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Leben beeinflußten seinen Gefurrdheitszustand ungünstig, und er begann gegen Ende des Jahres 1816 zu kränkeln. Man konnte das Leiden, das sich in einem schlechten Allgemeinbefinden äußerte, zuerst nicht bestimmen. Daun glaubte der Kaiser und wie später die Sektion ergab, nüt Recht daß er leberkrank wäre. Sein Arzt O'Meara behandelte ihn danach, aber dieser mußte, im Juli 1818 die Insel verlassen, weil ihm der Gouverneur Hudson Lowe nicht Wohl wollte. Ein anderer Arzt, den Napoleon 1819 zuzog, der Marinechirurg Stvkoe, stellte gleichfalls eine Leberentzündung fest, und auch er wurde entfernt.

Nach Stokoes Abreise blieb der Kaiser ohne ärztliche Hilfe Und da er sehr zurückgezogen lebte und es vorkam, daß er sich nianchmal wochenlang in seinem Haus in Longwood vergrub, wurde es für Hudson Lowe sehr schwierig, regelmäßig Nachrichten über ihn zu erhalten. Der beunruhigte Gouverneur, den die Furcht verfolgte, daß sein Gefangener entweichen könnte, drohte , nun, gewaltsam in seine Wohnung einzudringen und ihn zu zwingen, sich täglich einem Offizier zu zeigen. So lagen die Dinge, als Ricketts auf seiner Reife von Indien nach England in Sankt- Helena Halt machte. Napoleon glaubte, daß Ricketts, der ein Vetter Lord Liverpools war, gern als sein Fürsprecher auftreten und vor dem britischen Kabinett seine Verteidigung übernehmen Würde. Die Unterhaltung mit ihm sollte gleichsam der letzte Versuch sein, um den todbringenden Existenzbedingungen ein Ende zu machen. Leider mißglückte dieser Versuch. Mau glaubte in London oder tat, als ob man glaubte, daß der Kaiser sich mit Unrecht be­klagte. Ricketts hörte seine Beschwerden nur skeptisch au. Dies beweist ein langer Bericht an Lord Liverpool, den der folgende Artikel abgekürzt und unter Fortlassuug von Wiederholungen und unrichtigen Bemerkungen wiedergibt.

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Es war gegen vier Uhr," berichtete Ricketts,als ich mich mit dem Grafen Bcrtrand in das Haus Bonapartes begab. In der langen, engen, dnnkleir Galerie, die wir zu überschreiten hatten, standen nebeneinander Diener aufgerecht, und der Graf, der sich Obcrhofmarschall nannte, führte mich in einen ganz kleinen Raum. Bouaparte lag im Bett, um den Kopf hatte er ein rotes Taschentuch geschlungen; er schien schon drei oder vier Tage nicht rasiert. Das Zimmer Ivar fo schlecht erleuchtet, daß es mir nicht möglich war, seine Züge genau zu erkennen, aber als gleich darauf Kerzen hineingebracht wurden, konnte ich sie ziemlich gut sehen. Sein Gesicht war nicht gelber, als man es gewöhnlich geschildert hat, die Augen lagen nicht sonderlich tief, Und meiner Ansicht nach wies nichts darauf hin, daß er leberkrank war oder ein anderes Leiden chatte. Er saß im Bett einem Feldbett hmd hatte den rechten Arm um die Metallstäbe gelegt, den Rücken durch ein Kopfkissen gestützt. Er bewegte sich einigemal, wobei er Zeichen des Schmerzes kundgab. Er schien mir ein wenig schwerhörig. So weit es mir ipöglich war, ein Urteil zu.fällen, erschien er mir viel stärker, als man ihn gewöhnlich schildert. Ter starke Kopf mit den dicken Wangen, der tief in den Schultern faß, die fetten Hände, überhaupt das Gesamtbild war das eines Mannes, der zur Korpulenz neigt.

In brummigem Tone bat er mich Platz zu nehmen, und wie es schien, war diese Aufforderung schon eine ungewöhnliche Ehre. Ich setzte mich ihm gegenüber, Graf Bertrand nahm sich rechts vom Bett einen Stuhl . . . Napoleon drückte sich mit Leichtig­keit aus; wie ja schont chäusig bemerkt wurde, ist seine, Sprach«! energisch und spöttisch. Ich brauchte 'nur wenig zu sprechen, er stellte mir nicht viele Fragen, aber er sagte ötters:Ver­stehen Sie?" Er leitete seine Unterhaltung damit ein, er hätte erfahren, daß ich von Indien nach England zurückkehre und daß ich ein Verwandter Lord Liverpools wäre. In barschem Tone fragte er mich nach dem Grad meiner Verwandtschaft mit dem Lord. Ich antwortete ihm, daß die Grafen Bertrand und Mon- tholou ihm wohl schon erklärt hätten, daß ich nicht ein Bruder Liverpools wäre, wie man ihm irrtümlich erzählt hätte. Napoleon bemerkte nun, daß dieser Irrtum das Vergnügen mich zu sehen. Nicht beeinträchtigte, und ich ebensogut Lord Liverpool über seine Lage unterrichten könnte. Wahrfcheinlich hätten Seine Gnaden keine Ahnung 'von den Beleidigungen und Schändlichkeiten, denen er von Seiten Sir Hudson Lowes ausgesetzt wäre; sonst hätten Sie den Gouverneur schon längst seines Amtes enthoben. Sicher hätten Sie diesen Schritt getan, denn er kenne Seine Gnaden als menschlich und gerecht und Sie wüßten wohl auch nicht, daß, er, der ein schweres Leberleiden hätte, jeder ärztlichen Hilfe be­raubt wäre. t

Sagen Sie Lord Liverpool," fuhr Napoleon fort,daß ich diese Insel, die Leuten mit meinem Leiden verhängnisvoll ist, verlassen möchte. Ich bin seit langem krank, augenblicUich sehen Sie mich bettlägrig, Sankt-Helena ist ungesund, unter den Truppen der hiesigen .Garnison herrscht .große Sterblichkeit. Man sollte mich irgendwo jn Europa unterbringen, aber mich nicht in einem tropischen Klima lassen, in dem ich an Leberentzünduug dahin- fieche. Ihre Minister sollen mir in einer englischen Provinz einen WohNort nitro eifert, sie werden es nicht zu bereuen haben. Ich bin Soldat, und ich werde mein Wort nicht brechen. .Ich weiß, daß man mir einwenden wird, französische Offiziere hätten, als sie in England gefangen waren, ihren Eid gebrochen, aber die in Frankreich gefangenen englischen Offiziere gaben ihnen ein

Beispiel. Ich habe eine Liste ihrer Namen . . . Meine Gefangen­haltung hat Ihrer Regierung schon eine Million Pfund Ster­ling gekostet, und die Ausgaben hier sind wahrscheinlich nicht zu vermeiden. Es ist ein Wahnsinn, so viel Geld zn verschwenden. Es wäre eine bessere Politik, mir zu gestatten, behaglich und mit Komfort in Mropa zu leben, anstatt mich zwischen vier Mauern in den Tropen einzusperren.

Ich halte es für unmöglich, daß Lord Liverpool auch nur die leiseste Ahnung davon hat, wie ich von Sir Hudson Lowe ge­quält und verfolgt werde. Der Spionage- und Polizeidienst, den er hier organisiert hat, erinnert an Sizilien. Er hat mir meinen Chirurgen Ö'Mears entzogen, weil dieser nicht auf seine Absichten eingehen wollte, und er hindert mich, einejt anderen Arzt zu nehmen, obgleich ich krank bin, und er weiß, daß ich zu Bett liege. Er hat bei dem Grafen MontholoN durch seinen Sekretär, Major Gorrequer, einen Brief abgeben lassen, in dem er erklärt, daß, wenn ich mich nicht dem Or­donnanzoffizier zeige, man mit Gewalt in meine Wohnung ein­dringen werde. Sagen Sie ihm, wovon Sie sich ja selbst über­zeugen können, haß mich diese Drohung veranlaßte, die drei elenden Räume, die ich bewohne, fest verschlossen zu halten, und niemand hier eindringen kann, wenn er nicht über meine Leiche geht. Man stirbt nur einmal; ob durch einen Bajonett­stich oder auf andere Weise, ist gleich. Ich bin Soldat, .Wenn man mich ermorden will, soll man es gleich tun! . . . Ich habe die für meine Gesundheit so notwendigen Spaziergänge aufgegeben, so lange Sir Hudson Lowe auf Sankt Helena bleibt, weil ich mich weder selbst feinen Unverschämtheiten aussetzen will, noch diejenigen Personen, an die ich gelegentlich zwei oder drei Worte richte. Will man mir O'Meara nicht wieder schicken, so soll man mir einen französischen oder englischen Arzt senden,- der in keiner Beziehung zum Militär steht und einen guten! Ruf hat. Lord Liverpool sollte hier einen Ehrenmann als Gou­verneur einsctzen, der weiß, was sich gehört, Sir Hudson Lowe ist nur zu niederen Diensten verwendet worden, entweder als Spion oder um ein Korps von Räubern und korsischen Mördern zu organisieren. Er ist hinterlistig, launenhaft, jähzornig und grausam. Beobachten Sie nur seine weißen Wimpern und Äugen- braneu, er sieht doch nicht wie ein Gentleman aus, sondern wie ein wütender gemeiner Kerl. Man hat in London die Prätention,- über mein Wohlbehagen ;u wachen, und glaubt, es mir zu verschaffeu, wenn man viel für mich ausgibt. Aber.Saukt Helena gehört zu den Orten, in denen der Lebensunterhalt unendlich viel kostet. Die Hälfte des Geldes, das man auf dieser Insel verschleudert, würde zu meinem Unterhalt und zu meiner Be­wachung in jedem Teile .Europas genügen. Die gegen mein Entweichen ergriffenen Maßnahmen sind nicht nur überflüssig und lästig, sondern auch für jedermann widerlich. Der .Gipfel des llnsinns ist es jedoch, daß mau augenblicklich ein Hans für mich baut, das Unsummen kostet, und das ich nie bewohnen werde, VMU man michlnicht dazu zwingt. Ich verabscheue diesen Bauplatz, der keine Bäume mehr hat und der Kaserne gegenüber liegt. Ich kann die Nase nicht aus dem Fenster stecken, ohne eine rote Uniform zu sehen, und die Ohren .werden mir von dem Trommelwirbeln weh tun. Ich werde die Wache dort vor meinen Augen ausgepflanzt finden und sogar dasHalt! wer da?" der Schildwachen hören. Kann man als gefangener Sol­dat etwas Schimpflicheres erleiden?"

pflanzen im Aost.

(Eine naturwissenschaftliche Plauderei.) Von Professor Dr. Neger,

Dozent an der Kgl. Forstakademie Tharandt.

Wie kommt es, daß unsere Fichten und Kiefern, Birken und Eichen die fürchterlichste Winterkälte leicht überstehen, während die Bäume milderer Zonen, wie Palmen und Bananen oder gewisse Zimmerpflanzen schon bei mäßiger Kälte.zugrunde gehen? Die Sache erscheint uns selbstverständlich, weil wir sie Jahr für Jahr beobachten; damit ist aber noch keine Erklärung für dieses verschie­dene Verhalten der einzelnen Pslanzenarten gegeben.

Der Grund ist einfach der: alle Pflanzen der kühleren Zonen gehen mit Eintritt der rauhen Jahreszeit in einen Zustand über, Sen man mit dem Winterschlaf vieler Tiere vergleichen könnte, d. h. sie werden wasserärmer, und int Innern ihres Körpers spielen sich mancherlei chemische Umwandlungen ab, vermöge deren die vernich­tende Wirkung tiefer Temperatur auf die lebenden Gewebe aufge­hoben wird. Die Pflanzen der warmen Zone kennen einen solchen winterlichen Ruhestand nicht, sie fallen daher der lebensfeindlichen Kälte zum Opfer, oft schon, ehe die Temperatur unter 0° gesunken ist. Dieseinnere Widerstandsfähigkeit" schützt die Pflanzen unserer Zone viel besser gegen die Kälte als etwa eine Umhüllung mit Haaren und bergt Die Eigenwärme der meisten Pflanzen ist ge­ring, sie haben also nicht viel zu verlieren. Aber wehe, wenn die Winterkälte einbricht, ehe jenerSchlafzustand" erreicht ist oder wenn ein Nachwinter die kaum entwickelten Triebe überrascht. In der Zeit derFrüh- und Spätfröste" erweisen sich auch die här- testeu Pflanzen als äußerst empfindlich. Im allgemeinen ist die Wirkung der Spätfröste verhängnisvoller als die der Frühfröste, weil in Entwicklung begriffene Gewebe weit zarter sind als fettig