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Mrd in einer besonderen Mche gekocht, die sich ebenfalls im Schlosse befindet, aber durch einen Privatunternehmer geleitet wird. Tie Mund-Küche und die Dienerschasts-Mche neben ihr liegen in den Souterrains der Schloßseite, die nach dem Schloßplatze hinausgeht. Tie Fremden-Küche befindet sich in einem ganz anderen Flügel des Schlosses, nämlich an der Spreeseite. Tie hohen gewölbten Hallen, in Denen die Küche untergebracht ist, dienten schon zur Zeit der Kurfürsten zu Küchenzwecken, Und schon vor Hunderten von Jahren ist für den Privathaushalt und die Festlichkeiten der Hohenzollern in jenen Räumen gekocht worden. Tie Fremden-Küche hat in einer kolossalen Halle einen durchgehenden eisernen Herd, der so riesenhaft ist, daß auf ihm für zweitausend Personen gleichzeitig gekocht werden kann. Tie anderen Einrichtungen der Mche: Speisekammer und sonstige Vorratsräume, wie Eiskammern, Geschirrkammern, Wärmeschränke, Backöfen, kleinere Kochherde gleichen durchaus denen einer großen Hotelküche. Um den Riesenherd gruppiert sind große Back- und Bratöfen. Das Rohmaterial für die Küche kommt durch Lieferanten auf Lieferscheine in die Vorratsräume; feines Obst und seltene Fische werden auch wohl von außerhalb bezogen, pder das Obst wird von den königlichen Gärten geliefert.
Tas wichtigste Mr die Arbeit, welche Kaisers Geburtstag Mr die Hosküche bringt, ist natürlich der „Schlachtenplan" oder, um es anders auszudrücken, die Speiseordnung, insbesondere das Mahl Mr die große Galatafel, die am Abend des kaiserlichen Geburtstages stattfindet. Tie gesamten Mahlzeiten für die dreitägige Arbeitszeit entwerfen die Küchenmeister schon wochenlang vor dem Feste und reichen sie dem Hofmarschallamt ein. Hier werden sie geprüft, vielleicht gehen zur Umarbeitung und Aendenmg noch einmal an die drei Küchenchefs zurück. Dann wählt das Hofmarschallamt einzelne ihm passend erscheinende Speiseordnungen aus, legt sie erst der Kaiserin vor und holt am Schluß die kaiserliche Genehmigung ein. Mit der Feststellung der Mahlzeiten ist gleichzeitig das Programm ftir die Arbeit in der Küche genau festgesetzt und kann ohne Aufenthalt zur Ausführung gebracht werden.
Tie Arbeitskräfte ftir die Fremden-Küche werden nur zum Teil aus der Mund-Küche geliefert. Natürlich übernimmt einer der Küchenchefs die Leitung in der Fremden-Küche, und die Reserve- Köche der Mund-Küche werden nach der großen Fremden-Küche hinüberkommandiert. Mer aus dm Hofküchen von Potsdam kommen die gesamten Köche, kommt das weibliche Personal, das in der Küche tätig ist, und gewöhnlich wird auch noch Hilfspersonal, Köche und geübte weibliche Personen Mr das Abwaschen, Spülen, Geflügelrupfen usw. für die Festzeit engagiert. Tie Küche ist auch darüber unterrichtet, aus wieviel Personen das Gefolge und die Dienerschaft der zur Geburtstagsfeier eintreffenden Fürstlichkeiten besteht. Darüber hat sich durch Korrespondenz mit den betreffenden Hosbehörden das Hofmarschall- amt unterrichtet und der Küchenleitung Mitteilung gemacht.
Schon am Vorabend von Kaisers Geburtstag tritt noch eine dritte Küche in Tätigkeit, nämlich die Abteilung, die für die Dienerschaft der Gäste kocht. Das Schloß in Berlin ist ein Flickwerk, dessen einzelne Teile im Lause von Jahrhunderten aneinandergefügt worden sind. Für moderne Bedürfnisse und Einrichtungen ist der Ban gänzlich ungeeignet, und alle Versuche, die man gemacht hat, Wandel zu schaffen, sind- fehlgeschlagen. So liegt z. B. die Küche Mr die fremde Dienerschaft nach der sog. Schloßfreiheit hinaus, gegenüber dem Denkmal Kaiser Wilhelms I. Dort befinden sich auch die Anrichteräume Mr die Galatafel. Zwei Tage vor Kaisers Geburtstag ist die Fremden-Küche in Tätigkeit getreten. Es sind die Vorbereitungen in den verschiedenen Abteilungen der Mche zu treffen. !Die Konditorei bäckt auf Vorrat Süßigkeiten, bereitet Gelees usw. vor. Die Sauciers treffen Vorbereitungen für die kalten und warmm Sanem, und die bildhauerisch veranlagten Köche, welche die großen Tafelaufsätze zu dekorieren haben, modellieren in Fett und Talg figurenreiche Gruppen, die zur Dekoration von Prunkschüsseln bienen. Die Vorräte von Geflügel, von Brateustückm werden in Verarbeitung genommen und, tote der Wchenausdruck lautet, „tresfiert". Tamr kommen sie in die Kühl- xäume, um für den Augenblick des Gebrauchs fertig zu sein.
Am 26. Januar liefert die Mnnd-Wche wie gewöhnlich! das Dejeuner Mr die Kaiserfamilie und für das Gefolge. Am Abend aber findet gewöhnlich schon Familientafel statt; die näheren Verwandten des Kaisers sind bereits mittags oder am Morgen ein» getroffen, und die Abendtafel ist reichhaltiger als sonst. Im Laufe des Abends treffen dann. die fremdm Fürstlichkeiten mit Gefolge und Dienerschaft ein, und für diese hat die Fremden-Küche sowie die Dienerschafts-Küch!e natürlich die nötigen Speisen vor- Wbereiten und herzustellen.
Der große und schwere Tag für die Hosküche ist der 27. Vom frühen Morgen an hört die Arbeit nicht mehr auf. Um nicht die Wche in gewissen Augenblicken zu überlasten, frühstückt natürlich zuerst die fremde Dienerschaft, dann das frembe Gefolge. Dann muß das Frühstück für die fürstlichen Gäste fertig sein. So geht es auch mit dem Dejeuner. Bevor die große Galatafel beginnt, muß die Dienerschaft der fremden Fürstlichkeiten ihre Hauptmahlzeit haben. Das Gefolge speist ja au der sogenannten Marschall- Tafel, die in mrderen Räumen als die Galatasel, an der nur die Fürstlichkeitm sitzen, ausgestellt ist.
Ehe aber die Speisen und Getränke aus die Galatafel und' die sogenannte Marschall-Tafel kommen, sind gewaltige Schwierigkeiten zu überwinden. In der Fremden-Küche auf der Wasserseite des Schlosses wurden die Speisen fertiggestellt und auf Schüsseln gebracht. Die mit Metallglocken überdeckt sind. Die Ausgabe der Speisen erfolgt in der sogenannten Timerschafts-Küche, die für die Berliner Tienerschast bestimmt ist. Von dort aus müssen die Schüsseln über drei Schloßhöfe bis nach der Schloßfteiheits-Seite hinübergetragen werden. Man verwendet dazu Diener und zieht gewöhnlich bei großen Festlichkeiten, so auch bei Kaisers Geburtstag, Soldaten zur Hilfeleistung heran. Meist sind die Speisen, wenn sie über die drei Höfe hinübergetragen worden sind, stark abgekühlt und koinmen nun augenblicklich wieder in Wärmeschränke, die sich in den Souterrains der Schloßfteiheits-Seite befinden. Es war unmöglich, diesen Uebelstand bisher zu beseitigen. Man wollte von der Wasserseite bis zur Schloßfteiheits-Seite des Schlosses längst einen unterirdischen Tunnel bauen, auf dem eine schmalspurige Bahn die Speisen rasch befördern sollte. Tie Ausführung dieses Planes ist aber unmöglich geworden.
Nachdem die Speisen in den Wärmeschränken im Souterrain der Schloßfreiheits-Seite wieder genügend angewärmt worden sind, gehen sie auf Fahrstühlen hinauf in dm ersten Stock. Hier befindet sich die eigentliche Anrichte, wo Küchenmeister mit Köchm eifrig tätig sind, um die Speisen zum Servieren bereit zuhalten. Die Schüsseln stehen auf Heizkörpern, auf sogenannten „Rechauds", und wenn sich vielleicht durch einen Trinkspruch das Anrichten einen Augenblick verzögert, werden die Braten fortwährend mit glühend heißem Fett überstrichen. Tann endlich holen Lakaien die Schüsseln zum Servieren aus der Anrichte nach dem Saal, überreichen sie hier, wenn es sich um die höchsten Fürstlichkeiten handelt, den Pagm, und die Pagen geben die Schüsseln an die Leibjäger, die hinter den Stühlen ihrer Herren oder Damm stehm uird bei Tafel servieren.
Tie Schüsseln, die aus dem Saal zurückkominen, weisen natürlich noch immer sehr achtbare Reste von Speism auf. Tiefs Schüsseln gehen auf einem Fahrstuhl in eine höhere Etage. Hier werden die Reste sorgfältig von dm Schüsseln genommen und verwahrt, um sie in der Küche weiter verwenden zu können. Dann gehen die Schüsseln aus Silber und kostbarem Porzellan sofort in einen Nebenraum, um hier gereinigt zu werden, und in einen weiteren Raum, wo die Beamten der Hof-Silberkammer alsbald wieder die kostbaren Geschirre von Silber und Porzellan in Empfang zu nehmen und in die wohlverwahrten Borratsräume bringen.
Am 28. Januar, am Tage nach Kaisers Geburtstag, ist gewöhnlich ein Teil der Fürstlichkeitm noch amvesend, und zum mindesten muß erstes Frühstück und Dejmner wiederum in derselben Reihenfolge Mr die frembe Tienerschast, das Gefolge und die Fürstlichkeiten beschafft werden. Bis zum Nachmittag sind fast sämtliche Gäste ab gereift, und das Tiner wird von bet Mund- Küche allein hergestellt. 'Die Fremden-Küche aber hat auch an biefem Tage noch mit Abrechnungen, Konservierung von Resten uno Aufräumungsarbeiten zu tun, um bann geschlossen zu werden, bis sie bei der nächsten großen Festlichkeit, die in wenigen Wochen folgt, wieder geöffnet wird.
Freiburger Aarzer- und Sankpoefie.
R. K. Freiburg i. Br., im Januar.
Am 22. November 1911 ist der neue Karzer der Universität zu Freiburg i. Br. durch einen Delinquenten feierlich eingeweM worden. Noch strahlen die Wände dieses neuen, in dem mächtigen Turm eingerichteten Lokals in blendendstem Weiß, aber wenn die Frequenz so stark wird, wie zu erklärten ist, werden auch hier gar bald Wände und Türen, Stühle unb Betten, OeseN und Fenster in ähnlich bunter Farbenpracht schimmern wie int „alten" Karzer, der eine 111jährige Geschichte hinter sich hat. Wasj in ihm und auf den meist sehr alten Sitzbänken der Hörsäle an Inschriften unb Schnitzereien noch zu finden war, ist jetzt zum elften» mal gesammelt worden und zwar von dem „ältesten Semester" der Freiburger Studentenschaft. (Tas Büchlein, das tiefen „111 Jahren akademischer Holzschneidekunst" gewidmet ist, erschien in der Rheinischen Buchdruckerei zu Düsseldorf.)
Oeffnet man am Karzer die erste Tür, so liest man in großen Buchstaben auf der zweiten:
Hotel für Gemütskranke. Grüß Gott, tritt ein! Entree frei.
Kinder die Hälfte.
Abonnements sind Kaiserstraße 51, Zimmer 1?, erhältlich.
Und gleich links neben der Tür liest man unter her Uebcrschrifk „Fremdenbuch" das einführende Gedicht:
Hier stehen aller derer Namen, Die öfter hier zusammen Samen, Wie sich besannen hier zur Buß' Hans Bartsch und Karl Pactenius.
In der Nähe ruhen unter Glasscheiben die photographischen Aufnahmen einftiger Logierbesuche des gastlichen Raumes. Sehr


