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sich spiegelte. Er deutete auf eine Schublade, die sich Hoch über unseren Häuptern befand-:
Eine Frau könnte ohne Hilfe nicht dazu gelangen, flüsterte er aufgeregt. Gilbertin-e ist ja groß, aber dazu ist sie nicht groß genug. .Mit Absicht legte ich es in das hohe Fach! '•i
Ich sah mich nach einem Schemel um. Gerade hinter Sinclair stand- einer. Ich lenkte seine Aufmerksamkeit aus diesen Umstand.
Errötend gab er ihm einen Tritt, dann zuckte er leicht zusammen und- ließ sich auf einen in der Nähe stehenden Stuhl fallen. Ich erriet seine Gedanken. Gilbertine war größer als Dorothea. Dieser Schemel konnte gerade Gilbertine gedient haben, für Dorothea war er fast zu niedrig, um sie jene Schublade erreichen zu lassen.
Ich fühlte in diesem Augenblick eine warmherzige Teil- nahme für ihn. Er befand sich ja in einer weit ernsteren Lage als ich. Am nächsten Tage sollte der Bischof anlangen, um sie einzuseguen.
Sinclair, begann ich, der Schemel bedeutet noch lange nichts. Dorothea ist schon einige Zentimeter länger, als du glaubst. Wenn sie auf diesem. Schemel stand und sich auf die Fußspitzen erhob, konnte sie die Lade herausziehen. Außerdem stehen ja da Stühle!
Mlerdings, murmelte er und fuhr auf; da stehen Stühle. Ich Vergaß die Stühle. Ich beginne zu fürchten, daß mir mein Verstand Schnippchen schlägt. Wir müssen noch andere ins Vertrauen ziehen. — Bei diesen Worten dämpfte er seine Stimme zum Geflüster. Irgendwie oder durch irgendwelche Mittel müssen wir ausfindig machen, ob man beobachtet hat, daß eines der beiden Mädchen das Zimmer betrat.
Ueberlaß das mir, sagte ich. Denk daran, daß ein einziges Wort Verdacht erregen könnte, und daß in einem Falle, wie dieser einer ist — Horch, was war das?
Wir hörten hinter dem großen Schranke jemand leise schnarchen.
Wir sind nicht allein, fuhr ich flüsternd fort. -Es sitzt jemand dort hinter dem Schrank.
Sinclair war bereits vorsichtig durch das Zimmer geeilt. Ich folgte ihm auf dem Fuße, und gleichzeitig entdeckten wir in dem Sessel hinter dem Schrank die ausgestreckte Gestalt des Herrn Armstrong, der dort eingeschlafen. war; die Zeitung war seiner Hand entfallen.
Aha, daher sind die Leuchter ausgedreht, flüsterte Sinclair. Das muß Dutton getan haben.
Dutton Ivar der Hausmeister.
Ich blickte nachdenklich auf den Schläfer vor mir.
Er sitzt sicher schon seit einiger Zeit hier, bemerkte ich.
Sinclair blickte auf.
Wahrscheinlich saß er eine Weile hier, bevor er einschlief, fuhr ich fort. Ich habe schon öfters gehört, daß er gerne in der Dämmerung ein wenig einnickt.
Wollen wir ihn nicht wecken? schlug Sinclair vor.
Es wird nicht nötig fein, gab ich zur Antwort urrd zog mich zurück, als sich die 'schwere Gestalt zu regen begann, schwer aufatmete und sich schließlich aufrichtete.
Verzeihen Sie, wandte ich mich, nunmehr mit lauter Stimme, an ihn, indem ich mich höflich verbeugte. Wir glaubten, das Zimmer sei leer.
Herr Armstrong, der zwar etwas langsam von Begriff ist, ermangelt darum keineswegs der Intelligenz. Im -ersten Augenblick betrachtete -er uns allerdings mit schläfriger Gleichgültigkeit, dann erhob er sich schwerfällig, aber alsbald war er wieder der feingebildete, liebenswürdige Und höfliche Weltmann, als den ihn jedermann kannte.
Kann ich Ihnen vielleicht mit etwas dienen? fragte er in ruhigem, beinahe zögerndem Tone, der eigenartig in unseren aufgeregten Ohren klang.
Ich beeilte mich, Sinclair zuvorzukommen, um -einen passenden Ausdruck für die ihm auf der Zunge schwe- beude Frage zu finden, die er doch nicht allzu geradeaus formulieren durfte.
Entschuldigen Sie, Herr Armstrong, wir suchten eben eine Nadel, die Miß Camerden wahrscheinlich hier verloren hat. — Wie hart es mich ankam, ihren Namen in dieser Verbindung auszusprechen, wußte allein mein -eigenes Herz. — Sie war doch eben hier, nicht wahr?
Der höfliche Hausherr verbeugte sich, hüstelte und lächelte in sehr höflicher, aber keineswegs anzüglicher Weise.
Offenbar hatte er nicht die entfernteste Erinnerung, vb sie im Zimmer gewesen war oder nicht.
Es tut mir leid-, aber ich muß gestehen, daß ich für einen Augenblick in diesem Sessel ein geschlummert bin, gestand- er. Der Feuerschein vom Kamin her macht mich immer schläfrig. Aber wenn ich Ihnen behilflich sein kann, rief er aus und trat einen Schritt vor, nach dem er alsbald wieder innehielt und uns mit neugierigen Blicken betrachtete. — Ja. Es war jemand- int Zimmer. Ich erinnere mich jetzt. Es war gerade, bevor mich die Wärme und der Schein des Feuers überwältigte. Ich kann indes nicfjt sagen, ob es Fräulein Camerden war. Es kam mir vor, als sei es jemand mit rascheren Bewegungen gewesen und als habe matt einen. Stuhl zurechtgerückt.
Ich blickte Sinclair absichtlich nicht an.
Fräulein Mnxray? half ich dem Sprecher.
Herr Armstrong antwortete- mit einer seiner tiefen, altertümlichen Verbeugungen, die zweifellos der Braut galt. Dann fragte er:
Trügt Fräulein Murray heute abend- Weiß?
Jawohl, murmelte Sinclair und- trat hastig einen Schritt näher.
Dann ist es wohl sie gewesen, denn als ich hier saß und überlegte, ob ich- der angenehmen Schläfrigkeit nachgeben solle oder nicht, die ich int ganzen Leibe verspürte,, sah ich einen Augenblick ihr Kleid, als sie das Zimmer verließ. Dieses Kleid war weiß — ich denke mir aus weißer Seide. Es sah- sehr hübsch aus in der flackernden Beleuchtung.
Ohne Erwiderung drehte sich Sinclair auf dem Absätze um und schritt wie betäubt auf die Türe zu. Ich gab mir alle erdenkliche Mühe, diese von seiner Seite ganz ungewohnte Unhöflichkeit wieder gutzumachen. Nach der oberflächlichen Bemerkung: „Sie ist wohl hier gewesen, um die Nadel zu holen, die ihre Freundin verloren hat!" wandte ich mich ohne Ueb-ergang einem der Lieblingsthemeu des Bücherwurms vor mir zu und verbreitete mich kühn über den Gegenstand, bis ich am heiteren Ange und seinem plötzlich uttgezwungen werdenden BenehMett erkannte, daß er die unwichtige Episode, die sich eine Minute zuvor abgespielt, vergessen, um sich- aller Wahrscheinlichkeit nach ute mehr daran zu erinnern. Dann, mit einer weiteren Kraftanstrengung, befreite ich mich mit di »er gewissen Oberflächlichkeit von der bevorstehenden langen Beweisführung Herrn Armstrongs. Ich wandte mich znm Gehen, um nach Sinclair zu sehen. Soweit es mich betraf, war die Frage entschieden, wer es g ein cf eit, der die Brosche aus der Bibliothek geholt hatte.
Es war jetzt halb neun Uhr. Ich durcheilte alle Zimmer und ging von feiner Gruppe zur andern, ohne ihn zu finden. Schließlich wandte ich mich wieder der Bibliothek zu. Als ich mich dieser näherte, wurde mein Suchen belohnt : aus einem engen Seitengang kam er in Begleitung Duttons, des Hausmeisters, heraus. Sein Gesicht war, als er die hellbeleuchtete Diele betrat, zwar verstört, aber es wies nicht die völlige Hoffnungslosigkeit auf, die ich erwartet hattet
Er warf mir nur einen Blick zu, daun schlug er die Augen nieder.
Fräulein Camerden hat eine Nadel verloren, erklärte er mir ausdrucksvoll. Dann waitdte er sich an Dutton und bemerkte ohne Befangenheit: Sie muß irgendwo auf der Diele liegen; wollen Sie bitte ein wenig darnach suchen.
Gewiß, erwiderte der Hausmeister.. Ich dachte mir schon, sie habe etwas verloren. Als sie vor einer kleinen Weile aus der Bibliothek heranskam, hielt sie die Hand ans Haar.
(Fortsetzung folgt.)
Gezähmte afrikanische Elefanten.
Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg,- der gegenwärtig als Gouverneur der Kolonie Togo tätig ist, überrascht uns- durch ein von ihm und den Teilneh^ tuerit seiner Expedition verfaßtes, prächtig ausgestattetes Werk über seine int vorigen Jahre beendete Reise durch Zentralafrika. Das Buch erscheint, wie wir schon mitteilten, soeben in zwei reichillustrierten Bänden unter dem Titel „Vom Kongo zum Niger und Nil" Bei Brock Haus, dem Verleger, der dem deutschen Volk schon so viele klassische Werke über Forschungsreisen geboten hat. Wir sind ick


