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seine Arbeiter geschildert, in welcher Lage er sich ber Ueber- nahme des väterlichen Erbes befand.Ich stand," so berichtet er,mit wenigen Arbeitern in einer Reihe. Ter Tagelohn für Schmiede und Schmelzer war damals von 18 Stüber auf 15 Sgr. erhöht, der ganze Wochenlohn betrug 1 Tlr. 15 Sgr. Fünfzehn Jahre lang habe ich gerade soviel erworben, um den Arbeitern ihren Lohn ausbezahlen zu können; für meine eigene Arbeit und Sorgen hatte ich nichts weiter als das Bewußtsein der Pflichterfüllung." Und bei einer anderen Gelegenheit schrieb er: Ich sollte laut Testament für Rechnung meiner Mutter die Fabrik fortsetzen, ohne Kenntnis, ohne Erfahrung, Kraft, Mittel und Kredit. Von meinem 14. Jahre hatte ich die Sorgen eines Familienvaters und die Arbeit bei Tage, des nachts Grübeln, wie die Schwierigkeiten zu überwinden wären. Bei schwerer Ar­beit, oft Nächte hindurch, lebte ich oft bloß von Kartoffeln, Kaffee, Butter und Brot, ohne Fleisch, mit dem Ernste eines bedrängten Familienvaters, und 25 Jahre lang habe ich ausgeharrt, bis ich endlich bei allmählich steigender Besserung der Verhältnisse eine leidliche Existenz errang. Meine letzte Erinnerung aus der Vergangenheit ist die so lange dauernde Gefahr des Unterganges! und die Ueberwindung durch Ausdauer, Entbehrung und Ar­beit, und das ist es, was ich jedem jungen Manne zur .Ausl- munterung sagen möchte, der nichts hat, nichts ist und was werden wiU."

In einem Alter.also, wo andere sich noch in jugendlichen Spielen tummeln können, mußte der junge 'Alfred Krupp eine mühen- und sorgenvolle Tätigkeit übernehmen. Seine Mutter aber war ihm dabei Vorbild und Stütze zugleich: Sie war eine ebenso kluge, wie energische und tatkräftige Frau, und ihr rastloser Fleiß und ihre Unermüdlichkeit gingen auf ihn über, wie er selbst in späteren Jahren ost betonte, wenn er mit "höchster Verehrung seiner Mutter gedachte.

Nur sechs Arbeiter beschäftigte die Kruppsche Fabrik, als Alfred Krupp sie übernahm, und er arbeitete selbst als Hammer- schmied mit. Vorerst stellte er auch weiterhin, wie schon sein Vater es getan hatte, Gerberwerkzeuge, Tuchscherblätter, Münz­stempel und Münzwalzen her besonders aber suchte er die Erzeugung von Gußstahl zu verbessern, und diesem Ziele galten oft bis spät in die Nacht hinein die Versuchet Außerdem war er auch sein eigener Buchhalter, Packer und Reisender, und durch keinen unermüdlichen Fleiß gelang es ihm, weitere Abnehmer für seine Erzeugnisse zu finden. Bald konnte er eine eigene Walzenschleiferei errichten und auch fertige Walzmaschinen liefern. Die Zahl seiner Arbeiter vermehrte er allmählich bis auf 60, so daß der vorhandene Raum in dem kleinen Fabrikbau nicht wehr genügte, und er vergrößerte ihn deshalb von 1835 bis 1837, errichtete ein Hammerwerk und baute eine mechanische Werkstatt in das alte Gebäude ein. 1835 wurde auch schon die erste Dampf­maschine aufgestellt, und zwar eine Toppelhochdruckmaschine von 20 Pferdekräften, die zum Betrieb von Hämmern, Werkzeug- bänken und Schleifsteinen benutzt wurde; und weiter ermutigte ihn die zunehmende Beschäftigung seiner Fabrik, einen 450 Pfund schweren Hammer zu errichten.

Konnte Alfred Krupp demnach schon einigermaßen mit seinem Erfolg zufrieden sein, so mußte er andererseits darauf bedacht sein,_ die Schulden, die auf der Fabrik lasteten, allmählich zu tilgen und einen Teil der dazu erforderlichen Mittel verdiente er durch ein von ihm erfundenes Walzwerk zur Hers­tellung von Löffeln und Bestecken. Diese Fabrikation rentierte ich sehr gut, nachdem die Erfindung in den deutschen Staaten, n Oesterreich, Frankreich und England patentiert worden war, und setzte ihn schließlich instand, 1843 die Herstellung von Büchfeu- und Pistolenläufen aus Gußstahl, und int folgenden die von Kürassen aufzunehmen. Damit begann er die Erzeugung von Kriegswerkzengen, die später in seiner Fabrik noch einen ganz anderen Umfang annchmen sollte, als er Geschütze aus Gußstahl hervorbrachte. ,

Einstweilen mußte er sich aber noch darauf beschränken, die Vorzüglichkeit seines Stahls an kleinen Erzeugnissen darzulegen. Auf der BerlinerAusstellung vaterländischer Erzeugnisse" im Jahre 1844 wurde er durch eine goldene Medaille ausgezeichnet, und dann nahmen die Aufträge weiter zu, so daß die Arbeitep- zahl im Jahre 1846, also 20 Jahre nach dem Tode seines Vaters, aus 142 stieg.

In den 40cr Iahten machte Krupp auch größere Reisen zur Erweiterung seiner Kenntnisse in der Eisen- und Stahlfabrikation, und namentlich in England weilte er einige Zeit, um sich dort über die Fortschritte der Eisenindustrie zu unterrichten und mamtig- fache Erfahrungen zu sammeln. In England knüpfte er auch Verbindungen zur Vertretung seines Werkes im Ausland an, die in der folgenden Zeit noch erheblich erweitert wurden, bis es ihm gelang, in der ganzen Kulturwelt technische und kaust mäunische Agenten zu gewinnen.

Dazwischen arbeitete Alfred Krupp selbst noch unablässig an der Vervollkommnung seiner wissenschaftlichen Kenntnisse, und noch heute beweisen die Randnotizen in zahlreichen technischen Werken der Fabrikbibliothek, mit welcher Gründlichkeit er die Fachliteratur studierte. Er trat auch mit bedeuteirdeit Technikern in Verbindung, um Erfahrungen mit ihnen auszntauschen, und bemühte sich brauchbare Klüfte für seine Fabrik an gewinnen.!

Darin beruhte ja nicht zum wenigsten der Erfolg Krupps, daß er es verstand, an die leitenden Stellen feiner Fabrik hervor­ragende Männer zu berufen und dabei gleichzeitig darauf bedacht zu fein, eine große Zahl tüchtiger Facharbeiter an fein Werk zu fesseln und diese auch in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs zu beschäftigen.

Am längsten arbeitete Krupp an seinem Plane, Gußstahl für die Kanonen zu verwenden, die bis dahin zumeist aus Bronze oder Gußeisen hergestellt wurden. Dieses Material besaß aber wenig Elastizität und Zähigkeit und konnte deshalb dem Druck der Pulvergase keinen großen Widerstand entgegensetzen. ES mußte deshalb um die Lebensdauer der Geschütze zu erhöhen ein widerstandsfähigeres Material gesunden werden: und dafür hielt Krupp seinen Gußstahl, den er aus kleinen Tiegeln gießen und dann hämmern ließ, am geeignetsten.

Er hatte _ allerdings noch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, bis feilte Idee den Sieg errang nicht bloß in der Fabrikation des Stahls und der Konstruktion der Geschütze, sow- deni auch in dem Widerstand der militärischen Fachleute und der Behörden! Sein erstes Kanonenrohr schmiedete Alfred Krupp im Jahre 1847: Es war ein Treipfünder-Tiegelstahl- kerurohr mit gußeisernem Mantel, ein Vorderlader, wie die Bronze- geschütze, aber leichter als diese. Krupp stellte das Geschütz der Preußischen Artillerie-Prüfungskommission zur Verfügung, die ein­gehende Versuche damit vornahm, aber keine Bestellung darauf erteilen ließ.

Es war dies im Jahre 1848, wo die politischen Wirren einen schweren wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands zur Folge hatten. Auch die Kruppsche Fabrik hatte darunter zu leiden und mußte ihre Arbeiterzahl auf 72 einschränken. Trotzdem hatte Krupp seine Mutter und Geschwister, die bis dahin an der Fabrik beteiligt waren, abgefunden und war seither alleiniger Besitzer des Werkes.

Noch immer hielten viele den englischen Stahl dem deutschen überlegen, und deshalb benutzte Krupp die Londoner Ausstellung von 1851, um seine Fabrikate dort auszustellew Am meisten Aufsehen erregten ein Sechspfünder-Gußstahlrohr und ein Block rohen Gußstahls von 4500 Pfund Gewicht, wie ein solcher biss dahin in der Größe und der Güte noch nie gegossen worden war.

Damit war Krupp an die Spitze der Stahlfabrikanten der Welt getreten, und der Triumph, den er in London feierte, kam in Essen dadurch zum Ausdruck, daß er schon im folgenden Jahre die Zahl seiner Arbeiter auf 340 erhöhen konnte.

Ten ersten großen geschäftlichen Erfolg erzielte er mit der Gußstahl-Bandage, d. h. dem Reifenbeschlag ohne Schweißnaht für Eisenbahn-Wagenräder. Der reiche Gewinn, den er aus dieser Erfindung erzielte, ermöglichte es ihm, nicht bloß seins Fabrik zu vergrößern, sondern auch weitere Versuche mit der Herstellung von Gußstahl-Kanonen anzustellen. Ter große Vor­teil, den der Gußstahl für die Geschütze bietet, wurde allerdings erst erkannt, als man gezogene Rohre einführte.

Im Jahre 1850 lieferte Krupp glatte sechspfündige Versuchs- rohre für Bayern und Oesterreich, itt den Jahren 1852 bis 1854 mehrere sechspfündige und zwölfpftindige Rohre für Preußen, ferner 1856 16 und 1857 bis 1858 eine noch größere Zahl glatter Rohre, die in Berlin gezogen wurden. Ein Gewalt-- versuch mit einem Kruppschen kurzen zwölfpfündigen Granat- kanonenrohr, der im Sommer 1854 in Braunschweig ausgeführt wurde, hatte ein ungewöhnlich günstiges Ergebnis. Aber erst fünf Jahre später bestellte Braunschweig nahezu 300 Geschütze, lauter Sechspfünder, bei Krupp, und fast gleichzeitig lief buch von Preußen die erste Bestellung ein; die lautete auf 225 Rohre, von denen 216 nur vorgearbeitet sein und in Spandau fertigt» gestellt werden sollten. Auch aus dem Ausland kamen bereits Aufträge nach Essen, wo die Zahl der Arbeiter bereits 1000 über­stieg. Tas zweite Tausend wurde 1861 überschrittett, das vierte Tausend 1863. Seither wuchs die Fabrik ständig an Umfang, namentlich, als im Kriegs von 1870/71 die Kruppschen Ge­schütze sich so vorzüglich bewährt hatten, und als Alfred Krupp 1887 starb, hinterließ er ein Riesenwerk, das 20 000 Arbeiter Ttnb Beamte beschäftigte. Er war der Brotherr von etwa 65 000 Menschen geworden, und aus dem stillen Landstädtchen Essen mit 4000 Einwohnern hatte sich eine der größten Arbeiterstädte mit 70 000 Einwohnern entwickelt.

Was Alfred Krupp in bezug aus Wohlfahrtseinrichtungeik für seine Arbeiter und Beamten schuf, ist später vielfach vor­bildlich geworden, namentlich, als das Deutsche Reich die Für­sorgegesetze für die Arbeiter erließ. Diese Einrichtungen sind auch unter den Nachfolgern Alfred Krupps, Friedrich Alfred Krupp und "Krupp von Bohlen und Halbach erweitert und vech vollkommnct worden, ebenso wie diese die Werke selbst noch erheblich ausdehnten. Einen Ueberblick hierüber zu geben, wird sich Gelegenheit bieten, "wenn Anfang August dieses Jahres itt Anwesenheit des Kaisers das hundertjährige Bestehen der Kruppe scheu Fabrik in Essen gefeiert wird.

haben wir Lebensmittelteuerung?

Von einem unterer Leser wird uns geschrieben:

Zufällig fiel mir das Anzeigeblatt für den Kreis Grünberg vom «Ijie 1162 in die Hände. Unter anderem Interessanten enthält