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Zu jeder anderen Zeit wäre Meta gerührt und erfreut über diese Aufmerksamkeit gewesen.
Jetzt empörte es sie.
„Er will Stimmung machen bei mir für seine erb- schkeicherischen Pläne," dachte sie verächtlich. Ohne ein Wort zu erwidern, ließ sie das Fenster herab und- warf die Blumen hinaus.
Dann, als Ae den erstaunten Blick Lenas bemerkte, fühlte sie das Bedürfnis, sich irgendwie zu rechtfertigen.
„Ich habe Kopfschmerzen und kann den Rosenduft nicht ertragen," sagte sie, ihren seidenen Stanbmantel und den Hut ablegend.
Meta hatte ihre Ankunft in G. nicht angemeldet. Sie wollte in Herminenruhe, dessen Benützung ihr auf Frau Petermanns Anordnung jederzeit frei stand-, absteigen und am nächsten Vormittag gleich zu der Kranken hinausgeh-en.
Ein Mietwagen brachte sie nach der Villa. Das alte Portierspaar, welches gegenwärtig allein die Aufsicht über Herminenruhe führte, schlief noch und mußte geweckt werden.
Metas Ankunft rief große Verwirrung hervor und sie mußte einige Zeit warten, ehe man in ihren Zimmern die Vorhänge aufgezogen und die Fenster geöffnet hatte.
lieber dem Park lag leuchtend und- bläulich der Sommermorgen. Silbern schimmerten die Birken herüber; Flieder und Kastanien waren schon verblüht.
Die Kastanien dort drüben . . . eine Erinnerung preßte Meta jäh das Herz zusammen und sie seufzte tief auf.
Ja, sie waren verblüht. Längst . . .
Dann stand sie in den alten, vornehmen Räumen. Ein Geruch von Kampfer mischte sich mit dem durch die offenen Fenster hereinströmenden Tust blühenden Jasmins. Staub lag aus den Möbeln und die Polsterstühle trugen graue Leinenkappen.
Und doch kant es iiber Meta plötzlich iuic ein Gefühl von Geborgensein. War es nicht wie ent Heimkommen?
Hier hatte sie die große Wandlung vom Mädchen zum Weibe durchgemacht. Hier war sie Mutter geworden. Hier war sie aus einem gedankenlosen Kinde langsam herangereift zu den Erkenntnissen des Lebens. Hier hatte eine reine, hohe Liebe mit ernstem Finger an ihre Seele gerührt . . .
Und was sie von Nikis Seite auch Bitteres erfahren hatte: beit Ton im Hause hatten die Alten angegeben und dieser Ton war vornehm und solide gewesen.
Sie setzte sich ganz still in eine Ecke und dachte an die alten, vergangenen Zeiten.
Warum war ihr nie der Gedanke gekommen, mit ihrem Kinde hierher zurückzuflüchten, damals ... als sie noch frei war?
Warum nur?
War die Einsamkeit wirklich ein so furchtbares Gespenst? Heute wußte sie, daß man zu zweien noch viel einsamer sein konnte als allein.
Der Eintritt Lenas riß sie aus ihren Grübeleien.
Die Portiersfrau, Frau Lengler, hatte Kaffee gekocht und im Speisezimmer den Frühstückstisch hergerichtet. Kon- radchen aß schon mit großem Appetit, ob die gnädige Frau nicht auch kommen wolle?
Ja, sie wollte. Meta empfand plötzlich, daß sie seit gestern mittag kaum einen Bissen genossen hatte.
Dann saßen sie alle vier — Meta hatte Frau Lengler gebeten, zu bleiben und ihr von der alten Frau Bettina zu erzählen — friedlich um den Kaffeetisch. '
Was Frau Lengler erzählte, war nichts Neues. Sie kam jede Woche einmal zu der alten Frau hinaus und- wunderte sich über die Zähigkeit ihrer Kraft. Schon vor Jahren hatte man gemeint, daß sie es nicht mehr lange machen würde, und im Grunde war sie heute nicht viel schlechter daran als damals.
Atemnot, schlaflose Nächte und gelegentliche Schwächeanfälle hatten äußerlich wohl Spuren hinterlassen, aberinnerlich schien sie noch ganz frisch und- ungebrochen.
In Herminenruhe war sie seit dem Tode des jungen Herrn nur einmal gewesen, um oie Dienstboten abzulohnen Und den Hausstands a-ufzulösen. Es >gab nun weder Pferde Und Wagen noch Glashäuser. Den Park pflegte zur Not Herr Lengler uud das Haus hielt seine Frau in Stand.
Meta wußte dies alles. Burger hatte es- ihr geschrieben. Dennoch hörte sie der Alten mit einer gewissen Behaglichkeit zu und das Gefühl des Daheimsejns wurde immer stärker in ihr.
„Wer ist denn draußen bei Mama?" fragte sie. „Wep pflegt sie?" 1
„Die alte Lott, ihre ehemalige Kammerfrau, Lina Lott. Ach Gott, die ist nun auch schon an die Sechzig, ja, ja, wir werden alle alt! Uud dann noch ein alter Diener. Gnädige Frau werden sich gewiß noch erinnern an ihn? Er war einmal KUffcher hier in Herminenruhe, den hat sich Frau Petermann mit yinausgenommen, er ist Gärtner, Portier, Diener — kurz-, alles in allem." l
Meta erinnerte sich genau an Lorinser. Das glattrasierte, markante, immer etwas grämliche Gesicht — die dünnen Beine, auf welchen er sich beim Gehen so -eigett- tümlich wiegte .... eine Seele, treu wie Gold. i
„Jetzt ist er natürlich schneeweiße" lachte Frau. Lengler, „und noch schweigsamer als früher. Sie sind alle schweigsam in der Villa Pax." 1
Um zehn Uhr schickte Meta um einen Wagen. Siel hatte beschlossen, Konradchen vorerst nicht mitzunehmen, es könnte die alte Frau zu sehr aufregen. Lena sollte mit ihm int Park bleiben. Wenn sie bis Mittag nicht -zurück sei, möge sie nach Tisch mit dem Kinde nachkommen. ।
Sie beschrieb Lena noch, wohin sie dann zu fahren habe Und nahm Abschied von ihr und- von dem Knaben.
Das Herz klopfte ihr doch unruhig während der Fahrt. Wie würde sie empfangen werden? Mama mußte sich dockj recht verändert haben, daß sie nun selbst nach ihr -verlangte.
Endlich hielt der Wagen vor der kleinen einsamen Villa. Die Bäume waren so herangewachsen, daß man von der Straße aus nichts sah, als' das breite Einfahrtstor ein Stück hinter deut Gitter. i
„Pax" stand in großen, verblichenen Goldbuchstaben darüber.
Ob wirklich der Friede hinier diesen Mauern wohnte?
Das Wiedersehen mit Lorinser war beinahe rührend. Tränen standen in seinen verblaßten Greisenaugen, als er Meta erkannt, und auch sie fühlte sich beinahe -erschüttert durch seinen Anblick.
So vieles Vergangene wurde lebendig dabei. War es nicht Lorinser gewesen, der sie in jener Weihnachtsnacht zur Frau Bettina, herausgefahren hatte?
Nun kam Frau Lott getrippelt. Sie war stark itn'bi ziemlich unbeholfen geworden, aber in ihrem Blick lag noch dieselbe Gutmütigkeit und Treue wie einst.
Auch sie weinte.
„Ach Gott, ach Gott," stammelte sie, „welche Freude wird die arme gnädige Frau haben. Sie hat so oft von Konradchen gesprochen und von seiner lieben Mama in der letzten Zeit. Haben Sie denn den Kleinen nicht mitgebracht, gnädige Frau?"
„Doch, liebe Lina. Aber ich dachte, beide wären wir zu viel fürs erste Mal." i
„Freilich, freilich, sie ist recht schwäch — ich muß sie nur gleich vorbereiten; denn wenn's auch eine Freude? ist — zu plötzlich darf's nicht über sie kommen."
Sie führte Meta in einen Salon und bat sie, zu warten.
Frau Petermanu bewohnte nur das Hochparterre ihrer Villa. Im Erdgeschoß lagen Küche und Wirtschaftsräume-,, im ersten Stock ein paar leer stehende Fremdenz-iminer.
Schon nach fünf Minuten kam Frau Lott zurück und- bat Meta freudestrahlend, ihr zu folgen. Und- dann stand- fie auf einmal vor einer verschrumpftett kleinen Frau, welch« Die Arme um sie schlang, während ihr die Tränen über die runzligen Mangen kollerten.
(Fortsetzung folgt.)
Die Verkehrtheit des Vogelschutzes in Deutschland.
Fast jede Zeitung berichtet in kurzen Zwischenräumen über Maßregeln, welche von den verschiedensten Seiten zum Schutz« und zur Vermehrung der nützlichen Singvögel getroffen werden. In noch nicht sehr weit zurückliegender Zeit sah man es als eine Liebhaberei oder Sport an, wenn die wenigen damals vorhandene Vogel- oder Tierschutzvereine sich auf diesem Gebiete betätigtem und ihre berechtigten Forderungen wurden meistens für überspannt gehalten. Heutzutage ist nun die Sache anders, und neben den erwähnten Vereinen geben Gemeiitde-- und Staatsbehörden große Summen aus, weil man es als eine dringende Notwendigkeit erkannt hat, unseren Fluren und Wäldern einen möglichst großen Bestand an insektenfressenden Vögeln und solchem welche Weichtiere (Schnecken, Würmer u. dgl.) vertilgen, tu verschaffen.
Auf der staatlich autorisierten Vogelschutz-Musterstation des Freiherrn v. Berlepsch in Seebach (Thüringen) werben alljährlich


