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früher immer so gern sich hingegeben hatte — er fühlte sich plötzlich verwandelt werden :— fühlte, wie er auf einmal ein anderer Mensch wurde — fühlte, wie das Gewand, das die Zugehörigkeit zu einer andern Kaste bedeutete, in ihm plötzlich Möglichkeiten seiner Seele freimachte, die unentwickelt geblieben wären in dem Lebdn seines eigentlichen iund wahren Berufs.
Ach, wie schön, dachte Wamberg, nun einmal für acht .Wochen nicht mehr ber berühmte und umstrittene Künstler zu sein, sondern ganz wer anders!
Ein kleiner Leutnant — eine Nummer — ein Rad int großen Betrieb eines ungeheuren, wuchtig »ndi sicher arbeitenden Mechanismus.
Untersinken in einer Menge —, nicht Mehr wollen dürfen, sondern einfach müssen — sich korrigieren und an- schnauzen lassen müssen — hinter sich ein Fähnlein grobknochiger Söhne des Volkes — um sich herum die Bilder eines bunten und fremden Lebens.
Wieder im Gefecht sprungweise über den Stoppelacker Und durch Waldesdickicht vorgehen müssen — umbrüllt vom rollenden Hurra und knatternden Schnellfeuer, umschrillt vom vorwärtsdrängenden Kreischen der Signalhörner, vom dumpfen Sturmmarsch der Tambours, um dann am Ziel, Auge in Auge mit dem friedlichen Feind, sich lachend und keuchend an die Erde zu werfen und in rasch gefundenem Schlummer zwischen braunen Schollen und gelbblühenden Ginsterstauden auszuruhen — und dann gestärkt und ge-> Uesen heimzukehren — ein erneuter, verjüngter Mensch, wie Autäus aus der Umarmung seiner Mutter, um wieder zum Pinsel zu greifen und aufs neue .Schönheitswelten aus dem Nichts zu schaffen.
Ach, und dann galt es ja bei dieser Heimkehr, den Einzug in das Land des Menschenglücks — galt es die Vereinigung mit ihr, die er sich zur Gesellin seines Daseins erlesen — mit ihr, die er trotzig herausgerifsen aus einer fremden, starren Welt, um sie mit sich hineinzuführen in die glückselige, heitere Region, in der sein eigenes Dasein sich sonnig entfaltete.
Mit ihr, von der seine Gefühle ihm beim ersten Anblick gesagt hatten, daß sie die Kameradin sei, die er brauche, sie der Mensch, der seinem wilden Kerzen den Frieden schenken würde, die große Ruhe, üt' der allein das große Werk zur Reife gedeihen kann.
Wie schön das alles —■ wie reich und schön! Wie reich und schön dies selbstgeschaffene Leben mit all seinen wechselnden Gestaltungen^.
Wie hell um ihn die Hosfnungsfülle — wie golden vor ihm die Zukunft in Nähe und Weite!
Welches Glück, ein Künstler zu sein!
Welches Glück aber auch, Soldat zu sein — von Zeit zu Zeit einmal untertauchen zu können von der flimmernden Oberfläche der Menschheit her in die ruhig treibende Tiefe hinab, dorthin, wo im Waffendienst ein Kolk geschult wurde zur Wehrhaftigkeit in Krieg und Frieden, zu geschlossen starkem Jneinanderwirken, zu elementari- scher Zusammenballung eines ungeheuren Kräftevorrats!
Und endlich, zu lieben und geliebt zu werden — welch ein Glück — welch eine Schönheit — welch überschwengliche Hoffnung und Gnade!
Ihm war's, als sitze sein Mädchen ihm gegenüber, als seien die tränenschweren, güteschweren braunen Augen auf ihn gerichtet mit der innigen Mahnung: Komm wieder —■ komm bald wieder — du weißt ja, ich harre dein!
Der reisende Mann legte den Kopf tief in die Kissen zurück, schloß die Augen und sprach leise vor sich hin: ^Agathe — Agathe!" ---
(Fortsetzung folgt.)
Der grobe Girgl.
Skizze von Th. Ebner (Ulm).
„Alleweil schier wcichmütig wird mir's," sagte der Herr Kooperator, als wir nach Jahr und Tag wieder einmal vor einem Schoppen im Herrgottswinkel saßen, „wenn ich an den groben Girgl denk' — Sie haben ihn doch auch gekannt, droben den Wirt am Schloßberg?"
Als ich verneinend den Kopf schüttelte, konnte sich der gcist- lrche Herr kaum fassen.
„Xaverl," rief er dem Forstwart zu, der sich eben auch zum Abendtrunk eingefunden hatte. „Hast schon so was g'hört — der Herr Doktor hat den Girgl net kennt."
„Na, na," brummte der alte Jäger in seinen Schnauzbart, „so was — nöt zum glauben. Den Girgl net kennen?"
Ich muß meine beiden alten Freunde nicht gerade sehr erleuchtet angesehen habm. .Denn beide konnten geschlagene fünf U-tinuten lang nur den Kopf schütteln und immer wieder nach dem Maßkrug greifen.
, Girgl, ja," seufzte endlich der Forst-Xaverl, und wahrhaftig, er fuhr sich dabei ganz gerührt über die Augen. „Im vorigen ^ahr, wissen's noch, geistlicher Herr, wie wir —"
Der geistliche Herr nickte nur und sah trüb vor sich hin.
„Und grob hat er sein köiina," fuhr der Laverl fort, „grob sag i Jhna, so was gibt's sonst net."
„Wahr ist's," bestätigte der Kooperator, „das hat ihm keiner nachgemacht. Wenn ich so dran denk, wie er so dagestanden ist vor seiner Tür, breit und behäbig, mit den braunen Augen Und dem schwarzen Barterl, und wenn er hat anfangen schimpfen — krputtirken laudon noch a mol —, wir haben uns nur ang'schaut und sttll sind wir gewesen, wie die Kinder in der Kirchen."
i°' unb wissen's no, die G'schicht mit dem Herrn do aus Berlin?" meinte der Xaverl, und pfiff der Mirl nach einer „Frischen".
Der geistliche Herr lachte hell auf. „Tas hätten's sehen sollen, Herr Doktor," meinte er. „Wir sitzen grad so friedsam am Abend am Tischerl vorm Haus, da kommt einer daher — ich stg. Ihnen, zum Totschießen. Salontiroler sagen's draußen int Reich, vom Kopf zu Fuß, 's ganze Dorf ist z'sammg'rennt. Ter Girgl, wie er das sonderbare G'stell sieht, brummt etwas vor sich hin, schiebt das Hüterl ins G'nack und die Hand' in d' Hosentaschen und bleibt im übrigen ruhig sitzen."
. . „Eine gute Witterung hat der Berliner g'habt, das muß man ihin lassen, er hat gleich g'wußt, wer von uns der Herr ist. „Guten Tag," hat er gesagt, und an seinem grünen Hütchen gerückt. „Grüaß Gott," brummte der Girgl und muckst sich nicht. „Sie sind der Herr Gastgeber," sagt der Fremdling weiter. „Na," sagt unser Freunder!, „der Girgl bin i." — „Ah so," meint der neue Gast. „Der Herr Girgl? Freut mich sehr." — ,,J sag, der Girgl bin i — koa Herr, Sie — Sie — überhaupt —". Aha, denken wir, da schlagt's ein, denn wenn der Girgl den Namen „Gastgeber" hört — da steigt er. —- „Aeh — gestatten Sie —", schnurrt der Berliner, „ich wollte mal — ich möchte — einen Schwcinskopf oder Kalbshäxen, haben Sie vielleicht?" — „I," schreit der Girgl und springt auf, „i, na, Herr Nachbar, aber Sie — Sie, damischer Ochsenrüssel mit frikassierter Gänsleber — Sie." Ja, wenn ich all die Schimpfworte aufzählen wollt, die der Girgl dem fremden Herrn an den Kopf g'schmissen hat. „G'scherter Hammel" war noch eine Liebeserklärung darunter. Der Herr aus Berlin steht da, sperrt Müntz und Augen auf, schnappt nach Luft, wie ein Fisch auf 'm Sand, und wie nun der Girgl die Hemdsärmel hinaufstülpt, Herr Doktor, wie der Berliner aus dem Girgl sein' Hof und aus dem Dorf kommen ist — ich weiß nimmer."
Der Forstwart, der Xaverl, hat gestrampelt vor Vergnügen in der Erinnerung an diese Heldentat des groben Girgl.
„Ja, ja," hat er endlich gemeint, „die faden Mannsleut, auf die hat er's g'habt. Aber die Weibslcut —"
„Xaverl," mahnt der geistliche Herr, „tu' dem Girgl kein Unrecht im Grab! Kannst ihm auch da nix Unrechtes nachsagen. Denkst nimmer an die G'schicht mit dem Malwcib da aus München? Wie die mal des Abends dahergestiegen kommen ist? Schritt hat's g'macht wie ein Riese — und Bratschen hat's g'habt und a Nasen im G'sicht. Wie der Girgl die sieht, hat's ihn g'schüttelt, und er hat ganz ängstlich aus'schaut, wohin er sich drücken könnt. Aber grad breit ist's vor ihn hing'standen, das Malweib und hat ihn nur so ang'schaut von oben bis unten. „Also," sagt's, „du bist der grobe Girgl?"
Was sagt's — du, sagt's zum Girgl, denk ich, na da kannst was erleben.
Der Girgl guckt das Frauenzimmer an, als traut er seinen Augen und Ohren net. — „Was willst," sagt er endlich trotzig/ und doch als ob's ihm nicht ganz wohl wär'.
„A Quartier will i bei dir," sagt das Malweib.
„Geh nüber zum Nachbar," schreit er, „der hat grad en Kuhstall frei." Und dreht sich herum und will gehn.
„He, Girgl," sagt sie und packt ihn resolut am Hoscnband) „höflich bist net, aber g'fallen tust mer do.ch."
Der Girgl guckt die Frau ganz erstaunt an. „Aber du mir net," sagt er endlich.
„Wird schon kommä," meint sie ganz ruhig. „Also, wo ist mei' Stub?"
Der Girgl kriegt einen Kopf so rot wie ein Bibergockell „Na, wenn schon," meint er ingrimmig, „do geh mit der Stallmagd, der Stasi, dia kann der's zeig'n."
Und dreht sich kurz um und geht davon.
„Jo, und denken's, Herr Dottor," sagt der Forstwart, dieweil der geistliche Herr sich mit einem schluck stärkt, „doblieben Ms den ganzen Sommer lang, und der Girgl, der ist erst um's rum gange, wie en bissiger Hund, g'schimpft hat er, daß die Balken im Haus haben kracht und alles ihm aus 'm Weg gangeN is. Aber, gehn's, Herr Doktor, mit beite Weibslcut. Verstanden hat's die mit dem Girgl, klein kriegt hat's den, daß a Freud wax, g'schimpft hat sc, daß der Girgl starr g'wesen ist, untz an Zug


