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(Fortsetzung folgt.)
Gottliebe suhlte es Wohl heraus, und diese unaufdrmg-- liche, selbstverständliche Vornehmheit einer Jahrhunderte alten Tradition erfüllte sie abermals mit einer respektvollen Hochachtung' vor diesem jugendlichen Geschöpf. Wie da edles Blut in jeder Ader war!
„Ich weiß diese Ehre zu schätzen " entgegnete fre nun mit aufrichtigem Ton, die Gastfreundlchaft des Hausev Mal- mort annehmend, und fest umschloß ihre Rechte noch einmal . . V--. .. r v -j- c r r • . f • C.. . t Vf"-. MAttMTA
„Bitte, wenn Sie sich nun bedienen wollen —Das Mädchen legte noch ein frisches Handtuch auf den Waschtisch Mit dem blinkenden alten Zinngerät und zog sich dann dis- kbet zurück. „Ich erlaube 'mir dann, nach einer Weile wieder nach Ihnen zu sehen."
Mit ihren leichten, kaum hörbaren Schritten war sie schon hinaus, ehe Gottliebe ihr noch einmal hätte danken können.
Wie sonderbar das alles wär! Wirklich, wie tn eurem verwunschenen Schloß dachte Gottliebe, während sie nun aus dem Rucksack alles Nötige für ihre Toilette eutuahm.
Der Sommer und seine Gefahren.
Von jTr. med. van Troy.
von Scheu diese . In den schlichten Worten lag doch ein unbewußter Stolz: - — in ihre | Wer an das Dor von Schloß Malntort pocht, sei. es, wer ■ ■>: I es sei, der findet gastliche Aufnahme, wie sie em Edelmann
den Gast vor. , c , , ,
Mit einem einzigen, aber das Auge der Fremden durchs dringenden Blick hatte der Schloßherr diese überflogen; nun reichte er ihr artig die Hand. ~ .
Seien Sie uns willkommen, mern ^raiilem, un , । schützenden Obdach." Eine selten weiche und tiefe Stimme schlug ihr aus Ohr. „Hoffentlich hat Ihnen das Unwetter 1 nicht schon vorher zu arg zugesetzt?"
Ein Naturgesetz, das gleichermaßen für die belebte wie für die unbelebte Welt Gültigkeit besitzt, läßt alle Vorgänge unter demEtn- slusse der Wärme in beschleunigtem Maße sich abspielcn. so verlaufen alle chemischen Prozesse bei Erwärmung der Substanzen schneller- so ist das Wachstum und die Fortpflanzung orgamgerter Objekte unter diesen Umständen nur vieles lebendiger als tn kühleren Perioden Für alle lebendige Substanz ist ja die Sonne MS un» .endliche Kraftrcscrvoir, das seine Energte m Form von Warme abgibt Wo die Sonne dauernd strahlt, hat |tc auf der Erde ein üppiges Leben entwickelt. Dort gedeihen Pflanzen und Tiere M einer unübersehbaren Fülle von Arten. Wo ste dagegen nur feiten die Erde trisst, dort herrscht Kälte und Tod.
Auch für den Menschen bedeutet die Sommerszeit msolgc ihrer gesteigerten Temperatur eine Zeit des Wachstums. Alle Mechanismen in seinem Inneren arbeiten schneller. Er gedeiht körperlich und seelisch. Doch auch die anderen Wesen haben Anteil an der Besserung der Lcbensbedingnngcti. Und hieraus erwachst dem Menschen, der sich als Mittelpunkt des Universums suhlt, bisweilen ein schwerer Schaden. Besonders sind es die Kleinlebewesen, die ans der Steigerung der Wärme ihren Vorteil Stehen. .«r Temperaturpunkt, an dem sie am besten gedeihen und an dem ne . - , sich am pesten fortpflanzen, das sog. T e m p e r a t n r o P t l m n m.
Etwa zehn Minuten später, sie war gerade fertig gewor- Iiegt wesentlich höher als die mittlere Jahreswarme'unserer geben, klopfte es leise an die Tür; ihre Führerin war lme- mäßigten Zonen. Steigt sie nunbetrachtlich, so studendie
der da . außerordentlich günstige Lebensbedingungen. Deshalb fallu m
„Wenn ich nun bitten darf — mein Vater wird sich die Sommermonate besonders mele E^MoMrankheit u, Guw
freuen, Ihre Bekanntschaft zu machen/' MS ^nbleen bem 9J?cnti zum Schaden gereicht, ist die Zersetzt über trat Gottlrebe auf das Mädchen zn und nahm I ! g ber Nahrungsmittel. Jedermann weiß, wie leicht im Som-
jhre. Hand, ihr tief in tue klaren Augen sehend. die Nahrungsmittel verderben, und wie schwer es halt, sie für
" >,Sie sind so gütig zu mir, Fraulein v. Malmort, Sie eini ° Zy stisch aufzubewahren. Das ist alles das Werk der
und Ihr Herr Vater, und kennen Mich ja noch gar Nicht, Bakterien. So ist «auch der alte Satz, daß Gewitter die Milch Mer
die Wldfremde." werden läßt, in dieser Form nicht richtig, vielmehr^finden or
Die andere ssh sie ruhig an. ■ in der Milch vorhandenen Bakterien Bet der dem Gewitter vor ns-
„Sie sind unser Gast." ~ I gehenden hohen Temperatur, bte mit ctitetu hohen Feucht g
Go nahm sie, fast mit einem leisen Anflng von Schc feine weiße Hand, die sich leicht tote em eilten blatt eigene kraftvolle Rechte legte. Was war das für «m Kind t— süß und doch so herb', mit einem Hauch überirdischer I fick) selbst fchuldig. ist.
Klarheit und Ueberlegenheit, trotz all ihrer zarten, unbe- i^ntthebe iublte rüh^,Grüß Gott!" erwiderte Göttliche den Gruß, des Mädchens, es drängte sich ihr int Augenblick nichts weiter über die Lippen, und fast befangen schaute sie, die Retfe Welt- erfahrene, dem jugendlichen Geschöpf tn die hohettvvollen, ernsten Augen. Noch imitier ganz die Beute ihres Stau- am® IWMWS-E-7 ber Ijier harrten. , „ , , h a sn?äh- 1 Auch dieses wieder ein altertümlicher Raum, bei dem
„Sie sind gewiß ganz natzLewvrden, sagte Maw Dämmerlicht des Wetterhimmels draußen im übrigen nicht chen nun, mit ernem Blickauf^ottttebes trtefenden^ooLN -ehten gin,emetten zu uuterschetdeu.
mantel, von dem das Wasser schon reichlich abgelaufen toar, I nun eintraten, zeigte sich ihnen in der Fenster-
feine Spuren auf den Mormorfliesen zeichnen. die ein erhöhtes Podium ansfüllte, die dunkle Sil-
Gottliebe folgte dem Blicke. Enuptte eines schlanken hochgeivachsenen Mannes, der ab-
„Ach - !ntschuldch-n Sie nur!" -nw.Mnrl.ch Mhm "“graflr? ftanb und in d-S ,°b°ud- Un-
sie das irre ende Kletdunasstuck auf. » ,. gsnaussah Im ersten Moment hätte man tnetucn
Aber das Mädchen lachte freundlich und trat dienst- Wetter wnausmy i {,/ ber Tracht jener
beflissen auf sie zu, ihr den wasserschweren Umhang ab- I ^brflossenen Zeiten, denen noch die Einrichtung des Schlosfes uehmend, zugleich den Alten herantointend, der abseii^ stehen I entstammte. Erst bei näherem Zusehen zeigte es sich, daß geblieben toar: der Mann dort Joppe, Kniehosen und hohe Strümpfe eines.
.-Anselm — hängen Sie den Mantel der Dame hier mübernen Alpenjägers oder Bergsteigers trug.
ans Feuer. Und toenn ich Sie nun bitten darf, naher zu sgeint Geräusch der eintretenden Damen drehte sich die treten — vielleicht in mein Zimmer, um das Schuhwerk I Gestalt am Fenster langsam um und kam nun, als ste dm zu wechseln?" | Eingetretenen gewahrte, ruhig die Stufen herunter. Auch
„O. — wie freundlich Sie sind!" . I jetzt, ivo er bei ihnen in gleicher Höhe stand, noch em Mann
Mit einem herzlichen Blick dankte Gottüebe dem jungen Jb0)t reltener Größe und dabei doch fester, kraftvoller Hab- Mädchen, von dem sie die Augen gar nicht lassen tonnte. Mit einer höflichen, aber würdegetragenen VernerguM
Mles was sie sprach und tat, atmete eine so wurdegetragene, heqrüßte Herr v. Malmort die Fremde.
ernste Ruhe, die zu der noch halb kindlichen, anmntsretcheu „Fräulein Gottliebe Rhyngaert," stellte ihm dte rochier Erscheinung in einem ganz seltsamen, aber reizvollen Wtder- spruche stand.
Ueber die breite Treppe, damt durch einen langen dunklen Gang, den ein Lämpchett mit rötlichem Schein nur spärlich erhellte, überall umwittert von dem leisen Moderdust uralten Gebälks und verblaßter Gobelins an bett Wänden, folgte Gottliebe der Führerin in ihr Zimmer.
Es mußte Wohl in dem alten Wachtturm liegen, den sie von droben gesehen hatte; beim der Grundriß hatte die Gestalt eines Sechsecks. Ein eigenes Mädchenstübchen, dieses Turmgemach mit den meterdicken, trutzigen Mauern! Schwere, altersbraune Eichenmöbel, ein Himmelbett nut vier wuchtigen gewundenen Säulen und einem Baldachin aus kostbarem, aber verblichenem Goldbrokat, bildeten seine Ausstattung; der Moderduft der Jahrhunderte auch hier, nur biet tief eingebaute Fensternische ließ aus die jugendzarte Bewohnerin des Rittergemachs von schwerem, altertnm- lichem Prunk schließen. Dort stand ein modernes Nah- tischchen, und daneben ein zierlicher hellackierter Hand- äroeitsständer mit rosaseidener, schleifchengeschmuckter Tasche, und das Fensterbrett schmückten lichtfarbig blühende Monatsrosen.


