusdruck seiner Züge schnitt ihr ins Herz. Das ertrug sie nicht, und r- fte wußte nicht, daß sie es tat —- zitternd streckte sie ihm beide Hände hin mit einem flehen-' den Blick. „
Wortlos griff er da nach ihren Händen, und tief blickte er ihr in die feucht schimmernden Augen.
„Es war nicht Ihr Ernst — sagen Sie es mir!"
Fast leidenschaftlich drängte er sie, mit zuckenden Fingerm
Da schüttelte sie stumm das Haupt.
„Gottliebe!"
Nur das eine Wort entfuhr ihm, aber es durchbebte sie bis ins Innerste, und schnell entzog sie ihm die Hände.
„Kommen Sie," bat sie, schnell sich abwendend. „Daß
liebe, die Sie mir erst wahrhaft nahegebracht hat.. Nun sehe ich klar in Ihrer Seele — sehe, daß Sie einsam und arm sind wie wir hier, Rehe und ich, trotzdem Sie draußen im Gewühl der Welt stehen. Und nun, wo ich auch weiß, daß das Leben da draußen Sie nicht glücklich macht, nun finde ich den Mut, Ihnen einen Vorschlag zu machen, eine Bitte an Sie zu richten — zugleich in meines Kindes Namen."
Gottliebe sah überrascht zu ihm auf. .
„Sie werden erstaunt sein, sehr — mein Vorschlag wird Sie befremden, ud doch muß ich zu Ihnen sprechen. Mir ist als wäre das alles so eine Fügung, daß Sie hier in unseren Bergwinkel verschlagen wurden, als habe das Schicksal uns dazu bestimmt, daß unsere Wege ineinanderlaufen."
Sein ernster, fast prophetischer Ton ließ sie unwillkürlich leise erschauern.
„Also hören Sie: Meine Iran und ich hatten gestern eine inhaltsschwere Unterredung. Sie bestand darauf, Rehe mit sich zu nehmen in die Welt; das Kind verkomme ja hier in der Einsamkeit und Freudlosigkeit."
Gottliebe machte eine jähe Bewegung.
Beschwichtigend erhob er die Hand.
„Natürlich kann davon keine Rede sein, und mein ist die Gewalt über mein Kind. Es bleibt, wo ich es für gut befinde! — Wer in einem mußte ich dieser Frau doch recht geben, deren Kopf sonst nur nichtiger Tand ausfüllt: Rehe entbehrt eines weiblichen Einflusses, sie leidet unter der Vereinsamung, sie wird weltfremd und menschenscheu^ ist es schon geworden, und, sollte ich einmal nicht mehr seirft wie soll sie, die weltfremde Einsiedlerin, sich unter dett Menschen zurechtftnden?"
Mit ernstem Kopfneigen stimmte Gottliebe ihm zu.
„Nun läge es ja nahe, ich selbst ginge mit ihr hinaus ins Leben; aber das erlauben die Verhältnisse nicht, selbst wenn ich es wollte. Obschon ich einen Abscheu, einen Ekel vor dem verlogenen Treiben da draußen habe, das bloß mit anzusehen mir schon widerwärtig ist. Wer es handel sich hier eben gar nicht um meine persönlichen Neigungen, die ich selbstverständlich dem Wohle meines Kindes opfern würde — es geht einfach nicht, aus wirtschaftlichen Gründen. Ich kann meinen Besitz hier nicht allein lassen; durch eigenes Zugreifen und Schaffen muß ich allmählich wieder aufbauen, was jene Träumerjahre draußen niedergerissen hllüCTt/'
„Also hier bleiben ist für mich die Parole, und ich mag mich nicht von meinem Kinde trennen. Es ist nicht Egoismus — glauben Sie mir das! — nein, nur eine geheime Furcht, die Gewißheit, es würde sich da draußen {n der Welt ohne meine stützende und schirmende Hand doch nicht zurechtsinden."
„So bleibt nach allem nur ein Ausweg: Ich muß Rehe eine Gefährtin, eine Erzieherin und Freundin, zugleich ins Haus holen. Wer wo die geeignete Persönlichkeit finden, die nicht bloß aus kühler Pflicht, sondern mit warmem Herzen sich ihr zugesellte?"
Eine Pause trat ein, in der Malmorts Blick erwartungsvoll auf Gottliebe ruhte. Sie saß am Herd, den Kopf in die Hand gestützt, so daß die beschatteten Züge ihm nicht erkennbar waren. , rj„
„Da kam mir ein Gedanke, ganz wie selbstverständlich, und mein Kind sprach ihn aus, in derselben Minute, wo ich ihr von all dein sagte: „Gottliebe! - Schaff mir Gottliebe, Vater; keine Fremde, ich flehe dich an! — Bitte fte, dring in sie, daß sie immer bei mir bleiht, und du machst mich glückselig, Vater!"
„Nun wissen Sie den Herzenswunsch! meines Kindes'- Fräulein Gottliebe, und der ist der meine." Leiser fugte er es hinzu. „Auch ich wäre so dankbar, wenn der warme, frohe Schein, den Sie in unser trauriges Leben hier y« tragen haben, uns erhalten bleiben könnte. Und jetzt, too ich von Ihnen selbst gehört, wie Ihr Lebensgaiig, Ihr Beruf Sie ja gerade zu einer solchen Aufgabe wie geschaffen g^ macht hat, wie Sie Ihr gegenwärtiger Wirkungskreis doch nicht voll befriedigt, wo ich dagegen hoffen darf, daß Sie an meiner Rehe mit innerer Zärtlichkeit hängen — nun frage, nun bitte ich Sie: Wollen Sie unser werden, Gott- liebe, die dritte in unserem kleinen Bunde?"
Ein leises Zittern lief über Gottliebe hin. Wie da mit einemmal das Schicksal mit schwerwiegender Entscheidung vor sie hintrat. Sie fühlte es dunkel, aber so wuch^ lend: Etwas Gewaltiges vollzog sich mit ihr in dieser


