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peinlich gewesen, als die Familie Naundorfs die vielen Millionen des Vermögens Bourbon eingestrichen haben würden. Tas aller­letzte Wort ist allerdings noch nicht sm der Naundorfs-Frage ge­sprochen, wenn auch im vergangenen Jahre Gegner der Familie Naundorfs durch genaue Forschungen entdeckt haben wollen, daß der erste Naundorfs der illegitime Sohn eines Soldatenweibes in Halle a. S. gewesen sei. König Wilhelm! II. von Holland war jedenfalls anderer Meinung, als er den alteren Naundorfs in Delft beisetzen und auf das Grabmahl schreiben ließ:Hier ruht Lud­wig XVII., Karl Ludwig, Herzog der Normandie, König von Frankreich und Navarra, geboren zu Versailles am 27. März 1785, gestorben zu Delft am 10. August 1845."

In den Kreis der Tauphinlegende würde auch eine Person eingezogen, über die trotz eifrigster Forschung niemals Sicher­heit geschaffen worden ist: Kaspar Hauser. Tie Lesart, daß Hauser mit dem Dauphin von Frankreich identisch sei, ist allerdings aus zeitlichen Gründen sofort nach denr Entstehen auf­gegeben worden, wenn Jie auch noch hin und wieder Gläubige finden mag. Dafür aber wollen andere ihn mit Bestimmtheit in Verbindung mit der badischen Dynastie bringen, trotzdem seitens des Archivs in Karlsruhe diel unanfechtbarsten Dokumente dagegen vorgebracht wurden. Fassen wir zunächst die Historisch beglaubigten Vorgänge über die Person Hausers zusammen.

Am 26. Mai 1828 erschien bei dem Rittmeister von Wessenig m Nürnberg ein 16jähriger Bursche, um sich als Reiter anwerben zu lassen. Er sei ein Findelkind, und ein Zettel seiner Mutter, den Hauser vorzeigte, bestätigte die Angaben über Datum der Geburt und Taufe. Tiefer Zettel, der den 30. April 1812 als Geburtsdatum trug, machte allerdings schon einen nierkwürdigen Eindruck.. "Von seiner Vergangenheit wußte Hauser wenig zu be­richten, die wenigen Angaben aber machten einen geheimnisvollen, romantischen Eindruck. Er habe stets in einem dunklen Raunt gesessen und keinen Menschen zu Gesicht bekommen. Nahrung und Trank wurden ihm während der Nachtruhe gebracht. Tann sei ern unbekannter Mann bei ihm erschienen und habe ihn gelehrt, den Namen Kaspar Hauser als den seinen zu schreiben. Irr einer Nacht trug ihn der Unbekannte! aus dem Gemach und geleitete ihn ms unter die Manern Nürnbergs. Ter hübsche Bursche, der an­fangs nur wenige Sätze! in oberbayerischer Mundart sprechen konnte, dem auch das Gehen sehr sauer wurde, erregte Aufsehen, besonders durch die aristokratische Form seiner Hände und Füße. Ter Nürnberger Professor Taumer, deut er zur Erziehung über­geben wurde, ^entdeckte an ihm allerdings keinerlei sonderliche Geistesgaben. Seltsamerweise wurde Kaspar Hauser am 17. Ok­tober 1829 im Keller des Professors mit einer Stirnwunde auf­gefunden, die ihm ein Unbekannter beigebracht haben sollte. Dieser fei vermummt in den Keller geschlichen und habe ihn überfallen. Nun wurde Hauser zu seiner Sicherheit bei dem Mägistratsrat Breitenbach untergebracht und erhielt eine Wache. Eine Zeit dar­auf nahm ihn Herr von Tücher in sein Haus, und hier lernte Lord Stanhope den sonderbaren Burschen kennen, um den die geschäftige Fama bereits ihre Legenden spann. Lord Stanhope erblickte in Hauser eine geheimnisvolle Person, deren Leben einer hoben Stelle unerwünscht sein mußte. Er nahiU sich Hausers daher sorgfältig an, ließ ihn mit sich reisen und sorgte in icder Beziehung für seine Sicherheit und sein Wohlergehen. Spater geriet Lord Stanhope durch Widersprüche in den Aussagen Hausers in Zweifel über dessen Ehrlichkeit, nannte jhn dann offen einen Betrüger und zog sich von ihm zurück. Nun brachte inan ihn Nach AnsbachMnd gab ihm einen Schreiberposten auf dem Gericht.

Hauser wurde auch dazu benutzt, um Klarheit über zwei Per­sonen zri verschaffen, die ebenfalls lange Zeit die Welt der Neu­gier in Erregung setzten: dieGeheimnisvollen von Eishausen", einem Dorfe bei Hildburghausen. Dort nahm 1810 ein geheim­nisvolles Fremdenpaar im Schlosse Wohnung. Der Herr mit den Manieren eines Hochadligen nannte sich Graf Vaval de Versah und stand Nur durch Briefwechsel mit der Außenwelt in Verbindung, Übte aber eine ausgedehnte Wohltätigkeit. Dieser Umstand schützte Du wohl vor eingehenden Fragen der Meiningischen Regierung nach Namen und Art. Semd an den Geistlichen des Dorfes ge­richteten Briefe behandelten Fragen der Wissenschaft und Politik: der Geistliche mnßte sie aber sogleich nach der Lektüre der Boteiv- frau wieder mitgeben. Tie Dame des Schlosses ließ sich nie in der Oeffentlichkeit sehen, nur fern sah man sie im Park, selbst vor der Tienerschaft erschien sie dichtverschleiert. Als sie auf ben Tod erkrankte, wurde kein Arzt gerufen. Als sie sttarb wurde sie im Park beerdigt. Ter Graf gab ihre Personalien kurz an: Sophie Botta, ledig, 58 Jahre alt." Man brachte Hauser nach Eishauseu, um vielleicht von ihin durch aufflammende Erinne­rung etwas über die geheimnisvollen ^Fremden zu erfahren oder ihn selbst von dem Grafen erkennen zu lassen. Die Reise war ohne jeden Erfolg. Wohl aber entstand die Legende, daß die ver­storbene Sophie Botta niemand anders als die Tochter Lud­wigs XVI. gewesen sei und sich aus Furcht vor Verfolgungen und Mördern hier verborgen habe. Ms Graf Vaval selbst 1845 starb, schloß man aus seinen Papieren, daß er ein Holländer namens Cornelius van der Valck gewesen sei. Eine holländische Kaufmannsfamilie gleichen Namens erhielt tatsächlich dm Nach­laß des Grafen ausgehändigt, Verwandte und Erben der Gräfin haben sich aber nie genreldet.

Kaspar Hauser sollte sich des stillen Lebens in Ansbach nicht lange freuen. Obwohl er sehr zurückgezogen seine Tage verbrachte und bald im täglichen Leben den Bürgern der ehemaligen Mark-, graseustadt ein gewöhnliches Menschmkind wurde, lebte er in einer beständigen Sorge um sein Leben. In der Tat wurde er am 14. Dezember 1833 mit einem tiefen Stich in der Brust heimi- gebracht und starb drei Tag« später. Er gab zu Protokoll, daß der vermummte Fremde, der ihn schon im Hause des Professors! angefallen habe, sein Mörder sei. Tas Gericht kam bei der Untersuchung zu keinem bestimmten Ergebnis. Jur Schloßgarten zn Ansbach, wo der Mordanfall geschehen sein sollte, steht heute ein Tenkstein mit der Inschrift:Hie occultus occulto occisus est, hier wurde ein Geheimnisvoller geheimnisvoll ermordet." Man hat später die Verwundung in Nürnberg als Komödie Hau­sers ansehm wollen, audji seinen Tod für Selbstmord erklärt, weil Hauser mit seiner Nolle keinen Erfolg in der Welt gehabt habe und statt eines Prinzentitels die Gänsefeder des Äogentz schreibers erwischt habe. Tas ist aber wahrscheinlich nrcht der Fall. Also blieb die Frage offen: Wer hatte ein Interesse daran, den harmlosen Burschen durch Meuchelmord aus der Welt zu schassen? Eine ganze Literatur besteht über den Ermordeten, aber bis heute ist keine zuverlässige Lösung gefunden. Viele Autoren, die in Nürnberg oder Ansbach mit ihm in Berührung kamen, haben jede Aenßerung, die er zu ihnen tat, und jede Beobach­tung aufgezeichnet. Hartnäckig erhielt sich jahrzehntelang der Verdacht, Hauser sei ein Sohn des Großherzogs von, Baden und seiner Gemahlin, der geborenen Stephanie Beauharnais, der Ver­wandten Napoleons durch di« Heirat mit Josefine, gewesen, am 29. September zur Wett gekommen und von der Gräfin Hochberg beiseite geschafft worden. Tas großherzogliche Archiv zu Karls­ruhe hat freilich, als das Gerede zu arg ivnrde, amtlich, die künden über Geburt, Nottaufe, Tod und Beisetzung dieses kleinen Prinzen veröffentlicht, aber es gibt heute noch Leute, die in Kaspar Hauser den unglücklichen Prinzen sehen wollen. Heute beschäftigt sich kaum ein Historiker noch mit der Person des seltsamen Menschen. Tie Frage nach seiner Herkunft wird stets offen bleiben. Er selbst gehört zu denen, die in der Maske durch die Weltgeschichte geschritten sind. .

Höchstens der Beobachter menschlicher Phantastereien grübelt bei der Betrachtung der Vergangenheit nachdenklich über den Reiterburschen, der damals ganz Europa beschäftigte, und der leicht eine politische Rolle Hätte spielen können, wenn sein Geist schärfer und die Szene der Politik eine andere gewesen wäre. Niemand als der Stein int Schloß tzu Ansbach redet heute von ihm. Occultus occulto occisus est.

Die grotze Zigeuner-Hinrichtung im Jahre \n(> in Gietzen.

Tie jetzig« Verfolgung der Gebrüder Ebender wegen der Er­mordung des Förster Romanus erinnert an die große Razzia auf Zigeuner, die in unserer Gegend im Jahre 1725 mit ungleich besserem Erfolg abgehalten wurde. Ter Gießener Chronist Prof. Tr. Buchner berichtet auf Grund des Kalenders von 1728, der sichTer hinkende Und stolpernde, doch eilfertig fliegend und laufende Reichsbote" nannte, über die große Zigenncrbande und deren Hinrichtung das Folgende.

Nicht Teutschland allein ist mit Vagabunden und Zigeunern im Anfang des 18. Jahrhunderts angefüllt gewesen, die eine Plage für die Bevölkerung in Stadt und Land geworden wareir, son­dern ganz Europa klagte über die Verbrechen, die diese Banden vollbringen, und es könnten nicht Galgen nnd Räder genug ge­baut werden, diese Teufelsbrut auszurotten. Die Stände des Oberrheinkreises beschlossen daher, einen förmlichen Feldzug gegen die Zigeuner und andere Landstreicher ins Wer? zu setzen, diese gefänglich einzuziehen und int Fall des Widerstandes solche tot­zuschießen.

So wurden denn auch wirklich auf Hesscu-Tarmstädtischem und Fuldaschenr Gebiet 100 Zigeuner dingfest gemacht. Nach kurzer Gerichtsverhandlung fanden zum Abscheu und Exempel die Hin­richtungen statt und zwar nach der Bestätigung des Urteils durch den Landgrafen Ernst Ludwig als Kreisobersten am 14. und 15. November 1726 in Gießen, am 16. März 1727 in Darmstadt. Ter Abt von Fulda verteilte die Hinrichtungen der auf seinem Gebiet Mitgefangenen Zigeuner auf die Zeit vout 10. Dezember 1726 bis zum 28. März 1727. Tie Namen der in Gießen hingcrichx- teten 24 Männer und Frauen waren: Frmrz und Lorenz Lantpert, Anton Alexander genannt der kleine Galattt ttnd dessen Frau Attna Chrtstine, Johann ka Fortune, HeMperla ,unb_ dessen Mutter Marie Rosine, sowie dessen Frau Anna Maria, Christian Gottfried uni) Johann la Fortnn, Joh. Lorriesgen, Gabriel und dessen Ehefrau Katharina, Heinrich Störtzinger, Becker-Hanns, Hans Heinrich Fourea, Joh. Peter Salentin genannt Funker, Friedrich St. Amur genaniit der Lange, Student Belten und Ehefrau, Joh. la Fourc, Joh. Reinhold, Hans Heinrich Stoffel oder Balanton, außerdem noch 3 Weiber.

Tie Gefangenen waren 'beschuldigt des Mordes an einen ge­wissen Emmerau, des Bandendiebstahls und verschiedener Dieb­stähle und Gewalttaten. Wo die Gefangenen, die alle ziim Tode verurteilt würben, fahrend der weitläufigen Untersuchung in