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und hatte dort geputzt und alle urögliche Arbeit getan, und was sie dafür betont, hatte gerade zu Brot und Kohlen gereicht.

Es war Winter, kurz vor Weihnackten. Mr waren die Kohlen alle geworden, und das letzte Stückchen Brot war ver­zehrt, aber sie hatte keine Arbeit.Schon seit fünf Tagen hatte sie keine Arbeit mehr bekommen, und morgen war Weihnachten. Im Zimmer war es eisig kalt und Hänschen wickelte sich frierend in die dünne Bettdecke. Zitternd vor Kälte erhob sich das arme Weib, um ihren beschwerlichen Weg wieder zu beginnen. Trau­rigen Blicke« sah sie Hänschen an und sprach:Armes. Hänschen, ich kann dir heute nichts zu essen geben, denn lvir haben Nichts mehr. Wenn ich heute keine Arbeit finde, oder etwas geschenkt bekomme, müssen wir verhungern. Bleibe zu Hause unb bete, das; Gott die Herzen der Menschen erweiche, und sie sich unserer Atot erbarmen. Dann ging sie. Sie ging in alle Häuser, tn denen sie schon oft gearbeitet hatte. Aber niemand wollte sie nehmen, denn sie sah sehr schlecht und halb verhungert aus, und die Leute dachten, sie könne nicht genügend arbeiten, aer Atzend brach an, und noch immer irrte sie in der Stadt umher. Niemand hatte sich ihrer erbarmt, alle dachten nur an sich und kannten weder Armut noch Hunger. Zuletzt lant sie ohnmächtig ans der Treppe einer Kirche nieder. Unterdessen hatte Hänschen den ganzen Tag am Fenster gestanden, und, die Händchen ge­fallet, den Blick aufwärts zum Himmel gerichtet und hatte gebetet: Lieber Gott, mache doch bitte, daß Mama Brot bekommt, wir müssen sonst verhungern." Immer wieder hatte er von vorn an­gefangen, und dabei liefen ihm die Tränen die Wangen hinunter. Nun war es Abend geivorden und die Mutter war immer noch nicht da. Der Mond stand am Himmel und seine Strafen fielen in daS Stübchen, übergossen alles mit silbernem Lichte. Hänschen blickte zum Monde auf und dachte, der Mond ist ge- wiß ein Fensterchen vom Himmel und die Engelchen können durch es auf die Erde hinunter sehen. Wie er noch fo hinschaute, sah er plötzlich eine lichte Gestalt auf sich zuschweben. Ehe er sicho versah, stand sie vor ihm im Zimmer. Es war em wunder­schöner Engel, mit großen, weißen Flügeln und langem, golde­nem Haar * Auf dem Kopse trug »er einen Kräng Blumen, di« blitzten und blinkten wunderbar, denn es waren lauter Edelsteine. Er hatte ein langes, weißes Gewaiid an, welches tote gefrorener Schnee glänzte. Er lvinkte Hänschen und schwebte zum Fenster hinaus, auf gen Himmel. Hänschen flog neben ihm her, batte kleine silberne Flügelchen an den Schultern und hatte em weißes Kleid an. Sie brauchten nicht lange zu fliegen, da kamen sie an einem großen Tore an und Hänschen erkannte, daß es der Mond sei, 'den er für ein Fenster gehalten und der em großes, silbernes Tor war. Der Engel schlug mit einem Palmenzweig gegen das Tor. Da öffnete sich dasselbe und sie traten em. Welche Pracht, welch ein Glanz war das, Hänschen mußte ge­blendet die Augen schließen. Als er sie wieder aufmachte, wh er unzählige große, wunderschöne Christbäume und um dieselven schwebten oder gingen, Hänschen konnte es nicht erfennen, un­zählige Engel, einer immer schöner als der andere. Der Engel nahm das staunende Hänschen bei der Hand und führte es weiter tn den Himmel hinein. Ueberall standen große Tische Mit Lebkuchen, Backwerk und allen Süßigkeiten beladen, die ein Kinderherz er- freueil können. Die Engel nahmen Hänscheir an den Händen und tanzten mit ihm. Er wußte gar nicht, ivo er zuerst hm- schauen sollte, so schön war alles. Nachdem er alle die vielen Herrlichkeiten gesehen hatte, fragte ihn der Engel, ob er hier- Vleiben wolle, oder ob er wieder zurück auf dre Erde wolle, ^a sprach Hänschen:Lieber Engel, wie kannst du nur so fragen? Meinst du, ich wolle mein Muttchen allein lassen? Nein, nein, wenn meine Mutter nicht auch hier sein ,kann, will ich auch nicht dableibeu." Ta. sprach der Engel:Folge nur." Er führte ihn noch weiter in den Himmel hinein und siehe, plötzlich sah er seine Mama auf sich zueilen und flog ihr jubelnd in bte Arme. Nun durften sie. im Himmel bleiben und waren aller Not und Sorge enthoben und ewig glücklich. Unten auf der Erde aber fand man die Frau erfroren auf der Kirchentreppe und Hänschen ebenfalls erfroen am Fenster des Stübckfens.

vermischte».

* Ter Weg zu den guten Bildern. Der große Zlauberer unseres Jahrhunderts, die Technik, hat auch einer breiteren gebildeten Schicht eine der reinsten Freuden zugänglich gemacht, an der früher nur wenige Auserwählte teilhatten: die Freude am Besitz künstlerischer Bilder. Es liegt int Wesen der Malerei, daß die Originale zumeist in den Galerien hängen, und so selbst der Begüterte sich zu Hause mit Reproduktionen begnügen muß. Es Miß daher die Frage nach den Möglichkeiten der repro- duziereiideii Technik weite Kreise der Kunstliebhaber und Bilder- sreunde aufs lebhafteste interessieren. DerVereinigung der Knnst- fremtbe", die im Jahre 1883 von der Direktion der Königlichen Nationalgalerie zu Berlin ins Leben gerufen wurde nfit dem Programm, die malerischen Kunstwerke von bleibendem Wert durch gediegene Wiedergabe zum Gemeingut aller Kunstfreunde zu machen", ist es durch unermüdliche Arbeit am eigenen Werk ge­

lungen, Wert und Güte der farbigen Reproduktion immer nreffe zu steigern und sie immer mehr dem Original zu nähern. Mitglied! derBereinigung der Kunstfreunde" kann.jedermann gegen den mäßigen Jahresbeitrag von 20 Mark werden. Dafür erwirbt er das Recht, alljährlich künstlerisch ausgeführte Originalreproduk­tionen der Gesellschaft aus mehr als 600 Blättern int Ladenpreis» von 30 Mark unentgeltlich nach freier Wahl zu beziehen. Dia Mitglieder sind außerdem berechtigt, alle von der Beremigungl hergestellten Bilder in beliebiger Anzahl zu Preisen zu erwerben, die bedeutend unter dem Ladenpreis bleiben. In jedem dritten Jahre der Mitgliedschaft erhalten die Mitglieder ein weiteres Blatt der erschienenen Publikationen nach freier Wahl als Prämie ebenfalls umsonst. Als ein neuer ungemein glücklicher Ausbau der Bereinigung muß die Herausgabe der ZeitschriftDer Kunst- fteund" begrüßt werden, die vom 1. Oktober an den Mitgliedern unentgeltlich zunächst monatlich zugestellt wird. Damit. ist ein Organ geschaffen, das unter Mitarbeit erster Fachleute^ die Leser über alles unterrichtet, was ans dem Gebiete der Kunst, des Kunstgewerbes und der Kultur Bedeutung hat. Bon der Fülle der Bilder, die die Vereinigung ihren Mitgliedern darbietet> gibt der neu erschienene Katalog das beste Bild. Welche Köstlich- teiten werden da dem Kunsthungrigen geboten! Aus der llnendlich- keit der vergangenen und der modernen Malerei ist mit beitem Geschmack und unter Vermeidung des Exaltierten aus allen Lagern das Beste und Bleibende ausgewählt und so jedem künstlerischen Geschmack Schönes geboten. Wenn man in dem schönen weiten Raum derVereinigung der Kunstfreunde" in der Markgrasem­straße in Berlin umhergeht und von Corots schlichtem und so überraschend eindringlichemDamenbildnis in Blau" zu einer in flimmerndem Sonnengold und leuchtendem Blattgrün prangenden Landschaft Thomas Theodor Heines und von dieser wieder zu einer irdischen, in ihrer zustäudlichen Armut und Zerbrochenheit ach so irdischen Madonna des modernen Krakauers Vlastimil Hof­mann schrecket so verliett man, durchaus das Bewußtsein, vor Reproduktionen und nicht vor Originalen zu stehen! Wenn irgend­wo, so ist hier ein MHg für die nach dem Schönen im eigenen! Heim sich sehnende Menge gebahnt, die Farben der Kirnst über den Werktag auszubrecken.

* Der Detektiv.Ich sage Ihnen, die Hazel, die hat das Zeug zu einem ganz großen Detektivs!"Nein, glauben Sie wirk­lich?"Ja, wir waren gestern abend zusammen in der Operette und sie hat die ganze Handlung verstanden."

* Der sicherste Beweis.Ich werde nicht heiraten, wenn es nicht ein Held fein kann." Alice:Dann gib ihm nur eine Aufstellung deiner jährlichen Ausgaben: und wenn der Be­werber dann nicht zurücktritt, daun ist er einer."

Viichertisch.

Der große illustrierte W e i h n a ch t s k a t a l o g für das Jahr 1914, der ein ausführliches Neuigkeiten Ver­zeichnis des Jahres bringt, ist uns von der Ferber scheu Universitätsbuchhandlung (C. Koch) überreicht worden. Er ent­hält das gewohnte Verzeichnis vorzüglicher Bücher und Atlanten; eigene Anzeigen großer Verlagsanstalten erhöhen den Wert des Kataloges, der mit einer ganzen Reihe schöner Abbildungen ge­ziert ist. Gleichzeitig überreicht uns diese Buchhandlung das von einer Anzahl hervorragender Verleger herausgegebene Bücher­verzeichnis Das Buch des Jahres, daS eine gute Auswahl hervorragender Bücher dieses Jahres erwähnt.

F örst ers M ar iechen. Roman von E Veli). Kürsch­ners Bücherschatz Nr. 924. Hermann Hillger Verlag, Berlin. Im ersten Zauber des jungen Lenzes tritt .uns die Heldin des neuesten Romans von E. Vely entgegen. Försters Mariechen ist eine echt weibliche Frauennattw. Wie sie alle Lasten trägt, um zuletzt durch eine befreiende Tat über sich selbst hinanszu- wachsen, das muß Man selbst lesend miterteben.

versteckratsel.

Aus jedem der folgenden Wörter sind der Reihe nach drei zu­sammenhängende Buchstaben zu entnehmen, so daß sich daraus eingeflügeltes Wort" vom Fürsten Bismark ergibt.

Heinrich Schildknappe Forellen Wander­bursche Kieler Durchmesser Nachtfalter Augenbinde Phonetik Emden Leibknlscher Kirschen ZeichneiM't Druckerschwärze Pfennig Thema ,^elfengrotte Steine Schottland.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wenn jemand schlecht von deinem Freunde spricht, lind scheint er noch so ehrlich: glaub' ihm nicht! Spricht alle Welt von deinem Freunde schlecht: Mißtrau' der Welt und gib dem Freunde Recht! Nur wer so standhaft seine Frennde liebt, ^st wert, daß ihm der Himmel Frennde gibt.

Redaktion: K. N e u r a i h. Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch-

und Steindruckerei, R. Laiigtz. Biege»